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Jüdische Presse · 1932-06-03 · 22 (3.6.1932) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
22 (3.6.1932)
Date
1932-06-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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MM MC WTEREMCM DES •ftTHOfiOXMI JUDENTUMS. Zeitungen *ans Verleger temndei Jööffläl espMe put ritflte». Ne♦«*#♦* ♦ft!.«** W״#It•* *J״S*Jי»י«ע*1» * »״ » ßmlsr«« H*. 41S7&tlt>% Redaktion u. Administration: Wien, II., Große Pfärrgasse 3/3. Tel׳. A81*3*45־. Tschecho# Slowakei; Bratislava; Postfach 140. Erscheint jeden Freitag« — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganssjährig: Für Oesterreich S 16. Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer Öst. Gr. 50. das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto *Jüdische Presse-, Wien für Oest er reich t PostsparkassenköntoNr. D-93614; Deutschland! Post* seheekkonto Beiliu Nr. 122619; Jugoslawien) Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen t Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarnt Postspk,*Amt Budapest Nr.5öi?ö; Schwelet Post* scheckk. 2tirteh VIII. 4117;־ für die Tschechoslowakei t ״JO■ disehe Presse*, Bratislava, Postspk,-AmtPfag Konto Nr. 53386 Nri22 Wien-Bratislava, 3. Juni 1932 .ביי! וינא־פרעסבורג כ»ח אייר תיציב 18.Jahrg. Warum ln die jüdische Schule? Wir fahren heute .i!1 der mit der vorwöchentlichen Nummer ׳der ״Jüdischen Presse“ begonnenen Aussprache über •die Probleme der jüdischen Schule fort, indem vyir der Zuschrift einer Mutter Raum geben, ynd behalten uns vor, in der nächsten Nummer auf die Angelegenheit zurückzu־ kommen. Sie haben in anerkennenswerter Objektivität, die Zuschrift' eines Vaters veröffentlicht, deren Tenor sich gegen ׳die jüdische Schule aussprach, und werden wohl um so lieber auch meinen bescheidenen Zeilen Aufnahme gewähren, da ich von vornherein erkläre, daß ich für die jüdische Schule einzutreten gewillt bin. Mein Bub besucht bereits seit der ersten Klasse die Talmud-Thora- Schule und ich kann heute auf ׳Grund׳ mehrjähriger Erfahrungen schon sagen, daß allerdings sehr, viel W a h res an den in der Vorwoche erhobenen Eimwänden gegen die jüdische Schule ist. Das gilt sowohl für die Frage der Disziplin als auch für die Pflege einer reinen Aussprache und— selbstverständlich für die ׳Kostenfrage. Da es sich aber Um einen Knaben handelt, für dessen religiöse Erziehung Opfer in jedem Falle gebiaett werden müssen, traten für uns alle Bedenken’*ttrück? 4a wir wissen, daß 'weit mehr .als alle irdischen Güter, die wir unseren״ Kiride'rn vererben könnten, die geistigen * Güter wiegen, die ihr Leben innerhalb des Judentums verbürgen. ׳Das Mädchen dagegen, dessen religiöse Er- Ziehung ohnehin mehr vom Elternhause abhängig und bei dem noch mehr Gewicht auf das Aesthetische zu legen schien, glaubten wir mit ruhigem Gewissen der öffentlichen Schule am vertrauen zu dürfen. Allein, da machten wir Erfahrungen, die zeigten, daß auch für Mädchen die jüdische Schule unerläßlich ist. Denn jeder christliche Feiertag hielt nun gerade mit dem Kinde KilVb 3n juöisc^e $dmle TSotfas 4t.täcu1ph(AuJe.föirJ6ial>en, j, fflaizgasse. <6 seinen Einzug in unser bis dahimso jüdisches, n u r j ü d isc 11 es Haus und ob wir nun wollten oder nicht, mußten wir von ׳Dingen Kenntnis nehmen, die uns absolut fernliegen. Und vor allem die Sprache: Das Kind brachte zwar keine jüdischen ID'ialekt'brocken aus der Schule nach Hause, dagegen aber um so reichlicher wienerische Sprach- und׳ Sprechweise und wir. konnten, wenn wir uns darüber ehrlich Rechenschaft gaben; durchaus nicht einsehen, daß dieser Zuwachs an Kulturwerten wiinsehenswerter wäre als etwa hebräische oder jüdische Kraftausdrücke. Was aber die vielverlästerte Disziplinlosigkeit in der jüdischen Schule betrifft, kam ich nach und nach doch zu der Ueberzeugung, daß es sich da nicht um Disziplin oder Disziplinlosigkeit, sondern um ganz andere Tmpoderabilien handelt. Denn das, was ,in der jüdischen Schule so disziplinlos erscheint, ist in 'Wahrheit nichts anderes als eine freiere Gemeinschaft,!ein Zusammenleben von Lehrern und Kindern, das auf der gleichen Einstellung , zu, weltanschaulichen Dingen beruht und in seiner Herzlichkeit nur erziehungsfördernd wirkt. Aus allen diesen Erwägungen heraus entschlössen wir uns denn nach Verlauf der ersten zwei Schuljahre, auch unser Mädchen in die!jüdische Schule Zit schicken, ünd ich kanü, nvenh i.eh meine Erfahre ngeh zusammenfasse, nun sagen, daß nur die Mutter, die das Glück genießt, ihr Kind׳ in eine jüdische Schule schicken zu können, weiß, welche'unerschöpflichen Lebensquellen sie dem jungen Geiste damit zuführt. ׳Es ist nicht nur der jüdische Wissensstoff, der naturgemäß ׳bei richtiger Ausnützung der ׳zahlreichen hebräischen Stunden ihr Kind mit ganz anderen, Waffen für den Kampf, eines jüdischen Lebens ausrüstet; den kann ■sich zur Not auch der Schüler einer ‘nichtjüdischen. Lehranstalt — freilich unter schwerer Belastung durch: die herkömmlichen und wenig geschätzten ״Privatstunden“ — verschaffen. Es ist mehr. Das Schulkind, das eine jüdische Schule besucht, lebt, wenn die Schule den Schüler sinngemäß erfaßt, in einer jüdischen Umwelt. Es steht nicht mit seinen noch . Schwachen Kräften ständig auf der Wacht, ständig auf Abwehr bedacht gegen antisemitische Seitenhiebe ׳der Mitschüler oder gar des Lehrers, wie .wir •alle,— bei aller Dankbarkeit gegen die uns durch die Schule vermittelten Güter sei es gesagt — es in unserer Schulzeit erfahren haben. Dem Schulkinde in einer jüdischen Schule ward das seltene Schicksal zuteil,, für kurze Jahre das Goluth aus seinem Gesichtskreis zu bannen; es ist noch nicht y HÖH IX B E N 5 V E R S I C H E R D N GS• G E S E L L S C H A FT geduldetes Mitglied einer religiösen Minorität —׳ es lebt mehr oder weniger in einem ,jüdischen Gemeinwesen, wo jüdische Sitten gehegt und gepflegt werden, jüdisches Gesetz und Recht maßgebend sind. Das Kind fühlt sich — nicht nur am Sabbat und Feiertag, nicht nur in der Syiiagoge, sondern jeden Tag und jede Stunde — als Glied einer jüdischen Gemeinschaft. Und die Seelenärzte uiiserer Tage haben uns nachdrücklich darüber belehrt, wie wichtig die Vermeidung solcher Abwehrstellung für die gesunde seelische, Entwicklung unserer Kinder ist. All dies zusammen hat uns also bewogen, trotz; allem beide Kinder in die jüdische Schule zu schicken. Eine Mutter. Der Abschiedsbesuch des ischechoslowakischen Konsuls Dr. Vladimir Fric beim ,Kolel Schomre Hachomoth‘ in Jerusalem Der tschechoslowakische Konsul im Heiligen Land, Dr. Vladimir <F r i c, verläßt dieser Tage Jerusalem, wo er seit 1927 eine außerordentlich segensreiche uncl allseits anerkannte Tätigkeit entfaltet hat. Konsul Doktor Fric vertrat den tschechoslowakischen Staat in Palästina auf| eine Weise, die ihm• und der Tschechoslowakei in der gesamten Bevölkerung ohne Unterschied der konfessionelIreju.und nationalen Zugehörigkeit die wärmsten Sympathien erwarb. Durch seine stets entgegenkommende und peinlich korrekte Amtsführung Und durch seine persönliche Liebenswürdigkeit, verstand er es im besonderen; sich die in Palästina ansässigen oder mit den palästinensischen Interessen verknüpften tschechoslowakischen!Staatsangehörigen zu Verehrern zu machen, wie er selber bei jedem Anlaß׳ als hilfsbereiter Freund all derer sich erwies, die sich in irgendeiner Angelegenheit an ihn wandten. Mit den aus der Tschecho- Slowakei stammenden Juden des •Heiligen Landes unterhielt Konsul D1\ Fric während seiner ganzen Amtsdauer die besten und freundschaftlichsten Beziehungen. ׳Er teilte mit .ihnen ■Freud und Leid, war ihnen Berater ,und Für- Sprecher in allen schwierigen Lagen und förderte ihre wirtschaftlichen und humanitären Interessen, wo er nur vermochte. Dadurch knüpfte er ein enges ■Band zwischen ihnen lind ihrem Heimatstaat, obgleich manche von ihnen schon seit Generationen in Erez Jisroel ansässig sind und sich mit allen Fasern ihres Herzens unlösbar an dieses Ur.land jüdischen Heiligtums gebunden fühlen. Konsul Dr. ׳Fric zählt namentlich zu den Bewunderern und Verehrern unseres jüngst in die Ewigkeit abberufenen Führers Rabbi Chajim Sonnenfeld s. z. 1., in dem er— wie er dies öfters zum Ausdruck brachte — das Abbild alt jüdischer prophetischer Weisheit und Frömmigkeit bewunderte, wie anderseits auch der große Rabbi in Dr. Friß einen, würdigen Vertreter des humanen Präsidenten Masaryk erblickte. Kein Wunder also,, wenn die Gemeinde der tschechoslowakischen Juden in Jerüsalem den Abschiedsbesuch des Konsul. Dr.׳ Friß beim .;Kolei Schom1;e Hachomoth“ zum Anlaß nahm, um ihm und dem tschechoslowakischen Staat für all das, was er für sie getan Kat, ihren Dank zum Ausdruck zu ׳bringen und ihn zu ,bitten, die guten Beziehungen zwischen ihnen und dein 1 Leimatstaat auch auf seinen Nachfolger im Konsularanit zu übertragen. > . .״ Der Abschiedsbesuch gestaltete sjch—wie uns berichtet wird — ungewöhnlich freundlich. Der Konsul besuchte zunächst die Talmud-Thora-Schule, wo er fast sämtliche Klassenzimmer betrat und den lernenden Kindem Lebewohl sagte. ׳Daun begab er sich zur ״Jeschiwatli ,Chasam Sofcr“. Von dort besuchte er das Bethaus der Gemeinde, in dem er während seiner palästinensischen Amtszeit bei jeder besonderen Veranlassung anwesend war. Schließlich beehrte er das Bureau des Kolel mit seinem Besuch, wo er sich mit den Vorstehern und den Beamten über die Angelegenheiten des Kolel an teilnehmend unterhielt. ׳Hier richtete Herr Rabbiner Jonatlum Biujumin Horowitz im Namen des Kolel einen Modernste Brautperücken der weltbekannten Perllckenwerkstätte Wien I, Kärntnerring 6 das׳«^ Tel. U-47-1-16

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