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Jüdische Presse · 1932-10-07 · 40 (7.10.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
40 (7.10.1932)
Date
1932-10-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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Novlftov6 vfplatöS povote&e riadif post ft telegrafo* v Bfaiislave 213. 41572״III#20. Zeitungen tu« Vftffegt# vefseudet Journal exp^die paf rtdlfcifr V.&.Ö. JÜDISCHE PRESSE ONIIAN FIM MK INTEIIUSUI Dt» BRTHODOXKN JUDENTUMS. Redaktion tt. Administration: Wien, II., Malzgasse Nr. 12 a. — Tel. A-48-4-I5. Tschecho- Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K 80, das übrige Ausland 3 Dollar. Einzelnummer äst. Gr. 40. Zaninngen auf Konto »Jüdische Presse*, Wien für Oester reich 1 Postsparkasreukonto Nr. D-93614; Deutschland« Post. . scheckkontor Berlin Nr. 122619; Jugoslawien t Postspk.-Affil Zagreb Nr. 40217; Polen t Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn! Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweizt Post, scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei r «Jfl. dlsche Presse*, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 40 Wien-Bratislava, 7. Oktober 1&32 .18 | ביה דנא־פרע&ס־מ ד תשרי תרצ׳ג. Jahrg. Versöhnliches. Die Aufgaben der Glaubensfreuen Juden Wiens. 1Das jüdische Volk auf dem ganzen Erdenrund hegeht am 10. .Tisdltri den! Ycrsöhmuigstag. einen Tag der Kasteiung־, des Insichgehens, einen Tag ,der ־Aussöhnung mit den Mitmenschen, der llückkedir zu G-tt. Seit vielen tausend Jahren machen wir dies von Jahr zu Jahr und wir werden es.auch heuer so üben, obwohl Versöhnung, Friedfertigkeit und. Einkehr furchtbar unmodern geworden sind in einer Welt, wo rassische Ueberhebung alle erdenklichen Vorzüge den Ariern und alle Minderwertigkeiten der jüdischen ״Mischrasse“ zuschreibt. Zu dieser Minderwertigkeit gehören auch Friedfertigkeit, Versöhnung, Abrüstung, Völkerverständigung und derartige jüdische Erfindungen mehr, die ausgeheckt worden sind, um die aräsöhe Herrenrasse schwach zu ,machen. Wir halten selbstverständlich unseren heiligen Verisöhnungstag weiter, ja wir versöhnen uns auch mit dem Gedanken, daß es noch viele, sehr viele Menschern . gibt» die auf ihre Fehler — statt von ihnen zu lassen — noch stolz und eingebildet sind. Der Neujahrsbesucii der Nationalsozialisten in der Leopoldstndt ־Sonntag, der Höhepunkt des nationalsozialistischen Gautages, Sonntag, das jüdische: Neujahrsfest. Die Söhne der nordischen Herreurnsse defilieren vor ,ihren ersten Führern! mit großtönende 11 Ansprachen, geweiht für •ihren künftigen Lebensweg. In kle inen halbdii nklen'tßetlokälen dev Leopoldstadt sind die verkümmerten Sprößlinge einer .unbestimmten Mischrasse — also ein richtiges Untermenscheiitum — versammelt. Die Untermenschen beten inbrünstig zu G-tt, daß alle seine Geschöpfe ihn dhrfürchten mögen, daß sie uUe einen Bund schließen mögen, um G-tt mit ganzem Herzen zu dienen, daß alles 1 Böse wie ■Rauch verschwinden möge. Aus diesem inbrünstigen Gebet werden diese Untermenschen durch die .Stahlruten iiud. Gummiknüttel aufgerüttelt, welche von den jungen Herrenmenschen geschwungen werden, die gerade einige Augenblicke früher . die Weihe einer höheren Moral empfangen haben. So hatten .wir ־nun an unserem Neujahrsfest Gelegenheit, die Gegensätzlichkeit dieser zwei Rassen anschaulich zu erkennen. Anschaulicher als hunderte Geseliichtsstuuden uns belehren könnten, und der Jude ״Untermensch“ wird nicht aufhören, zu G-tt zu beten, daß alles Böse wie Rauch verscliwinde, daß alle Menschen einen Rund schließen mögen, um mit ganzem Fierzen dein Herrn dienen zu können. R. Eine Kol-Nidre Drosch oh des Reb Schmelke von Nikolsburg. Join-lKippur-Stiinnning! — — •— Von weit und breit waren die Cluissidi tu gekommen, um bei' und. mit dem H ebben die Jomin Noroim zu verbringen. Wohin man ,blickte — geschäftig umhereilende *Gest alten, an deren Gesichtern man die kommenden Tage erkennen konnte. Leuchtende Antlitze, erfüllt von!Ernoh und Jiroii. Uaul erst Jom-Kfiip-pur selbst! Wie verschüchterte Kinder suchten sie die Nähe des Zaddik. ■Hofften sie doch, durch ihn Erhörung ihrer Herzenswünsche zu erlangen. Der Höhepunkt war erreicht, als der Rebbe vor Kal Nidre um .Ruhe ibat und also zu reden begann: . ,,!Die Tiere versuchten gegen ihren König, den •Löwen, zu revoltieren. Als sie die /Aussichtslosigkeit ihrer Bemühungen eiiusaheu, galt es, eine Deputation zu entsenden, um den Löwen zu ,versöhnen. Der. Fuchs, der, ־wie die Gemoro erzählt, 300 Mescholim,-*■Gleichnisreden, wisse, wurde zum Führer erkoren. Stolz und hoffnungsvoll machten sie sich auf den Weg. Als man Seit der Geist des Reformjudentums hier die volle Herrschaft innehatte, war dem überlieferungstreuen" Judentum das Leben: herzlich schwer. Der Gegensatz zwischen der Weltanschauung, die die jüdische Religion als Entwicklungsergebnis des': Volksbewußtseins nimmt, und denen, für die die Thora eine unabänderliche, eine g-ttlichc Offenbarung ist, kotinte und kann nie überbrückt werden. In dieser Erkenntnis sahen die Glaubenstreuen —• sie waren anfangs ein kleinwinziges Häuflein überzeugungstreuer und opferbereiter Männer. — sich gezwungen, ihr religiöses Haus sich selbst zu bauen. Mit Mühe und unter ständigen Kämpfen mit der mächtigen Reform schufen sie sich ihre Einrichtungen und Anstalten, alles, was das jüdische Leben braucht, eine blühendc Oase jüdischen Lebens in der religiösen Wüste, in der großen Reformgemeinde,‘•;eine jüdische Kehillah, die in der ganzen jüdischen Welt jedoch als vollgültig gcnomincn wurde. Sie wuchs, erstarkte aus der Ankerschul, zur ״Schiffschul“, zur ״Adas Jisroel“. Obwohl man durch den Zwang der staatlichen Machtmittel genötigt war, die Lasten der Reformgemeinde voll zu tragen, wurden die Mittel zu , den , eigenen .Ei.nr.icht1yig.en;ganz aus eigener Kraft getragen, fremde Hilfe unbedingt verschmäht; unalihängig und frei sollte und mußte die tHoratreue Judenschaft trotz ihrer kleinen Zahl sein. , Der Zuzug aus den alten jüdischen Gemeinden brachte eine wachsende Zahl altgläubiger Juden nach Wien. Sie alle suchten und fanden den Weg zu den gleichgesinnten Brüdern, deren jüdische Einrichtungen ihnen stets zur Verfügung standen. In den verschiedenen Teilen der Stadt bildeten sich religiöse Zellen,, die sich zu wertvollen, stattlichen Pflegestätten altjiklischen Lebens entwickelten. Bethäuser, Lehrstätten wurden da und' dort gegründet. Für die Befriedigung der alljüdischen Bediirfnisse sorgte immer die erste glaubenstreue Siedlung, weil die von der Reform beherrschte Gemeinde dem religiösen Empfinden nicht genügen konnte. Mit der Zeit war die glaubenstreue Jüclenschaft, sowohl durch die erheblich angewachsene Zahl als insbesondere durch ihre moralische Macht als das jüdische Rückgrat der entjudeten Gesamtheit, ein ansehnlicher Faktor geworden. Zur entsprechenden Geltung konnte sie sich jedoch nicht bringen. Die mangelnde Organisation der einzelnen, für sich-gebliebenen Vereinigungen ließ sie keine Schlagkraft gewinnen. Außer diesem Grunde, die glaubenstreuen Forderungen nach außenhin zur Geltung zu bringen, gibt cs noch eine Fülle von Umständen, eine Menge gemeinsamer Interessen, die die Vereine dazu veranlassen sollte, eine festgefügte Einheit zu bilden. All das anzuführen ist jetzt nicht die Zeit; vielleicht später einmal. Nur die Frage der materiellen Stellung der Kul- Uisgemeinde gegenüber sei angedeutet. Jetzt erhalten die orthodoxen Bethausveteine ,,Subventionen“, die' alle zu- 'stimmen eine ärmliche Summe ausmachen. Die Gevvährung derselben ist an Bedingungen geknüpft oder mit I sich , dem Ziele näherte, machte der Führer halt und sagte: ,Ich muß ein Bekenntnis aiblegen. Es hat mich solch eine innere Furcht angesichts dessen, daß wir un« dem König nähern, ergriffen, daß ich einen Teil meiner kostbaren Mescliolim vergessen habe.‘ Das war ein großer Schrecken! Aber es gab keinen anderen Ausweg und man tröstete sich, daß der Fuchs ja noch Formen verbunden, die dem Ausdruck von Hochachtung und Anerkennung sehr unähnlich sind; matt tut, als ob Geschenke gemacht würden. ..Die. Kultusgemcindc, die sich allen Sclbständigkeitsbestrebungen gegenüber' immer auf das Staatsgesetz beruft,, hat nach diesem. Gesetze die Pflicht, auch Bethäuser für diese Gruppe cinzurichten und zu erhalten. Diese Pflicht haben die altreligiösen Vereine ihr abgenommen. Und weiters hebt die Kultusgemeinde auch von allen orthodoxen Juden die Kultus- Steuer ein; sic verwaltet, also die öffentlichen Mittel für diese; sie müssen also auch für diese verwendet werden. Wenn die Schiffschul bis jetzt auch nie einen Groschen Subvention von der Kultusgemeinde angenömmen hat und alle ihre Einrichtungen, die sie ja der g esamten Judenschaft zur Verfügung hält, völlig .aus eigenen Mitteln, auch wenn sie mit großen Opfern aufgebracht werden, erhält und jeden Beitrag der Gemeinde für ihre Institutionen ablehnt, hat das seinen theoretischen Grund. Es soll dies die besonders scharfe Betonung der Unabhängigkeit sein. Aber das muß nicht so bleiben: Wir haben das Recht, zu verlangen, daß unsejre Steucrgeldcr für 11ns ■verwendet werden, und die Inanspruchnahme unseres Rechtes ändert nichts au unsercr Unabhängigkeit. Die geeinte Orthodoxie könnte alle ihre materiellen und ethischen Ansprüche mit mehr Nachdruck und mit mehr Erfolg geltend machen. Wohl sind seit Jahren wiederholt Versuche gemacht worden, eine organisierte Vereinigung der Bethäuser zustande zu bringen. In Wien ist aber politische ■Tätigkeit Saisonarbeit. Wenn die Tage kürzer, die Abende länger werden, beginnt man zu sprechen, zu verhandeln. Mjt den ersten Vorbereitungen wird man vielleicht fertig, wenn man vor Peßach steht.' Mit dem Chomez werden die vorbereiteten Gedanken weggeräumt,' übgr den Sommer eingekampfert, um' dann, wenn es gut geht, itn nächsten Winter neuerdings Gegenstand dieses heiteren Spieles zu werden. Hier einen Wandel zu schaffen, wäre Pflicht der maßgebenden Personen. Ohne Verzug, ohne Voreingenommenheit,■ in wahrer Liebe und Begeisterung für Thora und Judentum muß man eine einheitliche, unabhängige und selbständige Organ-isation schaffen, Die Gesamtheit der glaubenstreuen ,Judenschaft Wiens muß sich ihrer großen Aufgabe bewiißt sein.. An der Scheide zwischen Ost und West hat sie zu zeigen, daß auch im vollen Lichte modernster Kultur das alte Thorajudentum mit seinem wärmenden, göldenen Glanze alles überstrahlt. - Ibri.'״ .״Nachbemerkung, der ״Redaktion; Der Verfasser behandelt in diesem Artikel ,eines der brennendsten Probleine der Wiener Judenheit, das' gewiß alle führenden Männer beschäftigt־, in einer klaren ,und sachlichen Weise und eine nachfolgende Diskussion, •der wir gerne 'unsere Spalten öffnen, . würde sicherlich wenigstens zu einer Klärung dieses Problems beitragen. Wir fordern die Füllrer der orthodox-jüdischen Organisationen auf, zu diesem Problem Stellung zu nehmen. immer eine große Zahl im Kopfe habe, ׳,Schweren '•Herzens setzte man die Reise fort. Und bald/,war-Vlie Residenz und •der königliche Palast .'erreicht: Wie man des Palastes unsichtig war, begann', der Fuchs zu weinen und zu schreien and klagte: ',Volle '300 Me sch olim habe ich ■im Gedächtnis gehabt, als. wir die Wunderung antruten. Aber jetzt, wenn ich vor die Majestät Um trotz der DevisensperrQ die Verbindung mit dem Auslande aufrechtzuerhalten, habe ich nunmehr ein großes Lager fertiger Perücken aller Nuancen vorbereitet, um den durch Wien reisenden Damen eine individuell dein Gesicht entsprechend modellierte Perücke schon innerhalb sechs Stunden liefern zu können Besitzer derweltbekannten PeriicKeivKumtwerkstätte Wien 1, Kärntnerring 6 «r Telephon Nr. U-47-1-16

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