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Jüdische Presse · 1932-10-28 · 42 (28.10.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
42 (28.10.1932)
Date
1932-10-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Oktober 1932 .ב*י וינא־פרעסבוינ ב״ח תשרי תיצ-ג 18. Jahrs- Kultuswahlen und Orthodoxie. Die Vorstandswahlen zur Wiener israelitischen Kultusgemeinde sind für den 4. Dezember d. J. ausge schrieben. Die Frist zur Einreichung der Kandidatenlisten läuft am 4. November ab. In vier bis fünf Wochen wird sich das Schicksal der Wiener Kultusgemeinde für geraume Zeit entscheiden. Der Aufmarsch der Parteien ist bereits in vollem Zuge, nur die Orthodoxie hat bisher noch nicht endgültig Stellung genommen. Diese •Vorgangsweise fügt sich stilgerecht der bisherigen Uebung der orthodoxen Mandatare ini Kultus Vorstand an, die nunmehr zwölf Jahre in der Kultusstube sitzen, ohne sich der Mühe unterzogen zu haben, ihre Wähler fortlaufend und systematisch über ihr Programm, über ihre Kämpfe und über ihre Erfolge in der Wiener Kultusgemeinde zu informieren. Auch ,die geduldigste und disziplinierteste Wählermasse kann sich das auf die Dauer nicht gefallen lassen. Tatsächlich herrscht große Unzufriedenheit, man kann ruhig sagen Erbitterung infolge dieser Unverstandliehen .Vorgangsweise. Besonders die Jugend leidet furchtbar unter diesem Mangel jeglicher politischer Füllrung. Weite Schichten der jüdischen Wählerschaft ziehen es unter diesen Umständen vor, Wahlenthaltung zu üben,. Sie ziehen mit Recht aus dem Stillschweigen ihrer bis: herigen Vertreter-die Konsequenz,, daß ihre Vertreter schweigen müssen, weil sie eben im Kultusvqrstand nichts für die Orthodoxie erreichen könnten. Sie glauben, daß es unter diesen Umständen vernünftiger wäre, überhaupt keine orthodoxen Vertreter in den Kultusvorstand zu entsenden, da würde mindestens alle Welt wissen, daß die Orthodoxie keine Berücksichtigung ihrer vitalen!Interessen bei dem überwiegend aus Liberalen, Zionisten und Sozialisten zusammengesetzten Kultusvorstand zu erhoffen hat. Hat doch ein prominentes Mitglied der Union österreichischer Juden, mit der die orthodoxen Mandatare bisher in Klubgemeinschaft sieh befanden, es für richtig befunden, eine religiöse Reformbeweg u n g innerhalb der Judengemeinde zu inszenieren. Man muß sich wirklich an den Kopf greifen und fragen, was denn die orthodoxen Vertreter für eine Politik bis zum heutigen Tage verfolgt haben, wenn sie. nicht einmal verhindern konnten, daß solche Entgleisungen unterbleiben. Jeder, der die groß inszenierte öffentliehe Versammlung, in welcher die prominentesten Abgesandten der religiösen Reform in Amerika imd England: ihre Referate hielten, besucht hat und aus der breitspurigen Phraseologie irgend einen gesunden Kern hcrausfischen wollte, mußte zu der Ueberzeugung gelangen, daß , diese vielleicht gut gemeinte Bewegung für die Wiener Judenheit nichts Gutes bringen kann.-Man kann mit einem Ruf nach Reform nur den einzigen großen Vorteil der Wiener Kultusgemeinde, nämlich ihren verhältnismäßige!. Konservativismus, zerstören. Die orthodoxen Wähler erblicken aber in solchen Kundgebungen einen weiteren Beweis für die Unfrucht־ ibarkeit und Aussichtslosigkeit der orthodoxen Arbeit im Schoße des’׳KultusVorstandes, und die bisherigen orthodoxen Mandatare schweigen noch immer. Man weiß noch immer nicht, ob sie ihrer zwölfjährigen unfiuchtbaren Wirksamkeit endlich den Rücken kehren und die Kultusstube endgültig verlassen oder ob sie unter neuen, besseren Bedingungen mit frischen Kräften noch einmal versuchen werden, die großen Interessen der Orthodoxie in diesen schweren politischen mul wirtschaftlichen Zeiten im Schoße des Kultusvorstandes zu vertreten. Wie dem immer sei, die orthodoxe Wählerschaft erwartet, daß endlich in der zwölften Stunde ihre Vertreter und Fiilwer ihre Stellungnahme bekanntgeben und ..in aller Oeffentlichkeit!nitteilen, was nach ihrer Ansicht den orthodoxen Interessen am besten! dient. Auch die Geduld der orthodoxen Wählerschaft hat ihre Grenzen! (L. Von besonderer Seite wird uns noch folgendes hiezu ,geschrieben: Die Orthodoxie wird sich?an den Wahlen in den Vorstand der israelitischen KuItUsgeineinde höchstwahr־ sc'heinlich überhaupt nicht beteiligen. Sie wird weder eine eigene Liste aufstellen noch! auch in eine Gemeinschuft zu einer anderen wahlwerhenden Gruppe treten. Die orthodoxe Judenheit hjat sieh bekanntlich in der Vorkriegszeit an den Wahlfcn zur Kultusgemeinde nie beteiligt. Erst im Jahre 192p|ist sie unter die wählwerbenden Parteien getreten; wml sie gemeint hat, daß In Moskau sind endlich ■clie Masken gefallen. Das Gelingen des ökonomischen Fünfjahrplans ermutigt die Führer der G־ttlosenbewegung in Rußland, einen Fünfjahrplan zur Ausmerzung der Relgion aus allen öffentlichen Institutionen und aus den Herzen der Privaten aufzustellen. Wir haben in der ״Jüdischen Presse“ viele Jahre hindurch das traurige Schicksal unserer jüdischen Brüder, denen unsere angestammte Religion ihr höchstes Gut bedeutet, oft genug behandelt." Die religiösen Organisationen der Judenheit haben unzählige Male Schritte bei den offiziellen russischen Behörden unternommen und da hat man immer die Antwort bekommen, daß in dem neuen Rußland die Religion Privatsache sei und jedermann tun könne, was er will. Unter keinen Umständen wird aber jemand wegen seiner Religion oder wegen irgend einer religiösen Flandlung verfolgt. So die Offiziehen. In Wirklichkeit geschah in Rußland schon bisher alles, um die Jugend von dem väterlichen Glauben abzubringen lind durch ökonomische Maßnahmen und Steuerschikanen den religiös orientierten Schichten der Judenheit das Leben unmöglich zu machen. Der neue Fünfjahrplan würde nur vollenden, was in den verflossenen 15 Jahren an religiösen Gütern vernichtet wurde. Trotz dieser traurigen Tatsache wird das religiöse Judentum in der ganzen . Welt nicht stillschweigend diesen neuen Schlag gegen die heiligsten Gefühle der russischen Juden hinnehmen. Wenn auch nur Proteste in Nicht nur kaufen sondern lesen und ureilergeben sollen Sie die »Jüdische Presse«! iiiiiiimiimmmiiiiiiiiimiiiiiiiinmmmmnmimi Sie werden sie schätzen lernen Schöne ,weiße Zähne mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm größte Slnetfennutta urtb oollfte 3ufriebenijett ÜB« bie ״cnjtot0bont*3<Waite״au übermitteln. 3dj gebraute ״töjfotobont" $on!eit Saljten unb »erbe ob meinet י“ d. IReldjett, Sdj... SJlan oetlange nur bie erbte tEblorobont-3ahnpa{te, Sube 4 Kö. unb 6 K8. unb toeife leben C&cfafe bafüt auriltl *״» sie auf diese Weise besser und mit mehr Erfolg für die Interessen der selbständigen, unabhängigen Orthodoxie werde eintreten können. Nach dieser Zwölfjährigen Periode müssen aber die orthodoxen Vertreter zur Ueberzeugung gelangen, daß auf diesem Wege nichts auszurichten ist. Die Kultusgemeinde hat den berechtigten Bedürfnissen der strenggläubigen Judenschaft nicht Rechnung getragen. In der Kultüsstube war eine Anerkennung der unabhängigen orthodoxen Gemeinde nicht zu erreichen. Die organisierte Orthodoxie kann daher unmöglich zu einem anderen Beschluß als dem eingarfgs erwähnten gelangen, nämlich: sich von der Beteiligung an der Wahl in den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde zu e n t h a 11 e n. I/XUIAVI• Wort, denen leider gar keine physischen Machtmittel folgen, erhoben werden sollen diese Proteste doch, denn gerade wir religiös orientierten Menschen dürfen an der Wirksamkeit moralischer Waffen nicht zweifeln. Moralische Waffen, die auch Rußland gegenüber ihre Wirksamkeit zeigen werden, moralische Waffen, die aber auch uns und unserer Jugend in den demokratischen Ländern beweisen werden, daß das religiöse Gut, das uns unsereVorfahren überantwortet haben, gepflegt, geschützt werden muß, solange noch Zeit ■ist. Denn der Ungeist, der in Rußland die Vernichtung der religiösen Gefühle den bolschewikischen Machthabern eingibt, spukt auch in unserer Mitte. Auch unsere Jugend wird von dem schleichenden Gift der Glau'benslosigkeit und der militanten Antireligiosität bedroht. In dem Kampf für das religiöse Gut unserer Brüder in Rußland werden wir auch unsere bedrohte Jugend vor dein religiösen Untergang retten! Aus Moskau wird berichtet, daß ein Dekret des Rates der Volkskommissäre vorbereitet wird, in dem nicht mehr und nicht weniger als ein Fünfjahrplan gegen die Religion, gegen alle Konfessionen ohne Ausnahme, aufgestellt werden soll. Dieser Großkampf gegen den Glauben soll damit beginnen, daß im ersten Jahr die Schließung aller Gotteshäuser durchgeführt wird. Im zweiten Jahr soll der Krieg in die Familie getragen werden, es sollen, wie es in dem Bericht heißt, die religiösen Zellen, die sich dort befinden, aufgelöst werden, und zur Unter- Stützung dieses Werkes soll alles, was gläubig ist, aus allen Betrieben und Aemtern auf die Straße gesetzt, also gewissermaßen für wirtschaftlich• vögelfrei erklärt werden. Im dritten Jahr wird der positive Aufbau im Sinne der Moskauer Herren beginnen, wobei den Filmen zur Verbreitung des Atheismus eine besondere Mission eingeräumt wird. Zuletzt erfolgt dann die Uebergabe aller kirchlichen Gebäude für den Betrieb von Kinos und Klubs, und der Schluß soll sein, daß, wie erklärt wird, der G-ttesbegriff aus dem Herzen des Volkes ausgemerzt wird. Um trotz der Devisensperre die Verbindung mit dem Auslande aufrechtzuerhalten, habe ich PJ'yjß A . nunmehr ein großes Lager fertiger Perücken aller Nuancenvorbereitet, um den durch Wien %!((. reisenden Damen eine individuell ciem Gesicht entsprechend modellierte Perücke schon innorliaU liefern zu können O •Q'P'IX‘j'I?׳'!?'■" Bes ■tzer ^er weltbekannten Perücken-Kunjtwerkjtätte UiniVlAll Uv111a r Wien I, Kärntnerring 6 81F *Telephon Nr. U-47-146 ׳

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