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Jüdische Presse · 1931-09-18 · 37 (18.9.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
37 (18.9.1931)
Date
1931-09-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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rW: Novifiov« *fpum povolefta flädit post i fetegntar % nt^mm m, mmum. % Zeituögeti tofli Vetleget vetäefidet. Jouföäl exp^die pm"rafltäifc- V. b. b. ORQAN PUR BW INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien, II., Leopolds« gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. Tel. A49״«Ö«94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16. Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto «Jüdische Presse*, Wien für Oester* reich i Postsparkassenkonto Nr. 0*93614; Deutschland i Post* Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217: Polen i Postspk.*Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn 1 Postspk.-Amt Budapest Nr. 50170; Schweiz t Post* scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei t ״Jü* dische Presse*, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386;׳ .־ ■״ ■<־-״•־ ׳ ■ , ׳ ■ Nr. 37 Wien-Bratislava, 18. September 1931 .כיה וינא-פיעסבויג ז1 תשרי תיציב * 17. Jahrg. Kommunal wählen in der Slowakei. Wegen <les Roschihasehon«festes -lieif ifiiir Juden der Einr eiduuiigste rm-iii der Listen sdio.11 Freitag ,ערב ך״ך «b. Nach den;bisher vorliegenden Berichten zeigte sich in den P r o v ,i n z g e an 1e i n d e n wegen der akuten SonintiaigisniiiheFraige in den religiös interessierten jiidiisehen!Kreisen vielfach eine U n o r die n tie.r t;lre!i t nnd U -11 sic h e 1• 111 e at. Die nachisiten Tage werden i!n den meisten Orten den Venliainidlunigen mit den einzelnen politischen Parteien!gewidmet sein, von denen man eine wirksame Hilfe -in!dieser;brennendsten aller jüdischen Angelegenheiten enhotfifen darf. -Am allerwenigsten erwartet man nach dieser!Richtung natürlich von der zionistisch geleiteten sogenannten , Jüidisdieh Partei",״ die ihren ׳Mangel an Verständnis für das religiöse Judentum und obendrein ihre -politische Ohnmacht!schon an der kurzen Zeit ährer parlamentarischen ״Tätigkeit“ gr.iiindlieh geijiiig bewiesen hat. Wenn in vielen Gemeinden trotzdem auch orthodoxe Juden auf den!Listen mit -dem Nomen ״Jüdische!Partei‘ Vorkommen, so -sind — sofern die erwähnte lUniiniforraiiertllieit!nicht Be-griiftfisverwirnungen!begünstigt hat — diese ״Jüdischen Parteien“ rein lokalen -Charakters und halben mit der, allgemeinen politischen ״Jüdischen Partei“ -unserer zionistisch orientierten iMiiniclerhiedtsnationa-liisten nichts gemein. Zur Verhütung!schädlicher politischer!Mißdeutungen wäre es in allen diesen!Fällen schon auch ■der Wahrheit und dev Klarheit wegen richtiger gewesen, auch diesen!bereits von den Zionisten!besetzten Namen ziu meiden. .In!Bratislava hat sich seit iii-nserem!Berichte von voriger Woche ■doch manches geändert. Von seiten der ״Wahlgemeinschaf't“ der ״Partei der orthodoxen Juden“ und leies ״Verbandes sabbatlhaltender Kauifleute“ verhandelte Dienstag, den 8.!September, eine Deputation mit Ilari-delsmiiniister Dr. Matous e fc!und anderen entscheidenden Persönlichkeiten •in Prag wogen der realen M ö g 1 i chk e i! e n zur Liquidierung d e r S 0 ■11 ai t a -g s 1־ in 11 •e f r a g c 111 n t-er Be 1־ ü c k- 6 i c h t i g u n g ■d er w d r t s c h a f -t 1 i c h e n u n d r c 1 -i g löse .n 1 n t c ress c n d e s J at d e n t u m s. Donnerstag, den 10. September, wurde darauf als Ergebnis -der in Prag ׳und!Bratislava igepiflogenen!Besprechunigen in •einer geanedmsaimen!Sitzung, an der von Seiten der ״Partei der orthodoxen Juden“ die -Herren Markus Fürst, Jacob Joel Braun und Bela Kast-n er und vorn ״Verbände sabbathaltendier Kaufleaite“ die Herren Isidor Engel, iSimoai 1N!eai m a n n, Armin Treuhaft und Ludwig Singer unter Zuziehung des Herrn Dr. Gc-jza Drechsler teilnahmen, beschlossen, im Interesse der Sabbatheiligung und der durch die Sonntagsruhe gefährdeten wirtschaftlichen Lage der religiösen kleinen -Kaufleute -und Gewerbetreibenden alle anderen Anliegen der orthodoxen Juden in den Hintergrund zu stellen, von der Einreichung einer eigenen Liste abzusehen und selbstverständlich die Stimmenabgabe auf die ״Jüdische Partei“ oder eine andere jüdische Partei abzulehnen. Diesem Beschlüsse entsprechend, wurde auch sowo-hl von der ,,Wahlgemeimscha-f-t“ als solcher als auch von der ״!Partei der orthdox-en Juden“ auf eine arthodoxe Liste verzichtet. Eingereicht wurden aber Listen der ״Jüdischen Partei“ mit Direktor Knöpfe 1־ ma ch er, Dr. I. R eiß und Dr. -B. Beer, der ״Zionistisch-so'zi-a'kl cm akratisch en Partei“ ,mit Dr. -Barner und Robert Neuma,n-n 11, nid überraschenderweise einer!neuen Oiiits-iider-partci mit Jul. Kann, Doktor Fl c. is ch h a c!k e r und .Dr. ,1B a 1• a c-s an der -Spitze. Doch schweben — wie ums gemeldet ward — gerade während /wir diesen!Bericht schreiben, Verhandlungen wegen -der Wieder,vereinigu-ng dieser!Partei mit der Partei der Zionisten. * Die -Kommunalwahlen in Bratislava Nacli Schluß der Redaktion erfahren wir, daß die Gruppe Dr. F 1 e i s c 11 h a c k c 1־ — wie vorauszusehen war — sich mit dev ״Jüdischen Partei“ des Dr. Reiß wieder sehr gut verträgt. Die Verhandlungen zwischen diesen bewährten Bannerträgern des Thora Judentums fanden im Vorstandsziminev der orthodoxen Gemeinde statt •und endeten mit einem Pakt, wonach Dr. Fleischhacker seine •Liste zimickzielit, wogegen er und Dr. Baracs nachträglich auf die zionistische Liste genommen werden und ih m für den noch sehr zweifelhaften Fall, daß die Partei mehr als in Mandat erringt, e i n M 111־- clat zugesichert wird. Das nennt man •dann vor dem Volk — ,für jüdische Gerne i n i 111 e 1׳ e s s s o n eintreten! D:ie Agitation für die Stimmenabgabe der Juden -hat bereits begonnen. Die s a b b a 111 a 11 e nd e 11 Kauf 1 eute berufen für Samstag, den, 19. S e pt e mb e v, 8 מו״שק •U h r ab e n ds , .in den Tur nsaal der orthodoxen Volksschule ,(Turnergasse 3.b), eine große W ä h 1 e 1• v e r s a m m 1 u n g, in der über die bevorstehenden Wahlen vom Gesichtspunkt der Auf- 11 e b 11 n g• d er S 0 11111 a g s r 1111 e v e r o r d 11 u 11 g von maßgebender Seite gesprochen wird. Der Traum, ein Leben. (Nach einer Rosch־Haschonopredigt.) Von Rabbiner Ahron Jeruchem. Wer im Traume einen Schofar sieht, erhebe sich und spreche den jesajanischen Vers, welcher lautet: ״An jenem Tage wird in die große Posaune gestoßen, und es werden kommen die Verlorenen im Lande Aschur und die Verstoßenen im Lande Mizraim, und sich beugen vor dem Ewigen auf dem heiligen Berge in Jerusalem.“ So empfehlen uns die Weisen unseres Schrifttums in כרכות דף נ״ו ע״ב Nun drängt sich die Frage auf, welche Bewandtnis, welchen Zusammenhang ein im Traum ge* sehener ,Schofar mit den Verlorenen in Assyrien und den Verstoßenen in Aegypten habe? Dazu müssen wir uns vor allem über den Zweck und Sinn des Schofar im klaren sein. Was sagt er uns am צס^ראש השגה verlangt er von uns am ersten Tage des jüdischen Jahres? Warum er« beben, zittern, weinen und erschauern wir, wenn seine Töne erschallen? Warum ist der Moment, an, dem wir' ihn vernehmen, so überwältigend, so ergreifend, erhebend und zerknirschend zugleich? Woran erinnern uns diese einfachen und doch bezaubernden Schofar«Töne, was rufen sie uns zu? Mit einem Worte, 'was will dieser שופר? Der große Philosoph Rambam gibt uns darüber Aufschluß, In; seiner יר החזקה הל׳ תש׳ hören wir jhn von der Bedeutung des iDW'folgendes sprechen: ״Obwohl das Schofar«Blasen am Rosch«ha«Schanah ein scheinbar unbegründetes Gebot G־־ttes ist, hat dieser Brauch ein besonderes, auch für uns erfaßbares Ziel. Er soll nämlich die jüdische Menschheit aus ihrer Lethargie aufrütteln. Die lE^Töne dringen ah unser Ohr mit dem Rufe: Erwachet, Schlafende, aus eurem1 Schlummer 1 Prüfet eure Taten, kehret zurück, denket an euren .Schöpfer. Ihr, die ihr im Wirbel der vergänglichen Zeit die ewige Wahrheit vergesset, ihr, die ihr alle eure Jahre mit un« nützen Dingen vergeudet, betrachtet eure Seelen, ver« bessert eure Wege und Taten. Es möge ein jeder von euch seinen schlechten Weg verlassen, seine unlauteren Gedanken aufgeben. Dies mahnt uns der שופר amT1H. Nach maimonidischer Auffassung ist also das Leben ein langer Traum, ein Schlaf, aus welchem wir am ר״ה durch den Schofar«Schall geweckt werden sollen. עירו משנתכם!Der שופר ist ein Weckruf für die aus den Fugen geratenen, der Sünde verfallenen, irrenden Menschen. Und da möchte ich die Frage aufwerfen, wie eine Sünde überhaupt zustande kommen könne? Wie kommt es, daß der Mensch den traurigen Mut aufbringt, gegen seinen G־tt sich zu erheben? Wie ׳kommt es, daß die ׳schwache, hilflose Kreatur sich gegen ihren Schöpfer auf« bäumt, dem sie ihr Dasein, dem sie jeden Herzensschlag: zu verdanken hat? Wie kommt es, daß wir die uns vor« gezeichneten Pfade eines allgewaltigen Weltenlenkers ver« lassen, seine Befehle mißachten, seinenlyD nicht befolgen? Wie kommt es, daß der kleine, winzige Punkt im Uni« versum gegen den Erbauer des Alls sich aufzulehnen, ihm den Gehorsam zu versagen wagt?! Die vermeintlichen Gründe dieser Rebellion des, Individuums gegen die allmächtige G־ttessouveränität sind verschieden. Zwiefacher Art sind die Motoren, welche den Menschen zur Abkehr von Gott treiben, den Kontakt zwischen Mensch und G־tt unterbinden. N Die einen erfüllen aus materialistischen Motiven die Gebote G«ttes nicht. Die Jagd nach konkreten Gütern, die Gewinnsucht verführt, verblendet sie. Als Beispiel nehmen wir die bedrohlich um sich greifende Sabbatent« heiligung. Die Respektierung, die Heilighaltung des שבת ist oberste jüdische Pflicht. Die bedauernswerten Brüder, die sich ihr entziehen, führen materielle Beweggründe ins; . Treffen. Die פרנסה, das Geschäft erfordert, verlangt, er« heischt es. Um. seine Familie ernähren, erhalten, um sich behaupten zu können, glaubt man zu חלול שבת gezwungen ' zu sein, glaubt den heiligen שבת entweihen zu dürfen. Eine zweite Kategorie von jüdischen Menschen gibt es, die aus vorgeblicher weltanschaulicher Veranlassung der angestammten Religion den Rücken kehren, vom geraden Thora«Weg abirren. Das sind jene, welche durch schlechte Umgebung dem Unglauben, dem Freidenkertum verfallen sind. Das sind jene, welche uneingcden'k ihrer eigenen Nichtigkeit Philosophastereien über G«tt anstellen und sich irgend eine Fiktion zurechtlegen oder zurecht« legen lassen, nach welcher sie alles, was für die jüdische Welt .hoch und heilig ist, abstreifen zu dürfen wähnen. Das sind jene, welche auf den festen Halt, den der Glaube dem Menschen bildet, verzichten, um in die Arme eines unseligen Wahnes zu stürzen. Das sind jene, welche in die Sonne schauen und von ihr geblendet werden. Jene,; welche sich unterfangen, über das Wesen G«ttes Unter« suchungen anzustellen, die mit unzulänglichen Instrumenten grübeln, tasten und suchen, auf einem Gebiete, das sie• nie ergründen können. Das sind jene, bei denen der Aus« spr.ueh Anwendung findet: Blasphemans quod ignorans. Sie lästern, weil sie nicht wissen. Denn wir können wohl G־tt erfühlen, nie aber G«tt erkennen! ־' ־t Aus סנה׳ צ״בע״א wissen wir, daß Assyrien das üppig« ste, fruchtbarste Land des Altertums war. אש1ר war der materiell gesegnetste Landstrich des Orients. Das Wort; אשור wird auch mit Wohlergehen, Glück übersetzt. Assyrien kann somit als Repräsentant des Materialismus gelten. Aegypten hinwiederum war das klassische Land der Forschung, Bildung und wissenschaftlichen Betätigung, soferne solche zu jener Zeit betrieben' wurden.מצרים ist also das Sinnbild der Forschung; und diese, von schwachen Charakteren gehandhabt, artet in Atheismus aus! So können wir nun die Worte unserer Weisen in ברכית begreifen. הרואה שופר בחלום. Wer die Schofar«Töne richtig zu vernehmen weiß, dem erscheint all sein Treiben im vergangenen Jahre so eitel und nichtig, als wäre alles im Schlafe geschehen. In dessen Brust regt sich die Er« yr «f der weltbekannten PerUckenwerkstätte OTHMAR Wien I, Kärntner ring 6 (ä§.ÄMe0r.) Tel« U* 47-1

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