Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1932-02-19 · 7 (19.2.1932) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
18 (1932)
Issue
7 (19.2.1932)
Date
1932-02-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2629891-2630438-2630445--4101-2636207
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nevi00v6 vfpffttui povöleftfc tiaditjMftf 6 telegtafet v Bfättelave &9. 4i$?&ln#28. MC WTERUSEN OES * י _-tttt׳ Vetletfef Jottfftal e*p4die paM’4dlltat. , V. b. b, Redaktion ü. Administration: Wien, 11., Große Pfatrgasse 3/3. —- Tel. A*45*3«81, Tschecho* Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. —־ Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise; Ganzjährig; Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst Gr. 50» das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto *Jüdische Presse*, Wien für Oest er* reicht Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschland{ Post* Scheckkonto Berlin Nr. 122619: Jugoslawien! Postspk.-Amt Zagreb Nr. 4021?: Polen t Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn t Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz! Post• scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei» *Jfldisehe Presse“, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr.53386 .... . ... . Nr. 7 Wien-Bratislava, 19. Februar 1932 .ב*ה דנא־םרעםבומ י׳ב אור תיצ׳ב 18.Jahrg. Umschau Trennungsorthotloxer Zionismus. Nationalismus als Religion. Nationnlismus kontra Religion. ׳Der hebräische Dichter Ch. iN. Bialik hat im Laufe einer ׳Rcrle in Wien erklärt, er .halte es für ein wichtiges jüdischnationales ׳Postulat, daß der Sabbat beobachtet werde. (Bei der bekannten Einstellung des Dichters zu allen urjüdisclien iKulturwerten ist diese!Erklärung eigentlich gar nicht überraschend: merkwürdig an ihr ist nur der Mut, mit dem Bialik in Gegenwart seiner Gastgeber eine solche, im Geiste des Zionismus Wiener Prägung als ketzerisch anznsehende Erklärung wagte. Oder sollte dem in den Himmel erhobenen Diditergenie gnädigst auch diese Extratour auf ein jüdischnationales Gebiet nachgesehen werden, bei der ihm die geeichten Verwalter des ,jüdischnationalen Ideengutes gewiß nicht folgen werden? Da aber gerade von jiidisclinationalen Postulaten einerseits und Merkwürdigkeiten andererseits die Rede ist, muß hier auch einer Interpellation Erwähnung g־eschehen, die vor kurzem die Jüdische Volkspartei an den Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde richtete. Diese durch die!Ablehnung einer ׳Subvention für den Hechaluz hervorgerufene Interpellation besagt u. a.: ״Hiedurch ist der Bestand der Gemeinde aufs schwerste gefährdet, denn sobald die skizzierte Einsteilung als offiziell empfunden wird, müssen die Anhänger der nationalen Auffassung des Judentums, ohne Unterschied des religiösen Standpunktes, den Schluß ziehen, daß für die jüdisclinationalc Weltanschauung und damit Lauch für deren Anhänger in der Jüdischen!Gemeinde kein Raum mehr sein soll; dann wird es für sie unerträglich werden, der einzigen Organisation, der alle Berliner Juden von selbst angehören, noch Interesse entgegenzubringen.“ Ein Nationalismus wie dieser, der vor lauter Orthodoxie (nota!bene: nicht religiöser, sondern parteidogmatischer Orthodoxie!) die Nation in ihrer fundamentalen Gemeincleorganisation zu zerschlagen geneigt ist und vor, lauter Demokratie sich der Mehrheit nicht unter ordnen will, muß wahrlich selbstjfon einer Trennungsorthodoxie um seine Unentwegtheit "beneidet werden. •Freilich, wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe, und es ist nun interessant, daß dieselben Kreise, die der religiösen Trennungsorthodoxie sonst nacht eindringlich genug den Einheitsgedanken gegenüberstellen konnten, nunmehr selbst ״Trennungsorthodoxe“ geworden sind. An Unentwegtheit stehen übrigens die!Berliner Jüdischnationalen: doch noch ein wenig den Jerusalemer Revisionisten nach. Denn während Norman Bentw i c h, der gewissermaßen als Entschädigung für den ihm aufgezwungenen Rücktritt einen Lehrstuhl an der Hebräischen Universität in Jerusalem erhalten hatte, in seiner Antrittsvorlesung ״Jerusalem als Stadt des Frieclens“ feierte, störten Revisionisten diese\Vorlesung durch Krawalle und ׳Stinkbomben. Diese Ueberjuden genierten sich dabei aber nicht nur äußerlich, in ihren Mitteln, als getreue Schüler der deutschen Nationalsozialisten, es war auch innerlich der Geist Hitlers, der, wie in Deutschland, so auoh in der ,heiligen Stadt, gegen den Mcnscliheitsgedanken zu Felde ziehen muß, da Bentwich ja erklärt hatte, das größte LTebel unserer Tage liege darin, daß heute der Nationalismus zu einer Religion geworden ist. Hier hätte, wie nicht nur Bentwich, soudern jeder wahre Jude glaubt, clas Judentum eine große Mission zu erfüllen, indem es verkündet, daß sowohl das Nationalgef'ühl als auch die Religiosität auf universale Gefühle gerichtet sein müssen, denn nirgends waren Religion und Nation so eng verbunden wie im Judentum, und dennoch haben wir niemals unser Ideal, dem Menschheitsgedanken zu dienen, aus dem Auge verloren. Ja, diese universalen Gefühle, sie sind selbst einem so enragierten Verfechter der Religion, die sich als die universale, die katholische bezeichnet, wie es Seipel ist, abhanden gekommen. Sonst könnte er nicht in seinem jüngsten, vielbemerkten, dom Studentenrecht gewidmeten Vortrag־ zu der Feststellung gelangen, die katholische Kirche käme in ein sehr übles Licht, wenn sie scheinbar mit der Taufe zugleich entnationalisierte. Es nimmt sich immerhin eiu wenig־ wunderlich aus, wenn ein Priester den Juden gewissermaßen einen Vorwurf daraus macht, daß bei ihnen die Unterscheidung nach der Religion noch eine so große Rolle spielt, daß sie den!Getauften aus der jüdischen Studentennation ausschließen. Wir sind stolz darauf, daß bei uns noch nicht wie bei ׳ihm, denr Priester, der .Nationalismus zu einer Religion geworden ׳ist. Wir haben unseren Standpunkt in der Frage des Studentenrechtes bereits öfter Umrissen,!bei dem es gleichgültig bleibt, ob nunmehr, da die Getauften ja auch die Taufscheine ihrer Großeltern beibringen müssen, eine :gewaltige Hausse •in Taufscheinen eintreten oder die armen Zuspatgetauften die ״gemischte Nation“ bevölkern werden. Vielleicht ist aber das letzte Wort in der Angelegenheit noch nicht gesprochen, da nach jüngsten Nachrichten die österreichischen ■Bischöfe beim Papst gegen die tGesetzwerdung des Studentenrechtes Protest erhoben haben. Möglicherweise wird also schließ-־ lieh doch von dieser Stelle aus der Nationalismus in die gebiihrenden Schranken gewiesen und der Religion, dem Primat der Religion zu seinem Rechte verholfen werden. M. Anläßlich der am 1. März 1952 stattfindenden Generalversammlung erstattet der Vorstand׳ des Verbandes der Sabbatfreunde ״Scliomre Schabbos“ folgenden Tätigkeitsbericht: In einer Zeit wirtschaftlicher Hochkonjunktur, stabiler Lebensverhältnisse und regelmäßigen Erwerbes, im Jahre 1909, ist der Verein der Sabbatfreunde ״Schomre Schabbos“ ins Leben gerufen worden, um den sabbathaltenden Juden in ihrem schweren Existenzkämpfe zur Seite zu stehen und um, wie das Statut besagt, ״für die Heilighaltung des Sabbats einzutreten“. ■Der Weltkrieg hat unsere Tätigkeit vollständig lahmgelegt und nun jährt sich am 25. Februar 1952 zum zweiten Male der Tag, an dem. die Wiener Ortsgruppe der Aguclas Jisroel unserem Verein ihr Sekretariat zur Verfügung gestellt und uns dadurch die ‘׳Möglichkeit geboten hat, aufs neue eine regsame Tätigkeit zu entfalten/ Hiefür und für die uns gewährte Subvention sei der Agndas Jisroel der herzlichste Dank abgestattet. Mit Bedauern müssen wir feststellen,!daß die Israelitische Kultusgemeinde, die unseren Verein schon in den Vorkriegsjahren unterstützte, ׳unser Subventionsgesuch äbgelehnt hat. Wir sind der Ansicht, daß auch die ׳Kultusgemeinde, als die berufene Vertretung der gesamten Judenschaft Oesterreichs, aus ihren Mitteln hätte beitragen müssen, wo es sich um ׳Schaffung von Existenzen handelt, um so große Aufgaben, wie der ״Schomre Schabbos“ sie sich gesetzt hat. Begreiflicherweise hatten wir vorerst unser Hauptaugenmerk auf die Stellenvermittlung gerichtet. Trotz der schwierigen Wirtschaftslage und trotz allgemeiner Personailreduktionen ist es gelungen, in der Berichtsperiode 481 Posten zuzuweisen, dank intensivster Werbetätigkeit und Ausnützung aller sich bietenden Gelegenheiten. Mögen die Zeiten noch so schlecht sein, es ist und (bleibt die Pflicht jedes jüdisch empfindenden Menschen, sabbathaltende Angestellte ׳und Arbeiter in seinen Betrieb aufzunehmen, weil für diese die Einhaltung der ,Sabbatruhe Lebensinhalt bedeutet, den sie um׳, keinen ׳Preis der Welt aufgeben können und weil diese daher ungleich schwerer einen׳ Posten finden können. Wir werden immer und immerfort mit all unseren Kräften unserer Stellenvermittlung dienen. 592 Stellensuchende, waren am 51. Dezember 1951 bei •uns vorgemerkt, und nur wenn wir allseits weitestgehende Unterstützung finden werden, kann es uns gelingen, diesem katastrophalen Zustand ein Ende zu bereiten. Der Umstand, daß ein großer Teil der bei uns vorgemerkten Stellensuchenden nicht jene Fähigkeiten oder Kenntnisse besitzt, die, heute mehr denn je, überall verlangt werden, hat uns veranlaßt, Kiirse aus den verschiedensten kaufmännischen Fächern zu veranstalten. In der Erkenntnis, daß der Beruf dos Verkäufers oder Vertreters heutzutage der am meisten Aussicht auf Erfolg bietende ist, haben wir vorerst einen Vertreterkairs veranstaltet. Für diesen Kurs allein haben wir aus der Vereinskasse ungefähr .S 200 zuscfiießen müssen, ln diesem Zusammenhänge sei auch dem Gremium der Wiener Kaufmannschaft für ׳die Bereitstellung der Lehrräumlichkeiten bestens gedankt. Mit der täglichen Steigerung der Zahl der Arbeitelosen haben sich auch die Fälle gehäuft, daß jüdischen A r b e i t s losen seitens der Industriellen Bezirkskommission als Auszahlungs- oder Kontrolltag der Sarasf ag zugewiesen wurde, Nunmehr ist bei den Arbeitslosenämtern die Praxis eingeführt worden, daß Schomre Schabbos‘ jenen Arbeitslosen, die eine Bescheinigung streng religiösen Lebenswandels beibringen, der Auszahlungs-, bzw. Kontrolltag auf einen Wochentag verlegt wird. Wir hatten in der Berichtsperiode eine ganz große Zahl solcher Bescheinigungen auszüstellen. Die orthodoxen Mitglieder der Angestelltenkvankenknssen konnten bis vor kurzem die ihnen bcwilligten Heimaufenthalte nicht in Anspruch nehmen, weil sie naturgemäß in den Heimen der Krankenkassen keine rituelle Verpflegung erhielten. War haben es erreicht, daß nunmehr die Krankenkassen jenen Mitgliedern, die durch eine von uns auszustellende Bescheinigung d'en Nachweis ritueller Lebensführung erbringen, den diesen Mitgliedern bewilligten Heimaufentkalt in einen baren Zuschuß um wandeln. Auch die Krankenkasse des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft und■ die Arbeiterkrankenversicherungskasse werden den berechtigten Forderungen ihrer jüdischen Mitglieder nachgeben müssen. Da wir leider feststelleu mußten, daß die Stellen- Vermittlung, wenn sie auch noch so hohe Vermitt'lungs- Ziffern erreichen sollte, doch nicht in der Lage ist, der unverhältnismäßig hohen Arbeitslosigkeit in jüdischen Kreisen zu ׳steuern, haben wir uns mit dem Gedanken befassen müssen, auf andere Weise Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. So haben wir z. B. erst in den letzten Wochen die Generalvertretung des patentierten Anfeuerungsmittels ״Fl amfix“ auf einige tüchtige ׳junge Leute verteilt, und selibstverstündlieh kann dies nur als ein erster Schritt betrachtet werden, dem weitere ähnliche Maßnahmen folgen müssen. Es ist uns auch gelungen, im Laufe der Berichts-' periode in einigen Fällen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer schlichtend einzugreifen, wobei wir stets schwere Konflikte zu vermeiden wußten. Im Rahmen unserer Tätigkeit für die Interessen der sabbathalteriden Kaufmannschaft haben wir bei verschiedenen Anlässen bei Behörden und Aemtern auf Abstellung vorhandener Uebelstände zu intervenieren gehabt. * Wir haben bei jeder Gelegenbeit durch Aufrufe, Zirkulare und Vorträge die unbedingte Notwendigkeit der Förderung des jüdischen Gewerbes betont. In den letzten Wochen hat der ״Schomre Schabbos“ eine Rabattaktion ins Löben gerufen, ׳die den Zweck hat, den Mitgliedern billige Einkaufsquellen zu erschließen und den schabboshaltenden Firmen Kunden zuzuführen. ‘ Das starke Interesse für diese Rabattaktion hat sich schon bei dem Preisausschreiben geltend gemacht, das wir zwecks Fihdigmachung einer Bezeichnung für diese Rabattaktion veröffentlicht haben. Wir liegen die feste - Ueberzeugung, daß die Rabattaktion den gewünschten Erfolg zeitigen wird; und empfehlen jedermann, seine Einkäufe nur gegen Erhalt unserer Rabattmarken zu tätigen. Die Rabattaktion tritt am 1. März in Kraft. Vor wenigen Jahren sind diie ׳gesetzlichen ׳Bestimmuugeu über die Ladensperre novelliert worden. ־ Während früher die Lebensmittelliiden an Samstagaibenden in den Sommermonaten bis 9 Ulir geöffnet sein durften, wurde die Sperrstunde auf 8 Uhr vorverlegt. Infolgedessen können die jüdischen Lebensmittelhändler an Samstagabenden ihre Läden nicht öffnen, und die jüdische Bevölkerung Wiens ist gezwungen, ihren Bedarf an Lebensmitteln für Montag schon am vorhergehenden Freitag einzudecken. Ein Zustand, der schon aus hygienischen und gesundheitlichen Rücksichten geradezu als unhaltbar bezeichnet werden muß. Wir 4er weltbekannten Perückenwerkstätte יי I! KMrntnerri «/gegenüber!!Hotel Bristol#

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.