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Jüdische Presse · 1931-12-11 · 48 (11.12.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
48 (11.12.1931)
Date
1931-12-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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NöviOOVÄ vtfplatfiä P0V01606 riädit pöii 8 telegffirföv v Bratislava 21s. 41572*111*20. Zeitungen vom Verleger versendet. Journal expddie par t’iditeu». v,b,b. JÜDISCHE PRESSE OHttAM FIM BW MTEREESEM DER ORTHODOXEM JUDENTUMS Redaktion u. Administration: Wien, II., Leopolds* gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A«49*0»94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse״, Wien für Oester• reich! Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland! Post* Scheckkonto Berlin Nr. 122619: Jugoslawien! Postspk.‘Amt Zagreb Nr. 40217; Polen! Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn! Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz! Post« scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei 1 ,JÜ• dische Presse״, Biatlslava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 48 Wien-Bratislava, 11. Dezember 1931 .כ-ד. וינא־פ־עםס־מ א׳ טבת תרצ׳ב 17. Jahrg. Chanukafeiern. Im Krüger-Heim. — Der Künstlerabend der Talmud Thora. — Das Bankett des ״Tiferes Bachurim“. UebctTäscliend kommt von allen Vereinen und Anstalten, die heuer in ebenso großer Zahl wie sonst Chanukafeiern veranstalteten, die Nachricht, daß die Feste ganz besonders gut besucht waren und darum auch den Zwecken, denen sie dienen sollten, einen mehr oder weniger großen Reinertrag zuführten. Wenn man die ungeheure Not der überwiegenden Mehrheit der jüdischen Bevölkerung Wiens. und die schwere wirtschaftliche Situation berücksichtigt, in der sich auch die besser־ gestellten Kreise befinden, ist diese Feststellung nur noch mehr zu begrüßen, und es zeigt sich bei näherer Be־־, trachtung, daß es eben nie wirtschaftliche Momente allein sein können, die Stärkung oder Schwächung des Intercsses am jüdischen Lehen mit sich bringen, sondern daß gerade die wachsende Erkenntnis der Not den Blick für die Nöte im eigenen Lager schärft und einen gewissen Teil des Publikums, der noch nicht allen Zusammenhang mit dem Judentum verloren hat, ver* anlaßt, einmal den Besuch des Theaters oder Konzerts einer jüdischen Sache, einem wohltätigen Zweck zuliebe zu opfern. Ueberdies aber ist nicht zu verkennen, daß mehr noch als die allgemeine Not, das Bewußtsein der gemeinsamen Anfeindung . zusammenschwei* ßend wirkt und so die einzigmögliche natürliche Reaktion des Antisemitismus auf das Judentum eiqsetzt, die sich in jedem Falle nur fördernd und stärkend aus־ wirken kann. Ist dem aber so, dann ist gerade Chanuka jenes Fest, das am meisten geeignet ist, Erscheinungen solcher Art sinnfällig werden zu lassen. Der Einheitsfront der Judengegner muß die einheitliche Abwehr, der innige Zusammenschluß der Gehaßten und Verfolgten zu Glie־ dern einer Familie entgegengesetzt werden. Daß aber dieser Zusammenschluß ein dauernder werde und nicht etwa nach dem Schwinden der Gefahr die alte Gleichgültigkeit, der alte Hader an die Stelle des liebenden Verständnisses trete, muß jetzt schon von den verantwortlichen Fak־ toren des Judentums ins Auge gefaßt werden. Es genügt bei weitem nicht, daß in dieser schönen Burgfriedens־־ Stimmung flammende Reden gegen die anstürmenden Feinde gehalten werden, in der inneren Einstellung der jüdischen Massen zum Judentum aber kein bleibender Wandel eintrete. Jetzt bietet sich eine sonst nicht so leicht wiederkehrende Gelegenheit, diese Einstellung zu einer auch in Taten umsetzbaren zu gestalten und damit Rückfälle in der Zukunft unmöglich zu machen. Von solchem Geiste war vor altem die Chanuka* feiet־, die Sonntag, den 6. d., im Krüger*Heim stattfand. Sie zeigte wieder einmal, was schon vor Jahrhunderten die Poskim wußten, daß Chanuka von jeher ganz beson* ders das Fest der Frauen war, da ihnen auch an den wunderbaren Ereignissen, die es feiert, ein hervorragen* der Anteil gebührte. So ist es im Judentum überall da, wo es sich um Licht und Weihe handelt; am Chanuka ist ebenso wie am Sabbat den Frauen der Dienst am Lichte eingeräumt. Das überaus zahlreiche Publikum war mit den Darbietungen dieser Chanukafeierso zufrieden, daß nur eine Stimme des Lobes über das .Fest zu hören war. Die ’ von Oberkantor Löwit einstudierten Chöre der Gewerbeschülerinnen zur Weihe des Festes fanden ungeteilten Beifall, ebenso die übrigen Darbietungen der Schützlinge des Heimes. Die Cellovorträge von Herrn Friedländer mit . dpr stimmungsvollen;Begleitung seiner Gattin wirkten erhebend; wahre־ Begeisterung erweckte die Festrede von Dozentin Eva Landsberg־, bekannt durch ihr pädagogisches - Wirken als Hauptdozentin der Beth Jacob־־Schule im Dr. Krüger-Heim. In der Pause wurden Erzeugnisse der rituellen Kochkurse verabreicht und fan* den die delikat zubereiteten Vorspeisen und Desserts ungeteilten Beifall. Außer Programm sang Herr Ober* kantor Postolow einige Lieder und erweckte einen sepa* raten Beifallssturm. Den Höhepunkt der Festveranstaltungen bildete das Montag, den 7. d. M., im Hotel Post veranstaltete- C 11a n u k a f e s t zugunsten der S c h ü 1 e r a u s s p c i* s u n g an der T a 1 m u d ־ T h o r a - V o 1 k s־־ und Hauptschule. Die Feier wurde durch Chariukalieder des vorzüglich einstudierten Schülerchors eingeleitet und stand im übrigen ganz unter dem Eindruck der Festrede des Oberrabbiners von Baden, Dr. Carle hach. Im Laufeseiner glänzenden Ausführungen untersuchte der Redner den Zusammenhang des Chanukafestcs mit dem Chinuch, der jüdischen Erziehung, er appellierte an die jüdische Bevölkerung, das Erziehungswerk der Talmud* Thora zu fördern und richtete an die Schüler aüfmun* ternde Worte. Nichtendenwollender Beifall folgte dem Vortrag, über den einstimmig das Urteil herrschte, daß man Aehnlichcs in Wien schon lange nicht gehört habe. Der gute Eindruck der Festrede wurde auch durch die vollendete Kunst des Popa*Grama־Streichquartetts ver־־ stärkt, dessen hochqualifizierte Leistungen mit größter Spannung aufgenommen wurden. Tm zweiten Teil des Abends fand das von Alter Kimmer vorgetragenc ״Jüdische Lied“ starken Beifall, der nach wiederholten Zugaben., verlangte, und ־> schließlich, zeigten die von JS. Schwager inszenierten,'-Bilder״Mai ko maschma Ion“ und ,;Schalosch sudos“ lilit Artur Hoff als Rebbe, Benzion S e ga 1 als erster Chossid und S. Schwager als zweiter Chossid echteste jüdische Kunst in ihrer gcschmackvlollsten Durchbildung. Alles *in allem war dieses Chanukafest in allen Stücken gelungen und zeigte wieder einmal, daß auch künstlerisch hochstehende Leistungen in enger Harmonie mit jüdisch־religiösen An* lassen möglich sind. Es soll an dieser Stelle noch der Leistungen der Damen Frau S. Adler, Hilde B o n d y, Sophie Pappenheim gedacht werden, die unterstützt von Frau Dr. Lemberger, Szerein Deutsch, Dr. Schlich* ter durch Bewirtung der Gäste zu Erhöhung des mate* riellen Ertrags des Festes kräftig beigetragen haben. Am dritten Chanuka*Abend fand das bereits angekündigte ^Bankett des Tiferes Bachurim bei zahlreicher Beteili* gung im Turnsaale der Talmud Thora statt. Obmann iSal. Schreiber begrüßte die Gäste in einer form* vollendeten Ansprache und pries die besondere Führung und den Fleiß unserer Schutzbefohlenen, die sieh auf allen Jeschiwos der vollsten Anerkennung ihrer Lehrer und Meister erfreuen. Herr Rabbiner Fürst feuerte in einer begeisternden Ansprache die Gesellschaft an, die hohen Zwecke des Vereines zu fördern durch Unterstützung und Propaganda. Herr Rabbiner Schenk würdigte in warmen Tönen die Arbeit des , Vereins. Herr Wolf Pappenheim begrüßt in kurzen Worten namens der Adas Jisroel, der Agudas Jisroel und des Keren Hateuroh die opfervolle Tätigkeit des Obmannes und des gesamten Vorstandes. Oberkantor Braun und Kunstadt ver* schönten das Festmahl durch ihre erstklassigen Dar* bietungen. Der Verkauf des Benschens ergab eine be* deutende Summe für die Vercinszwecke. Das Festmahl verlief in fröhlichster Stimmung, ׳weil alle ־ Anwesenden sich bewußt waren, eine Institution zu feiern, die für die Erhaltung des streng religiösen Sinnes von eminenter Bedeutung ist. JEDERMANN Itn intimen Rahmen fand auch Dienstag nachmit* tags im Krügcr־Heim ein Kleinkinderfcst des Kinder־ gartens ״Jesode Hathora“ .und eine Feier der 4. Klasse der Mädchen*Volkssehule der Talmud*Thora statt, mit der die Klassenlchrerin Rosa Büchler Hervorragendes geleistet hat. Unter dem Eindruck des brillanten Spiels der 4. Klassse entschloß sich Frau Rabbiner Fürst, die Schülerinnen aufzufordern, die Glanzstücke ihres Programms im Rah־־ men der Sonntag, den 13. d. M., stattfindenden Chanukajause der Frauenhilfe der Adass Jisroel zu wiederholen. Tschechoslowakei. Was die ״Jüdische Partei64 im Parlament fordert. Vor einigen Tagen hielt der Abgeordnete der Jüdischen Partei im Parlament, Dr. Angelo Gold* stein, dem das Mandat des verstorbenen Dr. Ludwig Singer zufiel, seine Jungfernrede in der Nationalver- Sammlung. Diese Rede enthielt manches richtige Wort im Interesse des Judentums,' das soll gern»zugegeben werden. Was der zionistische Abgeordnete bezüglich der längst erwarteten Regelung des Staatsbiirgerfechtes, des Ritualmordprozcsses in Setnefe, des Horak*Prqzesses und des Steuerdruckes gesagt hat, kann auclT V&n solchen ,.gebilligt werden, die in dem Wirken der zionistischen Abgeordneten keinerlei Vorteil für das Judentum er* blicken und solche Parlamentsreden nur als nutzlose leere Reden betrachten, die den Schaden nicht wett־ machen können, den die von diesen Abgeordneten betrie־ bene irreführende 1 dentifizierung der rein zionistischen Pä r t c!i i! n t e 1־ e s s e n m,i t d e n politischen und' kulturellen Wünsche n d c!r gesamten j ü'dischen B e v öi 1 kerurtg unserer Republik anrichtet. Aufs schärfste muß aber der Versuch abgewiesen werden, den der Abgeord־ nete Dr. Goldstein, wie früher wiederholt sein Vorgänger, schon in -seiner ersten Rede-unternommen hat, innere Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden und der örtho־־ doxen jüdischen Gemeinschaft in gehässiger Weise vor dem Parlament aufzutischen und die Ein m i׳s c h u n g d er S t a a tsmacht und der G e s e t z g e hu n g in Fragen zu fordern, die zu den a u t on o m e n Rechten,der Konfession gehören. Der Abgeordnete Dr. Goldstein hätte es zumindest als ungehörig empfinden müssen, vor einem nichtjüdischen Parlament seine eigenen G 1 a u b e n sgenossen herabzusetzen und von Dingen des inneren j ü di* sehen Gemeindelebens zu sprechen, von denen er und seine zionistischen Parteigenossen herzlich wenig verstehen. Dazu zählen auch die Bestimmungen in den Statuten der Gemeinden, die der Erhaltung des tradi* tionellcn religiösen Geistes dienen und diesen vor den Schwankungen der Wahllaune ungeschulter Volks־ schichten beschützen wollen. Den Zionisten, die in ihrem felsenfesten jüdischen Nationalismus immer und alles nur den anderen Völkern abzugucken gewöhnt sind, ist dieses mit der größten Vorsicht und Umsicht zu behau־ delnclc Problem, das gründliche Sachkenntnis und -pein* lieh gewissenhaften religiösen und historischen Sinn er־ fordert, bloß eine politische Frage der ״Demokratisierung“. Daraus schöpfte offenbar Dr. Goldstein auch die Berechtigung, in seine erste Parlamentsrede folgenden Absatz einzuflechten: ״Diese von mir gezeichnete Administrative bedient sicli der reaktionärsten Mittel und ’ Eie־ in ente auch i!1 11 n serern eigenen Volk e und nur so ist es erklärlich, daß trotz unseres jahrelangen Bemühens unserem Ansuchen um Demokratisierung des Wahlrechtes in den jüdischen Gemeinden keine Rechnung getragen wird. Wir hoffen, bei dem jetzigen Unterrichtsminister Verständnis für unsere fortschrittlichen Bemühungen zu finden und mit seiner Hilfe diese Kulturschande endgültig zu beseitigen;“ , ■ :; ־ ־>. t; ■ Die Regierung wird hoffentlich die . Rechte der weltbekannten Perückenwerkstätte n I. K ä r ntnerr ן ng 6 (Slotlf *Bristol)

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