Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 8 (26.2.1932)
- Date
- 1932-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Februar 1932 >ביי! וינא־שרעסבויג י׳ט אדי תיצ*ב 18. Jahrs- Jugend in Not! Vierzehn Jahre ernster, erfolgreicher Jugendgruppenarbeit liegen hinter unis! Wir können mit gutem Rechte behaupten, daß unser Wirken und Schaffen aus dem Leiben der Wiener Judenheit nicht mehr wegzudenken ist. Ein leuchtendes Wahrzeichen der jüdischen Jugend für alle Welt ist unsere Jugendgriippe geworden! Und doch ist diese Tätigkeit in ernster Gefahr! Seit einer Reihe von Monaten verschlimmert sich unsere finanzielle Lage. Wir haben bisher, ohne einen Augenblick zu zaudern, hoffend auf eine bessere Zukunft, unsere heilige Aufgabe erfüllt. Abend für Abend, Schabbos für Schabbos sammeln sich Hunderte von jüdischen Menschen in unseren Räumeu. um Teurohwissen sich anzueignen, um Teurohgeist in sich aufzunehmen. Jetzt sind wir am Ende unserer Kraft! Wir können nicht mehr weiter! Wird nicht in letzter Stunde die große Schuldenlast, die granitschwer auf unseren Schultern lastet, beseitigt, so sind; wir gezwungen, unsere Tätigkeit einziis,teilen. Bedenket nur einen Augenblick: Die Jugendgruppe, welche Hunderte von Eltern stolz auf ihre Kinder A^ferdeh^ieiß^ iichej^iÖewähr-'i^ti&t^'daR''seih ihmifteh :cfer‘” Großstadt als echter Jehudi heranwächst, mifßte ihre Tore schließen! Warum? Weil Geld für das Notwendigste fehlt!־ . Wer könnte dies je verantworten?! Ist es nicht heiligste Pflicht eines jeden jüdischfühlenden Menschen, nach bestem Können, der Jugendgruppe helfend 'beizustehen? Erfüllt Eure Schuldigkeit, damit die Jugend- ׳ gruppe mit neuer Kraft ihren •alten, bewährten Weg weitergehen kann? Helft der Jugend, so helft Ihr Euch!! Traget Euren Teil bei zur ״Adar-Entschuldnngsaktion“!' Agudas-Jisroel - Jugend• gruppe Wien, II, Umschau Duellierende Kaltusvorsteher. Vor einigen Tagen fand in Budapest zwischen dem Vizepräsidenten der Pester Israelitischen Religionsgemeinde und einem jungen jüdischen Arzte ein Zweikämpf unter schweren Bedingungen statt. Anlaß zum Konflikt war, daß׳ der junge Arzt sich an den Vize- Präsidenten um Protektion gewandt• und nach mehrfachen Urgenzen erklärt hatte, daß er sich Satisfaktion verschaffen würde, wenn er nicht einem Zweiundsechzigjährigen gegenüberstünde. Darauf, erfolgte die Herausforderung und1 der Arzt wurde schwer verletzt. Es, gibt ,ein Gesetz der ’ Serie und׳ so melden die Blätter zur selben Zeit auch aus Warschau ein Duell zwischen zwei Juden. Der eine, ein Zionist und der andere ein Revisionist, sind sie einander seit den letzten Kehiilawahlen spinnefeind', und so bedurfte es nur eines geringfügigen Auslasses, um diese Feindschaft in eine heftige Zeitungskampagne und schließlich in eine Duellforderung zu verwandeln. In beiden Fällen sind die Personen und ihre Angelegenheiten für die jüdische Oeffentlichkeit von herzlich geringer Bedeutung,, interessant ist nur, daß sich da vor unseren Augen ein bisher ungeahnter Abgrund öffnet. Diese Affären beleuchten mit schlaglichtartiger Wirksamkeit die Worte eines bekamtten Wiener Predigers, der fast am selben Tage, an dem. diese Duellforderungen, die Herausforderungen ärgster1 Sorte gegen den Geist des Thorawortes bedeuten, erfolgten, mit Bedauern konstatieren hatte müssen, daß heute weniger als je auch nur ein einziges der Worte des Dekalogs auch nur im jüdischen Volke zur vollen Geltung gelangt sei. Es ist fast so, als wollten diese Budapester und Warschauer Juden• den Wiener Prediger bloß davor bewähren, ,Lügen gestraft zu werden. Eine Ausnahme freilich, meinte dieser Prediger immerhin cinräumen ztt müssen, indem er sagte, daß nur von ‘der Sünde des Götzendienstes das jüdische Volk wirklich vollständig frei sei. Ja, wenn das nur auch so unbedingt wahr wäre! Auch wenn man vom Mammonsdienste absieht, dem so viele, auch ״Gesetzestreue“ nicht ausgenommen, in unserem Volke verfallen sind, gibt es hundertfältig im• Leben Momente, in denen sich der Einfluß nichtjüdischen Milieus, nichtjüdischer Gesellschaft und Erziehung bis tief in unsere Reihen hinein im Denken und Sprechen offenbart Mit dem gedankenlosen Nachplappern und Anwenderi einer Ausdrucksweise, die nichtjüdischen Vorstellungen entnommen ist, fängt es an und — beim Duell hört es auf. Alles aber ist letzten Endes nur eine Kette von Uebertretüngen und Unterlassungen, die vom Gebrauche heidnischer Götzennamen im Unterrichte der Mittelschule bis hart an echte Awoda soro führt und es ist füt uns eigentlich schmerzlich zu sehen; daß es einmal deutsche, protestantische Pädagogen gab, die gegen den Gebrauch ' gewisser lateinischer Klassiker waren, da durch sie die Jugend dem Heidentum nähergebracht werde, die; also(•uns Juden . eigentlich beschämen konnten. □ ויתערבו בגוי□ וי למך ו :מ^ע ש. י ה Aus, der ,Beschäftigung 'ün1^'.:dem^K^idn־isch?n . Kulturgut erwächst heidnisches Handeln und damit jene Entartung, die dem Juden gegen den Juden die Mordwaffe in die Hand drückt. Was liegt aber angesichts dieser traurigen Feststellung \yohl näher als der Schluß, daß nur die Erziehung in der jüdischen Schule die Seele des heranwachsenden Menschen vor entjudenden Einflüssen bewahren und bewußt jüdisch gestalten kann. Es muß damit noch lange kein Mucker- oder Musterknabentum gezüchtet werden, allein von solcher Uebertreibung bis zur wehrlosen Preisgabe des jüdischen Kindes ist noch ein weiter Weg•״ Man muß aber ebenso auch .durchaus nicht bildungsfeindlich gesinnt sein oder gar die klassischen Sprachen verachten und kann dennoch verlangen, daß die Schule, die jüdische Schule bewußt jede mögliche Entartung der jüdischen Seele schon im Keime vermeide. Und sie kann dies auch tun, wenn sie nicht nur in dem Sinne jüdische Schule ist, daß ihre Schüler nur Juden sind, denn das wäre nur eine Schule für Juden. Die jüdische Schule muß ihr Lehrprogramm und ihre Lehrmittel, zu denen auch die Lehrbücher gehören, ihrem höheren Zwecke entsprechend einrichten und selbst schaffen, da der jüdische Lehrer, und sei er auch noch so tüchtig und-selbständig, ohne das notwendige. Werkzeug nicht viel ausrichten kann. Nur so gewinnt sie die Mittel für ihren •Kampf gegen die Entartung, für den Zweikampf mit dem heidnischen Geiste. So erst kann sie dann aber auch ein. Geschlecht heranbilden, das frei von alter Zwiespältigkeit den Beweis, dafür erbringen will, daß wenigstens in Israel der Dekalog in voller Geltung steht. M. (Fortsetzung und Schluß.) Der Vorstand hat den von verschiedenen Seiten ausgehenden Bestrebungen auf Einführung der 5-Tage- Arbeitswoche besonderes Interesse entge^engeibracht, weil bei einer allgemeinen Einführung der 5-Tage-Woche neue Möglichkeiten für die Unterbringung sabbathaltender Arbeiter geschaffen würden und weil dann die Konkurrenzfähigkeit dev sabbathültenden Gewerbetreibenden nicht mehr in dem bisherigen Maße leiden würde. \ Ein weiteres Problem wäre die Festsetzung des allgemeinen Lohnauszahlungstages. Von sozialen Gesichtspunkten ausgehend, sind in den verschiedenen Ländern Bemühungen im Gange, die Lohnauszahlung in industriellen Betrieben, die bisher an Samstagen er- •folgt ist, auf einen anderen• Wochentagzu verlegen. Allgemein wjrd für diese Bemühungen die Tatsache ins Treffen geführt, daß viele Arbeiter, die ihren Lohn am Samstag erhalten, am nächsten Tage, dem arbeitsfreien Sonntag, das Geld verschlemmenv So hat z. B. die Budapester Stadtgemeinde die Lohnauszahlung in den städtischen Betrieben Von Samstag auf Mittwoch vorverlegt. Ließe sich nun die Lohnauszahlung allgemein auf Mittwoch verlegen, könnten sich ganz neue Perspektiven für die sabbathaltende Detairkaufmanuschaft eröffnen, denn der größte Schaden, den die sabbathaltende Kaufmannschaft bis heute erlitten hat, liegt wohl darin, daß die Arbeiter, die am Samstag ihren Lohn ausgezahlt erhalten, am Samstag ihre Einkäufe besorgen. Der Vorstand wird bemüht sein, zur Lösung dieses Problems das. Seiuige beizutrageu. Nicht unerwähnt soll bleiben die letzthin mit dem Berufsberatungsamt der Stadt Wien getroffene Vereinbarung, wonach dieses* , unsere steilensuchenden Lehrlinge, uiiter Berücksichtigung der ,besonderen jüdisehen Wirtschafts Verhältnisse,*' einer kostenlosen Eignungsuntersuchung unterziehen, und die dort׳ zur Anmeldung gelangenden Lehrliagsstellen sabbathaltender Geschäftsleute uns aiir Erledigung übergeben wird. Wir können diesen! Teil des Berichtes nicht schließen, ohne dter schweren Arbeit z« gedenken, die die gesamte JüdleuSchaft •der!Welt zur Abwendung der mit der Eiufülirung der ־Kalwiderrefbrin,׳ bezw, Ein- Schaltung' eines jäihrficheur 'Blian^ot^g,es> verbundenen Gefahr zu leisten!hatte. Den ׳B^nühungen des über Initiative der Agudas Jisroel1 gebildeten internationalen Komitees gegen die Kalenderreforan ist es bekanntlich im Verein mit dem Weltverband für Sabbatschlitz gehingen, die vorläufige Zurückstellung des Kalenderreformprojekts durchzusetzen. Wir können stolz darauf, hiniweisen, daß auch wir ׳unser Scherflein durch Sammlung von Protestunterschriften in ganz Oesterreich ׳beh getragen haben. Immerhin sind nach wie vor die Be; strebungen zur Einführung einer Kalenderreform sehr stark •und der ״Schomre Schabbos“ wird daher wachsamen Auges die Vorgänge in aller Welt verfolgen müssen, um im gegebenen Moment die notwendigen Schritte einzüleiten. Nach wie vor werden wir sämtliche Vorgänge im öffentlichen Leben, die •das wirtschaftliche Interesse unserer Mitglieder berühren, verfolgen lind notwendigenfalls einzugreifen wissen* Doch auch hier sind wir au!f die Mitarbeit unserer Mitglieder und Freunde angewiesen und wir richten daher in diesem Zusammenliang an alle die dringende.!Bitte, uns über alles zu orientieren, was irgendwie in unser Arbeitsbereich .c. fallen könnte. Im Sinne althergebrachter Tradition war ״ die Leitung des .״Schomre Schabbos“ bemüht, jüdische Kaufleute, die im Kampf um die Existenz der Versuchung nicht genug Widerstand entgegenbringen kannten und ihre Geschäfte am Sabbat geöffnet haben, zur Schließung ihrer Läden zu bewegen. ־ Was speziell auf diesem Gebiet unser Vorstandsmitglied Herr Her sch Feuer geleistet hat, läßt sich kaum beschreiben. Wir können ihm den!Dank nur in der Weise abstatten, daß wir ihm wünschen, es möge ihm der wohlverdiente Lohn in vollem Maße zuteil werden. Wir haben!wiederholt auf die großen Gefahren für die zarte Kinderseele liingewieseri, denen die jüdischen Schüler und Schülerinnen öffentlicher Schulen ausgesetzt sind, die mitunter!gezwungen werden, am. Schabbos zu schreiben ״oder andere Handarbeiten zu verrichten. Wir haben in vielen Fällen, im Einvernehmen mit der Adas Jisroel, bei Schuldirekr i tionen nach dieser ,Richtung hin mit Erfolg interveniert. Es kann jedoch nicht oft!genug bekanntgemacht werden, daß auf Grund eines über Intervention der Adas Jisvbe! an sämtliche Schuld! rek- ־ tionen ergangenen Erlasses des Stadtschulrates ״bei Verfassung der Stundenpläne auf das israelitische Gebot, am Sabbat des Schreibens, Zeichnens, überhaupt der Bandarbeiten sich zu enthalten, tunlichst Rücksicht zu nehmen und jeder direkte oder indirekte mm derweltbakanntenPerücItenwerkstättft Hotel Brffttof Wienl, ׳m₪M^ \