Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 25 (24.6.1932)
- Date
- 1932-06-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2629891-2630438-2630462--4188-2636317- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Novinov« vfpiatnd povolend fiadlt püst t telegrafov % Bratislava tu. 41mm.20. Zeitungen vom VtrÜfif veradfldet Journal e*p£die pit PSdHeo•. y.b, b. JÜDISCHE PRESSE OftOJUi PIM Mi INTERESSEN BIS SNTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien, II., Große Pfarrgasse 3/3. — Tel׳. A*45*381־. Tscheche* Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. KL 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zatwiaren tut Konto .Jüdische Presse*, Wien für Oest er* reicht PoStsparkas.enkonto Nr.D-93614; Deutschland« Post• Scheckkonto Beilin Nr. 122619; Jugoslawiens Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen s Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarns Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweizt Postscheekk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei 1 ״Jü* dlsche Presse", Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 ..־•־־••־■ -M .. . ■ Nr. 25 Wien-Bratislava, 24. Juni 1932 ■נ׳1 וינא־פרעסבורג כי סיח תרצ׳ב 18. Jahrg. heute, miclulem׳ man unter ziönistischem Einfluß eine Zwangsgemeiiule künstlich ins Lehen gerufen Imt, die ganze Gewähr und Sicherheit für die unabhängige Entfaltung des unverfälschten religiösen Lebens. Von dieser Tatsache sind Männer, wie Rabbiner Ktik und die Mitglicdcr seines Besdin, zweifellos ebenso sehr durchdrungen, wie der Sonnenfeldschc Kreis. Sie alle wissen, daß im Rahmen der künstlich geschaffenen Gemeinde- Organisation das sogenannte ״Oberrabbinat“ nur solange einen gewissen Einfluß auszuilben vermag, wie es den wirklichen Machthabern, den Trägern des innerpolitischen Einflusses, des Agency-Gcldes und der eurojpüischen Zivilisation beliebt, die Dekoration eines Oberrabbinats zu dulden. Sie wissen, daß die wahren Wurzeln ihrer Kraft auf der einen Seite in der Angst der ׳Machthaber vor der unabhängigen Orthodoxie, vor der Sonnenfeldschen Gemeinde, vor Agudas Jisroel und vor den weiten aus der Kneses!Israel ausgeschiedenen orthodoxen Kreisen ruhen, andererseits aber in den oben erwähnten unabhängigen Institutionen der Wohlfahrts- ׳pflege, die heute noch ein wohltätiges!Gegengewicht bilden gegen das Machtmonopol der zionistischen Arbeiterpartei in den offiziellen Körperschaften. Man sollte daher glauben, daß das Oberrabbiuat und sein Besdin selber alles Interesse daran hätten, diese unabhängigen Faktoren!bestehen zu lassen, schon um damit ihrer eigenen Stimme innerhalb der Kneses Israel eines Tages, wenn cs hart auf hart geht, die Resonanz eines immerhin gefürchteten Machtlaktors von außen zu erhalten. Das wäre auch der ׳Fall, wenn nicht auf der anderen Seite der nun einmal geweckte brennende Ehrgeiz, die Leidenschaft zii beherrschen und sich für den Mangel an Einfluß nach links eine Kompensation indem unbeschränkten Terror nach rechts zu schaffen, die Augen des Oberrabbinats blendete. Nur so kann man den nunmehr unternommenen Versuch ■des Oberrabbinats erklären, dem Waad leumi in seinem -Bestreben nach Erlangung einer Kontrolle über sämtliche Jerusalemer Wohltätigkeitsinstitutionen Hilfsdienste zu leisten und damit gleichzeitig der unabhängigen Orthodoxie einen Schlag zu versetzen. In diesem Sinne hat das Oberrabbiuat an die größte und bedeutendste dieser unabhängigen Institutionen, das \ . Die Jubiläumsfeier Diskinsche Waisenhaus, ein Schreiben gerichtet, das die neueste!Phase in dem Kampf des Misrad-harnbamtih gegen das religiöse Judentum darstellt. Das Diskinsche Waisenhaus hat von jeher und bis zum heutigen Tage unter der Oberaufsicht der a.nerkannten Gedaule Jisroel gestanden, es ruht auf ihm der Name Rabbi Ohajim Sonnenfelds לצ״ל und es wird niemand glauben, daß seit dem Tode dieses Mannes, wie dieses Schreiben behauptet, die in -der Anstalt wirkenden Persönlichkeiten und Führer plötzlich sich aus Kanoini reinsten Wassers plötzlich in fanatische Anwälte der modernen Bildung verwandelt haben. Daß aber ausgerechnet das Oberrabbiuat der Kneses Israel, in deren Schatten Zehntausende von jüdischen Kindern jahraus jahrein zuit radikalen Verleugnung aller jüdischen Heiligtümer geführt werden, daß ausgerechnet diese Instanz in Kummer vergeht über die ״liberalen Biklungsfan-utiker“ des Diskinschcn Waisenhauses, das ist eine Ironie der Weltgeschichte, die inan in der ganzen Welt wohl mit einem homerischen Gelächter beantworten wird. Aber es .ist hier gar nichts zu lachen. Hinter der heuchlerischen 'Maske des bekümmerten frommen Oberrabbinatssekretärs lugt für den, der sehen kann, die gepanzerte Faust des Machtpolitikers heraus, dessen Ziel nichts mehr und nichts weniger ist, als die Bestellung eines Staatskommissärs in der Person des Herrn Schmuei Weber, des sattsam bekannten Generalsekretärs des Oberrabbinats, um zwar nicht die Waisenkinder im Diskinschen Waisenhaus vor den' profanen Büchern zu retten, wohl aber, 11m den Kassenschrank und das!Bankkonto des Waisenhauses in die sichere Obhut des Oberrabbipates von Palästina zu bringen. Möge die jüdische Welt die Augen aufmachen und möge sich eine Phalanx der anständigen ׳Menschen bilden, die dem Oberrabbiuat zu rufen: Bis hierher- und nicht weiter! Ihr möget versuchen, die Kneses Israel zu bekehren und ihr die religiöse Weihe zu erteilen —י außerhalb der Mauern dieser Kneses Israel enden eure Rechte, und diel gesicherte Heimstätte für die alte jüdische Wahrheit, "die!Rabbiner S Minenfeld זצ״ל erbaut hat, werdet ihr mit all euren gesetz- und thorawidrigen Herrschgel'iisten nicht ■:überrennen können. גדולים צדיקים במיתתם יותר מבחייהם. der Agudas~JisroeL Das palästinensische Oberrabbinat auf dem Kriegspfade. Wir erhalten von informierter Seite eine längere Darstellung der Vorgänge um die Be- Setzung des Oberrabbinats der Jerusalemer unabhängigen orthodoxen Gemeinde, der wir folgende Zeileu entnehmen: Es wurde bereits über die Machenschaften berichtet, durch die das Oberrabbinat von Palästina die W iederhesetzung des Rnbbinates der unabhängigen orthodoxen Sonnenfeldschen Gemeinde zu verhindern bemüht ist. Schon in der Trauerwoche um Rabbiner Joseph Chäj-im Sonhenfclcl, als -die ganze jüdische Welt und insbesondere das gesetzestreue Jerusalem noch erfüllt war von dem ersten brennenden Schmerz 11m den Heimgang einer in unseren Tagen wahrlich fast einzig dastehenden klassischen jüdischen Persönlichkeit, hatte das Oberrabbinat von Palästina nichts besseres zu tun, als den Kolalim und den Institutionen der Orthodoxie in Jerusalem Drohbriefe zugeheu zu lassen, in denen diese Institutioneu zur Rechenschaft gezogen werden, weil sie es gewagt ׳hätten, sich an der Ausstellung eines Rabbinats-!Briefes für den präsumtiven Nachfolger von Rabbiner Sonnenfeld mehrere Monate vorher zu beteiligen. Audi diejenigen Institute, die den Rabbomisbrief gar nicht unterzeiehneil hatten, wurden mit solchen •Drohbriefen bedacht, in der offenbaren Absicht, die zu erwartenden Dementis einer vorausgesetzten, aber niemals abgegebenen Unterschrift dann um so sicherer zur Einschüchterung etwaiger Kandidaten auf den vakanten. Rabbiiiatsposteii benutzen zu können. Als diese Aktion mehr oder minder fehigeschlagen war, wurde ein neuer Trick angewandt. In den Vordergrund seliob mau nunmehr( den sogenannten Waad-hakloli, eine Institution, die hauptsächlich zum Sammeln von Chaluko-Geldern in Amerika bestimmt ist. Die Herren, die an der Spitze dieses Waad-hakloli stehen, und die sich offenbar in vollendete!• Abhängigkeit vom Oberrabbiuat befinden, hatten die Unverfrorenheit, an Oberrabbiner Sack in Riga ein geradezu unerhörtes-Schreiben zu richten. Der Sinn dieses Schreibens ist, daß die 20.000 Juden, die in aller Formt auf Grund der geltenden Staatsgesetze aus der Kneses Israel ausgetreten und damit bekundet haben, daß sie weder mit der Kneses Israel, noch mit ihrem Oberrabbinat irgend etwas zu schaffen haben wollen, wider ihren Willen der rabbiirischen Jurisdiktion des Oberrabbiners des Waad leumi unterworfen sein sollen, ja, noch mehr, daß. sogar die Sonnenfeldschc Gemeinde selbst, deren Mitglieder niemals der Kneses Israel augehörtcu und die vom ersten Tag au aus der Tiefe -ihrer religiösen Ucberzeugung heraus in schärfster Opposition gegen das Rabbinat staudeu, nicht das Recht besitzen sollen, sich einen eigenen Rabbiner, einen Mann ihres eigenen Vertrauens, zu berufen und nach eigener Fasson selig zu •werden. Der-Ve1־suc;h, es zu einer halachischen Frage zu machen, ob die Berufung eines Nachfolgers von Rabbiner Sounenfekl durch seine eigene Gemeinde ei!השגתו גמל gegenüber einem fremden Rabbinat darstellt, scheitert zwar in den Augen jedes denkfähigen Menscheu an seiner eigenen Lächerlichkeit, ist aber ein trauriges Zeugnis für'das'׳Maß -der Kühnheit, mit der hier nackte Maehtgeliistc durch religiöse und sittliche Kulissen bemäntelt werden sollen. Die Tragikomödie hat damit ilu־ Ende noch' keineswegs erreicht. Das Oberrabbinat selber scheut sich nicht, einen weiteren, noch schlimmeren Versuch zur Vergewaltigung dev Orthodoxie'zü unternehmen, der noch deutlicher als die ersten Aktionen die rein machtpolitischen Hintergründe des ganzen Verfahrens zeigt. Bekanntlich hat man in der heiligen Stadt 01ganisierte Gemeinden, die als solche vom Staat allerkauiit waren und ihre Mitglieder zwangsmäßig erfaßten, niemals gekannt. Die Mittelpunkte des gesellschaftlichen und körperschaftlichen jüdischen Lebens waren mehr oder minder freiwillige Gebilde, die sich teils nach Landsmannschaften gliederten,, teils um Wohlfahrtsinstitutionell gruppierten, die oft von den weitschallendsten Persönlichkeiten -ins Leben gerufen will•- den. Auf der Unabhängigkeit dieser Institutionen beruht Anläßlich des zwanzigjährigen!Bestandes der Agudas Jisroel veranstaltete die österreichische Landes- Organisation am Sonntag, den 19. Juni (15. -Siwan) d. J., im Festsaale ihrer Jugendgriippe ein Jiibiläumsbankett, bei .dem die führenden Persönlichkeiten der Bewegung, an ihrer Spitze Se. Ehnv. Herr Oberrabbiner -Fürst, erschienen sind. Nach kurzen Einlei tu n׳g׳sworten des Obmannes ,der österreichischen Landesorganisation, Herrn Wolf Pappenheim, ergriff der Vorsitzende des rabbinischen Rates, ׳Herr Oberrabbiner Fürst, der selbst an der Kattowitzer Gvünclungsversammluug teilgenommeu hatte, das Wort, um in meisterhafter Weise die!Bedeutung'der Agudas Jisroel und ihrer Leistungen zu beleuchten. Namens des geschäftsführenden Ausschusses begrüßte Rabbi Bei* Friedmann-Czortkow und im Namen der Aguda-Jugend Herr Cliaim Herzog. Der Festredner, Herr Dr. Leo Deutschländer, rollte clas Bild 11er Entstehung und Entwicklung der Agudas Jisroel auf, skizzierte die bisher vollbrachten Leistungen und forderte zu noch stärkerer Teilnahme und positiver Mitarbeit auf, ‘Nachhaltiger Beifall belohnte den -Redner. Es folgten noch Ansprachen der Herren Kom.-Rat Siegmund Bondi und Heisch Preminger. Sämtliche Red- 11er hoben besonders die Leistungen der Beth-Jakob- Bewegung auf dem Gebiete der jüdischen Mädchenerziehung hervor und die Jugendbewegung, die im Rahmen der Agudas Jisroel überall eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Als Herr David Bondy das Wort zur Schlußansprache erhielt, hatte die Festesstimmung ihren Höhepunkt; erreicht. Nach hübschen Gesangvorträgen des Herrn .Oberkantors Braun und des Jiigendgruppenehores gingen die Teilnehmer an dieser herrlichen Feier auseinander, im Bewußtsein von der Bedeutung der Agudas Jisroel und der Absicht, nunmehr mit doppelter Kraft den hehren Idealen der Agudas Jisroel zu dienen. * Am 16, Juni abends beging• die Agudas Jisroel- Orts- und Jugendgriippe Berlin! im Festsaal des ״Ticrgartenhofes“ die 20. Wiederkehr des Jahrestages der Kattowitzer Konferenz, auf der die Gründung der Weltorganisation Agudas Jisroel vollzogen wurde. Zu der stark besuchten Feier waren die Mitglieder , der Adass Jisroel sowie zahlreiche Freunde der Agudas jisroel a.us der Großen Gemeinde erschienen. •Dev Ortsgriippenvorsitzende der Agudas jisroel ״Rabb. Dr, Meier Hildesheimer, gab das Versprechen, daß die Arbeit der Agudas Jisroel in Berlin eine neue Belebung erfahren solle. Rabb. Dr. Esra!Munk hielt alsdann einen Nach- ׳ ruf auf den ersten Vorsitzenden der deutschen Landes- Organisation der Agudas Jisroel -und ihren Vertreter im Zentrulrat, -Rabb. Dr. Isaac Auerbach, Halberstudt. Aus- .gehend vom religiösen FührerpvoMcin, zeigte Herr Dr. Munk die ■Notwendigkeit neuer ,und immer neu gearteter Führerpersönlich׳kciten in jeder Generation auf. Unser jüdisches Geistesgut bleibe zwar dasselbe, die Welt aber wanclle sich, ׳und der judenheit den Weg zur Auseiiiandersetzung mit dem jeweils Neuen in der Welt auf dem!Boden des Alten zu weisen, sei die Aufgabe des religiösen Führers, Herr Wolf S. Jacobson gub einen geschichtlichen Ueberblictk über die Entstehung der Agudas Jisroel und den Verlauf der Kattowitzer Konferenz: Das letzte Referat hielt Herr Chefredakteur S, Seliachno.w-itz, Frankfurt a, ׳M., ■über ״Agudas Jisroel Modernste BraiilpirPcken der weltbekannten Perückenwerk$tätte Wien I, Kärntnerring 6 (S otef 1Bristol) Tel. U-47-1 16־ 5üi