Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 28 (15.7.1932)
- Date
- 1932-07-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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*Jovißov« v^pIatnÄ pmmm fiädlt puSl « titaffalot V Bratislava Ü9. 41572*111*29. Zeitungen *m Verleger versendet. Joufflai expCdie ßif l’6dite«f. V. b.b. JÜDISCHE PRESSE oHttiua pur am Interessen de• orthodoxen Judentums. Redaktion u. Administration: Wien, II., Große Pfarrgasse 3/3. — Tel. A*45*3*81. Tschecho* Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer Öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zu Duingen auf Konto ,Jüdische Presse", Wien für Oest er reich! Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschland! Postscheckkönto Berlin Nf. 122619; Jugoslawiens Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen! Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn :'Postspk.-Amt Budapest Nr.S0170; Schweiz: Post- 8cheekk. Zörich VIII. 4117; fflr die Tschechoslowakei: ״Jfldische Presse", Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr.53386 , t Nr. 28 Wien-Bratislava, 15. Juli 1932 .תמוז תרצ׳ב r ב*ד• וינא־פרעכבו־ג 18. Jahrg. Von Wodhc zu Wodie Im Reiche hat der Reichtstagswahlkampf bereits eingesetzt und auch die Juden beschäftigen sich eingchend mit ihrer Stellungnahme zu den einzelnen Parteien. Wenn rtuch den Stimmen der Juden nirgends entscheidende Bedeutung zukommt, ist es ja dennoch begreiflich, daß auch der deutsche Jude den Stimmzettel möglichst energisch und zu dem Zwecke in die Waagschale werfen will, um gegen seine Prügelknabenrolle zu protestieren. Daher sind nun infolge ihrer sozialen Differenziertheit auch die Juden im Reich nur darin einig, daß keine jüdische Stimme jenen Parteien direkt oder indirekt zugute kommen darf, die in ihrCm Programm den Antisemitismus dulden. Im übrigen handelt es sich oft um die wahltechnische oder wahltaktische Ueberlegung, ob die Staatspartei, die den bürgerlichen Juden am sympathischesten zu sein scheint, zu fördern ist, und es dürfte — wie der ״Israelit“ meint — ״ein Gebot der Selbsterhaltung" sein, ״neben der Sozialdemokratie, der wir viel Dank schulden, auch das uns weltanschaulich am nächsten stehende Zentrum zu stärken . . .“ In diesem Zusammenhang verdient auch die im ״Israelitischen Familienblatt“ vor kurzem erschienene Erklärung des Zentrumspolitikers Dr. A. Etscheit über ״Zentrum _und Judenfrage“ Beachtungt der ebenso wie jüngst der Führer der Zentrumspartei Dr. K a a s meint, daß ״alle vernünftigen Elemente ohne Rücksicht auf ihre Herkunft und ihre Abstammung zur Bekämpfung der 'Auswüchse bolschewistischer wie nationalistischer Art sich vereinigen müssen“. Im Wiener Landtag wird seitens der National- Sozialisten am heftigsten der Präsident Dr. D a n n eb e r g angegriffen und kein geringerer Kronzeuge gegen ihn ins Treffen geführt, als — der Sozialdemokrat Pernerstorfer, der einmal — es war mitten im Weltkrieg — Danneberg seine internationale Gesinnung, sein mangelhaftes deutsches und sein noch mangelhafteres jüdisches Bewußtsein vorgehalten haben soll. Nun, was das letztere anbelangt, sind wir schon auch der Meinung, daß ein Jude, der zu Leistungen oder zu führender Rolle die Berufung in sich fühlt, sich vor allem innerhalb des Judentums betätigen und nicht andere — oft gegen ihren Willen — beglücken sollte, da es ja auch im Judentum nicht an Betätigungsmöglichkeiten mangelt. Allein, über Geschmackssachen läßt sich nicht gut disputieren und es muß schließlich jedem Individuum freistehen, wie es sich zu seinem eigenen Volkstum, ja zu Nation oder Internationalismus überhaupt verhalten will. Verwahren müssen wir u’ns aber dagegen, daß das Verhalten einzelner dazu herangezogen wird, dem Antisemitismus zu einem Schein von Berechtigung zu verhelfen. Demgegenüber betont der schon oben genannte Zentrumsführer Etscheit mit Recht, daß man auch in breiten Schichten der Arbeiterklasse und des Geld- und Geburtsadels, die zweifellos deutscher Abstammung sind, Bestrebungen findet, die inter- und übernational gerichtet sind. Wer also wirklich — ob mit Recht oder Unrecht — alle internationalen Bestrebungen bekämpfen will, tue es, er lasse dabei ,aber das Judentum hübsch aus dem Spiel! * Ebenso wie in der Politik, wird gerne auch in der Moral jede wirkliche oder vermeintliche Verfehlung eines Juden — und hätte er mit dem Judentum schon gar nichts mehr gemein — dem ganzen Judentum in die Schuhe geschoben. Und so wartet denn die ganze Hakenkreuzpresse Wiens vom ״Karhpfruf“ bis zur ״Dötz“ und vom ״Notschrei“ bis zum ״Wiener Mittag“ schon mit Sehnsucht auf den Tag, an dem die Falschspieleraffäre mit ihren nichtjüdischen Trägern jüdischer Namen vor Gericht abgeurteilt werden Söll. Von unserer Seite soll gewiß kein entschuldigendes Wort zugunsten dieser Leute oder ihrer Verbrechet! fallen, wir können aber auch den Hinweis darauf dicht unterlassen, daß die Herren von der völkischen Moral guttäten, einmal vor der eigenen Tür zu ki h r e n. Denn wenn schon von Monsterkriminalprozessen die Rede ist, muß es doch schon dem Unvoreingenommensten auffallen, daß einem Gutmann (oder ähnlich), der sich am G e 1 d e eines ihm moralisch wahrscheinlick Gleichwertigen vergreift, gleich ein halbes Dutzend unverfälscht arischer Laudenbach oder Zadrazil gegeniibefsteht, die nicht nur das Geld, sondern auch noch daS Leben ahnungsloser Opfer fordern. Wenn wir nun hier Schlüsse ziehen wollten, die tausendmal mehr Berechtigung hätten als die beliebten Verallgemeinerungen der Gegenseite, sie müßten vernichtend ausfallen. Allein, Wir überlassen das Richten höheren Instanzen und begnügen uns mit. dem Wunsch und dem Gebet, daß unsere Seelen freibleiben mögen von dem Gifte der Ansteckung durch das Beispiel der anderen. י | Da wir uns das Gesetz unseres Handelns oder vielmehr Schreibens aber nicht immer nur von den Judenfeinden vorschreiben lassen wollen und schon von der jüdischen Seele die Rede ist, muß auch des neuesten Kuriosums in der innerjüdischen Entwicklung gedacht werden. Es handelt sich darum, daß in H o 11 a n d, in jenem Lande, das von der jüdischen Reformbewegung bisher unberührt geblieben ist und sich immer als eine feste Insel unbeirrbarer jüdischer Gläubigkeit erwiesen hat, jetzt, ausgerechnet jetzt, da sich die Hohlheit der liberalen Phraseologie und die schädlichen Folgen? der Entjudttng im benachbarten Deutschland am deutlichsten zeigen, Versuche zur Anpflanzung des fremden liberaljüdischen Gewächses gemacht werden sollen. Haben wir denn jetzt wirklich keine anderen Sorgen, als das mutwillige Heraufbeschwören innerjüdischer Kämpfe, während alle Kräfte für den Kampf mit der Außenwelt aufgespart werden sollten? Oder soll gerade der Zusammenbruch des auf gleichen Rechten — gleicher Art begründeten Reformjudentums durch!Scheinerfolge!Und Paraden im Nachbarlande bemäntelt werden? Wie dem aber auch sei, wird der Vorstoß der Liberalen nach Holland vielleicht die wohltätige Folge haben, daß das holländische Judentum, das sich in seiner gesetzestreuen Frömmigkeit bisher unangestastet und unantastbar fühlte, sich mehr als bisher zu positiver Teilnahme in den Kampfreihen der Orthodoxie bewogen fühlen wird — und dafür könnte man den Führern der Liberalen viel- - leicht־ einmal• sogar-dankbar sein. L.. Gegen den jüdischen Weltkongreß Die Stellung der Aguda — Dev Frauenbund Die Exekutive der!Agudas-Jisroel-Weltorganisation hat, wie bereits gemeldet, die ihr übermittelte Einladung des American Jewisli Congvess zu einer für den 14. August nach Genf einberufenen!Konferenz zur Beratung über die Veranstaltung eines jüdischen Weltkongresses in ablehnendem Sinne beantwortet. Es heißt in dem an den deutschen Vertreter des American Jewish Congress gerichteten Antwortschreiben der Agudas Jisr.oel wie folgt: ״Wir erblicken in dein geplanten und vom amerikanisch-jiidisclien Kongreß schon seit Jahren befürworteten Weltkongreß der Judenheit keine wirkliche Förderung der heute 'wahrlich schwer :genug gefährdeten Interessen des jüdischen Volkes, sondern im 'Gegenteil eine schwere Gefahr, die unsere Lage in vielen Ländern der Diaspora wesentlich verschlimmern könnte. Im einzelnen haben wir die Gründe dieser unserer Ueberzeugung zu wiederholten!Malen in der uns nahestellenden Presse ׳der Ocffentlichkeit darlegen lassen, so daß sich eine Wiederholung an dieser Stelle wohl erübrigt. Wir können uns zu einer!Beschickung der Genfer Konferenz auch nicht durch die Erwägung bestimmen lassen, daß mit der Teilnahme an dieser Konferenz nach dem ausgesprochenen Willen der einladenden Körperschaft keinerlei Festlegung auf die Idee des Weltkongrosses für die eingeladenen!Organisationen verknüpft sein soll. Denn die 'Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen, daß die!bloße Tatsache der Teilnahme schließlich doch zugunsten des Weltkongreß-Projektes ausgelegt werde und daß durch Mehrheitsabstimmungen in der Konferenz Beschlüsse in die Welt gesandt 'tverden könnten, die nach unserer Ueberzeugung der jüdischen Gemeinschaft nicht zum Heile gereichen würden. Wir widersetzen uns keineswegs dem Gedanken, daß zur gegebenen Zeit Vertreter der verschiedenen jüdischen Weltorganisationen zusammentreten könnten, um in Ruhe über Maßnahmen zu!beraten, die geeignet wären, die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern zu erleichtern. Aber dies müßte, wenn es geschehen soll, ohne irgendwelchen Ausblick auf die große Demonstration eines Weltkongresses oder auf die Schaffung einer die jüdischen Rechte nach außen verteidigenden internationalen Organisation, vielmehr in Ruhe und Anspruchslosigkeit geschehen.* Der Jüdische Frauenbund hat in einem Schreiben au die Reichsarbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände gegen den Plan eines jüdischen Weltkongresses protestiert. In dem Briefe heißt es, der Frauenbund meine schön jetzt, und auch ehe der Plan feste Formen annimmt, vor seiner Verwirklichung warnen zu müssen, weil ein solcher Kongreß der nichtjüdischen!Umwelt nur Gelegenheit zu übelwollenden Bemerkungen geben würde.!EN!leben fäLm OMI SVIRS I CHER S E LLS CH A w X U N GS» F T mm ■1* 11 ■!■ו Modernste Brautperücken — ■ der weltbekannten Perllckenwerkstätte OTHMAR SCHIFF Wien I, Kärntnerring 6 Tel. U-47-1-16