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Jüdische Presse · 1932-06-17 · 24 (17.6.1932) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
24 (17.6.1932)
Date
1932-06-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Juni 1932 .כ- וינא־־םרעסבורג י׳ג סיון תרצ׳ב 18. Jahrg. Zwanzig Jahre Agudas Jisroel. Der Emst der Zeit, der sich geistig und ' wi1־techaftlich in trüben, düsteren Formen und Farben a׳uf dem ganzen Erdenrund auswirkt, will frohe Festes- Stimmung nicht aufkommen lassen. Und doch zwingt der historische Sinn, der dem Menschen angeboren ist, den Tag der Gründung unserer Agudas Jisroel vor zwei Jahrzehnten in Kattowitz nicht völlig dm Meer der Vergessenheit untertauchen zu lassen. Nicht laute Freude, nicht das Gefühl satter Genügsamkeit soll heute vorherrschend sein. Wohl aber ist die Rückschau erlaubt und geboten, ob - Agudas Jisroel sich sein Lebensrecht erkämpft und ob sein weiterer Weg in der jüdischen Geschichte geboten erscheint. Was hat die leitenden Männer, die geistigen Häupter der jüdischen Nation vor 20 Jahren zusammengeführt? Was hat sie auf einmal nach Jahrhunderten veranlaßt, über all die Spaltungen der .Weltanschäuung, der geographischen Verschiedenheit hinwegzuschauen und einen neuen, einheitlichen Bund zu gründen? Warum halben Ost und West sich brüderlich die Hand■ gereicht, aus welchem Grunde habe'ri1' dieü chassidischen Führer und. die Häupter der׳ litauischen judenheit einen scharfen Strich unter all die Kämpfe gesetzt, ׳in welchen so viel edle Kraft nutzlos vergeudet war?. Weil — so kann man ׳wohl sagen;— alle yon dem Bestreben geleitet waren, die Energien restlos zum Schutz und zur Pflege des kostbaren Schatzes, den Judentum und Menschheit haben, zu verwenden, für die Thora selbst, damit sie wieder den gebührenden Platz im Herzen des jüdischen Volkes gewinne. Die Formel, die in Kattowitz geprägt wurde: ״Lösung.der jüdischen Gesamtheitsau'fgaben dm Geiste der Thora“ war doch eine glückliche und sie hat sich ■bis heute ihr ,Heimatrecht bewahrt. Und nicht nur im eigenen Kreis, sondem auch 'bei den Gegnern, die dieses Lebensrecht unserer Gemeinschaft anerkennen müssen. Heute mehr denn je, erkennt die Welt, daß dais Judentum nur ׳dänn seine ewige Zukunft hat, wenn es in seiner Mitte den ihm eigenen Kristallisatlonspunkt bewahrt. In einer Zeit, wo alle Völker der Erde sich auf den ureigenen Schwerpunkt!besinnen, der ihre Vergangenheit mit der Zukunft verbindet, in einer solchen Zeit empfindet!man, wie schwer alle die sich am jüdischen Volke versündigen, die neue fremde noch so hohe Ideen an Stelle der Idoxen Führern des Auslandes, namentlich mit russisehen Rabbinern, Agudas Jisroel als eine interterritoriale Vereinigung der gesetzestreuen Juden gegründet wurde. An der Kattowitzer Konferenz■ nahmen 300 der bedeutendsten Persönlichkeiten und hervorragendsten Rabbiner der Orthodoxie Deutschlands, Oesterreichs, Rußlands und Englands teil; Alle gesetzestreuen Verbände ließen sich durch Delegierte vertreten. In dem offiziellen ■Referat Jakob Rosenheims, des derzeitigen Präsidenten der Weltorganisation Agudas Jisroel, und den Berichten über die Lage der gesetzestreuen Judenheit in den verschiedenen Ländern kam der Wunsch zum Ausdruck, durch organisatorischen internationalen Zusammenschluß aller Gesetzestreuen die Heilighaltung religiöser Vorschriften zu ermöglichen und ein ,einigendes Baud für alle zu schaffen; die in der Thora das Wesen des Jiidentums erblicken, die Thorakenntnis und die jüdische Intensität des Ostens mit der modernen Lebensführung des gesetzestreuen Westeuropäers ׳!und nach demWahlspriucn ״Thora im Dereoh erez“ mit den ewigen jüdischen *Pflichten des modernen Menschen zu verbinden. Daneben enthielt das angenommene Programm Punkte, die sich auf die ״Besserung der wirtschaftlichen Lebensbedingungen für die jüdischen Massen in den .Hindern der Not' und in Par lästina“.,'.,sowie' ״Vertretung der tlioratreüen . jüdischen!Gesamtheit nach außen und *die (Abwehr■׳ der gegen ■ die Thora und ihre Bekenner als! solche gerichteten Angriffe“ beziehen. — Im 1Anschluß an diese Tagung erfolgte überall die Gründung von Landesverbänden und Ortsgruppen der Aguda. 19.19 fand in Zürich die erste größere Zusammenkunft der Welt-Aguda feit dem Kriege und im August 1925 die Kenessijo gedaulo (Große Versammlung) in. Wien statt. Seit 1920 führte Rabbiner Dr. Pinchas Kohn, Wien, die Geschäfte der Agudas Jisroel. Die zweite ״Kenessijo gedaulö“ wählte Herrn Jakob R o s e n h e i m zum Präsidenten der Weltorganisation. Die ״Kenessijo gedaulo“ tritt alle fünf Jahre zusammen. Die Agudas Jisroel hat in Polen die orthodoxe Arbeiterbewegung!(Poale Agudas Jisroel) und ein orthodoxe Frauenbewegung (Benaus Agudas Jisroel) sowie die Beth-Jakob-Mädchenschulorganisation, welche zur Zeit in Krakau und in Wien je eine Lehierinnenbildungsanstalt und über 170 orthodoxe Töchterschulen■ mit ■mehr als 20.000 Schülerinnen erhält, ins Leben gerufen. Die Herischerstellung der Thora innerhalb der Organisation gelangt zum Ausdruck in der ״Mo’ezet chachme hatorah" (der rabibinische Rat), die die oberste Instanz bildet und deren Genehmigung alle Beschlüsse unter- Per richtige Weg zur Erlangung schdner uralten Lebensgüter Israels gesetzt haben. Nicht Sozialismus und Nationalismus in allweltlicher Prägung sind das Heilmittel für unser jüdisches,, aus tausend Wunden blutendes Volk. Eindringlich lehren es die furchtbaren Stürme, die gerade jetzt über unsere ewige Heimat im Osten wie auch über die Länder, die uns Gohis-Heimat geworden sind, hinbrauseii. Und wenn der Glaube es uns nicht gerade in diesen Tagen mit;besonderer Gewalt in die Seele schreiben würde, daß keine Anleihe bei fremdem Geistesgut unserer 'jüdischen Jugend die Widerstandskraft geben kann, so müßte der Blick auf die Griindungstage der Aguda uns lehren, stolz bei der eigenen Fahne zu bleiben. Diese Lehre hat Agudas Jisroel vom ersten, Tag an verkündet und diesen Weg muß sie •uhbeirrt weitergehen. Dr. S. A. . , * . . Am LI. und 12. Siwan 5692 (15. und 16. Juni 1932) werden es 20 Jahre, seitdem auf einer Konferenz in״. Kattowitz nach längeren Verhandlungen maßgebende^• orthodoxer Persönlichkeiten Deutschlands mit orthomnißar ZähviA unter gleicfaeUiget SeleUigung bes üäßlt$ gefärbten Wclllicr üaUllU 3afmbelaaes ift folaenber: ®rüden Sie einen Strang ■ Gt)lorot>ont3״a!)npafte auf bie trodene ff^Iotoboni» 30bnbürfte (Spe3ialbürfie mit gesahntem 80rften»fdjnitt), bflrften Sie 31)« 3äfine nun nad) allen Seiten, aud) pon unten nad! oben, tauben Sie erft jefet bie Sttrfte in SBaffer unb fpülen Sie mit GbIorobont־aJtunbmaffer unter ffiurgeln grünblid) nad). Der (Erfolg roirb Sie iiberrafdien! Ser mißfarbene 3nbnbelag ift petfdjtDunben unb ein bettKcbes ©efüljl ber Stifte bleibt 3utüd. ®erlangen Sic ausbrUdiid) (Eblorobont»3abnpafte. JCube Kö4.- unb Kö6.-. @oCks 41.2ßauphs<Au&.furZftnaßen. der; weltbekannten Perllckenwerkstätte Vien I, Kärntn ©1״ r i 119 6 (801«? 1BriitVi) alillllllllllinillllllllllllllllllllllllllllllllinillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllilllllH Einladung zu dem JiibiläiimsKidhnkett anläßlich der zwanzigsten Wiederkehr der Kattowitzer Gründungsversammlung der Agudas Jisroel am S o n ntag, den 15. Siwan 5692 (19. Juni 1932), um Y38 Uhr aben'ds im Festsaal der Agudas-Jisroel-Jugendgruppe, Wien II, Floßgasse, 1. Programm: Eröffnungsrede: Begrüßung durch Vertreter des rabbinischen Rates, des geschäftsführenden Ausschusses, des Vorstandes der Ortsgruppe und Jugendgruppe, weiters durch Teilnehmer ,an der Kattowitzer Konferenz. Festrede, gehalten von Herrn Dr. Leo Deutschländer. Gesangvorträge. — Schlußansprachen. Dinerkarten zum Preise von S 1.50 sind im Lokale der Ortsgruppe!und Jugendgruppe sowie bei den Vorstandsmitgliedern und beim Eingang erhältlich. Der Vorstand ■ der österreichischen Landesorganisation der A g u d a s J i s r o e 1 und der Jugendgruppe, Wien, II. liegen: Die• gesetzliche ׳Vertretung■• ■der Aguda ibiklet der von der ,,Kenessijo“ gewählte, aus 100 Männern bestehende Zentralrat, der jährlich Zusammentritt. Die Mitgliederzahl der Weltorganisation Agudas Jisroel wird auf mehr als 500.000 geschätzt. Es bestehen 50 Landesorganisationen. Für die kulturelle und wirtschaftliche Pa lästina•■ Arbeit der Agudas Jisroel ist die Palästina-Zentrale (Sitz Frankfurt),!für die ErzieJmngsanbeit der Keren hathora (Sitz Wien) .geschaffen worden. Die Agudas- Jis, roel-Jugendorganisation ist ■territorial nach Ländern aufgebaut und untersteht der jeweiligen Laudeszentra le. Die Exekutive der Agudas Jisroel-Weltorganisation erläßt an die Mitglieder aller agudistischen Organisationen einen Aufruf, anläßlich des Kattowitzer Gedenktages d c 1• Zentral k a s se de r A g ■u d a s Jisroel einen größeren oder kleineren Betrag zur Erhöhung ihrer Aktivität zu überweisen.• Der Fall Popper! Seit!Wochen beschäftigt sich die ()Öffentlichkeit Wiens, insbesondere die jüdische Bevölkerung, mit den Unterschlagungen, die der gewesene Materialverwalter der israelitischen Kultusgemeinde, Max Popper, seit nahezu zehn Jahren begangen hat und die erst jetzt durch einen Zufall aufgedeckt wurden. Die Zeitungen haben von׳ den sicherlich bedauerliehen Vorfällen!Besitz ergriffen, und je nach ihrer Einstellung versuchen Sie, die Tatsache, daß jahrelang bedeutende!Malversationen möglich ■waren, entweder als harmlos hinzustellen oder dem derzeitige.11■ Vorstand der Kultusgemeinde aus dieser Angelegenheit einen Strick zu drehen und ihn an den Pranger zu stellen. Wie stellt nun die!Sache wirklich? Die Kultusgemeinde hat in einer 1P 1■ ess e.k o'11.f e r e 11 z versucht, ein wenig Licht in diese Sache zu!bringen und die ()Öffentlichkeit ■zu informieren. Unsere Aufgabe soll es nicht sein, zu untersuchen,, ob und inwiefern das Sturinlaiiifen gegen den Kultus- Vorstand berechtigt ist. Wir versagen es ■uns, a׳uf die Sache ■selbst einzugeheu, um so mehr, als das schwebende; Gerichtsverfahren der Presse gewisse!Beschränkungen auferlegt. Eines steht fest:׳.Auch .■bei' anderen Körperschäften und in Privatbetrieben sind Unterschlagungen vorgekoinmeu. Ob sie auch dort so lange Zeit währen kannten, ob sie auch dort in der gleich krassen Weise ■wie liier, geschehen .sind, hat kehlig Bedeutung. Jedena■ ־irrrmn׳ t ו T;

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