Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1932-03-18 · 11 (18.3.1932) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
11 (18.3.1932)
Date
1932-03-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2629891-2630438-2630449--4121-2636231
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

״-\ *״־ - ־ ״־■ ,׳יv ־" •;•1׳*ךrT5' v Nottaov6 #eWfii ööftJl^il fMrptü( 8 teiegrafov ♦ ifiMift afe 4Mt Zeitung« vööi Journal versend«. pät F4d»#ti»; v.o, JÜDISCHE PRE Redaktion u. Administration: Wien, II., Große i Pfarrgasse 3/3. — Tel'. A*4581־־3־. Tschecho־» Slowakei: Bratislava, Postfa^jt;140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise‘. Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tsChech. K. 80, Einzelnummer Öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahtnttgen auf Konto .Jüdische Presse*, Wien für Oester* reich j PostsparkasienkontoNr. D-93614; Deutschland: Post• scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 402t?: PolOit: Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr,50170; Schweiz: Post• scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei 1 .Jfi• dische Presse״, Bratislava, Postspk.>AmtPrag Konto Nr. 53386 Nr. 11 Wien-Bratislava, 18. März 1932 .ב*ד• וינא־םדעםבויני׳ אדיב׳ תרציב 18. Jahrg. Purim —nüchtern...? Der jüdische Volkswitz charakterisiert alles Unzeitgemäße und Unpassende am besten durch die Gegeniiberstellung: ״Das ganze Jahr schikker, Purim nüchtcrn!“ Soll der Jude doch an. diesem einen Tag des Jahres auch einmal ein wenig dem tollen Uebermut sich überlassen und das Maß der Dinge soweit verlieren, daß er den Unterschied zwischen Freund und Feind, zwischen Borucli Mordecliai ׳und Vrur ■Homo 11 nicht mehr kennt. . , Man hat auf Seite des. assimilierten Judentums jahrzehntelang sehr viel Wasser in den schäumenden Purimwein zu tun versucht, und um nur ja bei den lieben andersgläubigen Mitbürgern keinen Anstoß zu erregen, die Feier des Purimfestes möglichst schamhaft vertuscht. So ward aus dem bunt-übermütigen und doch so tiefsinnigen, glaubensechten ,und. 'brüderlich-freige.bigen Fest ein recht nüchternes, seelenloses Surrogat — aber die Zeiten haben sich •bald geändert und wieder wird Purim von allen!gefeiert, die nur irgendwie mit dem . Judentum Zusammenhängen. Die Ereignisse der letzten Jahre ■haben.ja deutlich gelehrt, daß ^כל דור ודור עומרים עלינו לכלוחנו und immer wieder die Hand G-.ttes im Geschehen des Alltags sichtbar wird. ,Auch der religiös Harthörige muß diese Zeichen der Zeit vernehmen und der Kurzsichtigste den Haman in all den Metamorphosen erkennen, deren er sich mit so viel Geschick bedient. Das ist, einmal so recht nüchtern betrachtet, der Sinn der Erscheinung, daß in unserem so nüchternen selbe Katze doch noch dafür, daß uns — eilt Katzenjammer nicht erspart bleibt. Jenseits von allem Rausch und aller Nüchternheit, aber auch jenseits von allem Humanismus lind allem Katzenjammer aber steht das, was unserem Purim seine ־Bedeutung gibt und ihn so hoch hinaushebt über alle Kritik und alles Parteigetriebe, es ist die Gewißheit, daß רוח והצלה יעמיד ליהודים ממקום אחר. M. Purimfeier zugunsten der Talmud-Thora-Schule. Sonntag, den 20. März, halb 3 Uhr nachmittags findet zugunsten der Talmud-Thora-Vo'lks- und Hauptschule, 11.. Malzgasse 16, im Festsaale des Hotel Continental, IT.. Taborstraße 2, ein lustiges Purim-Kinder- Maskenfest statt. Das überaus reichhaitige Programm wird durchwegs von Schülern der Talmud-Thora-Schule bestritten. Gegen die ....... . Ja auch gar nicht .erst weit zu suchen, um die Humane mit Siegesgewißheit auszielien und ain Abend mit gebrochenein Mast still wieder in den Hafen des Wahlhauptquartiers zurückschleichen zu sehen. Gehört. Ja auch unsere moderne Inkarnation des Hamantypus, die am 13. des (März) Monats jenes •Reich errichten wollte, in dem das Judenblut •nur *so hätte fließen sollen, schon zu den Propheten, die in. ihrer eigenen Heimat nicht mehr gelten und immer wieder eine neue Heimat (irgendwo in Hinterpommern) suchen müssen, wo man Juden nur vom Hörensagen kennt •und den Hamans von heute darum um so eher Glauben schenken kann. Aber auch darin erweist sich unsere Estherrolle so recht als ewig; daß der Hydra des Judenhasses immer wieder neue •Hamansköpfe , nachwachsen. Kaum war nämlich die Schlacht des 13. März geschlagen, als auch schon die Nachricht von dem Selbstmord des Finanzmagnaten Kreuger die Welt in Staunen versetzte. Wer aber dabei erwartet hätte, die judenhetzerische Meute weide in diesem Falle wenigstens Ruhe geben müssen, da es sich hier ebenso wie im Fall Stlnnes um einen modernen Wirtschaftsführer von reinstem ״arischem“ Geblüt handelt, wird bald eines Besseren *belehrt. Denn schon am 15. d. M. hatte es die ״Dötz“ (״Deutschösterreichische Tageszeitung“) herausgefunden,, daß Kreuger ein Opfer der jüdischen Finanzkreise sei; denen er schon lange ein Dorn im Auge gewesen. Wirf die Katze wie du willst, sie fällt doch immer auf die Füße, und auch wenn wir am Purim noch so nüchtern bleiben und die nüchternsten Ueberlegungen anstellen, sorgt diese Zu den in den letzten Nummern der Zeitschrift des Wiener Tierschutzver'eines ״Der Ti e r f 1־ e u 11 d“ erschienenen Aufsätzen betreffend das rituelle Schächten äußerst sich Herr Rabbiner D1\ Feuchtwang wie folgt: ״Es erscheint mir vollständig ausgeschlossen, die Leitung und die Mitglieder des Tierschutzvereines von der Ungerechtigkeit und Unrichtigkeit ihrer Angriffe gegen das jüdisch-rituelle Schächten und das •betaubungslose Schächten mit wissenschaftlichen Mitteln zu überzeugen. Das ist ein vergebliches Unternehmen, da sich die erwähnten Körperschaften nicht überzeugen lassen wollen. Es ist deshalb auch müßig, auf historische und religionsgeschichtliche Erörterungen einzugehen. Die Zurückweisung yo^ hunderten^ dufchaiis einiwandfreien wissehschaftlicneh""' Gutachten allererster Auto-' ritäten über das Schächten, 1 unter Hinweis auf die Gutachten der praktischen Tierärzte, kann unsere Ueberzeugung von der einwandfreien Richtigkeit der erstewähnten *Gutachten nicht erschüttern. Die wissenschaftliohen Gutachten der Gelehrten' beruhen nicht minder auf empirischen Ueberzeugungen und praktischen Ergebnissen von Laboratorien-Arbeiten. Es ist und bleibt erwiesen, daß die rituelle Schächtung als Tierquälerei nicht *bezeichnet werden darf sowie daß die bisher angewandten Betäubungsmethoden unzureichend sind. Wir haben zu wiederholten Malen erklärt, daß wir gegen eine wissenschaftlich geprüfte Betäubungsmethode, die unserem Religionsgesetze nicht widerspricht, nichts einzuwenden hätten. Größte Autoritäten erklären aber gerade den Schächtschnitt als die bisher beste Art der Herbeiführung des Zustandes der Bewußtlosigkeit. Weitestgehende Diskussionen über diese Fragen und Gegenstände werden zu keinem Ende führen. Wir bezweifeln nicht, daß der Präsident des Wiener Tierschutzvereines, Herr Prof. Dr. Graf Wilheim L e i n i n g e n - W e •s t ׳b u r g, *sowie sicherlich ein größer Teil der Mitglieder des Tierschutzvereines, von den besten Absichten erfüllt sind. Wir fordern aber, daß sie das auch bei uns voraussetzen und uns dasselbe y ' ■A* 0 M IX L E B E N S V ER SIC HERUM G S- G ES E L L S C H A F T Maß von Objektivität zubilligen, wie wir ihnen. Aber, wie gesagt, auf religionsgeschichtliche Diskussionen kann und werde ich mich nicht einlassen, schon deshalb nicht, weil ich der stärkere Teil bin und in der Lage wäre, Punkt für Punkt zur Evidenz zu widerlegen. Die Berufung auf die Urteile einiger Rabbiner, wie zum Beispiel des verstorbenen Rabbiners Dr. Stein, spielt keine Rolle gegenüber den zahllosen Gutachten und Urteilen anderer jüdischer und nicht jüdischer Autoritäten. Auch die Tatsache, daß in Bayern, in der Schweiz, Norwegen usw. das *betäubungslose Schächten von Staats wegen verboten worden ist, ist, kein Beweis für die wissenschaftliche Berechtigung dieser Verbote. Wir müssen uns aber auch gegen die Behauptung des Herrn Oberfinanzrates Dr. Melkus, als Vorsitzenden des ׳־verbandös ^der österreichischen Tierscliufzvereiiie, wenden. Es dürfte kaum ׳gelingen, den Nachweis zu erbringen, daß neun Zehntel der Wiener Juden kein Interesse an der Aufrechterhaltung des rituellen Schächtens haben und daß die Wiener Kultusgemeinde ״mit ihrem starren *Festhalten an einer überlebten. Gewohnheit“ ,,lediglich die Ansichten einer kleinen Minderheit der eingewanderten Ostjuden vertrete, deren Anwesenheit der westeuropäischen Judenheit selbst nicht erwünscht sei“. Eine solche Unterstellung muß auf das ehtschiedenste zurückgewiesen werden. Ein Blick auf Ost- und Westeuropa und auch auf Amerika und andere Kontinente beweist, daß Millionen Juden, welche treu dem Religionsgesetze leben, ein Interesse an dem Aufrechterhalten des rituellen Schächtens haben. Einen Unterschied zwischen Ost- und West Judentum gibt es weder in dieser Frage, noch sonst in religionsgesetzlichen Dingen. Es ist Aufgabe und Pflicht der jüdischen Kultusgemeinde, ihre Institutionen so einzurichten, daß ohne Rücksicht auf Majorität und Minorität, diese Institutionen dem Religionsgesetze entsprechen. Um die Oeffentlichkeit doch ein wenig über die Beschaffenheit der von mir oft erwähnten Gutachten großer Autoritäten aufzuklären, weise ich auf ein jüngst erschienenes Gutachten vom 5. Juli 1931־ hin, das vom Leiter des Schlachthof־» ׳ in B^liii^Qhjirtjerarzt Doktor J u n a c k, stammt, Slclj) n;v ,Jiß Angriffe der Tierschutzvereine gegen Jie * f״uft• aJ Schlachtung als־ unberechtigt und auch die b?U1W'"gernach.ten Betaubungsversuche als unzureiche!|J,. bezeichnet, hingegen den Schachtschnitt als hinrei tuendes Mittel zur . Herbeiführung der Bewußtlosigkeit erklärt, Obzwar ich es für überflüssig halte, will ich doch einige Namen von den früher erwähnten Autoritäten anführen. Virchow, Dubois-Raymond, Waldeyer, Engelmann, Czerny, Fürbinger, Verworn, Gräber, Lehmann, Pettenkofer, Lister, Vick, Dammann, Preyer, Crämer, Rubnev, Dusser de Barrenne, Krogh, Scherrington u, yy a. Im übrigen haben auch staatliche Stellen, wie zum Beispiel das; ».־Zenjrale der weltbekannten Perückenwerkstätte PI IC» Ulf erring 6 (H9t!1enBri8to'1)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.