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Jüdische Presse · 1932-11-11 · 44 (11.11.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
44 (11.11.1932)
Date
1932-11-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ORAAM niR ■IC INTEJIC8SEM DK« ORTHODOXEM JUDENTUMS. Zeitungen vom ViffipF tiffitttfti Jöütääl Mp^dk pdf ridltet». Novteov* *fplÄtt# povoteii* riadiL p««i 8 icfegftldt f Bfatislave Sis. 4I$72«III*2#. Redaktion u. Administration! Wien, II.,. Malzgasse Nr; 12 a. — Tel. A-48-4-15. Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K 80, das übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer ösf. Gr. 40. Zstttttüfiett auf Konto *Jüdlsrhe Presse*, Wien für Oest er reich t Postsparkastenkonto Nf. D-93614; Deutschland» Post•* scheekkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien! Postspk.*Amt . Zagreb Nr. 40217; Polet!! PostSpk.*Amt Warschau Nr, 190409; Ungarnt Postspk.-Amt Budapest Nr.60170; Schwele! Post* schickk. Zürich vm. 4117; für die Tschechoslowakei!.JOdlsche Presse״, Biatlslava, PostSpk.*Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 44 Wien-Bratislava, 11. November 1932 .ב*ח וינא-סרעסבות י־ב חשק תרציג 18. Jahrg. Wahlen. Das von Wirtschaftskrisen und politischen Sorgen •bedrückte jüdische Gemüt wartete mit besonderer Sehnsucht auf den Ausgang der Reichstagswahlen in Deutschland und die Präsidentenwahl in Amerika, welche dem Weltgeschick eine bessere Wendung bringen sollen. In Deutschland wurde am 6. November die große Wahlschiacht geschlagen. Den Zweimillioneri-Stimmenverlust Hitlers, der ihn 35 Mandate gekostet hat, ist gewiß ein freudiges Ereignis, wenn man dieses als Symptom wertet. Dem ungehemmten Siegeszug des Nationalsozialismus wurde zum ersten Mal Halt geboten. Wir möchten aber trotzdem nicht in die Siegesposaunen stoßen, die allenthalben wegen dieser Niederlage Hitlers ertönten. Es wäre gefährlich, die Situation unserer jüdischen Brüder in Deutschland, dieser kleinen Erleichterung zuliebe, als rosig zu betrachten. Es ist unsagbar, aus wieviel Giftquellen des Hasses, welche der Hitlerismus erschlossen hat, todbringendes Verderben gegen Juden und Judentum in Deutschland, und nicht nur dort, fließt. So weit das deutsche Sprachgebiet reicht, — und noch darüber hinaus — wird Schmutz und Schimpf gegen uns geschleudert. Nach jeder Niederlage und Schlappe verstand es die haßerfüllte Propaganda, n e u e Lügen und Verleumdungen gegen die Juden zu produzieren. Auch diesmal wird! es wähl'nichtäü'dieFsr ^IhrUnd‘''wir"Smd leider nicht in der Lage, die nichtjüdische Umwelt durch sachliche Aufklärung gegen dieses Gift immun oder widerstandsfähig zu machen. Aber auch die, unseres Erachtens wirksamere Abwehr der inneren■ St ärkung des Judentums ist noch nicht organisiert. Die Zerklüftung innerhalb, unserer Reihen besteht unvermindert, wie. ein-- stens, da man noch glauben durfte: europäische Humanitat, moderne Staatsverfassung, ־Gleichberechtigung und Sicherung der Menschenrechte sei!auch den Juden gewährleistet. Wissen ist Macht! Wie oft haben wir von nichtjüdischer Seite diese lapidare Wahrheit gehört, als es galt, das jüdische Kind fremden Wissenschaften zuzuführen. Wissen ist Macht! sagen auch wir. Nur jüdisches Wissen kann dem jüdischen Menschen die Macht verleihen, unter allen Umständen dem Judentum Treue zu bewahren . und doch sehen wir noch nirgencls, daß unter dem ungeheuren Druck der haßerfüllten Umweh .die Umkehr der jüdischen Jugend zu jüdischem Wissen sich vollzöge. Von diesem Gesichtspunkte aus wird der Sieg der Kommunisten in Deutschland, die es auf 100 Mandate gebracht haben, als eine Warnung wirken. Nur allzubald wird der Kommunist der Weggenosse imd Kamerad des Nazi. Der Nationalsozialist mag den Juden wegen seiner Rasse nicht leiden, er haßt ihn; der Kommunist b ekämpft wieder das Judentum als Religio n. Daher können wir über den Sieg der Kommunisten in Deutschland keinesfalls froh werden. Der Vernichtungskampf gegen die jüdische Religion in Rußland mobilisiert neue Kräfte in Mitteleurropa, die uns sehr gefährlich werden können. --- Der europäische Geist wendet sich nun enttäuscht nach Amerika, das heute eine der wichtigsten jüdisehen Positionen geworden ist. Die furchtbare Wirtschaftskrise hat nicht nur die wertvolle Hilfe der amerikanischen Juden für ihre notleidenden Brüder in Mittel- und Osteuropa verschüttet, nicht nur den politischen Einfluß des amerikanischen Judentums gemindert, sondern sie hat auch wertvolle jüdische Kulturinstitutionen in Amerika selbst erschüttert. Das Judentum ist an dem Ausgang der Präsidentenwahl nur. insofern interessiert, soweit die Entscheidung eine bessere Wohlfahrt gewährleisten kann. Die Wahl des Demokraten Roosevelt läßt erwarten, daß nunmehr in Amerika die ״Prosperity“ wieder einsetzen wird. Wird nun. aber die Wirtschaftslage in Amerika besser, so wird aus dem Ueberfluß unserer amerikanischen ■Brüder auch für unsere Institutionen in Europa das Heilmittel erwachsen, das uns in die Lage versetzen wird, die Institutionen zu schaffen, an denen Geist und Gesinnung unserer Jugend jüdischer als bisher werden gestaltet werden können. Eine in seinem Judentum starke Jugend wird dann gese!denwaren kaufen Sie gut und billig bei RUDOLF BERMANN WIEN I, SALZTORGASSE 1. TEL. U-24-4-50 Deiail zu En-gros-Preisen duldig und’ in ihrem Wesenskern gesund abwarten können, bis die Fluten der gehässigen Sintflut abgeflaut und verschwunden sind. Seid einig f Während der ׳Sakko Alltage!ging der Schreiber dieser Zeilen in Gesellschaft :eines ihm befreundeten Wiener Juden durch eine der hiesigen jüdischen Gassen. Man hörte Stimmen einer jüdischen Gesellschaft, die in eirier Sukkoh versammelt war. Dieser Wiener Jude fragte erstaunt,!was bedeutet das? Als er darauf aufmerksam!gemacht wurde, daß. wir während des Sukkothfestes seien, und daß bekanntlich doch die ׳Juden das Gebot der Sukkoh einhalteu, war er ganz erstaunt und bemerkte: ״!Gibt’s denn so was׳ noch? Ich! hätte das niemals ׳für möglich gehalten,.iph^bin ja! doch ein guter Jude,־ aber60 ׳!etrwa1s״paßt ddalu1,fear nicht• in unsere Zeit, gehört nicht in diese Großstadt! Es ist das völlig unbegreifüch!“ Ja, dieser gute׳ Jude, dem die Sabbat- Vorschrift vielleicht eine historische Erinnerung und die Speisegesetze obsolete’ hygienische Lehren sind, vertritt das ״gute“ Judentum in Wien. Alis solchen guten Juden setzt sich die offizielle Vertretung der Wiener Judenschaft!zusammen,!seitdem!sie eine •offizielle Ver- ־ tretung. hat. Für sie . existieren die vielen! Tausende Juden, nicht, die in Wien mit den größten Opfern und den ־■■ schwersten Entbehrungen Ahr jüdisches Leben fristen, die trotz der Not der Zeit kein ׳Opfer scheuen, sich Ahr noch so armseliges' Bethaus, ihre Thoralehrstatte, ihr jüdisches Haus nach Vätersitte einzurichten, die kein ׳Opfer scheuen, die sich das Brot vom Munde albsparen, um ihren!Kindern das. Licht der Thora anzuzünden, die kein Opfer scheuen, aim die Heiligkeit des Sabbat .zu wahren״ um das ewige Erbe vom Sinai ihren Kindern unversehrt weiterzugeben. Sie alle .bleiben unbeachtet. Die große sittliche Kraft,!die sich in dieser Energie äußert, wird, nicht bemerkt und nicht, ge- ’ schützt. Warum?; In kleinen Gruppen,verstreut in der großen Stadt da •und dort leben!sie still und zurückgezogen. Eine Gruppe weiß nichts von der anderen, eine Gruppe kümmert sich nicht um die andere. Und doch sind die Juden, welche in diesen kleinen Gruppen unansehnlich und unangesehen leben, die einzige Stärke und die verläßliche Kraft der Wiener Judenschaft. Sie können sich aber nicht zur Geltung bringen, weil sie zersplittert sind. Eine Wohltat und ein Glück für die Wiener Judenschaft wäre es, wenn man es!zustande!bringen könnte, diese Gruppen oder kleinen orthodoxen!Bethäuser zusammenzufassen und zu einer einheitlichen Organisation zusammenzuschließen. In der ׳Nr. 40 dieses!Blattes wurde darauf verwiesen, daß bereits wiederholt der Versuch gemacht wurde״ eine derartige Vereinigung An die Wege zu leiten. Es wurde die politische Tätigkeit als!Saisonarbeit bezeichnet, aber auch Saisonarbeiten!haben ihre Konjunkturzeiten. Wie wäre ׳es, wenn die .Zeit der Wahlvorbereitungen der Kultusgemeinde als Anlaß und Ausgangspunkt benützt würde, eine solche OrganAsation ins Leiben zu rufen? Haben ja doch die Bethäuser das lebendigste Interesse, ,gerade jetzt in dieser kritisehen Zeit, dafür Sorge zu tragen, daß ihre materiellen Interessen, die ja auch ■in der Kultusgemeinde behaudelt werden müssen, eine vollwichtige und gewissenhafte Vertretung finden. Die ,,guten“ Juden, von denen wir eingangs gesprochen haben, haben keine Ahnung davon, was ein solches orthodoxes Bethaus bedeutet und *was' es leistet. Und diese Ahnungslosigkeit wirdaugenscheinlich auifgezeigt. in der Höhe der ״Suibventionen“, die diese Bethäuser und Gruppen von!der Kultuisgemeinrie erhalten und in der Art und Weise, wie die Suibventionisgesaiobe behandelt und erledigt werden. י In jedem einzelnen dieser kleinen Bethäuser und Klausen wird'an-positiver jüdischer Arbeit nn׳•״ jedem einzelnen Tag weit mehr geleistet, als in all den prachtvollen Tempelpalästen der Großstadt zusammengenoinmen im ganzen Jahre. Da!s bescheidene Auftreten des einzelnen Bethauses wird hier" ■eine׳!Aemdernng öder Besserung niemals bewirken können. Es müssen alle diese Körperschäften,, die das gemeinschaftliche Interesse an"dem alten unveränderten Judentum verbindet, sich zu- ׳sammenifinden ׳unid mit klarer, lauter!Stimme ihr Hecht!verlangen. Wir sagen •ihr H e ch t, weil das Recht niemals als Almosen entgegengenommen werden darf. Wer soll die Anregung zu einem solchen Zusammenschluß geben? Die älteste Gemeinschaft, die Adas Jisroel, hat nicht nur das historische Recht, sondern auch die sittliche [Pflicht, die Führung in diesem Kampfe zu übernehmen, auch wenn dieser Kampf mit Unannehmlichkeiten und Widerwärtigkeiten verbunden ist. In der Adas Jisroel wird leider vielfach der Standpunkt vertreten, daß man sich selbst genügen müsse und daß die eigene •Kraft voll angespannt werden solle, um den Aufgaben gerecht zu werden. Allein ״splendid Isolation‘‘, die. von Weltmächten als Irrtum erkannt worden ist, ist in diesem Falle nicht nur ein Irrtum, sondern auch ein Unrecht. Die Adas Jisroel hat die Verpflichtung, ihren Standpunkt der selbständigen׳, unabhängigen Orthodoxie nicht nur für sich zu vertreten, sondern auch1 diesen Gedanken hinauszutragen und dafür zu sorgen, daß er allenthalben volles Verständnis findet. Die Adas Jisroel darf es daher sich nicht verdrießen1 lassen, obgleich' der Versuch so oft mißlungen; ist, diesen Versuch inrpaer zu wiederholen. Sie• muß die Bethäuser immer und immer wieder zusammenrufen und zur Zusammenarbeit aneifern. Es besteht kein Gegensatz zwischen Ost und West in der Stellung zur T1horatreue.v Halten doch beide, sowohl die Orthodoxen aus dem Osten als auch die aus dem Westen treu und fest an dem ererbten Judentum. Für beide ist die Tborä gleichmäßig bindend. . Zwischen dem Reformjudentum und dem altgläubigen Judentum besteht nicht nur ein quantitativer, sondern ein qualitativer Unterschied. Nicht das ist das: Wesentliche, ob der Herr ■Reformer etwas mehr oder weniger mechaliel ßchabibos. ist, sich einer oder mehrerer Issurim schuldig macht, sondern das wesentliche, unterscheidende Moment liegt darin, daß er nicht weiß, daß er durch den Chillul Schabbos oder sonst einen Issur ein göttliches Gesetz verletzt; für ihn ist eben die Thora und das Judentum kein g-ttliches Um trotz der Devisensperre die Verbindung mit dem Auslande aufrechtzuerhalten, habe ich nunmehr ein großes Lager fertiger Perücken aller Nuancen vorbereitet, um den durch Wien reisenden Damen eine individuell dem aeslcht entsprechend modellierte Perücke schon Innerhalb sechs Stunden liefern zu können Besitzer der weltbekannten Perücken-Kunjtwerkjtätte RmPMRHffSr ׳ . ־־* . ־••«.' TT E WlerT I, Kärntnerring 6 »4«! §« TS*

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