Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 42 (28.10.1932)
- Date
- 1932-10-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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42 Beite I 1. Die Abonnenten außerhalb Wiens die mit der Bezahlung der Abonnementsgebühr im Rückstand sind, haben dieser Tage Rückstandsausweis und Erlagschein zugeschickt erhalten. Wir bitten, die Abonnemetttsgebühr sogleich zu überweisen, damit in der Zusendung der Zeitung keine Unterbrechung eintrete. 2. Dia Wiener Abonnenten werden von unserem Inkassanten, der sich mit Inkässo-Legitimation auszuweisen hat, besucht. Wir bitten auch diese Leset, die schwierige Situation, in •der sich die ״Jüdische Presse“ befindet, zu berücksichtigen und die Bezugsgebühr sogleich zu bezahlen 3. Für die Leser der ״Jüdischen Presse“, die unser Blatt in den letzten Wochen probeweise zugeschickt erhielten, ist der heutigen Ausgabe eine Bestellkarte beigelegt. Es liegt im Interesse dieser Leser, die Bestellkarte sofort aufztigeben, da eine weitere probeweise Zusendung der ״Jiidisehen Presse“ nicht erfolgt. Die Verwaltung der ״Jüdischen Presse*' Aguda-ArbeU in der Bukowina. — Neue Bes-Jakow- Schulen. In der Bukowina ist in den letzten Wochen die Arbeit für die Aguda neu intensiviert worden. In Czerno- : Witz fand eine Massenversammlung unter Teilnahme vieler tausender Juden statt. In den Provinzorten wurden ebenfalls Werbeversammlungen abgehalten, welche durchwegs von schönen Erfolgen begleitet waren. Die Leiterin des Wiener Bes-Jakow-Lehrerinnen- Seminars, Fräulein Landsberg, weilte letztens auf einer Inspektions- und Propagandareise in der Bukowina und hat in großen Frauenversammlungen in Czernowitz, Sigeth, Wischnitz, Öberwischo und anderen Orten gesproohen. Fräulein Landsbeng konnte feststellen, daß in einer ganzen Reihe von Orten neue Bes-Jakow-Schulen gegründet und' bestehende ausgebaut und vergrößert wurden. Eine neue Aguda-Gruppe in Kattowitz In Kattowitz, der Geburtsstätte der Agudas Jisroel, wurde vor kurzer Zeit eine Zeire Agudas Jisroel gegriindet. In den geräumigen Vereinslo'kalltäten wird allabendlieh der Daf-Jomi-Schiur gelernt. Gesellschaftliche Veranstaltungen und Chawerim-Besprechungen über aktuelle I Tagesfragen werden öfters abgehalten. Die Gruppe hat in der kurzen Zeit ihres Bestandes bereits eine große Zahl Mitglieder geworben und die Zahl der Besucher der Veranstaltungen nimmt täglich zu. Besclineidung nicht strafbar in Sowjet!* aßland. Vor dem Moskauer Rayonsgericht hatte sich der Moskauer ״Mohel“ Elkin wegen des ״doppelten Verbrechens“ zu verantworten, daß er erstens die Beschneidung eines Kindes g ege n d e n W i Ile n des Vaters und zweitens durch diese Beschneidung eine m e d i z i n i.s c h e O p e r a t i o n, ohne daß er ein Recht auf medizinische Praxis besitze, vorgenommen •hat. Nachdem sich herausgestellt hat, daß Elkin zwar in Abwesenheit des Vaters, aber auf Wunsch der Mutter und Großmutter des Kindes den Beschneidungsakt vollzog, wurde er vom Erstgericht von diesem Punkt der Anklage freigesprochen, aber wegen des zweiten Punktes zu 400 Rubel Geldstrafe verurteilt. Das Revisionsgericht sprach nun Elkin gänzlich frei mit der Begründung, daß eine Beschneidung unter Beobachtung der hygienischen Vor- Schriften von einem Fachmann, auch wenn dieser das Recht auf medizinische Praxis nicht besitze, vorgenommen werden dürfe. Eine antisemitische Hetzrede im Berliner Rundfunk. Ein Redner, dessen Namen der Berliner Rundfunk nicht hekanntgeben will, hielt vergangenen Samstag als ״Ketzerei am Wochenende“ .einen Radiovortrag und erging sich hiebei in schweren Beleidigungen und Erniedrigungen des Judentums. Reichsinnenminister Freiherr von Gayl hat nun den Reichsrundfunkkommiissär, ersucht, derartige Vorträge zukünftig nicht mehr zuzulassen. Warnung vor der Einwanderung nach Spanien. Vor einiger Zeit ist eine Gruppe von Juden aus Marnioroscli nach Spanien eingewandert, um sich dort niederzulassen. ׳Es sind nun von diesen Leuten Briefe bei den Angehörigen in!Rumänien eingetraffen, welche vor einer Einwanderung nach Spanien warnen, besonders weil es kaum möglich ist, Arbeit zu erhalten. Die Verdienstmöglichkeiten sind so gering, daß die meisten der Wan-* derer zurückkehrcn müssen. Vereinsnnchricliten. 70. Geburtstag. Am 2. Tag Rosch Haschono feierte Herr Moritz Gang in vollec körperlicher und geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar wirkt seit Bestand des Bethausvereines ״Adasz Jeschurün“ •in verdienstvoller Weise als Vorstandsmitglied. Herrn Gang wurden zu seinem Jubeltag vielfache Ehrungen zuteil, so seitens des Vereinsvorstandes durch Uebergabe eines Ehrengeschenkes. Personalnachrichten. Vor einigen Tagen wurde Herr Emanuel Weiß, der •durch eine lange Reihe von Jahren als Kassier des . Bethausvereines ״Adasz Jeschurun“ in mustergültiger Weise wirkte und sich allgemein wegen seines lauteren Wesens besonderer Sympathien und Wertschätzung erfreute, zu Grabe getragen. An der Bestattung des Dahingeschiedenen, der ein Alter von 63 Jahren erreichte, nahmen der gesamte Vorstand; wie auch eine große Zahl Mitglieder des Bethausvereines teil. Am 25. Tischri verschied in Topolcany hochbetagt Frau Lewiah Schenk דל , die Mutter des ehrwürdigen Herrn Rabbiners H. Schenk, Wien. Die Verewigte hat im wahrsten Sinne des Wortes ihr Leben bis zur letzten Stunde mit Zidkus ausgefüllt. Bei Stuhlverstopfung, Verdauungsstörungen, Magenbrennen, Wallungen, Kopfschmerzen, allgemeinem Unbehagen nehme man früh nüchtern ein Glas natürliches ״Franz-Josef“-:Bitterwasse1\ Nach den an den Kliniken für!innere Krankheiten gesammelten Erfahrungen ist das ״Franz-Josef‘־Bitterwasser ein äußerst wohltuendes Abführmittel. Das ״Franz׳־Josef“־Bitterwasser ist in Apotheken, Drogerien und!Mineralwasserhandlungen erhältlich, Die ״Adveütisleti“ und ihr **Sabbat“* Die Rigaer Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten entfaltet in jüngster Zeit eine verstärkte Aktivität, deren Früchte auch den jüdischen Schomre Schabbos zugute kommen. Sie haben bewundernswerte Energie aufgewandt, um die Befreiung vom Militärdienst am Sabbat durchzusetzen. Sie haben es erreicht, daß der Kriegsminister einen Erlaß herausgab, demzufolge Soldaten, die sich zu einer Religion bekennen, die ihnen die Heiligung des Sabbats zur Pflicht macht, bei. ihrer Einberitfung zum Militär ihre formelle Befreiung vom Sabbatdienst beantragen können. Dafür wird freilich ihre Dienstzeit um drei Monate verlängert. Nicht geringere Mühe wurde auf die Befreiung der Adventistenkinder vom Schulbesuch, beziehungsweise vom Schreiben am Sabbat verwandt wie auch auf ihre Unterweisung in den Vorschriften des Sabbats. Rühmenswert ist die Solidarität unter den Mitgliedern der Adventisten-Gemeinschafk Sie kaufen in erster Linie nur in Geschäften, die am Sabbat geschlossen sind, und berücksichtigen diabei auch in entsprechender Weise die jüdischen Geschäfte. Fleisch wird regelmäßig in am Sabbat geschlossenen jüdischen Handlungen gekauft. Die Adventisten halten es für die nächste Zeit als die wichtigste Aufgabe, für die am Sabbat geschlossenen Geschäfte die Erlaubnis des Sonntagsverkaufs zu erwirken. Sie sind aus diesem Anlaß an den Rigaer Schomre Schabbos herangetreten, damit dieser eine umfassende Aktion einleite. Vielleicht dient diese Nachricht auch den wahrhaften Schomre Schabbos, daß auch sie mit Hingabe und Opferfreudigkeit für die Interessen ihrer gleichgesinnten Brüder eintreten und sich in die Reihen des Wiener ״Schomre- Schabbos“-Verbandes stellen, der für den Schabbos’ einen schweren Kampf zu führen hat. :;:;!»:::::kr» Aus dem Leserkreis. Offener Brief an die Wiener Zionisten! Durch Zufall kam ich dazu, mir den Vortrag von Miss Montague und Frau Prof. Goldstein über die Gründüng einer jüdisch-liberalen Vereinigung in Wienanzuhören. Zionistische Parteigänger sind dort in ziemlicher Anzahl erschienen, ttm die Veranstaltung zu stören. Hätte ich während der Diskussion die Augen geschlossen und wäre ich in der jüdischen Politik nicht so bewandert, so hätte ich ,annehmen müssen, daß ich mich in einer extrem-orthodoxen Gesellschaft befinde. Lobhymnen wurden der hundertprozentigen Orthodoxie •gesungen und jeder Diskussionsredner bemühte sich, als religiös denkender Mensch aufzutreten. Jeder einzelne Redner in der Diskussion suchte zu beweisen, daß ohne der wahren jüdischen Religion die Existenz des jüdischen Volkes undenkbar ist. Zu meinem Bedauern — oder vielleicht umgekehrt — hielt ich aber die Augen offen und zufälligerweise kenne ich den Großteil der zionistischen Redner persönlich. Auch bin ich in der jüdischen Politik ziemlieh;bewandert. Deshalb gestatte ich mir an die Wiener Zionisten und insbesondere an die angeblich auf dem Boden der Religiosität stehenden Diskussionsredner in der erwähnten Versammlung eine Anfrage zu richten. Hand aufs Herz! Seien Sie ehrlich! Wären Sie auch dann Gegner von!Miss Montague!und!Frau Goldstein, wenn 'diese "den Palästinci-PiihKL^m " ■ihr' "‘Programm aufgenommen hätten; oder gar wenn diese die Palästina- Arbeit als ihre Hauptaufgabe betrachten würden? Zu den Bestrebungen dieser Vereinigung stünde dies ja nicht ׳unbedingt im Widerspruch. Wären Sie auch dann so scharf aufgetreten gegen die liberalen Juden und hätten Sie sich auch dann mit so warmen Worten für die traditionelle Religiosität eingesetzt? •Hätten Säe auch dann in Ekstase ausgerufen, daß aiuch nicht auf ein Jota Jüdischkeit verzichtet werden dürfte? Ich glaube Ihre Antwort nicht abwarten zu müssen. Sicherlich — nein! Die Begründung? Die Zionisten stehen jeder Art Reform nicht ablehnend entgegen. Nur muß die Reform ein bißchen nach Zionismus schmecken. Hat es denn die zionistische Presse seinerzeit nicht begrüßt, wie bei der tschechischen Volkszählung 11 Juden in ihr Zählblatt eingetragen haben: Religion: katholisch; Natiönalität: jüdischnational. Ist das nicht die radikalste Reform? Wenn der große ״nationale“ Dichter Tschernichowski mit einer Christin iti Ehelebt und seine Tochter am Zionistenkongreß in Zürich mit einem Zeh lern teilnimmt, heißt das vielleicht ״Nichtverzichten“ auch nur auf ein Jota Religiosität? Wenn in den zionistischen Kolonien in Erez Jisroel ״prinzipiell“ nur Trefali oder Chomez am Peßach gegessen wird? Oder wenn! in Erez Jisroel Schritt auf Schritt die Sabbatgebote ausgerechnet von offiziellen zionistischen Institiitionen und Persönlichkeiten entweiht werden? Heißt das auf dem!Boden der Religion stehen? Oder heißt das die Heiligkeit des Sabbat bewahren? Wenn der zionistische Waad leumi dem Oberrabbinat verwehrt, daß es die Sabbatarbeit •den Juden in den Betrieben, die ununterbrochen arbeiten — •Elektrizitäts- und Wasserwerk —, untersagt, hat sich da nicht die Reform im praktischen Leben durchgesetzt? Wenn׳ die polnischen Zionisten clen ״Jomtow scheni“ abschaffen wollten, ist das nicht Reform ärgster Art? Ich könnte die Reformbestrebungen der Zionisten noch unendlich fortsetzen. Und _nicht nur die Be- Strebungen, sondern auch die praktische Durchführung•. Ich glaube aber, es genügt, um den Gesinnungsschwindel und die Heuchelei aufzuzeigen• Natürlich fällt es mir nicht ein, die ־jüdisch־ liberale Vereinigung, G-tt behüte, begrüßen zu wollen. Ich wollte nur das Doppelgesicht und die Unehelichkeit der nationalen jüdischen ״Kämpfer“ stempeln. Schabse Schönfeld. Clianukah-Feier des Chinucli-Amtes. Das Chinuch-Amt des Keren *Hathora veranstaltet gemeinsam mit der Arewim-Gruppe der Agudas-Jisroel- Jugendgruppe am 5. Tag Chanuka (27. Dezember) um 8 Uhr abends im Bayerischen Hof eine Chanuka- Feier, bei welcher ״Akedas Jizchok“, unter Mitwirkung bewährter Kräfte, zur Aufführung gelangt. Geschlossene Gruppen erhalten Ermäßigung. Jugend- und Mädchengruppen wollen sich diesbezüglich mit dem Chinuch-Amt, Wien, II., Leopoldsgasse 16 (A-48-4-15)) in Verbindung setzen.! Tschechoslowakei! s ■ Zum 28. Oktober, 'Am 28. Oktober jülirt sich zum vierzehnten Male der Tag־, an den! die Tschechoslowakische Republik gegründet wurde. An diesem Jage ging die große ,politische und ,kulturelle Sehnsucht des tschcchoslowalcischen Volkes in Erfüllung und ein •Staat wurde geschaffen, der nach den Intentionen seiner Gründer Lerufen ist, in friedlichem Wettbewerb mit den anderen Staaten und Völkern Europas an der Höherentwicklung■ der Menschheit mitzuarbeiten. Diese Menschheit aber seufzt heute mehr denn je zuvor unter dem Drucke einer geistigen und wirtschaftlichen Not, wie sic die Geschichte an Ausdehnung und Tiefe noch nicht kannte. (Menschengeist und Menschenwille halben sich in einem Jahrhundert machtigen Aufschwunges stark genug erwiesen, Menschengier nach Lebensgenuß und den ׳Lebensstandard in Wohlergehen aufs höchste zu steigern und den Dünkel eines Anrechts darauf in die Herzen zu träufeln. Aber Menschengeist und Menschenwille erwiesen sich zu schwach, den Segen zu stiften, der Staaten und Völker zufrieden und glücklich macht im Genüsse der Güter, die ihnen von der Vorsehung zugewiesen sind, und in der Erfüllung der Aufgaben, die ihnen im Weltgeschehen erwachsen. Wissenschaft und Forschung haben Unermeßliches geleistet in der Erkundung der Güter, die in der .Schöpfung menschlichem Erraffen bereitgestellt sind. Manches auch erreicht in der Erkenntnis der Gesetze, nach denen der Schöpfer sein Weltenwerk leitet. Technik und Fertigkeit haben menschliches Können an Mannigfaltigkeit, und Sicherheit ertüchtigt und vermehrt, Dennoch leidet diese Menschheit zusehends an ihrem Geist — an der Arm- Seligkeit und Ohnmacht dieses Geistes — und an ihrem Wällen — ander Lenkung und der Zielsetzung ihres Willens — heute mehr als auf früheren!Stufen ihrer Entwicklung. Wohlfahrt und Zufriedenheit der Völker und Staaten sind eben an Voraussetzungen gebunden, die mit einer höheren Daseinsordnung zusammenhängen. Will ein Staat oder sonst ein!Gebilde der Staaten- und Völkcrfamilio ׳in unseren Tagen der furchtbaren Not der Menschheit einen Damm setzen helfen und fühlen seine Leiter die Berufung in sich, der Menschheitsentwicklung den Weg in die Höhe zu ebnen, so muß dieser Wille, die Bereitschaft zu einer solchen höheren Bestimmung, im gesamten Leben dieses Staates deutlich zum Ausdruck kommen; diese Bestimniung muß a 11 011 seinen iLcbcnsäußeruugen das Gepräge geben. Ein Prophet ist so lange kein Prophet, als er unerkannt unter den Menschen wandelt. Die Tschechoslowakische Republik ׳ist ein ganz junges Glied der Staaten,familie. Sie ringt aber um eine eigene Bestimmung׳, um eine besondere Mission im Konzert der Staaten, Sie hat den Ruhm und den Vorzug, an ihrer Spitze einen ragenden Mann zu besitzen, der auch als Staatsmann den Mut hat, in seinen Staat das Menschlich-Große ׳hineinzudenken, was er als Denker-Mensch zum 'Wohle der Menschheit erdacht hat. Am Geburtstage dieses Staates, der seine gesamte Bevölkerung in dem Wunsche eint, die Tscheche- Slowakei auf der Höhe ihrer /Bestimmung!zu sehen, sollten Erkenntnisse dieser Art ins Bewußtsein der Gesamtheit dringen. Die Juden in der Tschechoslowakischen Republik werden jedenfalls ihren Anteil daran nehmen, wie es ja ihre religiöse Auffassung von Menschheit!»- und Staatenziel ist, die 4er allgemeinen Gesittung die Richtung zum!Dem weist, in dessen Hand unser aller Wohlfahrt liegt, J, J. B״.