Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 29 (22.9.1932)
- Date
- 1932-09-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Növifiövä vftllatöA povoIenC riadlf fKWt « ielipifdt % ßfüttelav* Üa. 415t2.tll.28. Ztifüögeft Vota Verleger versendet Journal e*pediö ptt I’editetir, V. b. b. JÜDISCHE PRESSE OlMMi IKI IK «TERESUH OKI MTNORttttl JU0EHTUM8. Redaktion u. Administration: Wien, II., Große Pfarrgasse 3/3. — Tel. A8־־3׳־45־־l. Tschecho* Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer ost. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zattrungen auf Konto «Jüdische Presse‘, Wien für Oest er reich i Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschland t Post« scheckkonto Berlin Nt. 122619; Jugoslawien r Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217.; Polen s Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn 1 Postspk.-Amt Budapest Nr. 50170; Schweiz! Post* scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei t *Jfldlsche Presse*, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 29 | Wien-Bratislava, 22. Juli 1932 .וינא-0רעב3ומ י״ח המוז תרצ-ב n»a | 18. Jahrg. ״Das palästinensisdie Oberrabbinai auf dem Kriegspfade' Kaleidoskop der Woche In der Politik werden ganz wie im Leben nur allzu oft Ursuchen und Wirkungen miteinander ver:־ wechselt. So ist es auch, wenn ernste konservative Politiker, wie es die Führer der österreichischen Christlichsozialen sind, den Juden vorwerfen, dafi sie den Sozialdemokraten Gefolgschaft leisten. Es ist auf jüdischer Seite eben unvergessen, dafi die Christlichsozialen nicht immer den ‘.notwendigen entschiedenen Trennungsstrich zwischen kich und den Rassenantisemiten zu machen wußten und daß außer einem Schönerer auch noch ein Schneider, ein Vergani und ein Bielohlawek zu den Vorläufern der österreichischen Abart des Ilitlcrtums gehörten. Die ohristlichsoziale Partei ist also redlich daran mitschuldig, daß die Juden der Sozialdemokratie in die Arme laufen, und nur dann wäre sie berechtigt, von einem Teil der Judenschaft, von den• religiös gläubigen־ Juden, Gefolgschaft zu erwarten, ׳wenn sie, gleich ihrer Bruderpartei, dem deutschen Zentrum, den Mut anfbrüchte, den Antisemitisdius unbedingt aus ihrem Programm auszuschalten. Auch dem religiösen Judentum könnte es nur sympathisch sein, auf kulturellem Gebiete mit den gläubigen Christen Zusammenarbeiten zu dürfen. Im Ernstfall ist aber freilich zu befurchten, daß die Anbeter völkischer-Eigenart, wenn inan sie in - ihnen Sympathien für das orthodoxe Judentum auf die Probe stellen sollte, bald zeigen würden, daß sie nur für die eigene, nicht aber ׳für die Eigenart der Juden Yerstündnis haben, und so muß es um so eher auch dem Juden unbenommen bleiben, gleich den religiösen Soziafisten aus anderen religiösen Lagern oder den ״christlichen Demokraten“ des Dr. Pfliegler unter Rück- Stellung aller weltanschaulichen Differenzen Annäherung an den Sozialismus zu suchen. Wie greifbar sich der Antisemitismus der Christliclisozialen, ohne viel nach Gläubigkeit oder Unglüubigkeit des betroffenen Juden zu fragen, auswirkt, zeigt ja schon die Entrüstung, die Dr. Schmitz neulich darüber äußerte, daß die sozialdemokratisch geleiteten Krankenkassen überwiegend jüdische Aerzte anstellen. So arg ist es — leider — noch lange nicht, und es könnte wohl keinem rechtlich denkenden Menschen einfallen, daran etwas auszusetzen, daß vielleicht wirklich einige jüdische Aerzte oder — horribile dietn — gar JVlittelächiillehrcr Anstellung finden, wenn er eben nicht Antisemit ist. Man vergißt!(und in diesen Fehler vorfallen sogar viele Juden), daß die jüdische Gemeinsc'haft, ob man sie nun als Volks- oder Glaubensgemeinschaft ansieht, ihre Rechte nicht erst׳ durch ihr Woldverhalten zu verdienen suchen muß. Auch dann, wenn die herrschenden Parteien also nicht auf jenen Teil ,des jüdischen Volkes, der ihnen in seinem kulturellen Streben nahesteht, Rücksicht zu nehmen hätten, kann das jüdische Volk verlangen, daß seine Existenz- Berechtigung außer Diskussion bleibe, da seine b 1 oße Existenz .an sich ohne Rücksicht, auf besondere Zwecke oder Leistungen schon deren zwiugendsten Beweis bildet. Und damit ergibt sich auch die Berechtigung des jüdischen Volkes, seine Freunde da zu suchen, wo der Jude nicht schon als solcher, sondern höchstens dann angef eimiet wird, wenn er sich als Feind oder Schädling des arbeitenden Volkes erweist. Hier ist die Stellungnahme zum Judentum eben yiel eindeutiger und bestimmter und es kann daher ׳auch nicht zu Zweideutigkeiten kommen, wie sie im Yer־־ haitön ,der Christlichsozialen zu ׳den Täuflingen zutage Unter diesem Titel berichteten wir vor einigen Wochen über die Treibereien des Kukschen Oberrabbinats in Jerusalem gegen die Neubesetzung der Stelle des Rabbi Cliajim Sonnenfeld s. I. als Obemibbinev der orthodoxen Gemeinde in Jerusalem. Diese Treibereien verfolgen den Zweck, die Weiterentwicklung־ der orthodoxen Gemeinde zu hindern und sind von dem offiziellen Sekretär des (Kukschen) palästinensischen Oberrabbinats, Samuel Aron Weber, mit einem ganz großen Apparat inszeniert worden. Die Bekanntmachung dieser Vorgütige in den außerpalästinensischen Zeitungen und namentlich die Veröffentlichung der Schmähbriefe, die namens des genannten Oberrabbinats an Persönlichkeiten und Institutionen gerichtet worden waren, hat in der gesamten jüdischen OeFFentlichkcit das peinlichste Aufsehen erregt. Darauf erhielt die Zentrale der A g u das. J i s r o e l in . Je r 11 s a 1 e m von O b e rr ab bin er Jakob Meir, dem Mitchef des Oberrabbinats neben Oberrabbiner Kuk, den folgenden Brief, den wir in seinem hebräischen Wortlaut und in deutscher Uebcrsetzimg abdrucken: ב׳ה. ג׳ תמוז חרצ׳ב ירושלם תוב״א. ככור מרכז אגדת ישראל ה״ו, יחשלם תד. ר. א. נ. ״' נשחוממתי לראוח ,מכתבים הנושאים..עליהם , את הפירמה של, הרבנות הראשית לא״י החום ע׳י ה׳ שמואל אהרן\ועבער, נגד מנוי• רב לעדתכם במקום הגאון הצדיק ר׳ יוסף ׳היום זוננפלד זצוק״ל. אני אשד גם שמי נמצא על הפירמה של הרבנות •הראשית אין לי שום ידיעה מכל זה. אף פעם לא שאלו אח הרבנות הראשית בבל הענין הזה. אני מצטער מאד על שרבים וכן שלמים מאחינו בחויל היושבים בריהוק מקום טועים להשוב שהרבנות הראשית יש לה יריעה מכל זה. אני מבקש מבם לפרסם ברבים בשמי שאני וחברי הרבנים היינו תמיד ביחופים טובים ומצוינים עם כבוד הגאון הצדיק ד׳ יוסף חיים זוננפלד וצוק־ל. נשמה מאד לשמוע שחפץ ד בידבם הצליח למנות לעדתכם רב ומנהיג במקום הרב זוננפלד זיעיא כחפצבם ובחפץ בל יראי ד׳ ובעזרדי נקבל אותובמפ׳י ונחיה גם עמו ביחוסים טובים וידידיתיים ובכל ענין חשוב ונשגב נעבוד עמו יחד להרמת קרן התורה וישראל בארה״ק. הצב •י יעקב מאיר. U e b e 1• s e t z 1111 g: Ich war erstaunt, Briefe, welche die Finna des Oberrabbinats von Palästina tragen, vor mir zu sehen, unterzeichnet von M. ScJimuel Aliarou Weber, gegen ׳die Einsetzung eines Rabbiners Eurer Gemeinde an treten. Wieder einmal steht das ״Stndentenreeht“ zur ,Verhandlung und hier rächt ■es sich nun, daß vor nicht allzu langer Zeit gerade von ehristlichso/.ialer Seite der Taufschein zur Vorbedingung für jede Karriere gemacht, mit einer religiösen!Institution also ärgster Mißlbrauch getrieben wurde. 1Hier liegt die böse •Tat, die den Christlichsozialen jetzt zum Fluch wird und sie zwingt, für die Konvertiten, deren Deutschtum nun einmal nicht als gegeben angesehen werden kann, wenigstens ein Hintertürchen, eineu Ausweg aus einem Gesetz zu finden, das ״kein Instrument des Husses, sondern ein Instrument der Gemeinschaft“ sein soll. Den Konvertiten gegenüber zwar nicht, wohl aber den Juden gegenüber muß ein solches Gesetz aber —. eingestanden oder uneingestanden ־— ein solches Instrument des Hasses sein und darum ist gegen ein Gesetz dieser Art und gegen seine Verfechter, sei ihr Antisemitismus nun bedingt oder unbedingt, eingeschränkt oder uneingeschränkt, größte Vorsicht geboten. * Es ist ein beliebter Wahlschlager der nichtsozialistischen Parteien Oesterreichs, dafi die Sozialdemokraten den Untergang des Mittelstandes auf ihre Fahne geschrieben hätten. Dieselben Kreise, de neu der Mittelstand so sehr am Herzen liegt, machen aber der Stelle des Gaoii und Zacldik Rabbi Josef Cliajim Sonnenfcld. Ich, dessen Name sich ja ebenfalls auf der Firma des Oberrabbinats befindet, habe von a Ilde m 11 i c 111 d a s Ge r i 11 g׳ s t c g e w u ß t. Nicht ein einziges Mal hat mau das Oberrabbinut in dieser ganzen Angelegenheit befragt. Es. ist mir überaus schmerzlich, daß viele hochstehende Brüder im Ausland, die entfernt wohnen, glauben könnten, daß das Obcrrabbinat von alldem Kenntnis habe. Ich bitte Euch, in meinem Namen in der Öffentlichkeit b e k a n ntzugelie n, daß ich und meine rübbinischeu KoRegen immer in den besten und vorzüglichsten Beziehungen zu dem heimgegnnge* neu Gaon und Znddik Rabbi Josef Cliajim Sonnenfehl gestanden haben. Wir würden uns überaus freue n, zu hören, daß es •Euch m. G. H. gelungen ist, einen!Rabbiner und Führer Eurer Gemeinde als Nachfolge!• von Rabbiner Sonuenfeld einzusetzen, wie dies Euer Wunsch und der Wunsch aller C - i t v s f ti r c 111 i g e n i s t. ,Mit G-ttes Hilfe ■werden wir ihn mit voller Freundlichkeit empfangen und werden auch mit ihm die besten und freundschaftliebsten Beziehungen unterhalten und in jeder wichtigeu und bedeutungsvollen Angelegenheit zusammenarbeiten zur Hebung der Tliora und des jüdischen Volkes im heiligen Lande. , ' * ' Der ״Israelit“ knüpft an die Veröffentlichung dieses (Briefes die Bemerkung: ״Es ist außerordentlich erfreulich, daß durch dieses Schreiben die volle Verantwortung für die schmählichen Quertreibereien..., auf Herrn Schmuei Aron Weber abgewälzt sind. Wir nehmen dabei an, daß! Oberrabbiner Jakob Meir seine Erklärung im Einverständnis mit Ofb'crrabbiner Kuk abgegeben hht.“ Auch wir würden uns freuen, wenn die Schluß- Bemerkung des ״Israelit“ bezüglich des Verhaltens des Oberrabbiners Kuk zutriife. Leider deuten aber alle An- Zeichen darauf hin, daß es nur Oberrabbiner Jakob!Meir und seine engeren scfardischeu Kollegen im Oberrabbinut* sind, die sich mit den Treibereien gegen die orthodoxe Gemeinde der Heiligen Stadt nicht identifiziert wissen wollen. / Gemeinde Wien allen Ernstes den Vorwurf, sie baue ׳für die Arbeitei' Wohnungen, die für den Lebensstandard eines Arbeiters zu luxuriös wären.!Dieselbe Gemeinde also, die angeblich den Mittelstand ruinieren will, erzieht nach dem Zeugnis ihrer Gegner Arbeiter — zu Mittelständlern! Tut sie dies etwa auch, um sie später um so gründlicher zugrunde richten zu können? Und ähnlich schwach fundiert sind auch andere Programmpunkte der neuen Mittelstandsparteien, unter denen uns beispielsweise auch der Punkt sehr interessiert, der das Stockwerkseigentum fordert. So etwas ähnliches erinnern wir uns ja vor nicht allzu langer Zeit schon gekannt zu haben. Da gab es — und Spuren davon sind noch heute vorhanden — in den kleinen Judengemeinden auch so etwas wie ein ״Stockwerkseigentum“. Um Heiratserlaiilniis zu erhalten, mußte jeder Bräutigam da meist sein Eigentum an einem Hause nachweisen, Und so entstanden in diesen Judengemeinden die vielen ״Teilhäuser“, die oft. nur Zimmer und Küche ohne alle Nebenriimne umfaßten und noch heute Quelle zahlreicher ׳Besitzstreitigkeiten sind. Eines von den vielen Häusern dieser Art war z. B. in Mattersburg die sogenannte ״Gewürzbiichse“, von der der Chatam Sofer ז״ל einmal behauptet hat, er habe sich an ihr im Ohosehen Mischpot klargemacht, Modernste Brautperücken der weltbekannten Perückenwerkstätte OTHMAR SCHIFF Wien I, Kärntnerring 6 (S otef 1Britto! ) Tel. I!.47«1-16