Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 18 (1932)
- Issue
- 5 (5.2.1932)
- Date
- 1932-02-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Novlnovfe vtfplatnfe povolenfe fladit po$t telfegtafor v Bratislave *19. 41572dll20״. Zeitungenvom Vetleget versendet. Jouraal exp^die pur l’fedifeüt. JÜDISCHE PRESSE ORTHODOXEN JUDENTUM•, LUL Redaktion u. Administration: Wien, 11., Große Pfarrgasse 3/3. — Tel1. A81«3־45־. Tschecho־־ Slowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag ■*——ק 4,<•■ •־■י י-- n. ״r ־י ■■ m v!■י — ךי Abönnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer Öst. 1 Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. .־ 5■ Zabiunüen auf Konto .Jadisehe Presse*, Wien fßr Oester’ retch t PostspatkasienkontoNr. D*93614; Deutschland: Post* . scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.-Atut Warschau Nr. 190409; Ungarn : Postspk.-Amt Budapest Nr, 50170; Schweiz > Postseheekk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: JAdische Presse*, Bratislava, Postspk.-AmtPrag Konto Nr.53386 r* ׳; Nr.5 Wien-Bratislava, 5. Februar 1132 .ביה וינא־פועסנורג כיח שב£ תרצ׳ב 18. Jahrg. Umschau Studentenrecht und Volkswünsche. — Nation und Natibnalität. — Besuche in Wien. Es wurde in den letzten Wochen, als die österrcichische Judenschaft das 150jährigc Jubiläum des Toleranzpatents feierte, als pikantes Detail vermerkt, daß gerade von zionistischer Seite dieses Jubiläum mit Stillschweigen, übergangen wurde. Wie es!vor 150 Jahren einen Räw gegeben hatte, der beim Empfang d.cr Nachrieht von der Erlassung dieses Patents, traurig gestimmt war, da er meinte, es gelte nunmehr ja erst recht, sich im; Golus häuslich, einzurichten und die Hoffnung auf die. Erlösung aufaugeben, so . halten auch .diese orthodoxen (wenn auch nicht . ifn . religiösen,; sondern ini partcidögmatisclien . Sinn) Zionisten das , Tolcrahzpatent für keiri besonderes Glück für das Judentum und übersehen dabei ganz, seine Bedeutung für'die Zeit, der cs entstammte; Sic übersehen aber dabei aüch, daß gerade das Tolerahzpatcnt jö'sefs II. ihnen selbst Wh. Argument in die Hände zu spielen scheint, wie es ihre besteh Theoretiker nicht schlagender• erfinden .könnten. Schon in rdett'einleitenden Worten spricht dieses geschichtliche Doicument ja von;■ der ״jüdischen Nazio,n“, .allein unsere Nationalisten'von hüben und’ drüben lehnen' nicht umsonst das Toleranzpatent ab, . da. sie. instinktiv fühlen, daß diese von Josef gebrauchte Bezeichnung sich mit dem modernen Begriff ״Nation“ nicht im entferntesten deckt. Die josefinische ״Nation“ war kein. Werkzeug der Abschließün'g oder Ausschließung, sondern wollte v die Juden' eben nur' :bei; Wahrung' ihrer ber^jdx'tigte.n; Eigeni a'rt''dem größeren " Ganzen des Staates’; äh gliedern..' üiid so. diesem' wie ־.jenen' den; Weg• zur ׳'Aufwärtsentwicklung ebnen; Denn'' daß׳Josef• nebenbei bemerkt — der letzte War/der von den Juden etvva die Aufgabe wesentlicher religiöser oder historischer Werte gefordert hätte, zeigt ja auch: seine gelegentliche Aeußerung, er wolle nicht, daß seine Juden Naturalisten werden. Aus einer ähnlichen instinktiven' Einstellung gegenüber dem modernen Nationalismus mag es ja übrigens auch zu .erklären sein,, daß jüngst in der Vertretung der Berliner jüdischen Ger jrneinde ein. liberaler Repräsentant betonte, die Liberalen stünden •der ״Trennungsorthodoxic“ gesinnungsmäßig näher als der• nationaljüdischen ׳ Minorität in der Einhcitsgemeindc. ׳ Was wir. aber nun unter dem nationalistischen Schlagwort sich abspielen sehen, ist gerade das Gegenteil von freier Entfaltung, denn jetzt soll,, wie die ״Jüdische. Presse“ schon einmal (Nr. 49 vom Vorjahr) feststellte, durch, das nunmehr dem Nationalrat tatsächlich zur Beraturig vorgclegte - neue• Studentenrecht der aritisemitisehen Meute auf Kosten der Juden 4ein Bissen hinge- Worten werden. Dabei ist es nur possierlich, Wie hn Vcrlaufe des Kampfes um dieses ״Recht“ auf einmal von allen Seiten Komplimente ausgetauscht werden, wie man sie in der Politik sonst nicht gewöhnt ist. So fühlte sich beispielsweise ein liberales Blatt bemüßigt, vor einem Kirchenfürsten tief den Hut zu ziehen, während von .sozialdemökratischcr Seite auf einmäl die Leistungen der -Juden für die deutsche Kultur hcräusgestrichen wurden. Schließlich fand aber auch der Minister, der das Studentenrecht zu verteidigen hatte, warme Worte für das Judentum, und so wäre man fast versucht, über alle diese Friedensschalmeien in Entzücken zu geraten, wenn nicht in dieser auch den Jüdischnationalen selbst unvermutet in den Schoß fallenden Erfüllung einer alten Fo'rderung nur allzu leicht das Danaergeschenk zu erblicken wäre. Da das Volk nach Arbeit und Brot ruft, hat nun die Regierung tatsächlich Arbeit — wenn auch nur dem Nationalrat — und Nahrung — den Hassern und Paragraphenreitcru — geschaffen. Allein bald nach der Einbringuug der Vorlage ist die Regierung selbst gestürzt und da die nationalen Hetzer vermeinten, daß mit ihr auch das Studentenrecht gefallen sei, gab es wieder einmal einen der obligaten Univcrsitätsskandale. Aber ausnahmsweise fanden mm Rektor und Unterrichtsminister, endlich einmal, daß es mit der Verhetzung nicht so weitergehen dürfe. Ob dabei die Furcht vor internationalen Verwirklungen oder die Furcht vor einem Uebergewicht des Antisemitismus Hitlerscher Couleur maßgebend war, ist gleichgültig’. Die .Hauptsache ist, daß die Lehren der Rassenhetzer sich nun selbst ad absurdum geführt haben. i ..... ' Wenn aber schon cititi; jüdische Forderung, wie man so schön herausklügeR^,׳ erfüllt werden, soll, so; würden wir cs eher begrüßen״ Wenn es an Stelle der zweii schneidigen Anerkennung .,4er jüdischen Nationalität | eine andere, mindestens cbeJtlfo .wichtige wäre, die noch dazu mit den Forderungen 1,eines großen Teiles der •־ Bevölkerung übercinstimmt. /V י Wir meinen die Forcjchihg nach Einführung ■der fakultativen k o rii e s s i ö n e 11 e n Schule, j die ja mit der von nationalen >u n d von religiös-gesetzes- \ treuen Juden immer wiedek geforderten jüdischen i Schule eins ist. Hier hoffe sich einem Minister. Ge-! legenheit, sich, um eine Sachfedic. nicht vom Geschrei der | Straße diktiert wird, wohl aber wahren Bedürfnissen des ׳; Volkes entspricht, verdient?411' machen. Wahre staats- י männischc Klugheit, kann, s.ilh nur .dort .zeigen,, wo der j lenkende Geist nicht getrifeuen 'wird, sondern in den; ruhigen,' aber um so' tiefcrbH Strömungen, ■seine Rieht- linien zu finden weiß.' So .Würde doch auch' mit der i Erfüllung dieser Forderung, niemandem ein Leid, allen \ Beteiligten' aber nur Gutes: 'erwiesen.' \ Dieser Wunsch haölU .Kräftigung und Ausbau 1 unserer ureigenen 1\atiöVlalfeily:K1ütur; wii'd. in uns aber ■ nicht nur durch Ereigiiissiiifvoh außen wieder wachgerufen, sondern auch durch!innere Impulse, die wieder mächtig wurden durch Besutidie, die .wir jüngst in Wien ■ begrüßen : konnten. So. weilte vor einigen Wochen der | Lublin er Ru w in W1eri|;u1ni für die von ihm ins ו Leben gerufene Jescliiwa .R^ppaganda zu,machen. Die! Versariirnlüng, in der er;-s$1־uclv war •äußerst gut be- |•:;salchti״u1idג•:bräch:tei,^xv•ied4v4^rahl•:;.fe,t^«ü:s, Bewegung־ p־dä-s;.kta׳gniß1r6hd4‘ltt<lig81fö':3y^eh-‘'Wibhs.':׳Ei11eh.1y1nMShcü; Effekt hatte bei den Wiener!Orthodoxen und Chassidini; auch der eine Woche später erfolgte eintägige Besuch l! des G e r e r Rebbe und — wieder acht Tage später — J;׳ in zeitlichem Abstand also,. aber auch in unbestrittener Wir veröffentlichen nachstehend unser Programm, indem wir bemerken, daß solches hui־''bis zu der in diesem Sommer s. G. w. stattfindenden Aktivistentagung Geltung haben soll. An der voraiisgesehenen Tagung soll dann das definitive Programm zuni Beschluß er: hoben werden. Wir erwarten von den Freunden der Agudas Jisroel, daß sie sich in der Aguda-Presso sowie in Zuschriften an uns zu unserem provisorischen Programm• äußern werden. Unsere Adresse, an die auch Abmeldungen als Mitglieder des Aktivistenverbandes zu riÖliten sind, lautet: Akiivisteuverband in der Agudas Jisroel, Postfach Seluau 150, Zürich. 1. A r b e i t s p r o g r a m in: a) Zusammenschluß der aktiv sein wollenden Agudas-Jisroel-Mitglieder zwecks einheitlichem Vorgehen in allen Agudas-Jisroel- Belangen; b) Bekämpfung aller Strömungen und Erscheinungen, welche die Zersplitterung des organisierten einheitlichen orthodoxen Judentums verursachen oder der Agudas-jisroel-Weltanschaming Einbuße tun könnten; c) unbedingte Unterstützung der von der Orthodoxie ungcstrebt'en Selbständigkeit. iii Erez Jisroel; d) Bestrebung auf eine gegenseitige Verständigung zwischen Juden'und Arabern in Erez Jisroel; e) Erreichung des Zieles, daß die Kehillaus in t(er Diaspora im Geiste der Agudas Jisroel• verwaltet werden, und wo solches nicht möglich, Gründung selbständiger Kehillaus auf Basis der Agudas Jisroel. 2. A 1־ beit sw ege: a) Schaffung״ .eines. eigenen Publiktionsorgans, eventuell« in Verbindung mit einer schon bestellenden Agudas-jisroel-Zcitung; b) Propaga.udareisen der Aktivisten; - c) Zusammenschluß aller orthodoxen Journalisten und Publizisten; d) elementarste Pflicht der Aktivisten: Aufbringung von Geldmitteln für die Zentrale der Agudas Jisroel sowie deren Fonds- sowie sicli ganz den lokalen Agudas-Jisroel-Arbeiten zu widmen. Zum Programm des Aktivisteiiverbandes. Von Ch. J. Eiß! Zürich. Einer der ungesehensten Führer der Agudas- Jisroel-Weltorganisation äußerte, vor ungefähr einem innerer Distanz, der des berühmtesten! hebräischen Dichters der Gegenwart, Ch. N. Bialik. Allen dreien war aber incrkuHirdigerweise gemeinsam, daß sie begeisterte Massen in Wien, dem niteil jüdischen-Zentrum., suchten und fanden, die einen die'orthodoxen, die anderen die zionistischen Massen. So tröstlich und erhebend es nun auch ist, daß wir noch über so viel Bcgeisterungsfüliigkeit verfügen, muß doch bedauert werden, daß diese Begeisterung nur dann aufgepulvcrt werden kann, wenn cs sich uin ganz Große, um Gipfel des modern-nationalen oder des religiösen Judentums handelt. Und doch wäre wahrlich zu wünschen, daß ein kleiner Abglanz von dieser Begeisteeungsfühigkeit des jüdischen Wien auch den bcscheidenen kleinen ,.Institutionen und Juden in Wien selbst zugute käme. Ohne diese wenig beachteten Grundlagen können ja weder Jeschiwot noch kulturelle Höchstleistungen gedacht werden und alle glänzenden Errungenschaften fallen in nichts zusammen, wenn ihnen der Unterbau fehlt. Der Besuch Bialiks hat überdies auch von der anderen Seite 11er die Absurdität aller Extreme gezeigt. Er hat gezeigt, daß 'auch ־die von national jüdischer Seite gepredigte Fremdheit des Judentums gegenüber der deutschen Kultur, die. Wasser auf die Mühlen der deutT sehen Nationalisten treiben könnte, zumindest, über das Ziel schießt. Mußte! doch ßialik gerade, um diese seine Lehren zu verkünden, sich der jiddischen Sprache, also - eines •׳.mittelalterlichen. Dialekts der deutschen Spräche bedienen/•Zwischen diesen• Extremeu>von; rechts lind links aberVprgibT sich als• ‘der einzig-mögliche :/Vusweg'.für uns der der Sqliuffung und Erhaltung jüdischer Schulen, die die h'er'aiiwachseivle'n'Generationen für. die eigenen Kulturgüter begeistern! der angestammten Rcligiou zu dienen lehren sollen. halben Jahre anläßlich ־ eines Besuches im Wiener Zentral'büro, daß die Agudas Jisroel existieren müsse, irgend welcher Tätigkeit bedürfe es jedoch nicht, denn daß Agudas Jisroel existiere, sei an und liir sich schon eine große Bedeutung. Diesen Gedanken haben leider auch andere tätige Führer der Agudas Jisroel zu. ihrem eigenen gemacht. Bei einem Teil •der Führer ist' diese Untätigkeit bestimmt durch die äußeren; politischen und materiellen -Umstände, in welchen sich die Welt im ■Tillgemeinen uud die jüdische Welt •im spezielleil befindet, und bei einem anderen Teil, weil sie sicli nicht bewußt sind, .welch tiefe Wurzel die Agudas-Jisroel-Idee im Judentum und bei der. orthodoxen Jugend im besonderen gefaßt hat. Dies lmt viel zu der Untätigkeit <101־ Agudas Jisroel beigetrageu, und falls dieser Zustand anhält, wird Agudas Jisroel ihren ganzen Einfluß in kurzer Zeit auf die nichtaktiven frommen.JeJiudim verlieren. Ich will , nur ein ganz kleines Beispiel bringen. Es istallgemein bekannt, daß eine Haffkinesche Stiftung für die Jeschiwaus existiert, Keiner bezweifelt zufolge des Testaments, daß Prof, lluffkiue nicht ein frommer Jeliudi war. Weshalb hat er aber den Hilfsverein der deutschen Juden, der mit Jeschiwaus bis dato nichts zu tun hatte, zum Verwalter seines großen Vermögens gemacht? Man wird staunen, wenn ich behaupte, daß Prof. Haffkine ein Agndist und‘ daß1 er seinerzeit Mitjglied des Pariser Propagandakomitecs der Agudas Jisroel zusammen' mit Komiunndnnt Lipmnnn,' Dr. Klein tf. a. war. Daß Prof. Haffkine sich von der Agudas Jisrofel zurückzog, lug allein in der Ursache, weil die Führer der Agudas Jisroel glaubten, iin Namen einer jüdischeii Partei auftrete.11 zu müssen.. Diese .Stellungnahme der Führer der Agudas jisroel hat Professor Haffkiiie sichet beeinflußt, sein Yoiiuögeu einem solchen Verein in Verf waltung zu geben, der keine Ideologie besitzt, welch«!! der Auffassung der Orthodoxie ׳widerspricht׳;■ Prof. Ilafir kiue hat es stets abgelehnt, auch liür den kleinsten Beitzag für zionistische Zwecke zu; geben.' Dies ist jedoch nur ein ganz kleines Beispiel von der Untätigkeit der '*Agudas Jisroel und von dem Fehlen des Selbstvertrauens■- .: Der Aktivist.euverbund will alle ,Agudisteu ve'r* einigen, die, sei es lokal oder für den Klall hn all- * ... .fJ'MWWljk Modernste Brautperücken . der weltbekannten Perückenwerkstätte Wien I. 8Cärntnerring 6