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Jüdische Presse · 1931-11-20 · 45 (20.11.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
45 (20.11.1931)
Date
1931-11-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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OROJUI PUN MC INTEIIESSEN DES MTNOBttHI JUDENTUM)!. Zeitöngcn vöffr Vafüg*r fififadib joütnai wpmfp&ftmm tlädfliMi t iiligiAlaf N0vifi0v6 v$platn£ v Bratislava £!§> 41572<tlW Redaktion 11. Administration! Wien, 11, Leopolds« gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A94»0»49״. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 146. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag L . Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. k. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 bollar. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse“, Wien für Oester- - reich t Postsparkaseenkonto Nr. 0*93614; Deutschland 1 Post« Scheckkonto Bettin Nr. 122619; Jugoslawien t Postspk.*Amt ZagrebNr. 40217; Polen t Postspk.*Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn t Postspk.*Amt Budapest Nr. 60170;׳ Schwele t Post* scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei f tJü* dlsche Presse“, Bratislava, Postspk.*AmtPrag Konto Nt. 53386 Nr. 45 | Wien-Bratislava, 20. November 1931 .ביו! וינא־פרעסבויג י׳ כסלו תרצ׳ב 17.Jahrg. in Brünn Wie uns aus Brünn berichtet wird, herrscht dort in der jüdischen Bevölkerung wegen der ׳Teilnahme des Oberrabbiners Dr. L e v y an einer Leichenverbrennung große Erregung. Auch die in religiösen Dingen sonst laxeren Kreise sehen in dieser Stellungnahme des Ober« rabbiners einen schweren Verstoß gegen das überlieferte Judentum und haben ah das Beth Dni appelliert,;dessen Entscheidung mit großem Interesse erwartet wird. . * Leichenverbrennung. Wir haben im vorigen Jahre anläßlich eines Pro־ zesses, den die Prager Chewra. Kadischa wegen ihrer Weigerung, Aschenurnen auf dem jüdischen. Friedhof bei« zusetzen, mit׳ dem Besitzer einer' frühemerworbenen Grabstätte führen mußte, darauf aufmerksam gemacht, wie dringend ' geboten es erscheine, daß die Chewroth Kadischoth und jüdischen Ge« meinden durch rechtzeitige e r g ä n z׳e n de׳ Bestimmungen in ihren Statuten für solche Fälle Vorkehrungen treffen. Jetzt tauchte ׳diese Frage in Brünn auf. Dort hat. der ״Zaddik“ Oberräbbiner Prof. Dr. L e v y im Kre«־ matoriuni eine ■ jüdische ׳Leicheל , vor ׳der Einäscherung ״eingesegnet“. Darüber sind sogar manche unter den Brünner Juden sehr erregt. Denn an der Schwelle des ״ewigen Lebens“ möchten doch in der Regel auch solche die Pietät gegen das jüdische Religionsge.setz gewahrt wissen, die sonst —• bei der heutigen Generation schon wohl zumeist als תינוקות שנשבו בין העס״ם a״s Unkenntnis ihrer Religion ünd aus ärierzogener Entfremdung von ihr— dem Anreiz zur Sünde nicht widerstehen können. Der Oberrabbiner von Brünn denkt aber nicht so ״inkon« sequent“ und glaubt, sich angesichts der Feuersglut des Krematoriums und vielleicht auch □אפילו בפתחו של ניחנו über die klarsten Entscheidungen der religiösen Auto־ ritzten hinwegsetzen zu können. Er behauptet steif und, fest, daß die Einäscherung von Leichen — ünd dann auch selbstverständlich die Mitwirkung der religiösen Funk־ tionäre bei einem solchen Akt ,— vom jüdischen Reli« gionsgesetz gestattet sei. Die Gemeindeleitung soll nun über das Verhalten: ihres Oberrabbiners, bzw. über die Berechtigung des Protestes gegen sein Verhalten, zu’ Gericht sitzen. Wie sie sich aus diesem Dilemma herauswinden wird, ist noch nicht bekannt. Denn, wenn man Juden in den historischen Ländern unserer Republik auf Grund eines veralteten Gemeiridegesetzes nötigen kann, entgegen ihrer religiösen Ueberzeugung, die ihnen auch bezüglich des Gemeindewesens .gebietet, dem Religions« gesetz im überlieferten Sinne die Treue zu bewahren, einer Gemeinde als Mitglieder anzugehören, die einen solchen Rabbiner hat, ist es nicht gut ersichtlich, weshalb der nun einmal allen in Brünn wohnenden Juden aufgezwungene Oberrabbiner sich aus־ gerechnet im Bestattungswesen nicht gegen das thora־ treue, orthodoxe Judentum auflehnen sollte. Dieser Fall zeigt eben wieder einmal, in welch furchtbarer geistigen. Lage sich orthodoxe Juden auch in unserer Republik befinden können, insolange ihnen nicht auf dem ganzen Gebiete der Tschechoslowakischen Repu« blik ohne Einschränkung gesetzlich gestattet ist, von dem primitivsten Recht der religiösen Freiheit, nämlich von der Gründung separater selbständiger orthodoxer Ge« meinden, Gebrauch zu machen. Anderseits müssen wir den ehrw; Herren Rabbi- und Kultusgememde nern die dringende Notwendigkeit in Erinnerung bringen, darauf zu achten, daß keine Chewra!Kadischa es versäume, sich gegen Fälle düs Ueberganges des Eigen« tumsrechtes von gekauften Grabstätten auf solche Per« sonen, die sich oder ihre Angehörigen dem Religions־ gesetz zuwider einäschern . lassen wollen, rechtzeitig gesetzlich zu schützen. Auch in Bratislava beschäftigt riiari sich seit; geraumer Zeit! mit der Errichtung eines Krematoriums. Es liegt nahe, daß dadurch auch unter den slowakischen Juden für die Leichenverbrennung Pro־ paganda gemacht werden wird. Daraus könnten vorkom* menden Falles auch orthodoxen Gemeinden Unanehmlichkeiten entstehen, wenn nicht vorgebeugt wird. — in Wien? •' ,׳ ן Zur Zeit,, als die obige Stellungnahme unserer Bratislavaer Redaktion erfolgte, . dachten wir in Wien noch nicht daran, daß auch hier eine. Stellungnahme er« forderlich werden könnte. Wir entnehmen der nach« stehenden Zuschrift eines, wife es scheint, besser als wir informierten ,Lesers, daß .allem Anscheine nach auch in Wien die Leichenverbrennungsfrage aktuell ist. Wir be« dauern* daß Kültusgemeinde dnd Rabbinat es ünterlassen, die Jüdische und ..namentlich »«die. in• diesen Dingeh in erster .Linie interessierte! gesetzestreue Bevölkerung. über die Vorgänge rechtzeitig zu informieren. Die Red. Ein trauriges Kapitel. Die Ruhe eines Friedhofes, die sich sonst im religiösen Leben der Wiener Kultusgemeinde schmerzlieh fühlbar macht, wird durch die brennendste Frage der Gegenwart verscheucht. \ Wozu sich bisher noch keine Konfession entschlössen hat, die religiöse Weihe bei Leichenverbrennungqn zu gestatten, soll auf Grund eines Gutachtens des Rabbinats vom Vorstand!bewilligt worden sein. Es steht mir als Laien nicht das Recht zu, mich in wissenschaftliche Diskussionen über die Zulässigkeit oder Unzulässigkeit einzulassen, es genügt zur Bekräftigung eines entschiedenen Vetos, daß selbst Herr Oberrabbiner Chajes diesen Brauch als un.jüdisch Gezeichnete. ־— Seit jeher war im Judentum das Beerdigungswesen eine heilige Sache lind die vornehmste Aufgabe der Chewrah Kadischa war es in allen Zeiten, für eine würdige Beerdigung selbstunter eigener Lebensgefahr Sorge zu tragen. Welche^'Kämpfe würde es mit sich bringen, welcher Schrei der Entrüstung laut werden, wie einmütig würde sich die jüdische Gesamtheit dagegen auflehnen, wieviele sachliche und gefühlsmäßige Argumente anführen, wenn die Leichenverbrennung zum Staatsgesetze aus welchem Grunde immer erhoben würde. Und dennoch soll unsere Gemeinde als eine der ersten es gestatten, daß ihre Funktionäre. auch bei Verbrennungen mitwirken dürfen? Ahnt der Vorstand der Wiener Kultusgemejnde, welche Entfremdung uncl Befremdung eine solche Entscheidung hervori'ufeir würde und dein Frieden und'der Einigkeit der Gemeinde bedrohliche Gefahr bedeutet? Wäre es nicht zumindest, die Pflicht der offiziellen Vertreter der Wiener Orthodoxie, die Oeffentlichkeit von diesen Absichten zu unterrichten, wenn solche schwerwiegende Fragen zui• Debatte stehen? Weiß der Vorstand, daß die orthodoxen Vertreter ihr Mandat niederlegen, wenn ihre*״Warm1n£ vergebens, ihr Protest unbeachtet bHebfe? Ich höre nichts von einberufenen .Protestversammlungen über die beabsichtigte*, jede ׳;Tradition verletzende Neuerung, vermisse diese Kampfstimmung selbst in konservativen Blättern, die scheinbar nicht unterrichtet sind von diesen schwerwiegenden, im Schoße der Gemeinde geführten Verhandlungen. Jetzt wäre es noch Zeit, dagegen zu remonstrieren, denn es ist nichts damit getan, nachträglich!Klagen und Anklagen zu erhöben. Es ist ein talnuidiKoher Lehrsatz, daß jeder die Vera ntwortung trägt für die Gesamtheit. Eile tut *110t.' O. N. Brief aus Cernowitz. Von Bernhard Rippe! (Czernowitz). Sonntag, der 18. Oktober, war für die Judenschaft in Czernowitz ein denkwürdiger Tag. An diesem Tage hatten beide extreme Pole der Judenschaft-an demselben Orte und zu gleicher Zeit die großen Probleme des Judentums berührt. Die Agüdas Jisroel hatte für 3 Uhr nachmittags in den kleinen Sitzungssaal des ■jüdischen Hauses eine Versammlung einberufen, mit der Tages« Ordnung: Die Wichtigkeit der Beth«Jaköb«Schule, während der jüdischssozialdemökratische Bund für eine Stunde später eine jüdische Volksversammlung in den großen ,Saal des jüdischen Hauses einberufen hat mit •der Tages« Ordnung: Was wird das Ende der Kultüsgemeinde? Bei diesem Anlässe■ muß zunächst festgestellt werden, daß unsere Glaubensgenossen eine auffallende Bescheidenheit an den Tag legen, wo es sich handelt, nach aiißenhin ihren jüdischen Standpunkt zu manifestieren. In ihrer Mitte aber wird jede noch , so glänzende Tugend' durch.die anmaßende IJeberhebung und׳־durch das rück«' sichtsloset Verhalten sowie das ungestüme. Drängen in den dunkelsten Schatten gestellt.' Aus deh zahlreich besuchten früheren Versammlungen hätten die Veranstalter die Er« fahrung, daß diese Organisation der Orthodoxie sich : der Sympathien der großen jüdischen Mässen erfreut, und hätten daher für diese wichtige Versammlung den großen Saal ansprechen sollen. Sie haben das aber aüs Bescheiden« Chanukafest Montag, den 7. Dezember, 7 Uhi* abends, im Festsaäl des Hotel ״Post“, 1., Fleischmarkt, zugunsten der Schülerausspeisung an der Talmud-Thora-Volks- und Hauptschule, II., Malzgasse Nr. 16, Telephon A-47-6-43 Programm: 1. Anzünden der Chänükalichter 2. Chanukalieder (Schülerchor) 3. Festrede: Oberrabbiner Dr.H. Carlebacb, Baden bei Wien Pause 4. Popa-Grama-Streichquartett (Georg Popa-Grama, Ph. Scharf,; F. Deutsch, E. Friedländer);. Grieg: Streichquartett,. 1. Satz■ 5. Drei Einakter a) Schachpartie b) Was kommt 1*ns , davon heraus? (Mai ko־maschma Ion) c) Die Wandlung einer Melodie (Gilgul vun a Nigun) Karten von S 10.— bis S I,— mallen jüdischen Buchhandlungen sowie in der Schülerausspeisung der weltbekannten Perückenwerkstätte Wien I, Kärntner! 1 141׳.:jp, 6׳ (HotefB^iato1!) Tel! ׳ U16״ 1 * 47 יי

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