Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 49 (18.12.1931)
- Date
- 1931-12-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jedermann Zeitungen tm Vitkgii. versendet. Journal e*p6die par l’4diteu». Novinov^ v^platnd povolend riadit post a telegrafov v Bratislave 2is. 41$72*iII«2ü. beachte äJJLLL UR&AN EU« BMC INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion ü. Administration: Wien, II., Leopolds« gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A«49*0*94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 149. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer Öst. Gr; 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zanmngen auf Konto .Jüdische Presse*, Wien für ,Oester• reicht PoStsparkasSettkonto Nf. D-93614; Deutschland r Post• scheCkkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien 1 Pdstspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen 1 Postspk.-Ämt Warschauer. 19Ö409; Ungarn t Postspk.-Amt Budapest Nr. 50170: Schweiz rPost• scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei t ״Jü* dische Presse*, Bratislava, Postspk.•Amt Prag Konto Nr.53 ־■■׳־: : ׳ ■־ . . . ״. Nr. 49 Wien-Bratislava, 18. Dezember 1931 •ב־ה וינא־£רעסבוינ ח׳ טבת תרצ״ב 17. Jahrg. Unsere Zeitung bietet auch äh diesem Jahre allen ihren Beziehern, die das volle Abonnement für das ganze Jahr im voraus ent* richten; wertvolle Prämien zu günstigen Bedingungen. Siehe Ankündigung ״Jedermann“. Die allgemeine Wirtschaftskrise bringt auch die ״Jüdische Presse“ in schwere Mitleidenschaft. U,m ihren Bestand einigermaßen zu sichern und ihr über diese trost# losen Zeiten hinwegzuhelfen, müssen wir uns an unsere Abonnenten und Freunde mit der Bitte wenden, von dieser Gelegenheit in großer Zahl Gebrauch zu machen, und zwar zum angegebenen Termin, damit wjhr über die Finanzlage der Zeitung einen Ueberblick gewinnen können. Die Redaktion und Administration wird mit 1. Jänner 1932 von Leopoldsgasse 26 nach II., Große Pfarrs gasse 3/3, verlegt. Telephon A*45*381־. Wegen der Uebersiedlung erscheint unsere nächste Nummer am 8. Jänner 1932. Ein Standardwerk der Orthodoxie. Festschrift für Jakob Rosenheim. ׳193 ׳r, J. Kaüffmann Verlag, Frankfurt a. MV Die furchtbare wirtschaftliche, Not der .Gegenwart lähmt nicht nur das wirtschaftliche Leben, sondern liegt auch wie ein schwerer Alp auf der Geistesarbeit aller Nationen. ' Wertvölle : Untersuchungen, aus dem Arbeits? bereich* der Akademien gelangen nicht zum Dlarck;"Wer־־ leger schränken ihre Tätigkeit ein, die Bibliotheken füllen ihre "Bestände nicht "auf; überall Zeichen geistiger Verarmung. ן In diesem Augenblick erscheint Vein Werk!, 'das /auch in normalen Zeiten Bewunderung erzwingt»* Zu Ehren Jakob Rosenheims, des Führers der Agudas Jisroel, ist jetzt eine Festschrift erschienen, welche vierzig Arbeiten umfaßt, die eine Hälfte in deutscher, die andere in hebräischer Sprache. Ein Band, mehr als 600 Seiten stark, mit zwei Kunstbeilagen, dem Bildnis des Gefeierten, alles in würdiger Aufmachung, in klarem, schönem Druck — also schon in äußerlicher Beziehung ein Standardwerk. Vor drei Jahren ward das Werk in Angriff genommen, um Jakob Rosemheim zu seinem 60. Geburtstag die verdiente Ehrung zu geben. Wenn die Gabe auch mit einjähriger' Verspätung er* scheint, sie wird und muß all denen willkommen sein, die in solch geistigem Gewinn einen Lichtstrahl in trüber Gegenwart erblicken. Heute nur ein Blick auf das . Inhaltsverzeichnis. Der hebräische Teil wird mit einer A b h a n ct* lung des Hamburger Oberrabbiners Dr. Spitzer, und zwar über eine. der aktuellsten Fragen der Zeit, über die Frage des Wahlrechts der jüdischen Frau, eröffnet. Die Arbeit geht weit über den Rahmen eines Fest* schriftbeitrages' hinaus und darf auch als Sonderwerk den ersten Platz in den halachischen Entscheidungen über diese Frage beanspruchen. Zu einem zweiten ge* wichtigen Problem der Gegenwart, zur Frage der Empfängnisverhütung, nimmt der Frankfurter Rabbiner das Wort und beleuchtet sie in eindringlicher Schärfe. Scharfsinnige Beiträge zu talmudischen PilpuLProblemen liefern drei, der, anerkanntesten Thora*Gaonim der Gegenwart: Der Wilkomirer Raw, der größte lebende Gaon im heurigen Litauen (Kowno), über Iguth (Sukka 13), der Begründer und' Leiter der Jeschiwah S10b0dk$1־Hebr0h, Rabbi M. .M. Epstein, über Schlichus heget (Gittin 22), der Lutzker Raw, Rabbi Salman Sarotschki, über ״Mikzas halailo kekulau. Zu wichtigen Weltanschauungsfragen nimmt ' in erster Lini.e der jüngst verstorbene Jano^wer Raw s. z1.;׳. : Stellung in seinem Aufsatz über die Notwendigkeit der ■! Agudas Jisroel. * Es war die letzte Arbeit' des berühmten! Gelehrten. . Ueber das Wesen einer jüdischen Führers: Persönlichkeit handelt die wertvolle Arbeit des Rzeszowgr; Rabbiners Lewin, währernj Ra,bbiner Zirefsphp,.fischenew,'j der Präsident ,,der beiden.'großen K-enessiaus, über die Pflichten, der Rabbiner;: itn:f1ällg,e’rneifien spricht. Da es^ unmöglich ist, aufzäjilpnd ׳ otler gar wertend a;lle Arbeiten hier zu nennen, möchten wir nur noch auf die Erinnerungen Wolf Pappenheims hinweisen, der seinem Lehrer, dem Ksaw Sofer, ein1 schönes Denkmal setzt, ,ferner auf die überaus wertvolle Sammlung (Mischle Chofez Chajim), die .Schabse Schönfeld veranstaltet hat und die den ersten Versuch darstellt, die Ernte dieser Art aus den Schätzen eines der ersten Führer der Gegenwart zu sammeln. Der deutsche Teil, 460 Seiten stark, beginnt mit einem Aufsatz von Maximilian Landau, der sich als einziger mit dem Gefeierten und seinem Lebens? werk befaßt. Ohne Ueberschwenglichkcit, auch nicht ohne vereinzelte kritische Noten, ersteht vor uns das Charakterbild Jakob Rosenheims, wird seine •Lebensleistung als Führer und Mensch in \V>r* nehmer Weise gewürdigt. — Josef Wohlgemut unter* zieht" ." die" •״Grundgedanken ,der. Religiönsphilosophie Max Schülers‘ einer ״jüdischen Beleuchtung“, eines Philosophen, der nicht nur ״für die Grundlegung einer neuen Erkenntnistheorie und Ethik“, sondern auch für die־ Religioristheorie von Bedeutung geworden ist. ״Die notwendige Harmonie von Moral •und Politik“ fordert und begründet Josef Carleb,achj während Pinchas Kohft die Anwendung jüdisch־sittlicher Grundsätze im politi* sehen Leben von ״Gemeinde urid Klall“ aufzeigt. — Die verschiedenen Geistesströrriungen. der Degenwart, die Wesensgrundlagen des litauischen . Judentums einerseits, des chassidischen Judentums ,anderseits werden von Schachnowitz erneut begründet. —. Dr. Munk, Berlin, behandelt ,die rechtlichen' Grundlagen des preußischen Judentums und, gibt ■sehr 'wertvolle• Vergleichspunkte mit den Verhältnissen änäerejjy^eligjpnsgemeinschaf.ten,; aus •weichen beispielsweise■^'"das erstaunliche ־ Faktum er־ hellt, daß weder die katholische noch,,,.die protestantische Kirche Führer dulden, deren praktisches Leben im Gegensatz zu,,den Forderungen der Kirche steht. — ״Zur geistigen Struktur der deutschen Orthodoxie der Gegenwart“ lautet das Thema, das Moses Auerbach sich gestellt hat. —׳ Der Nürnberger Rabbiner Dr. ‘Klein unternimmt den wichtigen Versuch, Schwierigkeiten in dem Lehrgebäude Rambams aufzuhellen, und weist er* folgreich undentschieden" die Gegenüberstellung des Philosophen Maimonides gegenüber dem Gesetzeslehrer Rambam zurück. Die Arbeit ist um so wichtiger, als bekanntlich der achtzehnte Brief in den ״Neunzehn Briefen“ Sams. Raf. Hirsch's bisher keine geeignete Widerlegung erfahren .hat. — Der Dozent am Berliner Rabbinerseminar, Dr. Weinberg, gibt einen auf wissen* schaftliche Sachkenntnis gestützten Beitrag ״Zur Ge* schichte der Targumim“. — Esriel Hildesheimer unter* nimmt den interessanten Versuch, mystische und agadische Elemente im. Urteil zweier bedeutender Gaonim fcstzuhalten. — Der Direktor der Frankfurter Hirsch־Schule, Markus E£ias, behandelt das schwerste pädagogische Problem der Gegenwart in einem Auf־ satz, der nicht warm genug allen Eltern empfohlen werden kann. —׳ Eine eingehende Besprechung mancher Arbeiten, die weit über den Rahmen eines Beitrages hinausgehen, hat sich die Redaktion Vorbehalten. Wir erwähnen zum Schluß nur die unter dem Namen ״Religiöse Heimat und religiöse Heimkehr“ tiefdurch־־ dachten, warmgefühlten Tschuwa־Gedanken Nathan Birnbaums, die Untersuchung Leo Jungs über das ,Wesen des orthodoxen Judentums, die,' unter amerikani* schein Aspekt geschrieben, auch begrifflich Neues bringt. Mehr als andere Gemeinschaften, leidet die Orthodoxie unter dem Mangel repräsentativer Literatur; Hier ist ein Standardwerk in cles . Y/ortes wahrster Be־ deutung. Pierausgeber, sämtliche Beitragende ünjd selbstverständlich der׳ Gefeierte selbst, haben auf jeden materiellen Gewinn aus dem Erlös des Werkes ver* zichtet. Die ungeheuren Schwierigkeiten, die die Gegen* wartskri.se dev Herausgabe des,,Werkes bereitete, konnten nur von dem stärken Willen besiegt ,werden, der weiten Gemeinschaft unseres Volkes diese Aeußerungen tiefer jüdischer Kultur zu vermitteln und in unserem engeren, Kreise das Gefühl des Stolzes zu beleben, daß die Zähl derer, die im altjüdischen Schrifttum Wurzel gefaßt haben, nicht gering ist.. Es sei heute mit dem Wunsche geschlossen, daß im Kreise der Jüngeren und Aelteren die mannigfachen Probleme, die in den einzelnen Aufsätzen angeschnitten werden, •nunmehr studiert werden. Dr. S. A. Der Kampf om das Studentenrecht in Wien Was sind wir: Volk oder Konfession? Der alte innerjüdische Kampf um die richtige Definition des Judentums ist unversehens auf eine er* weiterte Plattform verschoben worden. Nicht mehr kämpfen Assimilanten allein mit Zionisten um die Klärung eines Begriffes, um die! sich schon viele führende Geister bemüht haben, sondern mit einem Male ist der Kampf aus der feingeistigen lind'inner jüdischen Sphäre in )diel politische Arena der österreichischen Politik getragen worden. Der österreichische Unterrichtsminister hat sich vor einigen Tagen als Anhänger des auf volks* bürgerlichen) Grundsätzen beruhenden Studenjtenrechtes bekannt und wurde deshalb von der Wiener Tagespresse, soweit sie nämlich von Juden oder Judenstämmlingen geleitet wird, ziemlich heftig angegriffen. Es ist zwar ein ganz eigenartiges Schauspiel, wenn plötzlich von solcher sonst so ״freisinniger“ Seite ein klerikaler Minister an ' seine religiöse Gesinnung erinnert wird, andererseits aber ist diese Aufregung begreiflich, da merkwürdiger* weise gerade diese Forderung der Nationaljuden durch Aufnahme d$r Definition des Judentums als einer V;olksgemeifjschaf t erfüllt werden soll, während Forderungen, die׳ in ihren Auswirkungen viel wohltuender >vären, unerfüllt 1bleiben, Man will eben den Juden ein Danaerges׳chenk machen, indem man gleichzeitig auch der antisemitischen Meute zur Beruhigung einen Bissen hin wir ft und es ist begreiflich, daß sogar einem Teil der Zionisten vor solchen Kon* Sequenzen ihrer Theorien bange wird, da• sie an Stelle von Voll* oder Gleichberechtigung ein minder* wertiges Volksrecht bringen. Der Großteil der Wiener Juden huldigt durchaus nicht der nationaljüdischen Auffassung und sieht nun mit Entsetzen, daß allen Anstrengungen um die An* erkennung und Gleichberechtigung der jüdischen Reli* gionsgemeinschaft als solcher auf einmal der Boden entzogen wird, Am meisten werden aber durch die drohende Neuregelung jene Kreise getroffen, deren Einordnung auch dem Minister als Katholiken das größt(? Kopfzerbrechen verursacht: die Getauften und auch die Konfessionslosen. Bei einer Einteilung nach Konfessionen könnte der Minister die Getauften natürlich nicht •den Juden zuweisen, während bei der Einteilung nach ras* sischen Grundsätzen die Getauften si<?h gegen Zuteilung . zu den Juden ebenso energisch wie diese selbst wehren müßten, obwohl sie auch bisher schon allzu ehelich die) Prügel mit den echten Juden hatten teilen müssen; E§ wird jetzt aber 'klarwerden, daß man durch die bloß® Austrittserklärung di© Zugehörigkeit; zum Judentum picbf los wird. Nein, man ist nunmehr endgültig Jude, ob jnaj| will oder nicht, und auch : die ' bestbezahlte Jude$ mission ist, wie man m Wien :'sagt,. ״für; die Kat?“;׳ Map wird da allen Ernstes vorlegeh'sein, ob nur ’bis ins vierte״ Geschlecht di© «Sünde der Abstammung von jüdischen Eltern geahndet werden oder^ f— Tauf© vorausgesetzt -4 93S& der weltbekannten Perückenwerkstätte Wien I, Kärntnerring 6 (8»e,1rÄ) Tel. U16־1־47־