Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 10 (11.3.1932)
- Date
- 1932-03-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Noviflov^ poToleftfi Hädit öost <1 feI«ÄfAJ6^! Zeitungen vom Veffe^f vets^udei t Bfitfsfivi SI&IISlMHiifc f Joaffia! e*pidle pät Nditetrr. I V.b.b. JUDENTUMS J-L*. Redaktion u. Administration: Wien, 11, Große Pfarrgasse 3/3, — Tel A8*3*45־־L Tschecho* Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abcmnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar, ...... .. .. . . ־..* "N Zamuagen auf Konto ,Jüdische Presse", Wien für Oest er* reich 1 Postsparkastenkonto Nr. D-93614; Deutschland! Post« Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien! Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen s Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn! Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schwelg! Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei! .Jüdische Presse*, Bratislava, Postsßk*-Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 10 Wien-Bratislava, 11. Harz 1932 .כ׳45וינא־פרעסס־מ ג׳ אדי כ׳ תרצ׳ב 18.Jahrg. Umschau Nationaljiidisehe Irrungen — zionistische Wirrungen. Im psychoanalytischen Verlag in Wien sind zwei Schriften von Theodor Reik und Georg Langer über den Gebetmantel und die Gebetriemen der Juden erschienen, welche nur als bedauerliche Verirrungen fanatischer Gottesleugner gewertet werden können und vom Stand- Punkt jedes religiös empfindenden Menschen mit Entriistung abzulehnen sind. Die beiden Autoren stehen der hohen und edlen Symbolik des Judentums mit einer geradezu abgrundtiefen Verständnislosigkeit gegenüber. Del gläubige Jude muß die von beiden Autoren vertretene Anschauung, wonach in den ״Tefillin“ einen Rest des Felles des Toten-Tieres, in das man sich in prähistorischer Zeit beim Gebet einhüllte, zu erblicken sei, und das als der G-ttheit lebendiges Kleid erhalten blieb, geradezu als G-tteslästerung empfinden. Die ״Jüdische Rundschau“ aber empfiehlt in einer Besprechung von ״r“ ihren Lesern das Machwerk von Georg Langer das einem antisemitischen Tendenzschriftsteller alle Ehre gemacht hätte, u. a. mit folgenden Worten: Die Tefillin sind nach Langer in ihrem ursprünglichen Wesen ganz konkrete erotische Symbole (!1 Red.), eine These, die ihm die Erklärung von einer ganzen Reihe bisher unverständlicher Einzelheiten ermöglicht. Wenn der Leser sich, dagegen sträubt, diese Ergebnisse einfach hinzunehmen, so mag der Psychoanalytiker auch dafür eine Erklärung bereit haben. Aber wie immer dem sei, man muß anerkennen, daß die Psychoanalyse in Regionen vorstößt, die vorher gewiß ganz verschlossen waren: und so wird man zumindest angerührt von einem Gefühl für die geheimni’svollen Wege des Menschengeistes (?! Red.), auch wenn man. glaubt, . daß die allzu einseitige, ־, , alletV'-Dingen ein; Motiv zugrunde legende Betrachtungsweise häufig in ihren Kombinationen übers Ziel hinausschießt. Der Grund für diese allzu sanfte Behandlung des Pamphlets seitens des ״J. R.“ dürfte wohl darin liegen, daß es sich bei dem Verfasser um einen national jüdischen ״Lyriker“ handelt. " Gegen einen nationaljüdischen Lyriker dieser Art, dessen unsittliche und unjüdische Ergüsse das offizielle hebräische Zentralorgan der zionistischen Organisation ״Haolam“ zieren, wendet sich ein von der Wiener ,,Neuen Welt“ veröffentlichter Protest eines Misrachistcn. Auch diese Tatsache ist uns eines von den vielen Zeichen einer entarteten Zeit, der nichts heilig ist. Grotesk wirkt es aber geradezu schon, wenn man sieht, wie seitens solcher entjudeter Menschen das vielleicht bei ihnen individuell bestehende Vorherrschen der sexuellen Sphäre auf alle Gebiete angewendet wird und hätte es auch dort wie im religiösen Judentum nicht das geringste zu suchen. So hat ja auch Freud, der oft sogar von jüdischer, von schlecht unterrichteter jüdischer Seite als Repräsentant jüdischen Geistes in den Himmel gehoben wurde, einmal die kühne Behauptung aufgeworfen, die Ursache des Judenhasses liege in der — Kastrationsangst. Die Zirkumzision sei ein Ueberbleibsel der uralten Kastration. Die Erklärung der Zirkumzision aus Gründen der Hygiene sei nur eine sekundäre Rationalisierung. Das Unbewußte aber wisse diesen Zusammenhang sehr gut, da ihm ja die Erfahrung der vergangenen Jahrtausende zur Verfügung stünde, und verwechsle Beschneidung mit Abschneiden. Darauf beruhe die Mißachtung des Juden als Kastraten. Aber auch als Menschen-, die zu jeder Handlung fähig seien. Denn Menschen, die ihre eigenen Kinder kastrieren, seien wohl auch der Tötung anderer Kinder (Ritualmord) fähig. So fürchtet das Unbewußte die Juden und verachte sie zugleich . . . Bei solchen Zeichen ihrer Einstellung zum Judentum, die Geistesgrößen der Zeit von sich geben, kann nur gefragt werden, ob es wohl denkbar wäre, daß ein Jude und sei er auch noch so großer Wissenschaftler oder Dichter und ungläubig auch noch dazu, unmöglich solcher Verirrungen fähig ־wäre, wenn er — mehr jüdische Erziehung genossen hätte. Denn die Freud, Langer und Reik kennen das Judentum bestenfalls vom Museum oder vom Lexikon her. Was aber von ihnen mit Fug und Recht verlangt werden kann, ist: Hände weg vom Heiligen. * Die meiiisoluliohen ׳iitraiiigen bleiben freilich nictlii nuv auf!da!s Gebiet!das iL 11 e 1־ a r i s c 111 e :11 aind Geistigen beschränkt, Audi lii.n Jüdischen!Lebern findet man ׳sie hüufig־;genug־ ai/nd erst jüngst hat eine, kleine Kontroverse, die sich in!CzeriiOiwitz äbspieltc, darüber belehrt, daß Politiker oift in!der Versteinerung eines Parteistanidpunktcs verharren, den die Eutwickinnig Jüngst übenvvuihden baj. So war es vor -etwa zehn Jahren *11.1111־!ganz!natürlich,!daß auf dem Gebiete der Palästina-Politik Zionisten und Agudisten sich heftig befehdeten. Die Ereignisse der letzten Jahre haben ׳—!leider — lErörtermiigen dieser Art 1iibe11׳f!11üstsig •gemacht, in den Köpfen unentwegter!zionistischer Politilce.r., *wie c*s!Dr. Mayer;Eli in e!1־ in Gzemowitz!ist, spukt aber noch immer derfjalte Antagonismus gegen die böse Aigwda. Da sich abfcr ein!geeigneterer Anlaß zur iBetätigainig dieses A.ntaigomiiistmius durchaus •nicht bieten will, muß die Tatsache,'daß ein liberalers rumäniscltcs *Blatt die Gründung der Beth-Jakob-Schule in Czer.nowitiz sympathisch, bagauifite, .zu einen! Schmäha.rtiik-el in der ״Ost jüdischen!Zeitung“ Gelegenheit geben. Im ״Gzernowitzer M<j*ngenlb!latt“ *vom •27. v. M. tritt denn auch Dr. Samuel j Josef iSc 111 •ml!s•o,J1!11!dem Artikel Dr. Eömetrs in wirikaiihigisvoMei־ Weise entgegen, indem er •zunächst darauf hin!weist, daß Beth Jakob mit der!Politik *der Atguda pichtis zu tun halbe. Sela• richtig sagt da Dr. Sdniisoilmiu. a.: ״Ganz uuua.ntgeb rächt ist es jedenfalls, die Gründung!einer Unterriclhtsaiiistalt,!die .mit Politik nicht den geringsten Zusammenhang hat, und ausschließlich kuiltureilen Zwecken dient, •!zum Anlaß des!Kampfrufes gegen Agiuda!zu nehmen und •böse Stimm innig!gegen das Institiut izu schaffen. Besonders auffallend ist diese Polemik auch soh.on deshalb, da es doch *auch dem Vierfasse!־ ziur Genüge bekannt;! ist, daß gerade solchen religiösen Anstalten die bedeutendsten Geister!des Judentums entstammen., nn*4|rw!ie glänzend ,die Resultäte der Beth-Jakob-Schiiten im allgemeinen sind. Es befremdet ו dieser Kampfauuüßö^mdbr, als doch Dr: Ebnerselbst behauptet, die Orthodoxen wären seine politisehen Bundesgenossen, und darüber!hinaus noch mehr die!Form, in der •derselbe aiiisgetragen wird, ׳die der Autor allerdings einleitend als ,ein!Befassen in ernster Weise‘ darizustellen versucht. Den auf das Jahr 1931 Bezug habenden Ziffern ist jeweilig in Klammern die Vergleichsziffer des Jahres 1930 beigefiigt: A. Kultus- und religiöse A n g c 1 e g e nh e i t e 11. Die Gesamteinnahmen dieses Kapitels haben im Jahre 1951 S 600.628 (594.620) betragen. Dem standen an Ausgaben gegenüber S 1,022.371 (1,091.723). ■In den Gemeindcbethäusern und in den temporären Bethäusern standen insgesamt 9793 Betsitze zur Verfügung, für welche die tarifmäßige Beniitzungsgcbühr S 231.137 beträgt. Der faktische Erlös im Jahre 1931 hat S 165.349 (165.494) betragen. Unentgeltlich wurden Tempelsitze im Werte von S 14.689 abgegeben, die gewährten Ermäßigungen haben S 16.248 betragen, unverkauft blieben Sitze für S 54.282. In den Gemeindetempeln wurden insgesamt 626 (693) Trau 1111 g e 11 vorgenonimen. Die Einnahme n an Trainingstaxen haben S 48.530 (53.655) betragen. Gratistramm gen 10 t (138). Die Sammhingen für arme Bräute, welche gelegentlich der Trauungen vorgenommen wurden, haben im Jahre 193t S 10.259 (11.113) ergeben. Ehet ren 11 u ngen haben vor dem Rabbiuate der Kultusgemeinde im Jahre 1931 320 (324) stattgefunden. Hievon wurde in 254 Fällen (243) eine Taxe entrichtet, in 66 Fällen (81) erfolgte die Amtshandlung taxfrei. Die Einnahmen für die Sclieidungstaxen haben in! Jahre 1931 S 27,255 (25.5S8) betragen. Rituelles Bad war im Jahre 1931 von 48.58t (52.043) Personen frequentiert. Hievon waren 11.773 (12.816) Frauen und 56.80S (39.227) Männer. Unentgelt־ lieh wurden 11.172 (11.281) Badekarteii abgegeben. Die Einnahmen des rituellen Bades haben im Jahre 1931 S 32,058 (31,946) betragen, welchen an Ausgaben S 64.678 (45.313) gegenüberstandqn. Rituelle Schlachtungen. Im Jahre 1951 wurden insgesamt 14.005 (14.649) Stück Großvieh, 15,662 (15.575) Stück Kleinvieh und 81 (96) Stück Schafe rituell geschlachtet. Die Gesamteinnahmen an Dr.!Ebner spricht ihm•!in Superlativen. Schon der erste Satz Ja,intet: ,Die Agiuda!steht im Judentum auf der äußersten Rechten *und sie repräsentiert die schwärzeste Reaktion..., knebelt das freie Leben dev Nation, das selbständige Denken‘ usw. Gewiß betrachtet Ag.uda die Religion als *Leitstern if.iir alle Hand- Innigen. Allein, bedeutet Beobachtung der Tradition, religiöse We.ltainschaunnig —!schwärzeste Reaktion? War .David, der königliche Dichter der Psalmen, waren die Makkabäer; die heldenhaften Verteidiger der jüclisehen Religion gegen den Hellenismus, der yielbesumgene Zionidendiohter ainid tiefschürfende Reliigionsphilosoph Rabbi Jehnda iHalevy und all die bedeutendsten Geister und Leuchten des Judentums, die!die Faihme •clev Tradition vom Altert uni bis in die!Neuzeit hinlüberretteten und oft!den iMärtyrertod erlitten, Reaktionäre? Uind!die Agiyda!sieht ihre Aufgabe doch nur darin, das von diesen!Horoen übernommene geistige Erbteil innigesöhimälent der Nachwelt •zu erhatten, jüdische Religion, Wissenschaft, Literatur ׳und Geschichte zu pflegen, den jüdischen National- und Volksgedunken *zu verbreiten, in der hebräischen Sprache sich 1211 vertiefeii und das Verständnis der Jugend!für die krnlliturellen!Güter .und Schönheiten!und Wahrheiten der jüdischen Wissenschaft!und Literatur zu wecken. Denn wo findet jüdische Religion, Gesetzgebmng, Wissenschaft und Geschichte, Pflege jüdischen Volks- ׳und Nationalgodaukems mehr (Förderung als igerade in konservativen Kreisen? Wo wird die Pflege der heiligen Sprache mehr 1betrieben und darin ein tieferer Einblick gewonnen, als in . geseitzestreinen Schlichten? In den Reihen der •Agiuda!sind *versammelt die gewaltigsten iraibbi irischen Autoritäten, hervorragende Persömlichkeiten sowie Meister 'der Wissenschüft, die auf höchstem Kulturniveaiü steilen. Ja selbst Baron Rothschild, der •un,verfälschte Anhänger des Zionismus, ist — Förderer der konservativen Richtung im Judentum, umcl e,1• hat ausdrücklich die strikte Forderung gestellt, Biubelkritik an der Universität m Jerusalem nicht!211 betreiben!“ Schlachtgeb ähren haben S 223.746 (233.008) betragen. — Unter Aufsicht der Kultusgemeinde befanden sich im Jalire 1931 37 (36) Fleischbänke, von welchen an Aufsichtsgebühren S 26.025 (24.807) entrichtet wurden. Die Gesamtausgaben des Kosclierfleischwesens haben im Jahre 1931 S 269.652 (256.142) betragen. S11 b v e 111 i o 11 e 11 an Bethausvere i 11 e. Für Subventionen an Bethausvereine wurden im Jahre 1931 S 156.450 (160.650) verausgabt. Die höhere Ziffer pro 1930 ergibt sich aus der für den Tempelbau im XIII. Bezirk gewährten B a u s u b v e n t i o 11. B. Unterrichts- und B i b l i o 111 c k s a 11 g e- 1 e g c 1111 e i t e 11. Im Jahre 1931 haben die Gesamtausgaben des genannten Kapitels S 421.995 (408.568) betragen. Dem standen Gesamteinnahmen von S 27.137 (26.260) gegenüber. Für S u b v e 111 i 0 11 c n für Unterrichtszwecke sind S 159.372 (149.914) verausgabt worden. Die Zahl der Schäle r an Volks-, Haupt- und Mittelschulen hat 19.377 (18.455), die der Bibelschulen und hebräischen Kurse der Israel. Kultusgemeinde 1184 (855) und die der Privatbibelscliulcn lind privaten hebräischen Kurse 2391 (2542) betragen. Der J u g e 11 tj g o 11 e s d i e n s t findet derzeit in 16 Gemeinde- und Vcreinssyuagogen statt, und war im Schuljahre 1930/51 von 73.400 Schülern utul Schülerinneu (59.405) besucht. Der Lesesaal der B i b 1 i 0 t h e k tl e r I s 1־ a e 1 i t isehen Kultusgemeinde. wurde im Berichtsjalire 1931 vom 9576 (9125) Lesern besucht, die 22.11? (20.823) Werke mit 34.635 (30,764) Bänden benützten. Entlehnt wurden an 1638 (1249) Personen 2115 (1605) Werke in 2472 (1813) Bände. Der Zuwachs ׳betrug 751 (997) Bände, von denen 570 (792) durch Kauf erworben wurden. f C. F1־ i e d 11 o f su 11 d Beerdig u 11 g s w e s e 11. Die Gesamteinnahmen des Kapitels ״Friedhofs- und Beerdigungswesen“ halben im Jahre 1931 S 1,291.375 (1,490.376), die Gesaratausg'aben S 1,030.602 (1,079.860) mm mwm -f Modernste Brautperücken der weltbekannten Perüokenwerkstättö OTHMAR SCHIFF Wien I. Kärntnerring 6 Tel. U-47-1-16