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Jüdische Presse · 1932-09-02 · 35 (2.9.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
35 (2.9.1932)
Date
1932-09-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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i׳ i NottoovA trovofenft MtiJNMt t tei«ffft!4ff t Btatisiave 2lft» 41372*tIwÄ. vom Verleger mwftiftt Jottfflai e*p4dte pat l’ältte«t. Redaktion ü. Administration: Wien, 11., Große Pfarrgasse 3/3. — Tel. A*45*3*8i. Tschecho* Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. —- Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig! Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen 8uf Konto *jüdiseh« Presse*, Wien für Oest er reich! Post8parkas1enkontäNt.D-93614; Deutschland! Postscheekkonto Berlin Nr. 122619: Jugoslawien! Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217: Polen! Postspk.rAmt Warschau Nr. 190409; Ungarn! Postspk.-Amt Budapest Nr.S0170; Schweiz! Post« scheckk. Zfirleh VIII, 4117; ffir die Tschechoslowakei i , Jfl. dische Presse“, Btatlslava, Postspk.-AmtPrag Konto Nr. 53386 Nr. 35 Wien-Bratislava, 2. September 1932 .ב*ד, דנא־םרעסבורג א אלול תוצ׳ג 18. Jahra• An dev Schwelle des Elul. Während diese Zeilen zum Druck gelangen, ertönen in den Synagogen die ersten Schofai'klänge. Elul ist gekommen mit seiner alljährlichen Mahnung zur Selbstbesinnung. Wie so oft aber im Laufe der letzten Jahre, bringt dieser Monat auch heuer unserem' Volke einige Verstärkungen mit, auf dlaß sein! Ruf um so deut- •»licher vernommen werde. Diesmal ist es für uns in Wien die bevorstehende Ankunft des Mannes, der sich selbst den ״Trommler“ nennt, und wir haben somit allen Grund, uns einer Verstärkung des Elul-Orchesters zu freuen. Zwar wurden Adolf Hitler nur zwei Tage f׳tyr seinen Aufenthalt in Wien zugestanden, allein auch diese, zwei Tage dürften genügen, die Wiener' Juden- Schaft von diesem Hitler weg die Augen auf den Hüte r, den שומר ישראל richten zu lassen. Es ist aber nicht nur schon Elul, wenn Hitler kommt, sondern ganz genau der 18. September, der Tag des Schulbeginns. Als sollten׳ damit die Wiener jüdischen Eltern noch ganz besonders daran erinnert werden, was überall möglich ist und in Deutschland vor kurzem auch tatsächlich passiert ist. Da spielten׳ nämlich irgendwo in einer Klasse die Buben ״Drittes Reich“ und begannen dieses schöne Spiel damit, daß sie einen jüdisehen Kollegen aufknüpften. Es war — diesmal — nur dem rechtzeitigen Erscheinen einer Aufsichtsperson 5811•' verdanken, daß kein Unglück geschah. Daß aber heute niemand mehr für die Vermeidung solcher Dinge bürgen kann,, dürften wohl selbst die überzeugtesten Gegner der Jüdischen Schule bereits einsehen gelernt haben. ׳׳..■׳׳׳••■ * Wie man in den Wald hineinruft, so hallt es wider. Ja, die besten politischen Sitten können durch schlechtes Beispiel verdorben werden, und so ist es gar nicht verwunderlich, wenn sich die braven Hakenkreuzler jetzt auf einmal in beweglichen Tönen darüber beklagen, daß' ihnen Sprechchöre den frommen Wunsch ״Hitler, verrecke!“ in die empfindsamen Ohren brüllen. Wie lange ist es denn her, daß diese auf einmal so zartbesaiteten Seelen ihre Wahlpropaganda auf den ebenso frommen Schlachtruf ״Juda, verecke!“ bauten? Was dem einen recht ist, muß aber wohl auch in der Politik dem anderen billig sein. . * Ucbrigeus konnten dieselben Hakenkreuzler vor einigen Tagen nicht umhin, den Wiener Sozialdemokraten anläßlich einer ״Palastrevolution gegen die jüdischen Führer“ im antisemitischen Wohlverhalten die Note Eins auszustellen. Sie haben damit endlich entdeckt, was besser Eingeweihten schon lange kein Geheimnis war, daß nämlich proletarisches Klassenbewußtsein und marxistisches Glaubensbekenntnis vor Torheit — pardon, Antisemitismus nicht schützen, Wir fürchten nun aber, daß angesichts dieser Erkenntnis die Existenzberechtigung des Nationalsozialismus ganz in ihr Nichts züsammenschrumpfen und die Sozialdemokratie das Erbe alles dessen, was am Nationalsozialismus ,״sozialistisch“ ist, antreten könnte. * Wie dachte Nietzsche, jener Denker, auf den die Gedankenlosigkeit des Antisemitismus sich so gerne beruft, in Wirklichkeit über den Antisemitismus? ״Junge Menschen, deren Leistungen nicht gemäß sind, suchen sich einen Gegenstand zum Zerreißen aus Rache, meistens Personen, Stände, Rassen, welche nicht gut Wieder- Vergeltung üben können: Die besseren Naturen machen direkten Krieg! Auch die Sucht zu Duellen ist hiehergehörig. Der Bessere ist, wer einen Gegner wählt, der nicht unter seiner Kraft ׳und der achtungswert und stark ist. So ist der Kampf gegen die Juden immer ein Zeichen der schlechteren, rieidischeteii iind feigeren Naturen gewesen: und wer jetzt daran teilnimmt, muß ein gutes Stück pöbelhafter Gesinnung in ■sich trügen.“ Das ist wohl genug, um den Antisemitismus, den marxistischen ,ebenso wie den nationalen, den ״religiös-ohristlichen“ ebenso wie den airabischen, abzutüh. Aber es deutet auch an, daß 'Nietzsche den Juden, auch wenn er schon als Gegner anziisehen wäre, nicht eben für den ״achtungswertesten“ Gjegher hält. Und das ist unsere Schuld, unsere eigenste Schuld, eine Schuld, die aber freilich nur uns angeht. Wir lassen die Elultage der vielen״ vielen Jahre an uns vorübergehen׳, als ob nichts geschehen wäre. Noch immer wird, wie erst jüngst die Tagung der liberalen Juden )in!Holland zeigte, an der Konstruktion! eines liberalen Judentums festgehalten lind gearbeitet und werden die echten, die um wandelbaren Grundlagen des Judentums verkannt und .verachtet. Eine sehr treffende Illustration zu :dieser Mentalität, die ein ha 1 b es Ja 11 r 11 u n d e r t v er sc h 1 a f e n zu haben scheint, bildet dlie Kontroverse, die jüngst in einem Wiener jüdischen-Blatte'darüber äbgeführt Wurde, daß. ein mährischer ProvinziabbitililP'sich gegen das ihm vom Tempeldiener befohlene Aufstehen beim ״Schema“ in einer Wiener Synagoge wehrte. ־ Als ob es in dieser Synagoge vom Standpunkte des Schulchan Aruch sonst nichts zu beanständen •gäbe! Dennoch stehen diese׳ Jud en, da man ja, was man verachtet, nicht reformiert, eigenilieh noch himmelhoch über jener Generation von heute, deren Kommen sie nicht bemerkt zu haben scheinen, einer Generation, die nichts mehr reformiert, die allem •Nachdem wir und andere jüdische Zeitungen die ״Krieigsipfade“ des Sekretärs bei dem palästinensischen Kmkschen Obe r rabbiin at aufgedeckt und dadurch dlie nicht ohne Raffinement ausgedaebteu Quertreibereien geigen die Neubesetzung der durch den Heimgang des Rabbi Josef Ghajian Sonnenifeld vakant gewordene Stelle des Oberrabbiners der orthodoxen Gemeinde in Jerusalem endgültig unwirksam gemacht hüben, ist' Am Lager der Gegner der. . selbständigem Orthodoxie in Erez Jisroel nicht geringe'Verlegenheit׳ entstanden. Namentlich die von ׳uns im Original bekaainfgegeib'enen Briefe des Oiberralbbinens Jakob Mein־ and' des Soko lower Rabbi haben ein! solch klares Licht auf diese ganze Intrige geiwoiifem, daß es sich als über-;flüssig erwies, auch die weiteren׳, zur Verfügung stehenden Dokumente und. die anderen Kauidgelbuiiigen 11ervorraigender autoritativer Persönlichkeiten und Kenner der Verhältnisse der. Odfifentliohkeit zu übergeben. In Erez Jisroel ■selbst ging man sofort über diesen! amrühmlichen Stärungsiversucih gegen die Weit er entwichlung ■der orthodoxen Gemeinden!zur Tagesordnung' über und auch Am Auslände wußte man zur Genüge, woran man ist. Man׳ überließ alles übrige dem ״Misrach Hürabbanavtb“, diesfeen eigenstes Interesse es.alfe dringend geboten erscheinen ließ,, die Waffen-, die man An seinem Namen gegen die Orthodoxie verwendete, a׳ulf Sauberkeit iziu prüfen. Diese Säuberung nahm das sephardische Oberhaupt des Oberrabbinats, Rabbi Jakob Meir, in der Tat sofort in Angriff. Die Orthodoxie in ^Palästina könnte nunmehr ohne viele Lamentationen Jüdischen gleichgültig und fremd gegenübersteht. Diese religionslose Judengeneration ist aber aus der Schuld der reformatiönssiiehtigen Generation von gestern hervorgegangen, und wenn׳ noch etwas an ihr gerettet werden, kann, dann ist es nur ein Erwachen, eine Umkehr zum fcstverwurzclteu und darum auch ächtungswerten. Judentum, die der religionslosen und darum nach, fremden Idealen suchenden Judengeneration, von heute. Halt gebieten kann. , . . * . ־ Nicht: weniger 'anachronistisch als die Reform-.׳ freunde, die an einem liberalen Judentum ciuacksalherfi,.' als lebten sie noch in den Zeiten der Geiger und Hold-׳' heim, muten auch die Doktrinäre an, die in Genf die' Einberufung eines auf demoki'atischer Grundlage zu wählenden jüdischen Weltkongresses beschlossen. Von den sonstigen, den religiösen und den politischen Gefahren eines solchen Weltkongresses war an ‘ dieser׳ Stelle schon einmal die Rede. Es erübrigt daher nur noch der Hinweis darauf, daß, während die’ neueste Entwicklung in'Deutschland gezeigt hat,, wohin die Demo- : kratie führen kann, wenn •sie nicht wenigstens י durch; autoritäre׳•Persönlichkeiten eine Korrektur erfährt, bloß einßr Theorie* zuliebe ausgerechnet׳ die Vertretung des l Weltjudentums , den;.. Zufälligkeiten .der Mehrkeits-! bildungen. außgeliefert weiden soll, Geschichte .— und : Gegenwart lehren aber joden, der zu lernen versteht, daß auch im Judentum immer nur die Besten, die Berufenen führend waren, und so gilt für die äußere sowohl als auch für die innere Stellung des Juden: daß im. Elul das jüdische Volk, ׳wenn es ״ השיבנוFühre uns zurück!“ betet, diesen Wunsch mitדורש'ימינוכקדםmit dem Gebete nach Erneuerung und Wiederbelebung der Güter der Vergangenheit schließt. ElkanSe gal. mit Hilfe der Gesamterth'odioxie a.11 den Ausbau!ihrer Gemeinde schreiten und die Lücke ausiziifüllen׳ trachten, die das Ableben _:i,h׳1׳es großen Führers An sie gerissen hat. Vom' Raibibimatssekretär Samuel׳ Aron Weber hörte mau nur noch, daß er inn A ans. 11 a nd e, niicht in Erez Jilsroel, seinem Ohef Rabbi Jakob Meir untersagen ließ, Ahm Jemals wieder mit seinen• Kuuidigebiutilgen so unangenehm zu wenden wie jetzt. Wir ׳hier ׳in der Slowakei hatten allerdings auch, nach uuiseren uulbezweifelbaren Veröffent׳Iiclh־u1nge׳n , die Wonne, vom Bratislavaer Sprach,robr der zianiistischen Orthodoxemliebe zu hören, daß es seine Bezichtigungen gegen die Wortführer und Sachwalter der unabhängigen Orthodioxie in Jerusalem trotz alledem ״hundertprozentig“ aufrechterhalte, mit seinem Beweismaterial aber allsolange zurtieikhalte, bis nicht audh der Frankfurter ״Israelit“ das, was e׳v schon wiederholt k'lav und sehr deutlich gesagt hat, •iilnni zuliebe noch eAinm1a!i• sagen werde. Wir denken, die jüdische Oelfifen׳t׳lidhkeit wird ihrie Neaigie.rde bis dahin bezähmen und luih'ig ab-' warten können:, zu erfahren, mit welcher• Klügelei der orthodoxen Gemeinde in Jerusalem , auf zionistisches Geheiß verwehrt werden soll, ihrem großen Oberralbbinev Rabbi Ghajim Sonnemfefd ז״ל , einen würdiigeii Nachfolger zu bestellen. Inzwischen ist Oiberrabbineir Jakob Meir, der in seiner sephardischen Gesinnungsschliqhtheit die große und scheinbar einzige zionistische Miziwa •defe Kampfes: gegen die Selbständigkeit der Orthodoxie offenbar nicht ganz anerkennt, gegen die '..,Anmaßungen, seines Eine neue Kundgebung von Oberrabbiner Jakob Meir♦ Die welt.be kannrite Perücken*Kunstwerkstätte ATUMAD liUlEB Wien I, Kärntnerring 6 Vr | n m % ■HIW 8 0181» •»•יו״י״ס•■) ■י יr1»»ot) t«i. «.47.1.18 räumt ihr reichassortiertes Lager an Perücken, Transformationen etc. «1 ZEIT• QEMKSS REDUZIERTEN PREISEN! Benutzet raschest diese nUnstlje Qelagenheltl Nur kurze Zeit! Solange der Vorrat reicht! . ׳.•־.־ t _

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