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Jüdische Presse · 1932-10-14 · 41 (14.10.1932) · page 3

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
41 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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»luMfiTfrf Mf, 41 iäim mm f aus einer ארמו״ף הד!״צ ישעי׳ פירסט אב״1 עו״ישיסשול!יןין des Alts dem Gedächtnis wiedefgegeben ton Sekretär Morix Spitzer. Die Gesamtheit. <a שובה ישראל עד ה־ אלהיף 3‘ בשלח בעונך (הושע יד Das Bewußtsein der Unschuld verleiht uns Kraft, der Gedanke an die eigene Gesunkenheit macht uns schwach. כשל 3ח ה33ל Darum ruft der Prophet: ״Kehre zurück zu dem Ewigen, denn du bist geschwächt worden durch deine Sünde.“ Der Einzelne. מומיפין מהול על הקודש Du bist schwach, so erhole, pflege dich, mehre deine Kräfte, sei מוסיף vom הול ,vom Alltagsleben, etwas in das קודש , Nicht nur die Weilicstunden deines Lebens sollen den Siegel der Heiligkeit tragen, vielmehr ist es deine Pflicht, eine הוספה von חול על הקודש dem täglichen Wirken einen Abglanz der Heiligkeit zu verleihen. Ein heiliger Schauer erfüllt dich ונתנה תוקף קדושת היום gebe jedem Tag seinen .Inhalt, קדושה Kraft. אדם יסודו מעפר וסופו לעפר Des Menschen Ursprung ist vom Staube, sein Ende ist zu Staub werden. Diese traurige Tatsache, ,die der פייטן verzeichnet, muH nur dann der Fall sein, מעפר אתה ואל עפד אתה חשוב wenn du, dein ganzes Wesen, nur vom Irdischen getragen ist, dann nur kehrst du erfolglos, ohne für die Ewigkeit wirklich etwas geschaffen zu haben, zur Erde zurück. ובחלום יעוף So tritt die Aufgabe an dich heran, gleich יוסף am ראש השנה deinen Eigenträumen die Selbstdeutung zu geben. Ein Jaakob träumt und erwacht וייקץ יעקב משנתו und findet, auch die Erde wird zur Himmelstätte, ein Pharau träumt, erwacht vom Schlafe, um weiter zu träumen, so lehren הדל die Verschiedenartigkeit der Träume. Auch du, jüdischer Mensch, überblicke deinen Jahrestraum und erwache, verstehe den Lebenstraum richtig zu deuten. Der Führer. Der aufrichtige, ehrliche Führer wird sich zur Schuld bekennen, keinen anderen als Schuldigen zeichnen, belastet sich allein mit dem Odium der Verantwortlichkeit. :וישב ראובן אל הבור אתה פתחת בתשובה חייך בן בנך עומד ופותה בתשובה (ילקוט! ,jDu ראובן hattest mit den Tschuwo- Gedanken begonnen, dein Leben, dein Enkel Jehöschea wird der Welt den Begriff der Tschuwo lehren.“ Reüben, als Aeltester unter den Brüdern hätte die anderen zur Verantwortung ziehen können ob ihrer Missetat, den Verkauf יומף׳ם zumal er doch selbst für die Rettung Jossefs eingetreten war. Doch er tat dies nicht, die Verantwortung vorwurfsvoll auf seine Brüder zu wälzen. Statt Tschuwo von andern zu fordern. ואני אנה אני בא ging er selbst mit Tschuwo beispiclgcbcnd voran; da sagte ihm Haschern•אתה פתחת בתשובה• du hattest bei dir mit der Tschuwo begönnen, dies bedeutete dir Lebensinhalt, es sei dir Lebenswerk הייך es soll Fortsetzung finden in deinem Enkel Höschen, denn der Enkel eines Reuben ist würdig, Jisroel den Weg der Tschuwo zu weisen, aufleben soll es in deinem Enkel. F ii h rer und Geme i n d e. ולקח מדם הפר ומדם השעיר: מלמד שהדם מעורבין זה בזה וזהו כפרתן Alinron nimmt vom Blute des Stiers und vom Blute des Bockes שעיר war das Opfer des Volkes und פר war das Opfer des Hohepriestcrs. Er vereinigt das Blut der beiden und führt so die Sühne herbei. Dies ist die Aufgabe des jüdischen Führers, sich nicht zu über-■ heben; vielmehr seine Opferbereitschaft und diejenige des Volkes in gegenseitiger Harmonie. Ein Pulsschlag gemeinsamen Opfers vermag erst eine כפרה herbeizuführen und desen ריח ניחוח steigt zu G-tt empor. Zur Frage der Kultuswahlen. Die nachstehende Zuschrift ist uns von befreundeter Seite zugekommen. Wir werden in der nächsten Nummer zu dieser Frage Stellung nehmen. Die Redaktion. In Nr. 57 brachte die ״jüdische Presse“ einen Artikel von J. Rast, der sich mit dieser Frage befaßt und..die Gründe auseinanderzusetzen versucht, die die trennungsorthodoxe Schiffschul seinerzeit, im Jahre 1920, bewogen halben, ihre Vertreter in den Kultusvorstand zu entsenden. Gestatten Sie einem alten . Mitgliede der Schiffschul und genauen Kenner der Verhältnisse, der sich stolz zu den extremen Trenmingsorthodoxen zählt, in Ihren Spalten zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Die..Mitglieder und demgemäß auch der Vorstand, der Wiener isr.!Kultusgemeinde sind zmn weitaus überwiegenden Teile nicht ort'hpdqx. Sic erkennen für s i c Ti die ünbödingte Äutoritäf der Thora ".ii i c 111 an. In ihrer Lebensführung gleichen Sie den Neologcn der ungarischen, imd slowakischen ״Gemeinden. Was liegt also näher, als daß sich im Sinne der Entscheidungen des Ksaw Sofcr und Reb Sahnen Spitzer זצ׳ל die Orthodoxen in einer selbständigen Gemeinde vereinigt hätten? Nun, das haben sie getan, sie haben die Schiffschul gebildet und diese hat faktisch. Jahrzehnte hin-, durch au dem starren Prinzip der Selbständigkeit und vollkommenen Unabhängigkeit von den פושעים— liberale und nationale — festgehalten. War es also richtig, daß' sie im Jahre 1920 plötzlich mit diesem Prinzip gebrochen hat? Wäre es nicht viel'richtiger gewesen, für die Erlangung einer vollkommenen Gemeinde-Autonomie einzutreten? ' Durften die Vertreter der Orthodoxie die Verantwortung für alles Unjiidiscihc in der Kultusgemeinde auf sich nehmen, ohne das Verbot ולפני עור לא חתן מכשול zu*übertreten? Mußte nicht viel: mehr, da der Eintritt der Orthodoxen ־in die Kultusgemeinde erfolgt war, jeder Unvoreingenommene und bracht. G-tt, wie hast Du groß gemacht Dein Volle! Also gehst ■Du am nächsten Sabbat mit., Ahron-Briidcrl?“ — Ahron saß ■da in tiefes Nachdenken versunken. Ja, er wäre gerne mitgegaugen, er hätte gerne die jüdischen Deputierten ,gesehen.;Aber da!stieg vor seinem geistigen Auge auf ׳das Bild seiner Malkah, er sah sic mit ihrer Sabbathaube bekleidet, den dicken Siddur in der Hand, wie sie, in ihr ״eiugearbeitetes“ Tuch gehüllt, aus der ״Schul“ kam, und er sollte sie nicht heimgeleiten, er sollte sie vielleicht gar, ihn schauderte bei diesem Geda nken, au f das Essen warten lassen, am Sabbat, •um heiligen Tage; die Suppe sollte auskiihlen und das ,,Dümpfflcisch“ mit Bohnen und die Gricßkugel nicht die ihnen gebührende Würdigung erhalten? Der Gedanke daran machte ihn schon erbeben. Und nun bcgann wieder der politisierende 1״Machel mit seinen Sirenenklängeu und schilderte ihm den Sitzungssaal und die Größe Israels, •und svie man solche wichtige Eroignlsse, die «ich da vorbereiteten, nicht verpassen dürfe, und wie alle Mitglieder der Gemeinde beschlossen hätten, in dieser denkwürdigen Sitzung zu erscheinen und wie es doch keine Entweihung des Sabbats sei. — Ahron saß wie auf Nadeln. Er hörte ׳Mache Is einschmeichelnde Worte, er sali Malkahs!strenge Mienen und die verschobcne Sabbathaube: da erwachte in ihm der Mannessinn und rief ihm zu: ״Wie, Reb Ahron, bist Du wirkbist deines Weibes, das Dir G-tt noch langeerhalten möge. Wirf ab deine Fesseln, zeige, daß Dir ein Manu bist, würdig der neuen Zeit, in der Du lebst. Schlag ein, Ahron, und versprich. Machein, mit ihm am nächsten Sabbat in die Reichstagssitzung zu gehen, soll Malkah einmal allein am Tisch sitzen und das Dämpffleisch und diej'Kugel allein essen. •Schalet •kann man jede Wioche hab&u, nicht aber eine wichtige Reichstagssitzung.“ Und Reb Ahron schlug ein, mit Alachei am. nächsten Sabbat in den Reichstag zu gehen, mochte sich auch Malkahs Haube noch so bedenklich verschieben. — Und dann streckten sich die beiden Männer auf die ihnen bereitete Streu aus und beteten andächtig, der Herr der Träume möge sie vor bösen Gesichtern bewahren, die krummen Pfade der Politik nicht Kennende, glauben, daß nun die Kultusgemeinde seine Gemeinde geworden sei? Und dennoch, unter einer Voraussetzung wäre der Eintritt in die Kultusgemeinde berechtigt gewesen: Die orthodoxen Kultusvorsteher hätten in der Kultusstube die Lebensweise der Orthodoxen Vorleben müssen, sie ׳hätten auf eine Einigung aller orthodoxen Jehudim Wiens hinarbeiten, die Verbesserung aller Kultusgemeindeinstitutionen — auch des!Kaschrus — erstreben müssen, um auch unseren Brüdern aus dem Osten gegenüber, die leider den hciiren Gedanken der Trennungs- Orthodoxie noch nicht erfaßt haben, das כל ישראל ערבים זה לזה zu verwirklichen, oder aber — sie hätten die Uncl 11 rollfiiihrbarkeit der zuletzt erwähnten Forderung beweisen müssen. All das aber — sie wollten es nicht, sic taten T's nicht, sie konnten es nicht und hätten auch kaum Erfolge erzielen können. Und nun die Folgerung: : Solange die Möglichkeit nicht vorhanden ist, die Kultusgemeinde auf religiöser Basis zu reorganisieren, solange die orthodoxen Juden die Mehrheit im Kultusvorstand 11 i c׳h t erreichen können, solange die Führung der Gemcindcgeschäfte sich, nach 'parteipolitisch e n Grundsätzen bestimmt, solange jede Rücksichtnahme auf alle Bedürfnisse der konservativen, an ihrer Ueberlieferung festhaltenden Juden v c r m i ß t ־wird, und solange nicht die •Autorität der Thora, der Din, die Worte G־ttes, zu um;eingeschränkter Herrschaft über alles, was das jüdische Leben betrifft, in der Wiener Kultusgemeinde gelangt, hat die selbständige Orthodoxie dort nichts verloren. Erst wenn alle Voraussetzungen geschaffen oder we- ׳nigstens möglich sind — dann, aber auch nur dann, ist eine Vertretung der selbständigen׳ Orthodoxie in der;Wiener Kultusgemeinde möglich und zulässig.!Dann ist sie ratsam und wird zum Wöhle der gesamten Wiener Judenheit gereichen. Hoffen wir, daß die Zeit bald ',kommt, vorläufig ist sie nicht da. Samuely.; . , HI. Der Sabbat kam, ein unfreundlicher Spätherbsttag dämmerte empor. Friede war über die alte Gasse gebreitet, tu der Schul waren sie beim Movgengebet. Und nun sah man geheimnisvoll Weither über die Gasse huschen, welche den am vorigen Tag zuni Aufwärmen ״gestellten“ Kaffee vom Bäcker brachten. Unter ihren 1Schürzen bargen sie die geheiligten Töpfe und eilten trippelnd in die Häuser, denn schon begannen die An- :däclillgeii das :G-tteshuus zu verlassen. Auch Reb Ahron eilte aus dem feuchten, kellerartigen Gebäude nach Mause, wo seiner bereits Malkah harrte. — Nach dem Frühstück nahm Ahron das Chumesch zur Hand und ■überla׳s sich in dem uralten, singenden Ton die laufende Sidro. Aber, um es ehrlich zu sagen, heute war nicht sein Sinn bei• dem heiligen Worte, er erfüllte seine Pflicht nur mechanisch, er dachte an die leidige •Politik und den Reichstag, und dann wieder warf er seinen scheuen Blick null seine, mit der Sabbathaiibe geschmückte.Malkah, welche auf der Ofenbank saß, •ihren alten Körper an dem mächtigen Kachelofen erwärmend, ihren Geist aber an den uralten Geschichten von Josef und seinen Brüdern, die in ihrem ״teutsch Chumesch“ so lehrreich und gemütvoll geschildert werden. Sie las diene Geschichten alljährlich und doch erschienen sie ihr ijnmer neu; ja, das war das Wort, G-ttes, das nie altert,' wie Menschenwort und Menschenwerk, die ver-׳ gehen und verschwinden . . . So saßen sie einander gegenüber. ״Es wird Zeit sein, in Schul’ zii gehen“, so begann man Reb Ahron und sein Wort klang so, als wollte er sagen, jetzt müssen wir zum Richtplatz gehen, die Stunde;ist gekommen; er fühlte sich heute schuldbeladen, er wollte seiner Malkah. etwas antun, was noch .nicht geschehen war,, in den vielen Jahren der Ehe, die sie nun, zu Gutem, schon so lange verband, Zählte er die Jahre der Ehe zusammen, so waren deren wirklich schon viele, fast fünfzig, (las!ist doch ,eine. Zahl; nicht jeder Mensch hat dies Glück. . . Fortsetzung folgt. g. . l Eine neue Dreyfiis-Affäre in Frankreich verhütet. Durch die Verhaftung von zwei Fälschern wurde das Entstehen einer neuen Dreyfus-Affärc in Frankreich verhütet und ein berühmter jüdischer Flieger gegen den sich der Verdacht, Hochvcrat begangen zu haben, gerichtet hatte, rehabilitiert. Der Hergang war folgender: Paul Louis Weiler, Sohn des verstorbenen jüdischen Senators Lazare Weiler, geschäftsführeudcr Direktor der Compagnie Internationale de la Navigation Aerienae, der sich als französischer Flieger im Kriege hervorragend ausgezeichnet hatte und I5mal in den Heeesbcrichten lohend erwähnt wurde, wurde beschuldigt, Betriebspatente des größten f r a ״ z ö s i s c 11 e 11 Fl 11 gmo.tni•- U n t e 1• n e 11 m e 11s a 11 D e 11 t s c 11 1 a 11 d v e rkauft und, um dies zu ermöglichen hohe französische Regierungsbeamte bestochen zu haben. Die Affäre bildctc die letzte Woche hindurch das Tagesgespräch von Paris. Schließlich wurden am 6. Oktober zwei Franzosen verhaftet, von denen festgcstellt wurde, daß sic eine Reihe Dokumente fälschten, aus denen die Schuld Wcilers hervorgeheti sollte. Sic fälschten auch Schecks, die angeblich von Weiler an Beamte als Bestechung ausgefolgt sein sollten. Noch ist nicht aufgeklärt, aus welchen Motiven heraus die Fälscher diese Intrige gegen Weiler gesponnen haben. Ji Von Woche zu Woche ־*: Ein nationalsozialistischer Antrag im hessischen. Landtag auf Einführung eines $ c h ii c h t v e vb o 1 s lourde ab ge l eh n t. dagegen beschlossen, die Zahl der rituell zu schlichtenden Tiere zu hon t ing e n Heren. Der k o m m u n i s t i s. c h e ..Emess“ führ( Klage über das Anwachsen der ..k I e r i k a I e n* Bewegung. Er bringt Telegramme, daß in vielen Orlen jüdische Kolonisten die Arbeit im Stich gelasseti und zu Rosch-haschonoh in die Bethäuser gegangen sind. Die p a l ä s I i n en s is c h e Küste ist am 6. Oktober von einem schweren S t u r m heimgesucht worden, der Schäden verursacht hat. Besonders hat die Weinernte gelitten. Man beziffert den Schaden auf etwa 2000 Pfund. Die führenden katholisch-religiösen Zeitschriften Englands nehmen energisch Stellung gegen den N a t i onal so z i al i s m u s. Sie bezeichnen den rassenverheizenden Nationalsozialismus als unchristlieh und stellen fest, daß die kirchlichen Kreise diese Bewegung einmütig ablehnen. Ein polnisches Gesetz schreibt vor, daß Handwerker, die Lehrlinge beschäftigen wollen, sich einer ״M.eisterp'riifung*1' in polnischer Sprache zu unterziehen haben. Allein in Warschau konnten sich 10.500 j ii di sehe H a n d w e r k e r d e r P r iif u n g n i c h t u n t er zieh e n und verloren somit das Recht, Lehrlinge zu beschäftigen. Vier reichsdeulsche Hitler-Leute, die Terrorakte gegen jüdische Einwohner der Umgebung von Danzig verübt hatten', wurden von der Danziger Regierung ausgewiesen. Prinzessin Sijbitl von Koburg heiratete den. Kronprinzen von Schweden. Der Vater des Bräutigams, der König von Schweden, sowie der Prinz von Wales, sind der Hochzeit ferngeblieben, weil zu derselben auch Hitler geladen wurde, fe Höre Belisha, der neue Staatssekretär für Finanzen in England, der an Stelle Sir Herbert Samuels der Regierung angehört, ist ebenfalls J u d e.

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