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Jüdische Presse · 1932-07-08 · 27 (8.7.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
27 (8.7.1932)
Date
1932-07-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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NovinovS v4p!atü6 povolen6 fiadit post t telegrafov v Bratislava SIs. 41572*111.20. liinwpuc DDKCt JUDISCHfc rliEwtfE Zeitongen vom Verleger versendet Joarnal exp4di6 päf Pediteat, V. b. b. OMttJUl MK INTERESSEN DES ORTHODOXEM JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien, I!., Große Pfarrgasse 3/3. — Tel. A*4581*3־־, Tschecho. Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80. Einzelnummer Öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zamuuyen auf Konto ״Juaische Fresse*, Wien für Oest er reicht Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschland: Post* scheckkonto Berlin Nt. 122619; Jugoslawien t Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217: Polen: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz! Post• scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei! ״Jüdlsche Presse“, Bratislava, Postspk,-Amt Prag Konto Nr. 53386 X . Nr. 27 Wien-Bratislava, 8. Juli 1932 .ב*ה וינא־סרעסגורנ ד תמוז תרצ׳ב 18.Jahrg. Glossen. Ein vornehmes Klublokal an der Peripherie Wiens wird überfallen, da die ״Nazi“ ihren Gegnern auch einmal beweisen wollen, daß sie nicht immer nur gegen arme, sondern manchmal auch gegen reiche Juden kämpfen. Sehr zum Leidwesen der braven Hitler-Leute — und auch der Polizei waren aber die Ueberfallenen weder arme noch reiche Juden, sondern ausländische Diplomaten und da konnte man denn sehen, mit welcher Promptheit und Energie die Wiener Polizei arbeitet, wenn es sich nicht bloß um Juden handelt. Die fremden Diplomaten aber werden hoffentlich ins Diplomatenleben und auch in ihre diversen Heimatländer aus ihren schmerzlichen Wiener Erfahrungen die Erkenntnis mitnehmen, um wieviel gefährlicher es sein muß, für einen Juden nicht nur gehalten zu werden, sondern es sogar wirklich zu sein. Vielleicht wird solcher Anschauungsunterricht dann auch den Erfolg haben, daß dem Schicksal der *Schwachen in der Welt mehr Rücksicht entgegengebracht wird. Sie wollen zeigen, daß sie nicht immer nur gegen arme Juden losgehen, und haben damit endlich indirekt auch zugegeben, daß es arme Juden überhaupt gibt. Denn die Hakenkreuzl^r im Wiener Gemeinderat mußten von sozialdemokratischer Seite, da sie es schon zu arg trieben, vor kurzem erst aufgefordert werden, für jeden jüdischen Arbeitslosen in Wien an ״arme arische Volksgenossen“ einen Schilling abzuführen. Die braunbehemdeten Maulbeiden hatten sich ja zu der Behauptung verstiegen, daß die Juden in Wien prassen und verdienen, während die bodenständige Bevölkerung ״stempeln/‘ gehren.*• müsse.־. Und״ es war gut, daß die ״Vereinigung werktätiger Juden“, als die Aufforderung der Sozialdemokraten unbeantwortet blieb, den Sachverhalt durch Plakate der Bevölkerung mitteilte, um zu zeigen, daß die jüdische Bevölkerung es satt habe, den Prügelknaben für alles zu spielen. Man kann zwar nicht auf jede Hetzversammlung der Nazi durch eine Gegenversammlung antworten, aber es ist höchste Zeit, daß dem Gift, das durch Lügenplakate in die Bevölkerung getragen wird, manchmal wenigstens durch einen Anschlag, der die Wahrheit verkündet, entgegen getreten werde. * Alle diese Kämpfe und Gegenmaßnahmen berühren aber freilich nur die Außenseite, das materielle Leben. Je mehr aber das Gift der Verleumdung in die Seelen dringt und das Zusammenleben der Bewohner der Großstadt unerträglicher zu gestalten droht, umso unerläßlicher wird für den bewußten Juden die‘Sammlung im Innern, ein Besinnen auf sich selbst. Wo der Feind von allen Seiten heranrückt und alle Verbindungen abschneidet, da muß die Festung, die allein derf Belagerten noch Schutz zu gewähren verspricht, ihm auch um so teurer werden. Diese Festung, unsere Schulen und Lehrhäuser, das ganze Gebäude religiöser Einrichtungen, muß ausgebaut und gestützt werden, denn es ist eine Festung ganz eigener Art, eine Festung, die einer organischen Haut gleich ihre Baustoffe aus dem Innern ־des Organismus bezieht. Und darum kann nur mit Hilfe seines innersten und ureigensten Gutes Israel den Sturm Überstehen und der Befreiung gewiß sein. "BoCAs -u.föaupk<£u&fürjfwafien, 1und ffläddten, mrtOfenl&Mabrec/U , //. fflatzgasse /<f ־' Um den Sabbat. Die Fortschritte der 5tägigen Arbeitswoche. — Kommunistische Klagen über die ״Umiusrottbnjrkeit‘4 '■)fei des Sabbat. — Die Sabbat-Bewegung in Holland. Ueber die jüngste Entwicklung• des Kampfes um die fünftägige Arbeitswoche, deren allgemeine und grundsätzliche Durchführung die Lage der sabbatfeiern־ den Erwerbstätigen •mit einem Schlage vollkommen umgestalten würde, macht das .Büro des Weltverbandes ״Schomre Schabbos“ nachfolgende Angaben: Immer mehr ibricht sich die Erkenntnis •Bahn, daß die furchtbare Arbeitslosigkeit nicht mehr durch die bescheidenen Mittel der Arbeitsbeschaffung und des Arbeitsdienstes gelindert werden kann, sondern daß eine durchgreifende Kürzung der Arbeitszeit erforderlich ist, um •durch Streckung der vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten eine größere Anzahl von Arbeitern beschäftigen zu können. In diesem. Sinne haben!sich in den letzten Monaten die verschiedensten Parlamente und Regierungen mit dem Problem der gesetzlichen Arbeitszeit- Verkürzung* beschäftigen müssen. Dabei stehen die F r a g*,e n d e r frü ui t:ä gvi g.e a׳ A־r b ei ts-w o ah e,un d 10 - S t u n tre n - W o c li e i m Vordergrund. •Behle Fragen sind nicht schlechthin identisch, da die. Arbeitszeit Verkürzung־ auch auf dem Wege über die Herabsetzung der täglichen Arbeitszeit erfolgen kann. Immerhin werden auch in dem Falle, daß die 40 Wochenstunden auf sechs Arbeitstage verteilt werden, auf den Sonnabend nur wenige Arbeitsstunden gelegt, so daß zumindest der Sonnabend-Nachmittag arbeitsfrei ibleibt. Diese Form hat der .Gesetzentwurf, den kürzlich in Polen der aVlinister für Arbeit und soziale Fürsarge ausgearbeitet hat, und der die Kürzung der Arbeitszeit für einige Angestelltengruppen einschließlich der (Bank- und Versicherungsanstalten bezweckt. Nach diesem Entwurf soll die Arbeitszeit sieben Stunden täglich und fünf Stunden am Sonnabend betragen. In Deutschland hat der Reichsarbeitsmiiiister Stegerwald noch kurz vor dem Rücktritt der Regierung Brüning den Entwurf einer Verordnung über die Einschränkung der Arbeitszeit vorgelegt. Der Entwurf sieht für bestimmte Berufsgruppen die Beschränkung־ der regelmäßigen Arbeitszeit auf 40 Stunden wöchentlich vor, wobei sowohl die Verteilung־ der Wochenstunden auf fünf wie auch auf sechs Tage gegeben ist. Der Entwurf ist freilich von gewerkschaftlicher Seite stark kritisiert worden, indem «Iio Beschränkung der 40-StuiKlen-Woche auf bestimmte Berufsgruppen angesichts der furchtbaren Arbeitslosenkrise als unverständlich bezeichnet wurde. Die Forderung der Arbeiter geht auf allgemeine und prinzipielle •Durchführung der 40-Stunden-Woche u. zw. möglichst in der Form der fünftägigen Arbeitswoche. In diesem Sinne ist ein Gesetzentwurf interessant, der in der französischen Deputiertenkammer vorgelegt wurde. Hier wird generell bestimmt, daß Arbeiter ohne Rücksicht auf Geschlecht und Alter, die in gewerblichen m LEBENS GES UNIX VERS I C H E R U N G S־ E LLS CH AFT und handelsmäßigen Betrieben, u. zw. öffentlichen wie privaten, weltlichen wie kirchlichen, erzieherischen wie wohlfahrtspflegerischen Betrieben, beschäftigt sind, nicht länger als 40 Stunden innerhalb einer Fünf-Tage-Woche arbeiten sollen. Nur in solchen Berufen, in denen die Natur der Arbeit normalerweise eine Fünf-Tage-Woche nicht zuläßt, soll die Verteilung der 40 Stunden über mehr als fünf Tage zugelassen werden. Auch in den Vereinigten Staat c 11 von Amerika macht die Fünf-Tage-Woche Fortschritte. Im Repräsentantenhaus wird ein Antrag ernsthaft diskutiert, der die Einführung einer Fünf-Tage-Woche für alle von der Regierung be- «chäftigten Arbeiter sowie für alle staatlichen Augestellten Vorsicht. In der Debatte wurde mit Recht hervorgehoben, daß das Beispiel des Staates auf das ganze Land wirken würde. Trotzdem ist die Opposition gegen die Einführung lder Fünf-Tage-Woche noch •bedeutend und die Unter- * neftmer werden nicht׳' müde, von deii angeblichen Gefahren, die von einer gesetzlichen Arbeitszeit drohen, zu warnen. Die Gegensätze stießen jüngst auf der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf aufeinander. Immerhin wurde mit beträchtlicher Mehrheit eine Resolution angenommen, in der gefordert wird, daß zur Wiederherstcllung des wirtschaftlichen Gleichgewichtes die Arbeitsgelegenheit auf die größtmöglichste Zahl von Personen verteilt weide, und in der der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes ersucht wird, die Frage der gesetzlichen Einführung der 40-Stunden-Woche zu prüfen. :!: Während sich in der ganzen Welt die Klagen über den Niedergang des ׳religiösen Lebens* in erschreckender Weise mehren, klagt der ״Einess“,!das!1 lauptorgan der jüdischen Kommunisten in Rußland, daß in den Ländern der Sowjetunion das jüdisch-religiöse Leben, ungeachtet der rührigen Tätigkeit der G-ttlosen-Klubs, nicht auszurotten Ist. -Die vom ״Emess“ in die Provinz ausgesandte Untersuchungsbrigade hat erneut die ״betrübliche“ Feststellung machen müssen, daß selbst in den jüdischen Kollektiven die Religion noch stark verwurzelt ist, und daß vielfach sogar der Sabbat noch traditionell beobachtet wird, was dem ״Emess“ offenbar als das Schlimmste erscheint. — Wenn nur der ״Emess“ einsehen würde, daß es ihm nie gelingen wird, den Sabbat auszurotten und daß der Sabbat der •Menschheit mehr Segen und Beglückung gebracht hat, als die Kultur der G-ttlosigkeit jemals zu erzeugen vermag! * Die Exekutive der Organisation Schomre Schabbos hat auf Ersuchen der Berliner Exekutive des Welt- Verbandes für Sabbatschutz ein umfangreiches Memorandum über die Regelung der Sonntagsruhe und die Erfüllung anderer Postulate des orthodoxen Judentums durch die holländische Gesetzgebung abgefaßt; dieses Memorandum soll den Regierungen der osteuropäischen Länder als Beispiel für ähnliche Regelungen in diesen Ländern überreicht werden. Der Amsterdamer getaufte Jude L. Fies, der sich eifrig für die Kalenderreform mit Blankotag einsetzt, reichte beim Arbeitsminister Klage gegen den Präsi- Renten der Aschkenasischen Gemeinde in Amsterdam A. Asscher ein. In der Kl$ge wird ausgeführt, daß Asscher sein Amt als Mitglied der Amsterdamer Handelskammer mißbraucht habe, um als Vertreter dieser Kammer beim Nationalen Studienkomitee, den Bericht dieses Komitees in einem die Reform ablehnenden Sinne zu beeinflussen. Herr Asscher erklärte gegenüber dem JTA-Vertreter, er habe im Nationalen Studienkomitee auch die aschkenasisch-jüdische Gemeinde vertreten. Im übrigen lehne er es ab, dem Renegaten Fies zu antworten. der weltbekannten Perückenwerkstätte OTHMAR SCHIFF Wien I, Kärntnerring 6 Tel. U-47-1-16

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