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Jüdische Presse · 1931-11-13 · 44 (13.11.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
44 (13.11.1931)
Date
1931-11-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Noviäovd v£platf16 povolenC riadlt pöSf 6 telegrafov v Bratislava 21s, 41572#III*2Ö. mm Zeituögen vom Verleger titieiileL Joaraäl expadie pir P4d!tem. V.b,b. JÜDISCHE PRESSE OMUUI HMI MK MTERE9SEN DES BRTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien, H, Leopolds# gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock« — Tel. A»49#0#94. Tschechoslowakei*. Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. ' Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zehrungen auf Konto .Jüdische Presse*, Wien für Oester* reich 1 Postspatkasicnkonto Nr. D-93614; Deutschland i Post* seheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien» Postspk.-Amt Zagreb Nr« 40217;. Polen! Postspk.*Amt Warschau Nr, 19Ö409; Ungums Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schwelet Post* scheekk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei t ״Jüdische Presse*, Btaüstava, Postspk.-Amt Prag KontoNf. 53386 ■ Nr. 44 Wien-Bratislava, 13. November 1931 .17 | ב־ה דנא־פיעסבויג ג׳ כסלו תרצ׳ב. Jahrs* Notstandsaktion der israelitischen Knltnsgemeinde nnd der jüdischen Organisationen in Wien Ein Winter, für Hnnderttaiisenfle so schwer wie seit langem nicht, steht bevor. Hunger nnd Kälte, die grimmigsten Feinde der Menschen, drohen mit ihren Schrecken den einzelnen Notleidenden, drohen aber auch der Gesamtheit mit den unabsehbaren Folgen der Verzwciflung. Unter Führung des Wohlfahrtsamtes der Stadt Wien hat sich die Aktion ״Winterhilfe“ konstituiert, in deren Kuratorium auch die Juden Wiens durch die ״Zentral .kommission f ii r soziale Fürsorge d e r i s r a e 1 i t i s c 11 c n K 111 t u s gemeinde Wie n“ vertreten sind. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Judenschaft, wie immer bisher, mich in diesem Falle als ein pflichtbewußter und opferbereiter Teil der Gesamtheit die allgemeine Aktion in weitestgehendem Maße unterstützen wird. Aber diese Aktion muß sich damit bescheiden, in erster Linie den a u s g c steuerten A r b c itslosen zu helfen, dann erst kämen die anderen Notleidenden eventuell in Betracht. Gerade aber unter diesen anderen Notleidenden befindet sich ein sehr großer Teil erwcrbsloser Juden, die entsprechend der sozialen Schichtung der jüdischen Gesamtbevölkerung Angehörige der freien Berufe, Handels- oder Gewerbetreibende sind und daher niemals im Bezüge einer Arbeitslosenunter- Stützung waren. D esha 1 b m u ß die j ü dische G em e in sc h a f t wie immer für die besondere J u d e n not ein weiteres Op f e r bring e n. Diese Not ist unbeschreiblich groß; sie wirkt um so drückender, als es sich vielfach um Menschen handelt, die — bis vor kurzem noch wohlhabend und gebefreudig '— jetzt auf fremde Hilfe angewiesen sind. Zu dieser Hilfeleistung rufen wir die Juden Wiens auf! Einfachste Nahrungsmittel und ein wenig Kohle wollen wir den Allerbedürftigsten bieten. Wir wären glücklich, wenn wir wenigstens den kinderreichsten Familien, den Alten und Kranken diese Hilfe bringen könnten. Wir wissen, daß niemand von der Not des Tages., verschont ist. Trotzdem ist es für jeden, der für sich und die Seinigen vor den Unbilden des Winters, vor Not und Kälte geschützt ist, unabweisliche Menschenpflicht, den Hungernden und Frierenden unter uns beizustehen. Viele Tausende warten sehnsüchtig־ auf Hilfe! Geben Sie rasch und ausgiebig! Auch Natiiralspenden sind willkommen! Jeder Schilling, den Sie spenden, bewahrt einen Menschen einen Tag lang vor Hunger und Kälte! Spenden erbeten an die Fürsorgezentrale der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I.y Seitenstettengasse 2 (Telephon Nr. U-25-5-85 Serie, Postsparkassenkonto B-29.659). Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Zentralkominission für soziale Fürsorge der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Union österreichischer Juden, Zionistischer Landesverband für Oesterreich, Vereinigung werktätiger Juden, Agudas Jisroel, Landesverband Misrachi, Poale Zion, Verband der B’nai-B’rith-Logen, ״Weibliche Fürsorge“, Verband von Wohlfahrtsvereinen, Die jüdischen Fürsorge ver eine und -anstalten Wiens. Großes Chanukafest Montag, den 7. Dezember, 7 Uhr abends, im Festsaal des Hotel ״Post“, I, Fleischmarkt, zugunsten der Schiilerausspeisung an der Talmiid-Thcra-Volksü• Hauptschule, II, Malzgasse 16• Reichhaltiges, künsllerisches Programm Festredner Obeirabbiner Dr. H. Carlebach, Baden bei Wien Das Testament eil Einer der größten Wohltäter der Menschheit war der am 25. Oktober 1930 in Lausanne nach einem erfolg־ und tatenreichen Leben dahingeschiedene Professor Wal־ demar M. H a f f k i n e. Er war im Jahre 1860 in Priluki (in der Ukraine) geboren. Sein Vater stand in den Diensten des Barons Jewsel Ginsburg und war ein Maskil! (Aufklärer). Seine Mutter starb früh, und das Kind fühlte sich vereinsamt, da der Vater oft abwesend war. Er be־ suchte das Gymnasium in Berdjansk, dessen Direktor ein vortrefflicher Pädagoge war. Haffkine lernte sehr gut, war auch der Erste im Sport. Nach Beendigung des Gymna־ siums bezog er die physikalisch־mathematische Fakultät in Odessa und wählte als Spezialstudium Zoologie. Kurz vor der Absolvierung seiner Studien wurde er! wegen eines Zerwürfnisses mit dem Rektor ausgeschlossen, aber dank der Intervention des bekannten Biologen Metschni# kow, dessen Lieblingsschüler Haffkine war, wurde er trotzdem . zum Schlußexamen zugelassen. Metschnikow erwies Haffkine abermals Beistand, als erzur Zeit seines Dienstes als Einjähriger einen Zusammenstoß mit einer Gruppe von Kadetten hatte und vor Gericht erscheinen mußte. Die Kadetten hätten ein jüdisches Haus ge# plündert; Haffkine setzte sich fiir seine Glaubensgenossen ein. Er wurde von den Rowdies am Kopfe verwundet. Dieser Vorfall prägte sich ihm" ein und vertiefte sein Ver־ hältnis zum Judentum. Die Fakultät schlug ihm vor,- die Gelehrtenlaufbahn zu ergreifen, unter der Bedingung, daß er sich taufen lasse. Haffkine wies das Anerbieten zurück und ging ins Ausland. Im Jahre 1888 wurde er Assistent des bekannten Physiologen Schiff in Genf, später ging eran das Pasteur# sehe Institut in Paris, wo er zunächst als Assistent seines ehemaligen Lehrers Metschnikow arbeitete. Er stellte eine neuartige Vakzine mit abgeschwächtem Virus gegen die Cholera her und probierte diese Einimpfung an sich selber und an einer großen Anzahl von Personen, Medi# zinern Und Wissenschaftlern. Er war überzeugt, daß man durch diese Methode der Einimpfung die Cholera und ihre Folgen wirksam bekämpfen könne. Die letzte große Seuche forderte allein in Rußland 100.000 Menschenleben. Im Jahre 1912 erlosch die Cholera in Europa, um noch ein einziges Mal während des Welt# krieges unter den russischen Truppen und, durch sie übertragen, in der österreichisch־ungarischen Armee auf# zuflackern. Den hervorragendsten Anteil) an der Unschädlich# machung dieser Krankheit hat Waldemar Haffkine. Als im Jahre 1892 in Rußland während der großen Hungersnot die Cholera ausbrach, stellte Haffkine der russischen Regierung seine ׳Dieüst'e zur Verfügung, aber diese wollte lieber* wie in einem Aufsatz, über Haffkine ausgeführt wird, daß die Bauern mit einem Gebet fü^ den Zaren dem Tode verfielen, als -durch 'Hilfe eines Juden am Leben blieben. . Der englische Botschafter , in Paris, Lord Dufferin, früherer Vizeköpig von Indien, wurde auf Haffkines Ver# suche aufmerksam gemacht. Als die Cholera im J^hre 1893 in Indien, ausbrach, wurde Haffkine von der eng# Iischen Regierung zur Bekämpfung derselben berufen• Er hatte anfangs - große Schwierigkeiten zu über# winden; die Eingeborenen wollten von dem weißen Manne, der mit Nadel und Phiole umging, nichts wissen. Mit der ihm innewohnenden Zähigkeit ging Haffkine ans Werk. Er impfte große Teile der Bevölkerung — Reisende ln Eisenbahnzügen, Schulkinder und, Bewohner ganzer 1es großen Juden, Stadtviertel. Die Erkrankungen reduzierten sich bei den geimpften Personen auf ein Zwanzigstel. Die eingeborene Bevölkerung zeigte sich angesichts der günstigen Ergeb# nisse freundlicher, und in späteren Jahren genoß der ״weiße Magier“ große Verehrung im Lande. Nach zwei# einhalbjähriger aufreibender Arbeit erkrankte!Haffkine an Fieber und ging zur Wiederherstellung seiner Gesund# heit nach England. Im Frühjahr 1896 kehrte er nach Indien zurück, und als im Herbst dieses Jahres die Pest ausbrach, sah er sich vor neue große Aufgaben gestellt. Es galt, eine Vakzine mit abgeschwächtem Virus auch gegen diese Seuche herzustellen, was Haffkine gelang. Er spritzte sich selber eine vierfache Dosis ein und impfte 152 Insassen eines Gefängnisses in Bombay. Einer von ihnen erkrankte an der Pest, blieb jedoch am Leben. Von 172 nichtgeimpften Insassen erkrankten sieben, von denen zwei starben. Die Impfungen wurden daraufhin massen# weise vorgenommen und die Resultate waren erstaunlich. In den Dörfern des Punjab allein wurden 186.797 Per# sonen geimpft, 639.630 blieben ungeimpft. Von ersteren erlagen der Pest 814 Menschen, während von den letz# teren 29.623 starben. Die Sterblichkeitsziffer unter den Geimpften sank in Indien auf 15 bzw. 8 Prozent. Hun# äerttausende verdankten. Haffkine ihr Leben. Das Regie# rungsinstitut zur Bekämpfung der Pest ־in Bombay, dessen Direktor er seit 1896 war, trägt heute seinen Namen. Bei einem Empfang, den der Klub der Maccabeäns in Lori# don im Jahre 1899 Haffkine gab, sprach der berühmte englische Chirurg Lister über ״den ungeheuren Dienst, den Haffkine Indien und durch Indien England“ erwiesen habe. Lister führte weiter aus, daß ״Unter allen ver# ächtlichen Dingen es nichts Verächtlicheres als den Judenhaß gebe“. Haffkine war und blieb ein treuer Bekenner des Judentums. Seit 1915 begann er, sich mit jüdischen Pro# blemen zu beschäftigen. Er kam immer mehr zur Ueber# zeugung, daß die Religion das Judentum erhalten habe und daß die Zukunft desselben auf der Pflege und Ent# faltung der traditionellen Lehre beruhe. Die Förderung des Thorastudiums betrachtete er als wichtigste Aufgabe. Diese Ansichten legte er in einem Aufsatz ״On Jewish Endurance“ nieder, der auch französisch unter dem Titel ״La Vitalite du Peuple Juif“ und holländisch erschienen ist. In der Wochenschrift ״Jewish Chronicle“ vom 4. Mai 1923 veröffentlichte Haffkine einen Artikel über , die Vor# züge der traditionellen jüdischen Schächtmethode« Während der Friedenskonferenz in. Versailles über# reichte Haffkine am 15. Mai 1919 mit einigen anderen jüdischen Persönlichkeiten im Namen des Comite de Juifs de Paris descendants ׳de juifs de l’Europe Orientale“ den! Präsidenten der Konferenz ein Memorandum, in dem die bürgerliche und politische, Emanzipation der Juden in den osteuropäischen Ländern gefordert wurde. Es wurden verlangt: Rechte für die jüdischen Minoritäten, die autonome Verwaltung ihrer Gemeindeeinrichtungen, das Recht der Juden, die am Sabbat nicht arbeiten wollen, an allen anderen Tagen der Woche arbeiten zu: dürfen, die Gutmachung der Schäden, die die russischen Juden während der Pogrome in den Kriegsjahren erlitten hatten, die Anerkennung der historischen Rechte der Juden auf Palästina und ihrer Wünsche betreffs eines jüdischen Heims in diesem Lande. Der Völkerbund sollte durch besondere Organe die Verwirklichung dieser For# derungen kontrollieren. Im Jahre 1920 wurde Haffkine in das Zentral# Modernste Brautperücken der weltbekannten PerUckenwerkstätts Wien I, Kärntnerring Cf Tel» 0-4716״1י

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