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Jüdische Presse · 1932-07-01 · 26 (1.7.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
26 (1.7.1932)
Date
1932-07-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Novinovd v£platn6 povolenö riadit pmt § telegraföv v Bratislava Eis, 41572*111*28. t Zeitungen vom Var legi» versendet. Journal esp6die pat fldltiti« V. b,b. JÜDISCHE PRESSE OROAN PHI ME IMTENESSEN DES ORTHODOXE■ JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien, II., Große Pfarrgasse 3/3. — Tel. A*45*3*81.. Tscheeho* Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto ״Jüdische Presse*, Wien für Oest er reich 8 Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschlands Post* Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien 8 Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217: Polen 8 Postspk.*Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn 8 Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schwelet Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei 8 ,JOdische Presse*, Bratislava, Postspk.*AmtPrag Konto Nr.53386 Nr. 26 Wien-Bratislava, 1. Juli 1932 .נ׳רוינא־פרעסנורננזי פיון.חוצ׳נ 18. Jahrg. Vom Wiener Nationalitätenkongreß. Herr Sejmdeputierter S. V i 11 e n\b e r g, der Direktor des Thora im Derech Erez- Schulwesens in Riga, weilt zur Zeit in Wien zur Teilnahme am Europäischen Nationalitäten- Kongreß. Er hatte die Liebenswürdigkeit, sich in einem Interview über seine Teilnahme an diesem Kongreß zu äußern: Bisher hat das orthodoxe Judentum in den öst■ liehen Ländern an den Minoritätskongressen nicht teilgenommen; Bedenken politischer wie weltanschaulicher Natur hielten es davon ab. Daß es sich nun entschlossen hat, an diesem Kongreß, zunächst lediglich zu i n f o rmativen Zwecken, teilzunehmen, bedeutet durchaus nicht, daß diese Bedenken nunmehr gegenstandslos geworden seien. Die Teilnahme erfolgt vor allem deshalb, weil dieser Kongreß durchaus keine praktischen Ziele verfolgt und auch keinerlei bestimmtes Programm für die politische Stellungnahme der Minoritäten innerhalb der betreffenden Länder vorzeichnen will. Das einzige grundlegende Prinzip: völlige Loyalität gegenüber dem Staat und absolute Anerkennung seiner Integrität wird vom orthodoxen Judentum ja vollauf anerkannt. Es ist im übrigen klar, daß die Politik der jiidisehen Minoritäten nicht immer die gleiche sein kann wie die der anderen Minoritäten. Während sämtliche Minoritäten Europas in den Regierungen der Länder, in welchen sie die Majorität darstellen, Stütze und Rückendeckung finden, ist die jüdische Minorität, die minoritas pura, die klassische zweitausendjährige Minorität.. Aber nicht nur in dieser politischen Hinsicht ist die jüdische Minorität eine solche besonderer Art, auch in Bezug auf die Kulturpolitik unterliegt sie besonderen Gesetzen und Bindungen, der Sondercharakter des jiidisehen Volkes' spiegelt sich,in seiner Kultur, ihren Formen und Bedürfnissen wieder: Religion und Nation sind zu untrennbarer Einheit verbunden, eines ist ohne das andere unmöglich, wertlos. Eine Folge dieser Tatsache ist die Vermischung der sogenannten Kulturinteressen mit rein religiösen Belangen. Dort, wo andere nur weltliche Kulturdinge zu verteidigen /haben, haben wir für religiöse Forderungen zu kämpfen. Wenn wir uns zur Teilnahme an diesem Kongreß, unter den einleitend erwähnten Einschränkungen, entschlossen haben, so geschieht dies nicht nur, weil es sich um den 8. Kongreß handelt, und die ersten sieben Kon- -Stfjüiitfcve KM SttöifijüöiscfyeSdjule ‘Ootfas ■utäcuiphcfuiJe,/ÜrJ^naSe/t ■und Tläddm. mdOßmi&cfijQdsrecdi י //. Ula£zgasse i6 gresse erwiesen haben, daß diese Zusammenkünfte unsere besonderen Interessen in keiner Weise schädigen, sondern vor allem, weil der Zentralpunkt dieses Kongresses, seinem Inhalt und seinen Auswirkungen nach, unsere ureigenen Angelegenheiten berühren kann. Das Zentralthema lautet: ״Anerkennung der Volkstumsrechte im Wirken der Kirchen.“ Wir als Volk, in welchem Volkstümliches und Religiöses so vollständig zusammen gehören, haben für diese Frage das größte Interesse. Es ist von charakteristischer Bedeutung, daß der Kongreß in den Mittelpunkt seiner Beratungen ein Thema stellt, das abseits von den tagespolitischen Fragen liegt. Daß dieses Thema gewählt wurde, zu einer Zeit, da die kulturelle Autonomie der Minderheiten durch den ChaUvinismus, der in vielen Staaten gegenwärtig herrscht, gefährdet ist, zeigt, daß man allmählich, zur Ueberzeugung kommt, daß die Kultur der Minoritäten durch politische Machtmittel nicht geschützt werden kann. Man kommt zur Ueberzeugung, daß die Machtmittel der Minoritäten nicht Armeen und durch die Gewalt getragene Maßnahmen sind, es bleibt für sie als Schutz ihrer kulturellen Eigenart nur eines: Vertiefung und Verinnerlichung der eigenen Kultur. Erfolgreicher Aufstieg der Beih~Jakob Bewegung Ans der Wiener Beth-Jakob-Schule werden die ersten Absolventinnen entlassen. I Großwardein. - Kämpfe um Bcth Jakob in In diesen Tagen verlassen jene fünfzehn Schulerinnen der Beth-Jakob-Lchrerinncnbildungsanstalt in Wien, die seit dem Chescltwan 5691 hier ihren Studien oblagen, die Schule. Die Anstalt steht unter der gemeinsamen Leitung der Herren Dr. Deutschländer und Rabbiner Dr. Pollak und wurde von Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Fürst regelmäßig besucht, der sich durch häufige Prüfungen von den Kenntnissen und dem religiösen Geist der Schülerinnen überzeugte. Der Unterricht wurde hauptsächlich von den Dozentinnen Frau Deutschläiider und Fräulein Landsberg erteilt. Der größte Teil der Mädchen wohnte im Internat der Anstalt und es kann mit Befriedigung festgestellt werden, daß dort der mustergültige Geist eines Gemeinschaftslebens, mit religiöser Innigkeit gepaart, herrschte. I Nach den schriftlichen Prüfungen und der Abhaltung von Unterrichtsproben haben die mündlichen Prüfungen Donnerstag, den 30. Juni, ihren feierlichen Abschluß gefunden. Die Prüfungskommission bestand aus Herrn Oberrabbiner Fürst, Dr.; Deutschländer, Rabbiner Dr. Pollak und den Dozentinnen. Zahlreiche Freunde der Beth-Jakob-Bewegung, darunter Großrabbiner Hager aus Großwardein (aus. der Familie des Wiznitzer Rebbe und die Mitglieder des zentralen Beth-Jakob-Frauenkoinitees waren erschienen. Alle Kandidatinnen bestanden die Prüfungen und viele haben bereits Anstellungen, was aus wirtschaftlichen Gründen sehr erfreulich ist, da es sonst wenige Berufe geben dürfte, in denen so rasch Anstellungen gefunden werden können. Alle Freunde der Beth-Jakob-Sache, die oft unter Opfern geholfen ־ haben, das Werk zu fördern, können mit Befriedigung auf die Erfolge ihrer Arbeit blicken. Von einem Freunde unserer ■Bewegung־ erhalten wir folgenden Bericht aus Großwardein (Oradea): Für die ganze orthodoxe Juden heit war das vorgange ne Wochenfest ein Erlebnis. Fräulein Landsb e r g, die bekannte Dozentin der Wiener Bcth-Jakob- Anstalt, gestaltete das Offenbarungsfest zu einem wahren Abglanz der einst an diesen Tagen am ׳Fuße des y 'LEBENS G E S O M IX VERS I CHERUN G5■ ELLSCHAFT Sinaiberges entflammten jüdischen Begeisterung,, die aus der Brust unserer Ahnen das נעשה ונשמע Geliibde ausgelöst hatte. Das wirkungsvolle Referat des Fräuleins Landsberg über das große Problem der' tutverfälscht jüdischen iVlädchcnerziehuug führte uns in Gedanken zu den Vorbereitungstagen für die Offenbarung zurück. Alle Anwesenden fühlten sich von Sinailuft umweht und faßten den Vorsatz, den Worten ein נעשה folgen zu lassen. Es wurde beschlossen, in Oradea die erste Beth-Jakob-Schule ins Leben zu rufen, der alsdann gewiß noch viele andere folgen würden. Wir waren vollkommen überzeugt, daß alle Schichten unserer Gemeinde, wie einst unsere Ahnen am Sinai, כאיש אחד ובלב אחד einmütig ׳und entschlossen sich um das Banner der Thora, um die Fahne der grandiosen Bcth-Jakob-Bewegimg scharen werden, um die Gründung des ersten transsylvanischcn Beth- Jakob-Instituts zu verwirklichen. Zu unserem größten Leidwesen erfüllte sich diese Hoffnung nicht. Wie einst dem jüdischen Volke die berüchtigten Worte entgegengeschlcudert wurden: ״Ucbereiltes Volk, das den Mund voreilig Beschlüsse aussprechen laßt, kaum, daß das Olu• die Aufforderung vernommen,“ ־wird uns aus unserer Bereitwilligkeit, dein Aufrufe der Besten unserer Nation Gehör zu schenken und ,uns dem großen Beth-Jakob-Schulnetze anzugliedern, ein Vorwurf gemacht. Nur obwaltet der große Unterschied, daß diejenigen, die uns zum erstenmal ein ״übereiltes Volk“ schalten, Saddiicäer, nur Nationaljuden waren, die mit der Thora nichts mehr gemein hatten, deren höchsten und ersten Vertreter Jochanann!llyrkanus und .Alexander Jannai die Thoragelehrten mit Stumpf •11 ml Stiel ausrottcu wollten. Diese National-• juden, denen die Thora ein Dorn im Auge war, handelten instinktiv und ihrer Weltanschauung ganz adäquat,' wenn sie das thoratreue Volk •beschimpften und tadelten ob der leichtsinnigen Annahme der Thora. Nuir mußten wir aber erleben, daß misrachistische Nationaljuden unserer Stadt in ihrem ״orthodox“ genannten Organ: ״Nepiink“, die gesetzestreuen Juden sowohl' unserer Gemeinde als auch ganz Siebenbürgens, uin auf diesem ־Umwege der verkannten und angefeindeten־ Aguda eins am Zeug flicken zu können, in einem langen Aufsatz der Gedankenlosigkeit und sinnlosen Nachäffung zeihen, die, von der Warte des kleinen Skriblers betrachtet, in dem Wunsche und!Bestreben besteht, in Transsylvanien und horribile dictu gar in: Großwardein :in nächster Zeit eine Beth-Jakob-Anstalt erstehen zu lassen. 1 Die Motivierung' dieser Stellungnahme ist eilt solch fadenscheiniges Werk sclunalstirniger Journalistik,, daß mau beim Bericht darüber ununterbrochen au das־ klassische Wort erinnert wird: ״Diifficile est satyrnm non scribere.“ Ich will mir aber Gewalt antun und Gnade vor Recht walten lassen, indem ich, den unbekannten Verfasser mul. seine -Ehre schonend, nur suchlieh und^gelassen auf die Irrlichter Hinweise, die dcnr Leser seines Aufsatzes vor den Augen lieraimtanzen und sehr geeignet sind, zu blenden, die richtige Ein״ Stellung und das besondere Urteil zu verdrehen. Modernste Brautperiicken der weltbekannten Perückenwerkstätte OTHMAR SCHIFF Wien lf Kärntnerring 6 (S Stil6 ״BrlatVl) Tel. U-47-1-16 1

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