Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 46 (27.11.1931)
- Date
- 1931-11-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Eine Ab־ qrdfiung des jüdischen Zentralkonsistoriums, besuchte heute clen netien Unterrichtsministcr Mujrawijew, den sie über die kritische Lage der jüdischen Schulen aufklärte und dem sie ihren Standpunkt betreffs der Erhaltung dieser Schulen; aus‘ öffentlichen Mitteln darlegte, Der Minister stimmte der Forderung des Konsisioriums nach gesetzlicher Gleichstellung der jüdischen mit den bulgari־ sehen Landesschulen grundsätzlich zu. und versprach, sich für die Verwirklichung dieses Zieles persönlich einziisetzen. Das ■Konsistorium hofft, daß sich eine günstige Gelegenheit zur konkreten _ Regelung dieser Frage• in den nächsten Monaten ergeben werde. Zunahme der jüdischen Bevölkerung in der Tschechoslowakei. Das Statistische Staatsamt veröffent־ .licht vorläufige Ergebnisse über den Zuwachs der jüdi־־ sehen Bevölkerung in der Volkszählungsperiode 1921—1930. Danach bat sich die Zahl der Juden;dem Bekenntnis nach von 353.978 auf 3651768 erhöht, das heißt, sie ist um 0,8 Prozent gewachsen!und stellt 2,42 Prozent der Ge־ samtbevölkerung. dar, gegen 2,4. Prozent im Jahre 1921. Im Gegensatz zu dieser Gesamttendenz steht die.Bevölkerungs# , Bewegung in den historischen Ländern. Während alle an־ deren Konfessionen durchwegs zugenommen haben, sind die Juden in Böhmen um 3492 (4,3 Prozent) und in Mähren und Schlesien um 4082 (8,9 Prozent) zurückgegangen. Dieser starke Rückgang, in erster Reihe infolge Geburten־ rückgang und erhöhter ,Sterblichkeit, wird durch Karpa־ thörußland wettgemacht, wo die Zahl der jüdischen Be־ völkerung um 9466 oder 10,2 Prozent zugenommen hat, während der Zuwachs in der Slowakei nur 7,81 (0,6) Pro־ . zent) beträgt. : , ' ' , . Große Sendung echter, herrlicher Perserteppiche angelangt welche zufolge günstigen Einkaufes zu äußerst billigen Preisen äbverkauft werden im Teppichhaus Biichler, Bratislava, > Hochstraße 1. jüdische Auswanderung aus der Tschechoslowakei im Jahre 1930. Nach Mitteilungen■ des statistischen Staats־ amtes sind aus der Tschechoslowakei im Jahre 1930 ins־ gesamt 510 Personen jüdischer Konfession, 346 jüdischer Nationalität ausgCwandert,. ״davon 413 (287) in über־ seeiscfie, 97 (59) in. europäische Staaten. Die Auswan־ der.ung nach U. S. Ä. betrug 193 (124), nach Kanada 23 (13), Argentinien 172 (138), Mixiko 3 (1), Uruguay 6 (4). •Nicht inbegriffen in dieser Auswanderung ist die palästinensische Emigratipn, die nach Schätzung , ,des Palästina־Amtes im Jahre 1930 70 Seelen betrug. — Von den, europäischen Emigranten wandten, sich 55 (40) nach Belgien, 24 (11) nach Frankreich, 6 (4) nach Deutschland, 1 (1) nach U. S. S. R.^ — Den Herkunfts־ ländern nach kamen von den Emigranten 280 (264) aus Karpathorußland, 194 (80) aus der Slowakei, 9 (1) aus Mähren und Schlesien, 27 (1) aus Böhmen. Rückgang der jüdischen Ehescheidungen in Polen. Die Zahl flfir jüdischen Ehescheidungen in Polen ist in der letzten Zeit bedeutend zurückgegangen. Ira abgelaufenen .Halbjahr wurden vom Warschauer Rabbinat bloß 85 Scheidungen durch geführt, was einem Drittel der früheren Durchschnittszahl entspricht. Im Monat Juli gub es bloß zwei Scheidungen. Das Rabbinat führt diesen Rückgang auf die Wirtschaftskrise zurück, die es zahlreichen Juden unmöglich mache, die Scheidungstaxen aufzubringen. , ׳ In Warschau wird eine Reformsynagoge erbaut. Eine Gruppe extrem־liberaler Juden Warschaus hat sich zu einer G. m. b. H, zusammcngeschlossen, deren Zweck es ist, in Warschau eine Reform־Gemeinde zu gründen und eine Reformsy'nagoge zu erbauen, in der der Gottesdienst (mit Frauenchor) anstatt an Sabbattagen an Sonntagen stattfinden wird. (Im Augenblick die drin־ gendste Sorge der polnischen Judenheit. Die Red.) Die Synagoge von Grünsfeld abgebrannt. Einem Brande, dessen Ursachen bisher noch nicht geklärt werden konnten, ist die Synagoge in Grünsfeld bei Tauberbischofsheim zum Opfer gefallen. Die Ge« meinde hatte sie erst vor drei Jahren unter großen Opfern restaurieren lassen. Da das Feuer in den frühen Morgen* stunden aüsbrach und 4ie Läseharbeit etwas spät ein* setzte, sind npr noch die Grundmauern des Baues übrig geblieben, Eine junget Frau und zwei alte Männer bargen unter Lebensgefahr' die ThoraroUen• Gluisüicbei• ReUgionsuntemcht füi־ jüdische . Sghiiler in Rumänien י,׳ ' , Ungeachtet ^r yerdrdnüng, dal^ljüdiacheASQbüler vom Bs^ueh läer christlichen Religionsstunde befreit sind, kommt es noch häufig vor, daß jüdischer Sehüler an rumänischen •Staatsscbulen unter dem moralischen Druck, der mitunter• von einzelnen Lehrkräften auf sie ausgeiibt wird, dem christlichen Religionsunterricht beiwohnen. Zu welch schweren inneren Konflikten dieser ,Vorgang bei jüdischen Schülern führem kann, zeigt ein Fall, der sieh vor kurzem an einem Bulcarester Lyzeum ereignete. Ein Schüler, Sohn eines Bukarester Rabbiners, war von seinem Direktor, der mit dem an der Schule als Religionslehrer wirkenden Popen eng befreundet ist, veranlaßt worden, an dem christlichen Religionsunterricht teilzunehmen. Ob־ Wohl der Schüler erklärte, er werde einen jüdischen Religionskurs besuchen, bestand der Direktor unter dem Hinweis, es werde in der christlichen Religionsstunde zu־ nächst das Alte Testament, das ja auch für die Juden bestimmt sei, behandelt werden, auf seinem Verlangen. An der Schule. steht ein vom Unterrichtsministerium approbiertes Rcligionslchrbuch in Verwendung, in dem an die Geschichte von' Kain und Abel folgende Betrach־ tung angeschlossen ist: ,,Ebenso wie Kain hat das jüdi־' sehe Volk seinen Bruder, den Heiland Christus, getötet. Aber wie Kain wird das Volk, das den Gottessohn ge־ tötet hat, das Zeichen Vbn Gottes Fluch an der Stirne tragen.“ Als der jüdische Schüler bei einer Prüfung auf־ gefordert wurde, die Geschichte von Kain und Abel zu erzählen, gab er sie in der Form, wie sie in der Bibel enthalten ist, wieder. Der Pope forderte jedoch, daß der Schüler die* Frage auf Grund der im Lehrbuch enthaltenen Fassung beantworte und klassifizierte ihn, als er dies vef־ weigerte, mit der Note ״Ungenügend“. Die berufenen jüdischen Instanzen haben Schritte eingeleitet, um eine Wiederholung solcher Fälle unmöglich zu machen. Wie Wilhelm Vazsonyi Minister wurde. Die Gattin des vor etwa fünf Jahren an den Folgen eines antisemitischen Ueberfalles auf ihn und der dabei ausgestandenen Aufregung verstorbenen früheren ungarischen Justizministers und liberalen Führers Wilhelm Vazsonyi gibt jetzt Erinnerungen an ihren Gatten in Buchform heraus.. Sie erzählt: Als Graf Moritz Esterhazy im Jahre 1917 Vazsonyi däs Justizportefeuille anbot, sagte Vazsonyi: ״Es ist eine große Frage, ob mich der König (Karl) IV.) ernennt, wenn er erfährt, daß ich Jude bin. Ein Mißverständnis würde nicht nur für mich, sondern auch für meine KonfessfjDn^ unendlich peinlich sein.“ Esterhazy klärte den König auf, der erwiderte: ״Die Kon־ fession meines Ministers geht mich nichts an. Die Frage ist die, ob . er ein anständiger Mensch ist oder nicht.“ So wurde Vazsonyi als erster Jude Minister in der alten Monarchie. Er, blieb es bis zum Stürzender Monarchie. Vazsonyi war ein Vorkämpfer des ungarischen Judentums. Oldenburgiischer Landtag lehnt Schächtverbot ab. Wie die Reichszenfrale für Schächtangelegenheiten der Jüdischen TelegrÜphen־Ägentur mitteilt, ist am 3. No־ «yember im oldenburgischen Landtag ein. Schächtverbots־ antrag abgelehnt" worejen. Dem Landtag hatte ein Antrag von nationalsozialistischer Seite Vorgelegen, die in der bisherigen Bestimmungs des Staätsministeriums ausdrück־ lieh festgelegte Genehmigung des ritualen Schlachtver# fahrens (Schächtens) auf zuheben. Welchen Motiven dieser Antrag entspringt, beweist die Tatsache, daß eine gleich# zeitige Aenderung des in derselben Bestimmung vor־ gesehenen Betäubungszwanges mittels Kopfschlages eben־ sowenig wie in Bayern beantragt wurde, obwohl beim Kopfschlag anerkanntermaßen unerhörte Grausamkeiten durch wiederholte Fehlschläge Vorkommen. Der Antrag auf Einführung des Schächtverbots wurde mit den Stimmen der sozialdemokratischen, Zentrums־ und kom־ munistischen Abgeordneten abgelehnt. Terike Kösch Fel Dawid Lewin Pieäfany Verlobte Jüdisches Fräulein wird zu Kindern, welche die zweite Volks־, respektive die erste und dritte Bürgerschulklasse besuchen, in ein orthdoxes Haus für sofort aufgenommen. Fräulein mit Unterrichtskenntnissen wird bevorzugt. 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