Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 23 (9.6.1932)
- Date
- 1932-06-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Novin0v6 vtfplatnä povolenS fiadit post » telegrafov v Bfatislave 219. 41572^111.20. Zeitungen vom Verleger versendet Journal exp£die pat Pidlitat. V. b. b. JÜDISCHE PRESSE OMM PHI MK INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien, II., Große Pfarrgasse 3/3. — Tel. A81־3*45־. Tschecho* Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto ,Jüdische Presse*, Wien für Oest er reich! Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschland 1 post- Scheckkonto Betlln Nr. 122619; Jugoslawien! Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217: Polen! Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn! Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz! Post• scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei! ,JOdische Presse״, Biatlslava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 23 Wien-Bratislava, 9. Juni 1932 .וינא־פרעסבומ ה, סיח תוצ׳ב n*3 18. Jahrg. Die Wiener Befh-Jakob-Schule’in Budapest. Wie bereits gemeldet, hat Sonntag Rasch Chodcsch Siwan die oberste Klasse der Wiener Lehrerinnenbildungsanstalt Beth Jakob flntcr Leitung der Hauptdozentin Frl. Eva Landsberg eine Studienfahrt nach Budapest unternommen. In Budapest wurden die Teilnehmerinnen von den Mitgliedern des Bcth-Jakobkomitees herzlich empfangen und hei Budapestcr Familien untergebracht. Montag abends fand im Fcstsaal der Budapester orth.-isr. Kultusgemcindc ein großer Empfang zu Ehren der Gäste statt. Frl. Landsberg wurde eingeladen, das Schwuothfest in Oradea (Großwardein) zu verbringen, um auch in dieser Metropole über die Bedeutung der Beth-Jakobschulen zu referieren. Ihr sollt mir ein Reich von Priestern sein, ein heiliges Volk! Dieser nie verjährende Leitsatz der jüdischen Verfassungsurkunde enthält nicht nur den Vorzug der, Auscrwähltheit, sondern auch — das Stigma der Verfolgung. Mit der Annahme der Thora sind die Söhne Israels ein Volk geworden, ein Volk aber, nicht wie alle anderen Völker, sondern ein Volk G-ttes. Weder Staat noch Sprache, nicht politischer Wille und auch nicht wirtschaftliche Interessen bilden die Grundlage seiner Existenz oder sein einigendes Band, sondern einzig die Stellung seiner Angehörigen zur Thora, zur ewigen Lehre G-ttes. So wurden denn auch seit der Oticribarung am Sinai schon unzählige Versuche unternommen, das jüdisehe Volk auf andere Grundlagen zu stellen. Alle diese Versuche mußten aber scheitern, ob sie nun den Baal oder die hellenische!Körperkultur des Altertums, den Nationalismus, den Sozialismus oder die Körperkultur unserer Tage in Israel heimisch machen wollten, und immer noch hat sich der Abfall vom ewigen G-tte des Sinai dem jüdischen Volke verderblich erwiesen. Auch heute stürmt wieder der Haß der Völker gegen das jüdische Volk und die Führer des Judentums stehen rat- und planlos diesem Elementarereignis gegenüber. Wirtschaftliche Existenz und verfassungsmäßiges Recht des Juden sind gleicherweise bedroht. Wir glauben nun nicht, daß Proteste und Selbstschutzorganisationen viel zur Verteidigung des Judentums beitragen können, wohl aber können solche Maßnahmen dazu beitragen, uns von unserer Ewigkeitsgrundlage zu entfernen und dem Geiste der anderen Völker anzugleichen. Wenn auch jüdische Führer glauben, staatsklug und vernünftig zu handeln, indem sie versuchen, aus dem Volke G-ttes ein Volk wie die anderen zu machen, um, auf der gleichen völkischen Grundlage mit ihnen stehend, von ihnen mehr Verständnis für unsere Volksrechte heischen zu können, stehen die anderen ebenso Verständnis- und lieblos wie ehedem dem jüdischen Volke gegenüber, da sic eben besser fühlen, daß es sich da um ein in seinem tiefsten Wesen anderes Volk handelt, um ein Volk, das der Sinai zu einem heiligen Volke gemacht hat. Die Thora enthält auch eine soziale Lehre ganz eigener Art. Viele unserer Brüder aber glaubten und glauben, die Legitimation zu besitzen, die soziale Ordnung anderer Völker zu verbessern. Sie fanden dabei wohl große Gefolgschaft, mehr noch aber geschlossene Abwehr, und so zerrten sie durch ihr Tun das jüdische Volk mit in den Kampf der modernen Menschheit, dessen Mißerfolge nicht nur den jüdischen Führern, sondern dem Judentum überhaupt angekreidet werden. Darum liebt man uns nicht einmal dort, wo die soziale Gesetzgebung bessere Lebensverhältnisse geschaffen hat, haßt uns aber in jenen Kreisen, denen die sozialen Errungen- Die in Ihrem geschätzten Blatte bisher veröffentlichten Zuschriften haben, wie ohneweiters zugegeben werden!null, das Problem der jüdischen Schule unter dem Gesichtspunkte der Wiener Verhältnisse bereits gründlich behandelt. Und dennoch kann ich nicht •umhin, Sie zu bitten, auch meinen bescheidenen Zeilen Raum zu gewähren, die einige Seilender Frage, die alle bisherigen Einsender übersehen zu haben scheinen, ■ ins Auge fassen. Es wird sich beim Vergleich der Stellungnahmen für und wider die jüdische Schule dann vielleicht zeigen, daß die von mir vorgebrachten Gründe mehr als alle anderen geeignet sein!könnten, die Ent- Scheidung der jüdischen Eltern zu beeinflussen, da sie — ohne Selbstüberschätzung kann ieji das ruhig belumpten — in die Tiefen hineinleuchten und Seiten hervorziehen, an die gemeinhin nicht gedacht wird, die aber gleieihwo.il 1 ini Hintergründe der Seele jedes wahrhaft jüdisch empfindenden Vaters und jeder gläubigen Mutter zu finden sind. Vor allem muß Festgestellt werden; da(1 alle Ein- Sendungen und auch Ihr eigener Werbeaufsatz für die jüdische Schule an!der Möglichkeit eines antisemitischen Kurses in den Wiener öffentlichen Schulen ziemlich unbekümmert vorübergehen. Die Zustände an den Hochand Mittelschulen sind eindeutig, die Volks- und Hauptschule jedoch genielit bei der jüdischen Elternschaft ihr gewiß wohlverdientes Vertrauen noch immer in nageschmälertein Maße und allgemein herrscht die Zuversicht, daß die gute altösterreichische Schul tv ad ition namentlich in den Händen des Wiener Stadtschulrates gut aufgehoben ist. Es ist kaum anzunehmen, daß hierin,!solange schäften Besitz oder Macht geschmälert haben. Gegen diesen Haß gibt es aber nur eine Form des jüdischen Selbstschutzes und diese besteht darin, daß sich das jüdische Volk in das Reich des jüdischen Geistes z ti r ft c k z i e h t. Wenn auch vorläufig die jüdischen Führer noch so sehr in der Geisteswelt der anderen Völker verstrickt sind, daß sie glauben, durch wirtschaftliche Maßnahmen, durch Schutztruppen oder Anschluß an politische Parteien wirksame־ Abwehr herstellen zu können, werden sich die vereinzelten Stimmen jener immer mehr durchsetzen, die verkünden, daß der Jude nur in seinem eigenen, von Tfiorageist durchwehten Heim Schutz finden kann, da auch die Offenbarungsstunde am Sinai nur einemD'jrO ׳ממלכת einem גוי קלוש schlug. die Sozialdemokratie die. Macht in Händen Jitait, eilt Wandel ziian'SIch'leciliteren eintreten könnte. ,Und dennoch wird der Geist einer Schule nicht allein von der Schulbehörde bestimmt; auch auf die Lehrerschaft und auf die Mitschüler kommt c!s an, und da müßte ee iiiclit .mit rechten!Dingen zugehen, wenn sich nicht unbemerkt Einflüsse von der Straße und von der Politik 11er in die Schule schlichen, die den jüdischen Kindern! nicht immer angenehm wären. So heiter cs anmuten mag, wenn man jetzt, nach den wilden Wahilküiiitpifen des A1pr.il, in den Wiener Vorstadtstraßen Kinder mit den Rufen: ״Ho־ruck, .wach links! — H0-!1־uc!k,!nach Palästiim!“ uanherziehen sieht, so bedeutsam wird dies, wenn man bedenkt, , daß auf dem Wege kindlicher Nachahmungssucht nicht nur solche Wahlparolen, sondern auch sonstige Sch'lagworte und damit allmählich auch Gesinnungen verbreitet werden können. Und warum gerade die Lehrerschaft gegen das Gift der politischen Verhetzung so unbedingt durch die Maxime: ״Wes Brot ich esse, des Lied ich singe!“, gefeit sein sollte, wenn es sogar. Mieter!in den Geineiiidebauton gibt, die den Feinden derjenigen Partei ihre Stimmen geben, die für den Bau ihrer Wohnungen eintritt, ist auch nicht recht ei uz tis che 11. Die politische Entwicklung muß daher auch vom Standpunkte der jüdischen Schule aus beobachtet werden, und vielleicht ist der Zeitpunkt nicht mehr so fern, in dem es in Wien ohne Unterschied der Partei bedauert werden könnte, daß nicht rechtzeitig für die jüdische Schule gesorgt wurde. Duo• um ist vielleicht auch jetzt, cIa darai 1 gcgange 11 wird, eine gemeinsame jüdische Abwehrfront gegen den Antisemitismus zu bilden, die!jüdische Schule die Plattform für alle jüdischen. Richtungen, die stärkste Reserve für den in die Zukunft .schauenden Politiker. Zu diesem politischen Argument für die jüdische Schule gesellt sich aber hier auch noch ein zweites, mehr persönliches, ein Argument religiöser Natur, von dem es mich nur wmndert, du'ß es bisher noch gar ׳nicht in die Diskussion hineingezogen wurde. Der jüdischen Schule mit ihrem schulfreien Sabbat wirej immer entgegengehalten, daß ja auch an den öffentlichen Schulen Dispens von Schreib- und sonstigen Arbeiten vorgesehen ist» und nicht zuletzt von gesetzestreuer, von orthodoxer. Seite Avird mit einer gewissen Befriedigung ׳auf diese Erruugensehaft verwiesen. Gewiß, es muß auch zugegeben Averden, daß der Sabbatdispens eine große Errungenschuft war: verglichen mit dem, avus die vollständige H ö M IX LE6ENSVERS I C H E R U H GS- G ES ELLSCHAFT Warum in die jüdische Schule? (Vgl. ״Jüdische Presse“ Nr. 20, 21 und 22.) —״ Modernste Brautperiicken! ■■ dir weltbekannten PerUckenwerkstätte . OTHMAR SCHIFF Wien I, Kärntnerring 6 (SS«l,enÄ) Tel. ü-47-1 -16