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Jüdische Presse · 1931-12-04 · 47 (4.12.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
47 (4.12.1931)
Date
1931-12-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zürich VUI. 4117; für die Tschechoslowakei t .JÜ* •׳ dische Presse", Btatlslava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr; 53186 . " J . ': ...*־■ ... .; S ■ ' ■ W■'■■"־.'■' Nr. 47 Wien-Bratislava, 4. Dezember 7931 כ־ה דנא־פיעםבומ כ״ד כסלו תרצ״ב 17. Jahrg. Chanuka 5692. Wieder ist ein Jahr vergangen, und die verstaubte Menorah wird aus einem Winkel hervorgeholt, um für eine Woche im Mittelpunkt jüdischen Interesses zu stehen und sich und andere am Glanze ihrer Lichter zu erfreuen. Sie erzählt wieder von' den Kämpfen und den Siegen der Väter, von ihrem Heldentum und ihrer Glaubenstreue; im Ofen knistert das Feuer zu ihren Erzählungen, und irgendwo sitzt wieder in einem Stübchen mitten unter seinen Chassidim der Rabbi in festlicher Zobelmütze und singt mit seltsam ansteigender und fallender Melodie, den Blick wie verzückt auf die Lichter geheftet, sieben# .mal jedes Wort des mystischen Gebetes des Rabbi Nechunja ben Hakana: Ono bekoach .... Ja, es war Koach, es war Kraft, was unseren Vätern vor mehr als zwei Jahrtausenden im Kampfe gegen die Syrer beistand, aber eine Kraft ganz anderer Art, als die es ist, die jetzt, gerade in den Tagen vor dem Chanuka־ feste des heurigen Jahres ihren Triumph über den Rest Israels feiert. Die jüngsten Ereignisse z'eigeri, r^ie klein und verachtet unser Volk ist, sie zeigen ein ungeahntes Anwachsen des Judenhasses, der besonders' in Polen aus den,'nichtigsten Ursachen wahre Orgien gefeiert hat, und nicht im geringsten mit dem •־ Idyll des Chänuk'afestes übereinstimmt. ^Dä-^gab-«׳e׳s--E^es^vtjni־..׳UniyersftätsVj!->m> Mittel# und Kleinstädten, . in Radom mußten ’ äm ver# gangenen Sabbat sämtliche 'Synagogen und Bethäuser geschlossen bleiben, und die geradezu wahnwitzige Ver־ hetzung ging so weit, daß im Warschauer Nachtasyl kürz# lieh sogar versucht wurde, nicht mehr als zehn Juden zu־ zulassen, da, man an den jüdischen LCidensgenossen nicht einmal mehr das gemeinsame Elend erkennt' und in ihnen verkappte Vertreter des jüdischen Kapitalismus zu erblicken scheint. Dieser Fall übersteigerter Verblendung zeigt aber so recht augenfällig, wie Juden und Judentum gegenüber sich alle Perspektiven verschieben und einmal Ueber־ Schätzung, ein anderesmal Unterschätzung, nie aber rieh« tiger Maßstab an unsere Gemeinschaft gelegt wird; Das Licht des Judentums leuchtet in seiner bescheidenen Un# aufdringlichkeit nur dem, der es suchen will, und so kommt es, daß im Kampfgewühl der Parteien und Völker gerade' dem eigenartigen ׳ Gebiet. gegenüber, das das Judentum darstellt, nicht' die richtige Distanz gefunden wird. So erblickt nun der Kapitalist oder Nationalist hinter dem Kommunismus, der ihm an den Kragen will, natürlich in erster Linie den Juden, nur den Juden, und der Religiös־Konservative wieder fühlt nur den Alp# druck des ״jüdischen Freisinns“ und der kulturellen Minierarbeit, die natürlich vom Juden, nur vom J u d e n;' herrührt. Ist jemand aber von materieller Not bedrückt, so ist es der jüdische, nur der jüdische Kapitalismus, und endlich wenn er Freidenker und reli# gionsfeindlich eingestellt ist, der jüdische, nur der jüdische ״Aberglaube“ oder ״Formelkram“, der seine Feindschaft in erster Linie herausfordert. Auf welche Weise nun dieser allgemeinen Verken# nung begegnet werden kann, zeigt aber am besten wieder das Ljcht der Menorah, dgs rückwärts'weist, in die Jahr# hunderte, in denen das jüdische Volk bei aller Anfein# düng glücklich gewesen. Allein, es zeigt sich bei diesem Licht auch nur zu sehr, daß in unserer Gegenwart nicht ,nur Nichtjuden, sondern sogar sehr, sehr viele Juden das ^Ve.sen des Judentums verkennen und darum, was wohl das Traurigste ist, auch nicht mehr die Plattform finden, von der aus allein ein Kampf der Abwehr und der Auf־ klärttng der Umwelt möglich wäre. Diese' Verkennung führt zu der so gefährlichen Erscheinung, daß bis tief in die jüdischen Reihen hinein schon Zweifel am eigenen Werte, an der Existenzberechtigung und an der Zukunft des Judentums Platz greifen. Aber die Chanukalichter sprechen auch in diesem, Jahre der Verzweiflung von dem Selbstzweck des jüdischen Voikes, der darin liegt, daß es in seiner Mitte und ohne alle Einmengung in den Streit der Parteien und Nationen die heilige Flamme der Thora# religion nähre und erhalte. Denn wenn auch ringsum, wie der Prophet Ovadja sagt, ״dbr Tag des Ewigen nahe ist über alle Völker . . . und sie alle trinken und taumeln" in ihrem Hasse und in ihrer• Verblendung, ״auf dem Berge Zion wird Rettung sein, da er h e i 1 i g s c i n w i r d‘\ L. M.' Von dOr Aguda. Weshalb eine Aktivistengruppe in Agudas Jisroel? Nicht etwa weil wir ein Endziel erreichen wollen oder neue programmatische Ideen haben, bezwecken wir die Organisierung oder; besser gesagt, die Zentralisierung aller Aktivisten in der Agudab ,Jisroel. Die Agudas Jisroel kann kein Endziel! haben undfhat auch kein solches, denn Agudas, Jisroel hat kein Programm wie alle anderen Organisationen. Agudas Jisroel kann zufolge ihres Pro# gramms kein.,Ziel erreichen,well ^sie' das organisierte, jüdische Volk ׳ umfaßt, welches *;!die tagtäglichen Fragen im Geiste der Thauroh lösen ivilL Deswegen'muß Agudas Jisroel solange existieren, solange das jüdische Volk exi# stieren wird, denn es werden immer infolge der Volks# existenz neue Fragen zu lösen sein. Betrachtet -man das heutige organisatorische Ge# bilde der Agudas .Jisroel, so ׳ wird man feststellen, daß infolge von Fehlern an der . Organisationsmaschine im Organisatiohsgetnebe etwas, nicht klappt. Vor allem fehlt uns ein Nachrichtendienst, welcher über die Vorgänge innerhalb der ' Agudas Jisroel orientieren soll. Unsere Zentralverwaltung, hat. ein. Viel. zu bescheidenes Budget, weshalb es begreiflich erscheint, daß unsere Führer öfter sich nicht mehr bewußt, sind, daß trotz allen diesen Kala# mitäten die große orthodoxe Masse hinter Ihnen steht und welche Kräfte Agudas Jisroel besitzt, so daß sie deswegen hie und da , bewogen werden, Kompromisse einzugehen. ׳. ׳.: V Um alle diese 01־jga1ji§ationsmängel zu beheben, müssen' sich alle aktiven oder aktiv sein wollenden Elemente innerhalb der Agudas Jisroel zusammenschließen, um eine bewußte ,;Front“: der ״Arbeiter“• zu bilden. Wir sind davon, überzeugt, daß ap׳ jedem Ort, an welchem, eine Agudas#Jisroel־Ciruppe existiert, einige ״Aktivisten“ vorhanden *sind.״ Jeder einzelne für sich besitzt aber keine Stoßkraft. Vereinigen und. zentralisieren sich die vielen Einzelkräfte aber in das ״Aguda#Arbeiter#Regiment“, so daß man in Zukunft wissen wird, an wen Instruktionen Chanukafest Montag,, den 7. Dezember, 7 Uhr abends, im Festsaal des Hotel ״Post“, 1., Fleischmarkt, zugunsten der Schülerausspeisung an der Talmud-vThora-Volks- und Hauptschule, II״ Malzgasse Nr. 16, Telephon A43־6־47־ Festredner Oberrabbiaer Dr, H• Carlebach, Baden bet Wien Karten von S 10,- bis S 1.— in allen jüdischen Buchhandlungen sowie in der Schülerausspeisung Programmänderung Vorbehalten. # der weltbekannten Perückenwerkstätta W i e n!, Kü r n 111 e r 11 ־ Hotel Bristol zu erteilen sind, dann wird Agudas Jisroel mit Gattes Hilfe besser ihre Aufgabe erfüllen können. Wenn aber Herr W. S. Jacobson in der letzten Nummer der ״Blätter“ schreibt, “daß jeder, der für Agudas Jisroel arbeitet, von selbst ein Aktivist sei, muß ich hiezu bemerken: Gewiß; wenn nicht solche für Agudas Jisroel tätige Menschen vorhanden wären, dann hätten wir gar nicht probiert; eine Aktivistengruppe zu gründen, weil man Aktivisten nicht ״schaffen" kann. Aber auch die Frage Jacobsons; ob ״etwa die Züricher Agudagruppen schon in so'hoher, vorbildlicher Blüte seien, daß man die dort gewonnenen Erkenntnisse anderen Gruppen als Maßstab bieten könnte“, ist mir nicht ganz verständlich. Haben denn die Führer der Agudas Jisroel in Hamburg ihre Gruppen schon auf eine solche Flöhe gebracht, daß sie es unter# nehmen können, Agudas Jisroel weiterverbreiten zu wollen und in anderen Ländern Gruppen zu gründen? Eben weil wir sehen, daß« wir die Aguda.Hegemonie nicht durchführen konnten, wollen wir uns mit allen anderen Aktivisten vereinigen, damit wir gemeinsam unsere Auf* gäbe erfüllen und Agudas Jisroel so stärken, daß unsere ן Führer auf keinerlei Kompromisse eingehen müssen. Unsere Bestrebung geht dahin, daß Agudas Jisroel anerkannt wird als das ״organisierte Judentum“, wie es schon der Name Agudas Jisroel sagt; der Bund von Klall:Jisroel. Chajim Jisroel Eiss, Zürich. Delegieftentagung der Jugendgruppe Oesterreichs. Unter •Vorsitz .des Herrn David Türkl fand am Sonntag, den 29. November d. J. (19. Kislew), .in Eisen# städt die 'Delegiertentagving des Landesverbandes der in; Agudas Jisroel־' organisierten Jugendgruppen statt. Etwa 70 Delegierte, aus Wien und den Provinzorten nebst einer stattlichen Zahl von Gästen, einem!Vertreter •der Agudas Jisroel Paris und Agudas Jisroel Chikago, haben sich eingefunden, um die wichtigen Probleme der Aguda# Jugend zu besprechen. Plerr Rabbiner Rothschild erstattete den Be# rieht über die bisherige Tätigkeit des Landesverbandes, für •die ihm: der Delegiertentag den wohlverdienten Dank und Anerkennung zum Ausdruck brachte. Nach Erstat# tung des Kassaberichtes durch Herrn Herzog ent# wickelte sich eine rege Debatte über die Zukunftsarbeit des Landesverbandes., Gar manche Vorschläge und An# träge wurden seitens der Delegierten gemacht, die zu der Hoffnung berechtigen, daß es dem Landesverband gelingen wird, die in allen Teilen Oesterreichs versprengte Ortho# doxie um die Fahne der Agudas Jisroel zu sammeln und zu einer widerstandsfähigen und starken orthodoxen Gruppe zusammenzuschließen. Einen ganz breiten Raum hat die soziale Not der orthodoxen Jugend auf dem Dele# giertentag eingenommen und es wurde insbesondere be# schlossen, eine rege Zusammenarbeit der einzelnen Gruppen auf dem Gebiete der Stellenvermittlung, durch gegenseitige Bekanntgabe der Vakanzen und Stellen# suchenden herbeizuführen. ,;V Im Rahmen der Tagung hielt Herr Dir. Doktor Deutschi ander ein ausgezeichnetes Referat über das Thema ״Jüdisches Geistesleben der Gegenwart“, für das ihm . die überaus zahlreich anwesenden Balebatim Eisenstadts anhaltenden Beifall spendeten. In den Vorstand des Landesverbandes wurden ge# wählt die Herren Lazar Aschkenazy, Viktor Baümgarten, M. Berkovits, Fiermann Bondi, Nechemje Diekmann» Heinrich Herzog, Josef Keßler, Bernhard LeViritör. Rab# biner M. Rothschild, Elieser Scheer, Ernst Spitzer, Sig# mund Stern, David Türkl, Artur Weiß (Wien); A. Breuer (Mattersburg); S. Fried (Frauenkirchen); M. Kaufmann, Theodor Klein (Baden bei Wien); Alex Oesterreicher (Frauenkirchen); Jenö Riegler (Kobersdorf);,Leser Rosen# berger (Wiener#Neustadt). Unter den Klängen der Agudahymne schloß ,Herr Sigmund Stern die glänzend verlaufene Delegiertentagung mit einem warmen Appell an die Anwesenden, sieh voll und ganz in den Dienst 4er gemeinsamen großen Sache z.u stellen. —1, ‘ Spendet für den der Adas Jisroel, Wie0;i5JI^Nestroygasse 11.

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