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Jüdische Presse · 1931-11-06 · 43 (6.11.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
43 (6.11.1931)
Date
1931-11-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Novifiovd Wpiatfid p0voIen£ tiadit posta telegtafov 2eitu0gen vom Vetleger *artende{* V Bratislava äs. 41572*111*26. ' Journal exp^die paf ftdlteut. ■• ‘ f ■ י■ V, &, &, MiMI MM MC INTERESSEN DES ORTHODOXEM JUDENTUMS. JÜDISCHE PRESSE Redaktion u. Administration: Wien, lt, Leopolds« gasse 26, 1. Stiege, 1.. Stock. — Tel. A94*0*49״. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: , Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. 'IC. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse-, Wien für Oester* reich •. Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland t Post* scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien* Postspk.*Amt Zagreb Nr. 40217: Polen t Postspk.-Amt Warschau Nf. 190409; Ungarnt Postspk.-Amt Budapest Nr. 50170; Schweiz t Post* scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei t ״Jü* dische Presse-, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 43 | WIen-Braflslava, 6. November;1931 .ביר. וינא־פ-עסבורג כ״ו חשה תרצע 17. Jahrs* Der Herr Wolf S. Jacobson, Mitglied des G. A. der Agudas jisroel, hatte während seines Aufenthaltes in Wien ׳ die Liebens* Würdigkeit, unserem Redakteur nachstehen* den Bericht über den gegenwärtigen Stand der Aguda־Organisation zu geben. Die mir vorgelegte Frage nach dem Stand der a g u d i s t i s c h e n Organisation ist nach zwei Richtungen hin zu beantworten: 1. Der Stand der Organisation in den einzelnen Ländern, 2. die zentralen Organe. 1. Die Lage der Aguda in den einzelnen Länd e r n ist, wenn man die außerordentlich schwere Wirt־ schaftslage, die ja fast überall mehr oder minder stark auf unseren Menschen lastet, in Berücksichtigung zieht, als ’ im allgemeinen nicht unbefriedigend zu bezeichnen. Dies gilt insbesondere für die Länder mit starker jiidi* scher Bevölkerung. Das Ergebnis der letzten po'lni* sehen Gemeinde wählen, ebenso der große Sieg, den unsere lettländischen Freunde erst jetzt durch die Entsendung unserer beiden agudistischcn Führer, Dubin und; Wittenberg, in-•das lettländische .Parlamenterrungen haben, darf^als Symptom geAvertet werden und zeigt, daß die Kurve aufwärtsgeht. Besondere Aufmerk־־ samkeit werden die verantwortlichen Aguda־Instanzen jetzt und in den nächsten Jahren dem Land noch fast unbegrenzter agudistischer Möglichkeiten: Rumänien, zuzuwenden haben. Ich weiß zum Teil aus eigener Kennt־ nis und aüs ständiger Korrespondenz mit unseren dor* tigen aktiven Menschen, daß Agudas Jisroel, für uns eine leider zum Teil schon selbstverständlich gewordene־ Er־־ füllung, für dieses Land die starke Hoffnung ist: Die Alten und die Jungen sind in gleicher •Weise gerüstet, die von der Zentrale auszugebenden Parolen aufzunehmen und weiterzutragen. Ich habe mich besonders gefreut, daß die Besprechungen, die wir in den letzten Tagen im Wiener G. A. führten, sich vorwiegend mit der Er־־ Schließung und Bearbeitung dieser für die Zukunft außer־» ordentlich wichtigen Aguda־Provinz beschäftigten. Meine letzte größere Reise führte mich in die Slowakei. Die dort gewonnenen Eindrücke habe ich erst vor kurzem in den ״Blättern“ der deutschen Aguda niedergelegt. Ich bin davon überzeugt, daß auch in der Ostslowakei, selbst in den' Teilen, die heute noch Agudas Jisroel verschlossen sind, die agudistische Organisation, wenn auch nur in mählicher Entwicklung, festen Fuß fassen wird, wenn wir nur die Geduld nicht verlieren. Das agudistische Bewußt־־ sein bricht insbesondere unter der Jugend dort mehr und mehr durch, und im übrigen wird die Zeit dort für uns arbeiten. In meinem Heimatland Deutschland ist .das agudistische Leben zur Zeit ziemlich gering, die deutsche Landesorganisation ist aber doch so stramm organisiert, daß sie gewiß auch diesen Winter des Miß* Vergnügens mit G*ttes Hilfe überstehen wird. Die Or* ganisation in den übrigen Westländern befindet sich zum Teil auf dem alten Stand — Belgien, Holland, Skandinavien —, zum Teil beAvegt sie sich in auf־ steigender Kurve — England, Frankreich. Die Verhältnisse in Amer ika sind mir aus eigenem. Wissen nicht bekannt, ich kann Ihnen also darüber nichts sagen, Avohl aber ersehe ich aus den Arerschiedenen Berichten, die dem geschäftsführenden Ausschuß aus Erez Jisroel zugehen, daß unsere dortigen Freunde, soAvohl innen־ wie außenpolitisch, von■ außerordentlicher Aktivi־־ tät sind. Daß unsere dortigen Zeirim sich für unsere heiligen Ideale oft mit restloser Hingabe ihrer ganzen Persönlichkeit cinsetzen, ist den Lesern Ihrer geschätzten Zeitung Avohl aus den hierüber nach Europa gelangenden Nachrichten zur Genüge bekannt. 2. Leider trägt das Ressört der Agudas Jisroel, in Ayelchem ich speziell Mitarbeit zu leisten habe, den Titel ״Organisations* und F i n a n z a b t e i 1 u n g“, und das ZAvingt mich, hinsichtlich der zentralen Organe, die das agudistische Gefüge gleich Klammern zusammen־־ halten sollten, noch einige Bemerkungen zu machen. Die agudistische Arbeit in den ein־ zelnen Ländern ist, wie gesagt, nicht unbefriedigend, die Arbeit der Zentralen, ich denke hier in erster Reihe an den G, A, und die politische Exekutive, für die einzel ne n Landesorganisa־־ tionen ist nicht gering — ich nenne nur Kapitel־ Überschriften: Erez Jisroel, Kalenderreform, Sabbatruhe, Beth Jakob und Keren Hathora — die Arbeit der einzelnen Aguda־־Org an isationen für die Zentralen ist aber . leider fast gleich "Nul 1. Es war der Wille'der Keneäsio Gedaülöh, daß die einzelnen Länder — und die diesbezüglichen Forderungen Avaren sehr bescheiden und hatten schon von Anfang an die Notlage in den einzelnen Ländern diskontiert .— für die zentralen Organe, G. A., politische Exekutive und vor allem das wichtigste Zentralorgan, den rabbinischen ׳Rat, bestimmte Mindestbeträge bereitstellen. Während der Kertessio Gedauloh haben alle Landesorganisationen nach dieser Richtung bestimmte Verpflichtungen über* nommen. Zur Gänze eingelöst wurden sie A־on keinem Lande. Die meisten versagten vollkommen, und so sind unsere zentralen Organe Avirtschaftlich derart beengt, daß ihre Aktivität überhaupt einzig und allein nur der beispiellosen Hingabe und Selbstlosigkeit unserer Führer שלי״ט zu danken ist. Sie Aviinschen Bei־ spiele; ich nenne eines statt vieler: Auf unsere Wiener Jugend gruppe Avurde die Verpflichtung für einen Trumas Chower Nichbod, d. i. S 100 pro Jahr, gelegt. Die Wiener Gruppe, wirklich doch sonst in vielen Hinsichten ein Vorbild, hat bis zum heutigen Tag diese kleine Verpflichtung, diese eigentlich so beschämend geringe Ver* pflichtung, nicht eingelöst. Die Verhältnisse unserer Zentralkasse zAvingen mich, dies offen auszusprechen; die Wiein er J u g e n d g rü p'p e ist nur Beli־ spiel, aber eines der cliarakteristi* s c h e s t e n. Vielleicht dienen diese kurzen Ausführungen dazu, auch andere Gruppen, in denen, Ihr Organ gelesen wird, an ihre Verpflichtungen zu erinnern: Der einzelne und die Gesamtheit, die Zusammenfassung der einzelnen Lan* desorganisationen und lokalen Gruppen und die Vertreter der Gesamtheit, die zentralen Organe, sie gehören zu» sammen. Ihrer Verpflichtung gegenüber der Gesamtheit kann diese Zusammenfassung der einzelnen nur Ausdruck geben — so häßlich es sich anhört, so Avahr ist es — durch materielle Leistungen! Denn Hand wird nur von Hand geAvaschen; Avie im Kleinsten, so im Größten. Rituelle Kochkurse Im Dr.-KrUger-Heim, II, Malzg. 16, Tel. A-48-0-77 Nichts gelernt and — alles vergessen. ־ Ein deutsches Gericht hat den Avegen Beschimpfung einer Religion angeklagten Redakteur einer national* sozialistischen Wochenschrift, der auf Grund angeblicher Talmudzitate erklärt hatte, Talmud und Schulchan Aruchseien BeAveise dafür, von Avelchem verworfenen Geist die Juden beseelt seien, freigesprochen. Ein jüdischer Sach* verständiger Avar abgelehnt Avorden und so konnte das Gericht leicht in der Begründung feststellen, es gebe Stellen im Talmud, die den sittlichen Anschauungen Avidersprechen. Daß nun im Verlaufe eines solchen Ge* richtsverfahrens auch der ״Sachverständige“ Dr. Erich Bischoff unter Eid die Richtigkeit des sogenannten MenschenschächtgeSetzes bestätigen konnte, ist Aveiter nicht verwunderlich. Neu ist nur die Erkenntnis, die dieser Prozeß allen jenen Juden bringt, die glauben, ihr Juden* tum und ihren Talmud zu kennen und nun beschämt zu* geben müssen, daß sie noch viel von einem Dr. Bischoff zu lernen hätten, Vielleicht entschließt sich einmal doch endlich ein Rabbinerseminar oder gar die Preßburger JeschiAva, diesem Herrn Dr. Bischoff eine Dozentur für Talmud anzubieten. Leider ist aber die Sache viel zu ernst und von den Tagen Reuchlins bis heute Avurde von berufener jüdischer und nichtjüdischer Seite ■Avahrlich schon genug* sam allen Amviirfen gegen den Talmud entgegengetreten; Somit sollte eigentlich schon ein bloßer Hinweis auf die umfangreiche Literatur über diesen Gegenstand genügen, die Angelegenheit als eine Res judicata endlich in Ruhe zu lassen. Die große Masse des Volkes aber und auch die Richter haben naturgemäß von diesen Tatsachen keine Kenntnis und so fällt es Redakteuren und Agitatoren im Dienste Hitlers nur allzu leicht, immer, wieder den Kohl vom bösen Talmud ihren Lesern und Zuhörern neu auf* geAvärmt vorzusetzen. Es ist nicht leicht anzunehmen, sie hätten nicht gelernt und nie gehört, daß ihre An* schuldigungen längst Aviderlegt sind, ihr politischer An* stand aber reicht nicht so Aveit, als daß sie, Avas sie gelernt, nicht vergessen zu haben scheinen sollten. Wenn es sich unT Juden handelt, vergessen aller* dings nicht nur Berufsantisemiten, sondern auch andere Publizisten gern, Avas ihnen schon hundertmal nachge* Aviesen Avurde und so mußte sich’s der vor kurzem ver* storbene australische General Monash gefallen lassen, daß ihm in den Mund gelegt Avurde, er hätte im Dienste des jüdischen Kapitalismus den Weltkrieg zu Ende führen geholfen. Nun, dieser jüdische Kapitalismus entstammt derselben Quelle Avie die ״den sittlichen Anschauungen Avidersprechenden Stellen des Talmud“ und er zeigt nur, daß man, da die nichtjüdische Oeffentlichkeit von Diffe* renzierung und Seelenparzellierung bei Juden nichts Avissen Avill, unrecht tut, solche Männer, die nur als Pa* trioten gehandelt haben und auch selbst gar nicht anders geAvertet Averden Avollen, nach ihrem Tode auf einmal als Juden zu feiern. Dies Aviderspricht dem Avöhlverstandenen Prinzip jüdischer Neutralität im Kampfe der Nationen und der Parteien. Bei dem jetzt üblichen Haschen nach jüdischen Helden, das solche Rücksicht* nähme außer acht läßt, ist es kein Wunder, Avenn dann, Avie es jüngst geschah, einmaLauch der recht komische Fall eintritt, daß der Reicbsbund der jüdischen Front* Soldaten in Deutschland den Anteil der jüdischen Kriegsteilnehmer in — Engl a n d in Schutz zu nehmen bemüßigt ist. Freilich, zu solch objektiver Wertung der’Gegen* Avart Aväre vor allem erforderlich, daß auch bei uns end* der weltbekannten Perückenwerkstätte cruicc iivnirr Kärntnerring 6 te?Är.) Tel. U-47-1-16

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