Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 34 (26.8.1932)
- Date
- 1932-08-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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wird, wurde in der Nacht vom 16. zum 1?. August ein Öynamitaiisehlag• auf ein leerstehendes' Haus versucht» Die polizeiliche Untersuchung des Falles ist noch 1116111 abgeschlossen. In der Bevölkerung der Umgebung, die ,ausgezeichnete Beziehungen zu den jüdischen Siedlern unterhalt, herrscht lebhafte EmpöVung über den Anschlag. Der Tater dürfte׳ von auswärts gekommen sein und ist gleich nach der Tat wieder verschwunden. Die Siedler erklären, der. Vorfall werde sie zu noch gröiterem Eifer bei der Durchführung des Siedlungiswerkcs .anspornen. Das Leipziger Meßamt weist jüdischen Kräften keine Beschäftigung nach Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen «Glaubens, Landesverband Mitteldeutschland, teilt mit: ״Das Leipziger Meßamt hat eine Arbeitsvermitt- lung, welche für die Zeit der Messen Beschäftigung nachweist. Es ist in den letzten Jahren immer wieder aufgefallen, daß jüdische Kräfte, welche sich meldeten, kaum je beschäftigt wurden. Auf wiederholte Klagen'ist nachgeforscht worden, und es hat sich herausgestellt, daß das Leipziger. Meßamt von den Bewerbern bei der Stellen- Vermittlung die Angabe der Konfession verlangt! Nach den in heutiger Zeit allgemein gemachten Erfahrungen bedeutet das lediglich den Willen, jüdische Kräfte auszuschalten, und wie die Beschwerden beweisen, ist es tatsächlich der Fall gewesen. Beschwerden beim Meßamt und bei seiner Vorgesetzten Behörde, dem sächsischen;Wirtschaftsministerium, haben keinen Erfolg gehabt. Beide haben die antisemitische Tendenz bestritten. Das .sächsische Wirtschaftsministerium hat die Beschwerde freilich aus mehr formellen Gründen zurückgewiesen. Es steht auf dem Standpunkt, daß der Artikel 136 der Reichs- Verfassung, nach welchem die Frage nach der Konfession .verboten ist. sich nur auf Behörden bezieht, und daß das Leipziger Meßamt im Sinne •dieser Vorschrift eine Behörde nicht ist. Vollsein, regelwidrige. Gürtingsvorgänge im Dickdarin. Magensäureiibersclmß, Leberanschopptmg, Gallen- Stockung. Brustbeklemmung. Herzklopfen werden ziimeist durch das natürliche ״Frnnz-JpseP*-Bitterwasser behoben und der Blutandrang nach dem Gehirn, den Augen, den Lungen oder dem Herzen vermindert. Aerztliehe Gutachten verzeichnen wahrhaft überraschende Ergebnisse, die mit dem Franz-Josef-Wasser bei Leuten mit sitzender Lebensweise erzielt wurden. Das ״Franz- JoseP-ßitter>vasscr ist in Apotheken. Drogerien und Mineralwasiserhandlungen erhältlich. Abermals judenfeindliclie Ausschreitungen in Tunis. 1 Zum zweitenmal innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit haben sich in Tunis, diesmal in der Ortschaft Soukahras. judenfeindliche Ausschreitungen ereignet. Eine, etwa- 500köpfige Menge versuchte,■ eine jüdische Druckerei zu stürmen., und griff, nachdem sie von der Polizei zurückgetrieben worden war. jüdische Läden an. Militär schritt ein und zerstreute die Aufrührer. Personen wurden nicht verletzt, der angerichtete Sachschaden ist nicht bedeutend. Die jüdische Presse ist voll •des Lobe!s über das Verhalten der militärischen und zivilen Behörden, und zwar , sowohl der französischen als auch der eingeborenbn. Dem Polizeikommissär Schwartz, einem Nichtjuden, der bei der Unterdrückung der judenfeindliclien Ausschreitungen, die sich vor kurzem in Sfax ereigneten, -eine hervorragende Rolle gespielt bat, wurde der Orden . Ischtar ׳Niftikar, eine hohe tunesische Auszeichnung, verliehen. Neuer Vorstoß der Sclniclitgipgirer in Estlartul. Der estländische Tierschutz verband' bestürmt neuerdings, die Stadtverwaltung von Reval mit Eingaben, in denen ein Verbot des Schüchteus gefordert wird. Der 'Tierschutzverband protestierte ferner in einer Eingabe an den Sinatsgcrichtshof gegen die vom Landwirtschaftsminister im '״Regierimgsnnzeiger“' veröffentlichte Ver- Ordnung, in der dargelegt wird, daß das Schächten nach jüdischem Ritus — soweit diese Schlachtungsart nicht den Schiherz des Schlachtticrs erhöbt — in Estland •durchaus .erlaubt i?t tind forderte Annullierung־ dieser Haus und iiberbrachte einen Einschreibebrief. Der Rabbiner öffnete das Kuvert. Darin lagen die gleichen vier Hundertguldenscheine wie unberührt. Dazu ein Schreiben von Rabbi Chajim Sonnenfeld, in dem es hieß: ״Ich er- 'hielt Euren Brief mitsamt dem Gelde. Da aus dem Schreiben zu ersehen ist, daß Euch das Geld von einer F/rau eingehändigt wurde, ohne daß darin gesagt wird, ob auch •■der Wille des Mannes dabei war, trage ich Bedenken, das Geld anzunehmen. Ich bitte Euch, den Betrag der Frau wiederzugeben und für den Fall, daß der Mann inzwischen davon erfahren hat und es seiner Frau verargt, ihn zu beruhigen, ihm klarzumachen, daß es die Frau nur zur Hebung des Familienglückes versucht hatte, und den Frieden zwischen Mann und Weib, sollte’ er gestört sein, wieder herzustellen. Selbstverständlich habe ich die gewünschten Gebete an heiliger Stätte verrichtet und auch andere bestellt, es zu tun. Möge der liebe G-tt die Gebete erhören.“ Mit Tränen der Rührung verabschiedete sich der Mann vom Rabbiner. ״Ich weiß nun, was wahre Weis- 'heit und Seelengröße ist“, sagte er. « Es wird ein geniales Wort Rabbi Chajms über den Wert von Theaterspielen in orthodoxer Gesellschaft tra- ■diert, das man mehr als nur ein Bonmot werten und heachten sollte! Es heißt (Genesis 21) ״Und es sah Sarah den ׳.Sohn Hagars... spielen“ (מצחק )• Und so wollte sie nicht ferner dulden, daß ihr Sohn Izchok mit Ismael beisammen bleibe, Raschi bemerkt zu מצחק Ismael trieb Götzendienst, er trieb Unzucht, er vergoß unschuldiges Blut ( TD3? ,ע״1 ג״ע )• W’1e kann Raschi so weit über den Wortsinn des מצחק hinausgehen und Ismael so schwere Delikte anhängen? In Wahrheit blieb der Wortsinn des מצחק anangetastet. Ismael spielte, er spielte Theater. Und wo Theater gespielt wird, ergeben sich jene drei Sünden von :selber: Nachahmung fremder Bräuche ( jy ), Lockerung -der.Sitten (ג״ע ) und zuletzt Blutvergießen ( yty )• Unreife junge Menschen, die keine Grenze noch Hemmung kennen, dünken sich oft besonders witzig, wenn sie die Ehre und das Lebenswerk verdienter Männer öffentlich in' den Kot zerren. Ismael spielte. Was solches Spiel bedeutet, verrat Raschi, und er sagt damit zugleich, warum es ein Bei- .sammenbleiben mit ihm für den Sohn der Sarahs nicht .־mehr geben konnte- Verordnung. Der Staatsgeriehtshof ging aut die Eingabe nicht ein. Schließlich hat der TierschnUterein in mehferch der Presse zugegangenen Darstellungen das Schächten als tierqnälerisch befeichhet. Diesen Dar- Stellungen tritt ttttn der estländische Arzt und Gelehrte Dr. A, Adam in einer längeren, in einigen estländischen Zeitungen erschienenen Abhandlung entgegen, in der auf Grund eigener Forschungen und der fachmännb sehen Urteile einer Reihe Gelehrter von Weltruf nachgewiesen wird, daß das Schächten eine der humansten Tötungsarten für das Tier ist, da durch das schnelle Durchschneiden der Halsschlagader das Tier im Verlauf von 10 bis 15 Sekunden das Bewußtsein vollkommen verloren bat. Dr. Adam weist darauf hin, daß in Deutschland wie -in vielen anderen Ländern die Rndauantisemiten die!Führer im Streite gegen das Schächten sind, und meint, man werde es nicht verantworten können. die in Estland lebenden 4566 Juden durch ein Verbot des Schächtens in schwere religiöse Konflikte zu bringen. Der Artikel Dr. Adams hat in der Oeffentlichkeit Eindruck gemacht. Großer Brand in einem jüdischen Städtchen Ostgaliziens. ln dem hauptsächlich von Juden bewohnten ostgalizischen Städtchen Snyatyn wurden auf dem Marktplatz!? Häuser durch einen!Brand vernichtet. >2 jüdisehe Familien!sind obdachlos geworden. Der Schaden beträgt 150.000 Zloty. Eine Untersuchung über die Ursache des Brandes wurde eingcleitet. Antisemitische Ausschreitungen in Argentinien. Die antikommunistische Bewegung in Argentinien hat in letzter Zeit immer mehr-antisemitischen.Charakter angenommen. In den letzten Tagen ist es mehrfach zu Ueberfüllon auf jüdische Passanten und Angriffen auf jüdische Stadtviertel gekommen. Donnerstag abends wurde die Redaktion der linksgerichteten Wochenschrift ..Liberdad“ überfallen und die Einrichtung demoliert, fm Anschluß daran kam es zu Ueberfällen in den jiidisehen Stadtvierteln Baracos und Boca. Am Freitag wurden etwa 100 Juden einzeln überfallen und mißj Ts" checho Orthodoxe Juden und Mittelschulen• Seit einiger Zeit macht «ich auch *in orthodoxjüdischen. Kreisen in der Slowakei eine zähe Propagunda .bemerkbar, die auf eine Erleichterung und Vermehrung des Eintritts jüdischer Kinder •in die Mittel sch u len‘ ihins-t rebt. Bei •der furchtbaren Wirtschaftskrise, durch welche gerade die breiten •Schichten des jüdischen religiösen Mittelstandes in katastrophaler Weise ■in Mitleidenschaft gezogen werden, i!st es .nicht erstaunlich, daß eine solche Propaganda, die bei oberl'lächlichcr Betrachtung der Dinge der jungen Generalion den Ausblick nur׳ bessere Erwerbsmögiiehkeit eröffnet, vielfach Gehör finde^ Der Handelsstand ist ruiniert. Das Handwerk verkümmert immer mehr und ist nicht .imstande, einer Familie!Brot zu geben. Die La ud wi rtschu ft erfordert größere Betriebskapitalien, als sie der darciliscbnittliche ortbdöxe Jude aufzubringen vermag. Oeffentliehe Beamtenstellcn sind ׳ihm ׳wegen des Schabbas ,in der Regel verschlossen. Qualifizierter Fabriksarbeiter kann er aus dem gleichen Grunde nicht werden. Die rab.binische Laufbahn ist nur einzelnen zugänglich. Zum Lehrer taugen auch nur wenige. Was anderes bleibt also einem besseren frommen jüdischen jungen Mann noch ’übrig, als jene freien sogenannten Weiße Zähne: Chlprödpnt Rabbi C h a j i m s Z i o n s 1 i e b e. In den letzten zehn Jahren mußte Rabbi Chajim im Hochsommer für!einige Wochen aus der alten Stadt Jerusalems hinaus. Er pflegte im Diskinschen Waisenhause, das auf der Höhe in guter freier Luft liegt, Aufnähme zu finden. Er bestand aber darauf, alle Ausgaben, auch die Miete für das Zimmer, genau zu bezahlen, weil er von Waisengut nichts genießen wollte. Außerdem weigerte er sich, volle dreißig Tage außerhalb der alten Mauer zu bleiben, und pflegte schon Ende der dritten Woche in seine Wohnung in der Altstadt zurückzukehren. Im Sommer des letzten Jahres hatte er keine Ruhe und drang darauf, schon nach zwei Wochen nach Hause zu kommen. Seinem vertrautesten Freunde flüsterte er den Grund ins Ohr: ״Ich fühle, wie meine Kräfte sinken, und möchte, wenn es zu Ende ist, nicht die Heilige Bruderschaft und die Jerusalemer Bevölkerung den weiten Weg von hier bis zum Oelberg bemühen.“ ♦ Seine Liebe zum heiligen Boden ging so weit, daß er, solange die Kräfte ausreichten, stundenlange Wege zu Fuß machte und einen Wagen ablehnte.^ ״Jeder Schritt auf depi heiligen Boden ist eine fromme Tat“, pflegte er zu sagen. Es jubelte sein Herz, wenn er die neuentstandenen Stadtviertel besuchte und er den neuen Aufbau mit der Zeit verglich, da er nach Jerusalem kam und außerhalb der• Mauer sich fast nur Steinwüsten befanden. Wenn er einen Neubau im Entstehen sah, pflegte er stets zu flüstern: ״Bone Jeruscholajim Haschern“, Als er einmal vor einem gewaltigen ׳ Baukomplex stand und mit Bibelworten seine Freude darüber zum Ausdruck brachte, machte ihn der Begleiter darauf aufmerksam, daß das Haus einem Nichtjuden gehöre. ״Schadet nichts“, sagte der Rabbi. ״Die Väter haben unser Jerusalem zerstört, warum sollten ihre Söhne nicht mithelfen, Jerusalem wieder aufzubauen?“ Als die agudistische Kolonie Machne Jisroel gegründet wurde besuchte sie schon gleich in den ersten Tagen Rabbi Chajim und war ganz glücklich, fromme Juden bei der Feldarbeit zu sehen. Plötzlich trat er an einen der Pflüger heran״ nahnv ihm das Ackergerät ab upd führte das Ochsengespann über die Beete wohl eine halbe Stunde lang. Darauf ging er an den Brunnen, schöpfte mit dem Eimer Wasser und tränkte die Saaten, Er bat seine Begleiter, es ihm nachzumachen, und indem sie Eimer auf Eimer schöpften’, sangen sie dabei die fünfzehn Stufenlieder des König David... handelt. Die Polizei war gegen die Änssef1feift1tt|ett machthps, Es mnßte abends^ militätische Vetstärkiiltg Zur ÜnterdMickuhg der Unrrilven;ftVfät1gezo|w׳'-‘''iii1#rda1r. Faschistische Gfuitpfeu -;'dhingen aüfelrirt einzeln^ Kihtftheater in den jüdischen Vierteln ein und mißhahdelten die Zuschauer. Uniforniierle Nationalsozialisten in Spanien , unerwünscht. Die von dem bekannten spanischen Abgeordneten und philosophischen Schriftsteller Don Jose Ortega y Gasset herausgegebene republikanische Abendzeitung ..Luz“, veröffentlicht einen gegen die antisemitische Hitler-Bewegung in Deutschland gerichteten Artikel, in dem besonders dagegen protestiert wird, daß deutsche Nationalsozialisten, die Spanien besuchen, dort Uniformen und Hakenkreuzabzeichcn tragen. . Die Invasion dieser Herolde des Antisemitismus, Antitsozialismus und der Xenophobie in die spanische Halbinsel, schreibt das Blatt, wird nachgerade unerträglich. In Spanien sind Besucher aus allen Ländern willkommen, aber es kann ihnen nicht gestattet werden, die Gastfreundschaft zu mißbrauchen. Das Ztirschaustellen antisemitischer Embleme ist eine Beleidigung für unsere jüdischen Bürger und für die irt unserem Lande lebenden ausländischen Juden, sowie für uns alle, für ganz Spanien. Bestattung der Reste der in Jassy geschändeten Thorarollen. Am II. August (Tisclia b’Aw) ׳wurden in Jassy die Reste der zehn Thorarollen, die bei der Devastierimg der Jassyer Synagoge durch Mitglieder der ״Eisernen Garde“ im Mürz d. J. zerrissen, geschändet und zum Teil verbrannt worden waren, feierlich bestattet. An der Bestattungsfeier nahmen viele tausende Juden teil. Die Thorareste wurden in Seidcnhüllcu gewickelt, mit schwarzen Leichentüchern umhüllt lind von •den Rabbinern der Stadt und Umgebung auf den Friedhof getragen. Von (2 Uhr mittags au, dein Beginn der Trauerfder, waren in Jassy alle jüdischen Geschähe und Büros geschlossen. Slowakei 1 ■■■■■■■■■■■■■■■■■«■■iS ״intelliigenten“ Berufe, zu denen der Zugang durch d.ie Mittelschule führt. Deshalb erleben war!in diesen Jahren abermals einen solch starken Drang zur Mittelschule, wie etwa vor Jahrzehnten-, als die" Tore dieser Schulen sieb überhaupt zum enstemnäl dem Juden geöffnet hatten und der besser situierte Jude vielfach den Gipfel seines Glückes darin erblickte, •wenn sein Sohn miit einem akademischen Grad seinen ׳jüdisch klingenden Namen zieren konnte, und •mochte es diesen Namen selbst und noch vieles andere, was ■sich •an guten Traditionen und religiösen Lobenswerten an ihn knüpften, kosten. Man kann gerechterweise nicht? behaupten, daß diese Argumentation von Gnund auf falsch ist. Es .läßt sich nicht leugnen, daß Lebenshaltung und allgemeine Lobeh'sver.hültnisse!in der •Gegenwart jedem jüdischen Vater eine gewisse Besinnlichkeit a 11 f zw׳iu1g■ e n, die ihm nicht ׳!immer von vornherein eine erzieherische Gedankenriehtung verschließt, ähnlich der, die den Weg des Kindes in die!staatliche oder konfessionelle Mittelschule weist. Hallen wir dabei i׳m!besonderen den auf riehtigeu, .bewußten ׳und •nicht bloß igcwoilinh e i t s m n ß i g •e 11 ־1 0׳ t h o d o x e n J u d e 11 im Sinne, so schaltet sieb!in •seine ■Gedankenreihe noch die tröstende — und sagen wir es •mir bald heraus: tüusehende — Erfahrungstatsache ein, daß cs im •ln- •und Auslände vielen (wie er •meint!) oder wenigen (wie es in Wirklichkeit der Fall i׳st!) gesinnungsverwandten Juden auch in diesen intelligenten, für auserlesene, nach Einen 11nd großen Reichtümern •lechzende Menschen vorbeihaltenen Berufen gelungen ist, ihre Treue zur religiösen Wahrheit des Judentums in Theorie und Praxis ungeschmälert zu bewahren und dazu noch auch der Gesamtheit in der!Apologie des orthodoxen Judentu ins unvergängliche Dienste zu erweisen. Was sieh bei dem einen so gut bewährt hat, weshalb sollte ps nicht Gemeingut werden können? So ungefähr deucht es denjenigen, die in der Not aus der Not sich eine Tugend zu recht 1 egen möchten.!Auf dieser Stufe möchten wir!heute der Gedankenreihe nicht folgen; sie führt izm allgemeinen menschlichen und speziell jüdisch-religiösen Biklungs- Problemen, die selhr gründliche Erörterungen und weitreichende Auseinandersetzungen erfordern, Wir gehen ja heute ohnehin bloß von den Forderungen aus, die an unsere Gegenwart ans der Wirtschaftsnot heraus ergehen. Da wird wohl die 'Feststellung!genügen, daß es erst e 11 s ■sowohl ’ bei uns a;1 s •a!11 c ih i •m A ׳u 61 ׳ a'n d ■ nur sehr vereinzelte, gezählte wenige sind, die sich in diesen Berufen ohne starke ,Konzessionen!an die tlieoretlscjien oder praktischen Gesetzesübertretung plaeieren konnten und daß zweitens mir weder hier in unseren ,Ländern noch im westlichen Ausland auch nur ein Fall bekannt ist, wo ein orthodoxer J u d e i n d i e s •e u <B ־1 0־ u f c n m e ־111׳ a i s n o td ü r f t i 1g, u n t e r ü b e r ui e n s c 1h :1' 'i die 11 A iis׳trcn.gu11g-en, seine Fiamilie zu erhalten ’ ve.vmag, wenn er nicht ererbtes oder anderweitig׳ er- ׳’ worbenes Vermögen besitzt. Von den Vorstellungen, die mun sich hierzulande von den materiellen Erfolgen der religiös Abgefallenen, von dem' wirtschaftlichen Wohlstand, den diese Berufe auch dem orthodoxen Juden bringen würden, macht, kann nüchtern'betrachtet, nicht die Rede sein. Soviel denjenigen zur reiflichen Ueberleg'ung, bei denen die religiöse Primzipientroue auch in der Erziehung ihrer Kinder nicilit iu der letzten Reihe steht, Aber auch vom Gesichtspunkte derjenigen, die sieh über derartige Erwägungen hirewegsetzen zu dürfen glauben, ist der besinnungslose Zustrom vou Juden zu den Mittelschulen nicht ganz unbedenklich•. .In der jüngsten Nummer der ״Selbst wehr‘‘ veröffentlicht Dr. Franz Fried mann •statistische Untersuchungen über diesen Gegenstand, die walirlioh sehr ernst stimmen müssen, wenu man daran denkt, wie das ״inteUigcaite Proletariat“ unter uns ba'kl auwaohsen wird, falls es nicht gelingen sollte, der Einseitigkeit in der Berufssoluchtumg der Juden in unserem Lande zu steuern, Da sehen wir zum Beispiel, daß auf 100 jü-