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Jüdische Presse · 1932-11-25 · 46 (25.11.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
46 (25.11.1932)
Date
1932-11-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ffrtilifflrä vyptatnc pevolene riadit 1m$t n telcgrnfo* f Bratislava 618. 41572-111-20. Zeitungen vom Verleger versendet. Journal cxp£dic par!“1editeur. V. b. b. ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN Redaktion ü. Administration: Wien, II., Malzgasse Nr. 12 a. — Tel. A-48-4-15. Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß; Mittwoch Mittag Abbnnerticntspreise: Ganzjährig: Für. Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K 80, das übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer Öst. Gr. 40. ׳ . vU'• Zan1u11|!fcn aul Konto «Jüdische Presse‘, Wien für Otst *f reich 1 Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschland« Postscheekkonto BeiUn Nr. 122619; Jugoslawiens Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen « PöSlspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn« Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz« Post* scheckk. Zürich VIII. 4117; lüf die Tschechoslowakei i , Jfl* dische Presse*, Biattsliva, Postspk«*Amt Prag Konto Nr.53386 Nr. 46 Wien-Bratislava, 25. November 1932 •18 ביה וינא־סרעסבויג כץ חשק תוציג. Jahrg Viel versprochen — wenig gehalten. Kiesiges Bevölkerungsdefizit der Wiener Juden heit —Die Ausgaben der Riiltusgemeinde für Kultus- * und rituelle Angelegenheiten. ' T11 unzähligen .Wahlveranm.iniungen werben zurzeit' neun Parteien um die Stimmen fiir die Wahl in ׳den Vorstand der Wienei־ Israelitischen Kultns.gi'meinde. Alle versprechen!sie. eine neue Periode der Blüte dieser drittgrößten europäischen. Judengemeinde her!beifiiIrren zu trollen. Nicht •anders war es vor vier Jahren als nur fünf Parteien in allen Tonarten der tiefsten Heber- Zeugung ׳da.s selbe versprochen haben. So in den Wahiervcnsaminlungen. Ganz •andere Eindrücke bckommt mau aber, wenn .mau die Berichte liest, welche ,der Kultus verstand ■über seine Tätigkeit veröffentlicht. Auch diesmal erhielten wir einen!Bericht über die Tätigkeit in der Periode 1929 bis!932, iliul schon die flüchtige Lektüre zeigt, daß über diese Tätigkeit de.r Spruch gefällt!werden muß: 'Viel, versprochen, wenig gehalten! Wir wollen in unserer kritischen Umschau gleich (las Wesentlichste und gleich,zeitig Schrecklichste aus dem Leben unserer Kultusgemeiudc herausgreifen. Im. Jahre 1931 sind in Wien 1064 Kinder von jüdischen Müttern geboren , worden, . von denen 40 •Ortsfremde waren: .wenn wtir noch ’־bin zu fügen, daß von den obigen Geburten 42 Totgeburten waren, so kommen in dem verflossenen Jahre auf das jüdische Wien nicht einmal!000 Kinder: das sind, die Seelenzahl des jüdischen Wien mit 200.000 angenommen, 3 Lebendgeburten pro 1000 Juden. Die schrecklichste Ziffer, die man sich vorstellen kann. 'Diesbezüglich hat Wien, nun schon das verrufene Berlin überflügelt. Noch schvepkUchei־ wirkt diese Ziffer, .wenn wir zunächst um zehn Jahre zurückblättern und die Geburtenzahl des Jahres'1931 mit jener aus dem Jahre 1921 vergleichen. Jan Jahre 1931 sind in Wien 5080 Judenkinder auf die Weit gekommen — .im Jahre 1951 nur 1064, also nur ein D r i t t e 1 davon. Um die katastrophale Tragik dieser Ziffer ganz zu verstehpn, wollen wir nöch kurz hinzufxigen, daß im . Jahre 195( in Wiejj 2735 (im Jahre 1931 2868) Juden gestorben sind. Zu diesen Kataströphenziffern kommt noch die Zahl der Ausgetretenen, die sich im Jahre 1931 auf 749 beläuft, wobei allerdings 296 Eintritte, bzw. Wiedereintr.itte, •zu berücksichtigen sind. •Die entsprechende Verglechsziffer aus dem Jahve 1921 ergibt 1062 Austritte gegen 412 Eintritte und Wiedereintritte. Als Schlußbilunz bleibt für das Jahr 1931 ein Bevölkerungisdefizit von 2 024 gegen ein!Defizit ׳von 458 im Jahre 1921: somit hat sich dieses 'Defizit innerhalb ,zehn Jahren nahezu verfünffacht. Wir betrachten diese Defizitsiumue als charakteristisch für die Wiener Kultusgemeinde. Unsere weisen Gemeindevütef denken, da sie mit der wahren jüdischen Religion nur ganz lose Beziehungen unterhalten, über dieses schreckliche!Defizit, •wie die meisten areligiösen Großstadtmenschen; Dieses Defizit *st die Folge der Wi r ts c 11 a f tsk r is e. Wir orthodoxen Juden sagen; Dieses schreckliehe Defizit, diese Selbstvernichtung des modernen Großstadtjuden., ist die Folge der religiösen Defizitwirtschaft, welche •die!Wiener Israelitische Kultusgemeiudo seit ihrer Wliederaufrichtung auf u m v e 1 i g i ö s e n Grundlagen betreibt. « Diese tinreligiöse Defizitwirtschaft besteht hauptsächlich darin, daß die Wiener Kultusgemeinde für Kultus- und rituelle A n g e!1 e g e 11 h e i t e n, also fiir ihren. Hnnptdnseinszweck 1.000.000 (eine Million) Schilling, ein Sechstel ihres 6,000.000-S- Budgets, nufwendet, hingegen Fürsorgezwecken 2,250.000. fast 40 Prozent desselben, widmet. W ir wollen, nicht mißverstanden werden: Fürsorge ist eine eminente, heilige, große, jüdische Aufgabe. Sic greift ein, wo Not, Krankheit, Siechtum an dein gesundouKörper •würgen. Nur ,im!Budgeteiner .kr«!1 k e n Kultusgemciiide kann der Für,sargeposten jenen von Kultus- und rituellen •Angelegenheiten um 125 Prozent übersteigen. Eine religiös •.•gesui1.de Kultusgemeinde müßte für Kultus- und rituelle Angelegenheiten m e 111־ als־ fiir Fürsorge•/.wecke verausgaben1. 40 Prozent des Gesamtbudgets der Kultusgemeinde fiir Fürsorgezwccke bedeutet 'das ungeheure Anwachseu der kör perliehen N o t, bloß..16 Prozent für Kultus- und rituelle Angelegenbeiten bedeutet eine vollkommene Verstündnislosigkeit gegenüber der noch größeren religiösen Not der WileiieV Jmlehschaft. Wenn, man aber den wahren Tatsachen klar ins Auge blicken will, so muß noch gesagt werden, daß der Riesenanteil der für Kultusungelcgenheiten bestimmten :1,000.000 Schilling im großen und ganzen für 6 Gemeindeteinpel aufgewendet werden, in denen ein kostspieliger, prunkhafter G-ttesdiensl zelebriert •wird, während für die kleinen 78 Vereins- und Privutbctlnhisev, in denen wirklich religiöses Leben herrscht, •wo die •Wiener Juden morgens und abends ihre Andacht verrichten, wo sie in jüdischen Kenntnissen durch tägliche, populäre Vortrüge unterwiesen!werden, insgesamt nur S 140.000 aufgewendet werden. Für die Not dieser kleinen Bethäuser, für die unerhört schlechte* Besoldung ihrer Rabbiner uud anderen ■•Funktionäre hat die Kultusgemeinde nicht viel übrig. Diese kleinen Bethäuser sind der Kern der Wiener Orthodoxie. Ist es bei einer derartigen religiösen .Defizitwirtschaft, an welcher dio Vertreter der Orthodoxie zwölf Jahre hindurch nichts Wesentliches ändern konnten, verwunderlieh, daß nun der orthodoxe Jude täglich fragt, was für einten Sinn es habe, Vertreter in dfbn Kultus- Vorstand zu entsenden, was für .einen Sinn es habe, die sch werverdienten Groschen als •Kultussteuer an eine K ul t u s gemeinde abzuführen, welche fiir Kultus- und rituelle Angelegenheiten von S 100 nur S 16 verwendet und von diesen S 16 auch nur S 1 für solche Kultus- und rituelle Angelegenheiten, welche auch der orthodoxe Jude mit ruhigem Gewissen in Anspruch nehimlhu kann? L. L. kaufen Sie gut und“ billig bei RUDOLF BERMANN WIEN I, SALZTORGASSE 1, TEL. U-R4-4 E0 DetaiLzu En-gros-Preiseri Briet aus Berlin. Ihre freundliche •Aufforderung, Ihnen einen Borlinor Brief zu schreiben, deckt sich mit meinem Wunsch, einem weiteren Kreis von Gesinnungsfreunden über die Berliner Verhältnisse Kunde zü geben. Ich wohne zwar noch keine zwölf Monate hier, ich darf fiir mich aber den Charakter eines vollberechtigten und vollverpflichteten ״Berliners“ in Anspruch nehmen, auf Grund der Entscheidung: הרועד, לקבוע בעיר נזיד הוי כאנשי העיר (Chauschön ■Mischpot 163. 2). Ich vermute, daß Sie von mir nichts über die politischen Verhältnisse der deutschon Reichsbauptstadt' wissen wollen, ja. daß Sie nicht einmal einen Bericht über das gesamt jüdische Leben ■Berlins erwarten, sondern Mitteilungen Uber das Leben unseres Kreises, des Kreises der Adas J i sr ne 1 z 11 ß e 1־ I i 11. Und daß ich, wenn auch erst kurz, aber doch schon bald dreiviertel Jahre hier weilend, nur über diesen Kreis überhaupt berichten könnte, denn das ganze rcligiöse und geistige Leben spielt sich für Menschen meiner Gesinnung innerhalb dieser Gemeinde ab, sie ist die Kchillo, die allein und aus eigener Kraft fiir alle unsere Bedürfnisse sorgt, dies ist eigentlich das Wich-, tigste und Wertvollste, was ich über die Berliner Dinge Ihnen zu sagen wüßte. Die Adas Jisroel, eine der großen Schöpfungen E s r i 0 l 1 [ i 1 d e s h 0 i m e r s, wird, von seinem hochverehrten Nachfolger, unserem .Raw Rabbiner :D r. E s ra M unk, so eindeutig, gradlinig und fest gesteuert, dalLndie dürclifbareii Wi.rtscliaftsnöte wohl die Mauern der Gemeinde umdrüugen, sie aber nicht rissig machen. Trotz starker Verarmung ihrer Mitglieder führt die Gemeinde ihr kräftiges Eigenleben, ohne ihre nur durch das Hecht der Thora •bestimmte Form der Ver- Fassung auch nur im mindesten durch Konzessionen au andere Kreise, von denen sie •Geld für ihre über die Gemeinde hinaus wirksamen Institutionen erhalten könnte, jetziger oder auch nur späterer Gefährdung auszusetzen. Ich denke hiebei vor allem an das grandiose Schulwerk der Adas, welches, von ■Direktor Nachman Schlesinger geleitet, fast 900 Kinder in Volksschule, Gymnasium und Lyzeum betreut. Daß die Adas Jisroel so auch •heute״noch als •ein festes Bollwerk unseres orthodoxen Judentums, ,Nachahmung heischend und andere zur Ausdauer spornend, ';ins Land, ja, in die Lande hinansragt, •dies ist nach dem Raw der Leitung unserer Gemeinde, deren Vorstand ■in selbstloser Hingebung Martin Bon di, deren Repräsentantenversammlung in fester Klugheit Doktor Eduard B i b e r f e 1 d führt, vor allem aber beispielloser Opfer,fähigkeit der Gemeindemitglieder zu danken. Dies ■Zusammenwirken von Führern und Gefährten gibt unserer Gemeinde ihre ■Kraft und!Schönheit. Nicht was er der Judenheit an geistigen Werten gab, das, was' er in praktischen!Einrichtungen für sie getroffen, bezeichnet Schlaumau Hamelech nach dem schönen, jüngst in Ihrer Zeitung durch Dr. Deutschlüiuler wieder in Erinnerung gebrachten Wort des Wilnacr Gaon als חלקי מכל עמלי. In diesem Sinne ist •der B a al b 0 s d e r Ada s Jisroel vielleicht auch mehr ein Manu •praktischer Frömmigkeit als theoretischen Denkens. Ein großer Vor- ׳zug, aber auch!Mängel zugleich. Denn ״die Gewohnheit wird zur Natur“, die selbständige, unabhängige, von allein Kompromiß freie Thoragemeinde, die anderen das unerreichbare Ideal in den Lüften ist, sie ist hier da. ■Ihr Dasein ist aber so selbstverständlich, daß man die Qual und den Druck des Andersseins nicht kennt. Und vor allem der J u g e n d wäre cs gut und ■nötig־, wenn man sie mehr mit den großen, prinzipiellen Gedanken, deren organisatorischer Ausdruck diese Gemeinde ist, mehr und inniger vertraut machte, daß das Elternerbe ihr erworbener, und darum in ihrem Eigenleben stärker verhaftetet* ׳Besitz wird. Ist der Jugend Adas jisroel zu selbstverständlich, als daß sie sich der Größe des Besitzes bewußt würde, so gilt ־ hinsichtlich der vielen Ostjuden das Umgekehrte: Ihnen ist der Gedanke der selbständige». Orthodoxie zu fremdartig, als daß sie, von Ausnahroeii, spezioll unter der Jugend abgesehen, von selbst zur Adas WWff mm ׳T' trotz der Dwlsmiperrg die Verbindung:;mit dem Auslande .aufrechtzuerhalten, habe ich nunmehr ein großes Lager fertiger Perücken aller Nuancen vorbereitet, um den durch Wien reisenden Damen eine individuell dem tsesi^lt entsprediend modellierte Perüdce innerhalb sechs Stunden liefern zu können Besitzer der weltbekannten Periicken*Kun$twerk{tätte Wien I, Kärntnerring;6

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