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Jüdische Presse · 1932-08-05 · 31 (5.8.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
31 (5.8.1932)
Date
1932-08-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Novioovd vtolatnö povolen6 riadit po«t 8 telegtafov « Btatislave äis. 41572״H1»2Ö. Zeitungen votö Verleget versende! Journal exp4die par fldliCÜ. V. b. b. IIIMCPUC DBECCC iiUUIvIiVIE riitwtf■ MtTNOBOXCN JUDENTUMS OflttAN PU■ MC UITERESSEN l ■ Redaktion u. Administration: Wien, 11., Große Pfarrgasse 3/3. — Tel. A*45*3*8L Tschecho* Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig.״ Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. ZamuDuen aut Konto *Jüdische Fresse*, Wien für Oest er reicht Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschlands P09t• Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien 1 Postspk.*A1ni Zagreb Nt. 40217; Polen s Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn t Postspk.-Amt Budapest Nr. 60170; Schweiz 1 Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei 1 *Jü• disehe Presse*, Btatislava, Postspk.-AmtPrag Konto Nr. 533»•■ V׳ ■י‘■' ,׳ . ■. Nr. 31 Wien-Bratislava, 5. August 1932 .נ*ה וינא־שרעסגומ ג״ אב חרצ׳ב 18. Jahrg. T1'$cho«be;Aw« Donnerstag, den 9. Aw, trauert das ,jüdische‘ Volk auf dem ganzen Erdenrund um die Zertrümmerung seiner staatlichen Existenz, um die ■Einiische1׳ung seines Heiligtums in Jerusalem, um das Entweichen der Seheehina aus seiner Mitte. Eine Trauer, die grandios ist durch ihre Grolle und durch ■ihr Alter. Nahezu zweitausend Jahre ist es 11er, daß unser Volk trauert, trauert um vergangenes Glück, trauert unter immer neu einsetzendem Unglück. Oft, gar oft wollte man den Ballast der Trauer von der Seele unseres Volkes wälzen. Wir denken da nur an die Versuche der letzten Jahrhunderte. Beim Aufgang der!glänzenden Sonne des L i b 1!־ ralismns in Europa dachten viele Söhne unseres Volkes, daß es Zeit wäre, des alten Leids zu vergessen und mit vollem Gesicht der neuen Sonne sich zu wendend, im Glück der umgebenden Völker unser eigenes Glück zu suchen. Es gelang ihnen, Jerusalems zu vergossen. es gelang ihnen aber nicht, im Schatten der Völker lluhe zu finden. Sie sind heute unglücklicher denn je. Es fehlt in ihrem Tunern die lebenspendende urwüchsige jüdische Kraft. Sie empfinden am grausamsten die Schläge der harten Faust Esaus, da in ihrem Herzen die Stimme Jakobs schon längst verklungen ist. Sowie der europäische Liberalismus eine schwache ■jüdische Gencrution״ geziieiltet, so brueilte der moderne europäische N a t i 0 n a I i s in u s ein eigenartiges jüdisches Geschlecht hervor. Auch dieses mochte die Jahrtausondalte Trauer des Galuth nicht mehr tragen. Mit eigener Kraft wollte ׳und xvill es Jerusalem aufbauen, um auf eigene Weise die schicksalsschwere jüdische Vergangenheit von sich aibzuwälzen. Auch da\ blieb schmerzliche Enttäuschung nicht aus. Dias jüdische Volk trauert um die Einäscherung des heiligen Tempels in Jerusalem, das jüdische Volk trauert um das Entweichen der Schechina aus seiner Mitte. Diese Trauer kann nur dann in Freude umgewandelt werden, wenn der jüdische Mensch wieder G-ttes Nähe sucht und nach dem heiligen Tempel in SaSJüStfcVe Kifft» jütische Schule TSoCfls ■u.lßauphcAu&fürJwaßest, iind fflädduii mdOfentßtfteäsrafil ' u. fflaCzgasse. <6 Jerusalem strebt. Alle anderen Versuche, den nationalen Schmerz zu löschen, sind Abwege. Die große jüdische Volkstrauer trägt in sich die Kraft des Trostes, daher ist sie so groß, daher ist sie so alt. Aus tausend Wunden blutet das jüdische Volk auf dem) ganzen Erdenrund. In Zentral- und Osteuropa haben sich in tragischer Umnachtung Armut und Haß zusammengefunden, um das Leben unserer Brüder zu verbittern. Diese neuen Sturzbäche des Schmerzes werden in dem großen ulten Meer der Trauet um Jerusalem aufgenommen. Unser Volk weint am 9. Aw, sitzt auf dem Boden und beklagt mit dem Untergang Jerusalems all die Pein, welche ihm die Gegenwart beschert.!Es sehnt sich mit. seinem großen Herzen nach Aufrichtung, nach Auferstehung des G-ttesheiligtums auf geweihtem Boden, nach G-ttesnähe, denn nur er, der Allmächtige, ist der Freund, der ■Hüter Israels. •P• 1 11!Was zu befürchten war, scheint ■Wirklichkeit werden zu wollen. Man wußte, daß im Heiligen Lande der Kreis um Oberrabbiner Kink sehnsüchtig der Stunde harrt, da der große, greise Künder und Vorkämpfer einer klar •und unzweideutig orthodoxen Gemeinde in der Urstadt jüdischer Glaubenstreue, Oberrabbiner Rabbi Josef Chajim Sonnenfeld זצ״ל die Augen schließen würde, um aufs neue zum Kampfe gegen den Bestand dieser •Gemeinde auszuholen. Das wußte man in der gesamten Orthodoxie.! Man wußte aber nicht und man a!1.ntc es nicht, {laß. der Satan, wenn er wieder einmal im religiösen Judentum ein Tänzcheii aufzuführen gedenkt, sich seine Gefährten ausgerechnet in der Slowakei suchen würde.. Kaum sind einige Jahre verflössen, seitdem es.der Orthodoxie ■in lErez Jisrocl nach einem opferreichen Kampfe, s'\vie er selbst im Judentum seinesgleichen sucht, mit G-ttes Beistand gelungen ist, die o r■t 11 0d 0 x e G emei n d e in J e r u sa l e m neu erstehen zu lassen und ihre. U na bh ä 11g i g k e i t v o n <1 e n z i o 11 i s t i s c h e 11 M a c 11 t- Labern und ■ihren rabbinischcn Schleppträgem, außer durch die moralische Unterstützung fast sämtlicher rabbinischen Autoritäten der ganzen Welt auch in g e s e tz 1 i ch e r F o rm im W e g e d es V׳ö 1 k e r b u n d es zu s i ch e r 11, und schon!halten die lieben!Freunde der orthodoxen Selbständigkeit den Zeitpunkt für gekommen, ihre institutionellen Grundlagen mittels unterirdischer Kanäle zu ■unterwiihlcn. Sie taten dies dadurch, daß sie jetzt, nach dem ■Hinscheiden des ersten Oberrabbiners der orthodoxen Gemeincle, Rabbi Josef Chajim Sonnenfcld^ldie Be- Setzung seiner Stelle mit einem würdigen Nachfolgor zu hintertrciben oder doch zu erschweren und zu verzögern sich bemühen. In der Zwischenzeit — hoffen sie — werde sich schon ein Modus finden, um in die Einheit und Eintracht der orthodoxen Gemeinde irgend einen Keil zu schlagen. Wasf vor Jahren trotz des zionistischen — richtiger: jüdischen, aber wegen der Unorganisierthe.it des glaube inst reuen Judentums in zionistische Hände geratenen — Geldes und trotz der unerhörten Gewalttätigkeiten der Zionisten an der feisenfesten, klugen und zielbewußten Ueberzeugungstreue der Orthodoxen •in Jerusalem, an dem ungobroebenen heiligen!Eifer der greisen Führer Rabbi Jizchok Jcruchom Disk in, Rabbi Josef Chajim Sonnen- Feld, Rabbi!Elija.hu Klatzkin s. 1. und namentlich an <lem vorwärtsstrebenden Tatendrang der Jerusa-!einer Aguda-jugend zu Schanden werden mußte, könnte vielleicht jetzt, da die alle Gegner des ortlio- O doxen Judentums •imHeiligen Lande auch an Charakterreinheit und Gesinnungstiefe weit überragenden Mog'ine Hndor nicht mehr auf Erden weilen, einem geschickten und schlauen Dolchstoß aus dem!Hinterhalt gelingen Herr Schmuei Aron Weber, der früher in der jerusalemer agudistischen Zeitung ״Moria“ nicht ohne Idealismus und Talent gegen mäßiges!Honorar für die Aguda schrieb und jetzt beim Rubbinat des Oberrabbiners Kuk die besser dotierte Sekretärstelle erlangt hat und für das G eg׳ ent ei L von Agudas J i sroel eint ritt, richtete — ob mit oder ohne Vorwissen und Billigung seines Chefs Oberrabbiner Kuk tut nichts zur Sache — Briefe au palästinensische religiöse und wohltätige Institutionen ■und an ausländische Rabbiner, von denen alle Welt vermutete, daß sie!für <1 io Nachfolgersehaft von Rabbi J.- Ch. Sonnenfeld זצ״ל in Beträcht kämen, worin nicht weniger stand, als daß der Oberrabbiner der Zionisten' in ■Erez Jisrocl und der zionistischen Gemeinde in Jerusalem in eigener Person auf die Nachfolgerschaft seines geistigen und religiösen Antipoden in der Gemeinde, die sich houptsächlich deswegen gebildet hat, weil ■sie in der Geineinsc.haft mit ihm ■und seinen Gesinnungsverwandten das orthodoxe, historische Judentum gefährdet sehen, religionsgesetzlichen Anspruch erhebe und gegen die Besetzung׳ der orthodoxen Rabbincrstclle mit einem neuen unabhängigen orthodoxen Oberrabbiner Verwahrung einlege. Die Lächerlichkeit, der Oberrabbiner Kuk {furch dieses Meisterstück seines Sekretärs in der ganzen Welt ausgesetzt wurde, ist ihm jedoch noch immer nicht zum Bewußtsein gekommen. Nicht einmal die auch in dieser Zeitung veröffentlichte Kundgebung des im palästinensischen Oberrabbinat ihm koordinierten sefardischen Oberrabbiners Jakob Meir und seine Erklärung, daß er und seine Kollegen von den Briefen des offiziellen Sekretärs nichts gewußt hätten und daß sie im Gegensatz zur Tendenz dieser Briefe jederzeit bereit seien, den frei und selbständig auserkorenen Nachfolger Rabbi J. Ch. Sonnenfelds in Freundschaft zu begrüßen, vermochten der einmal begonnenen .Intrige Einhalt zu gebieten. Im Gegenteil! Wo ein guter und löblicher Wille da ist, dort findet sich auch ein ebenso guter und ebenso löblicher!Weg.!Freilich nicht etwa in Erez Jisrocl, oder anderwärts in der breiten und großen Welt, wo Oberrabbiner Kuk ■und seine zionistischen Getreuen .noch manches zu verlieren hätten, wenn sie sich allzusehr lächerlich machen, sondern — ־in der Slowakei, wo es in den Augen d,er Zionisten ein gewaltiges Verdienst!ist, der Wahrheit und namentlich der organisatorischen Ausdehnung der orthodox-jüdischen Wahrheit — und sei cs auch nur mit Spinnengeweben, mit Spin11cnge-״W e b e r“ — den Weg zu versperren. So fand sich denn auch eine jüdische Zeitung in der Slowakei, die sich vor einigen Tagen in den Dienst des guten Werkes stellte und allen Ernstes in einem Artikel die Behauptung aufstellt und zu beweisen ■rieh abmüht, Oberrabbiner Kuk sei bloß in seiner Eigensc,haft als zionistischer Oberrabbiner v 0 11 Pa l ä s t i na, nicht aber in seiner Eigenschaft als zionistischer Oberrabbiner von je r usal em von den orthodoxen Juden abgelehnt worden. Seine Propaganda-Aufrufe für den zionistischen Nationalfond, seine Anteilnahme am jüdischen Gemeinwesen mit Frauenstimmrecht, seine Heiligsprechung der Mechallale-Schabos-Turnerei, seine blasphemische Begrüßung an die zionistische Bibelkritik-Universität usw. nsw. hätten ihn nur als religiöses Werkzeug׳ der Zionisten in der zionistischen Modernste Brautperücken der weltbekannten Perückenwerkstätte OTHMAR SCHIFF Wien I, Kärntnerring 6 («ÄfVrfifiD Tel. U-47-1-16

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