Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 30 (31.7.1931)
- Date
- 1931-07-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zürich VIII. 4117; für die;Tschechoslowakei: ,JA* dische Presse“, Bratislava, Postspk.*AmtPrag Konto Nr. 53386 Nr. 30 Wien-Bratislava, 31. Juli 1931 ביה וינא־םרעםבורנ י״ז אב תיצ׳א ־ * ׳ * 17. Jahrg. Meiie orthodoxe Erfolge Der Präsident * der Warschauer Gemeinde ein Agudist »In \W a r s ch.au hat sich endlich!die!,neue Ge!־ meittüeverwaltung'konstituiert. Ein führender . AgudiSt ist der Präsident geworden. Den Agudisfcen gelang1.es, mit', an/ deren kleinen Gruppen die Mehrheit zu bilden. •Wenn es auch wielen für selbstverständlich galt, «daß «Ine jüdische i Gemeinde mit einer überwiegenden .orthodoxen Mitglied« schäft.sich orthodoxe Repräsentanten wählt, so soll fest« gestellt'Averden, daß :nahezu 20 Jahre agudistäscher Arbeit; vonnöten Avar, um dieses Resultat zu;erzielen.. Noch haben die •A&udisten nicht allein die Mehrheit im , .Warschauer Jüdischen Parlament, noch haben die orthodoxen Wähler nickt r.die nötige Schulung gewonnen. .,ErSft dem Ver# handlungstalent der.Aguda«Führer gelang es,4!die Zionisten« Mistachisten in der Warschauer Gemeindestübe zu iso« liereai.. Also kam nach vielen, vielen Wochen das erfreu« liehe;Resultat zustande, daß die Agnäa die. Präsidenten« stel]1en:in der Warschauer Jüdischen Gemenride besetzen konnte. Die Verwaltung der größten cetiropäischen jüdi« sehen •;Gemeinde liegt;־jetzt in agudistkeken Händen. Nicht nur Warschau, nicht tmür ganz Polen, :sondern■;:die gesamte jüdische Welt blickt :■mit gespannter .Aufmerksamkeit und mit kritischem Augeiauf diese agudist:kche%GrÖßgemeinde« Verwaltung. Orthodoxe. Männer wenden! 1es Jetzt' zu bewei# sen hdben, daß sie nsvAierstehen, in .aJffcäglicher! Kleinarbeit, ׳v die,,;^Ößitfhisses/pitter( J(3röfegem<^e'^elhsth%j/scKwereir Krisenzeiten zu bcfaiieldigen. Wenn auch diese.,neuen Ge« meindelührer selbstverständlich nur die .Notwendigkeiten ihrer Gemeinde vor Augen haben. so •dürfen sie!doch nicht vergessen, ״daß jede iihrer Handlungen mitbestimmend für viele hüh'derte ihrer vGesinnungsgehossn ■sein \v1td. Lieber« all, avo aüft dem Erdenrund Agudistm sind, schifcken diese jetzt heiße Glückwünsche nach Warschau,;in ddem Be« Avußtsein, edaß es leichter war, die Gemeinde im heißen mühevollen Ringen z,u ■ erobern, als den!Säeg in •®er ver« antwortnngsvollen alltäglichen Arbeit zu ]behaupten. Studienfahrt Das jüngste Glied in;der nicht uaihettächtlichen Wenge moderner Propggandamittel ist »die Organisierung von Studieatfahrten. Die'Teilnehmer reisen .'billig, sie Jemen Land und •Lejute aus eigener Anschauung kennen und er« holen sich in;gesilligemlB.eisammenseiri, •durch gemeinsame Interessen angeregt. Durch .,die erste Studienfahrt des Keren Hathora wurde rum :;dieses aller jüngste!Propaganda« mittel in dem Bannkreis ®er Orthodoxie gezogen! Wie es so oft der Fall ist, hat man . bei .der ersten Nachricht ,.über diese Idee geringschätzig mit .der Achsel gezuckt. Man fürchtete, daß ■die Idee in orthodoxen Kreisen mit :'dem Fluch der Lächerlichkeit '•behaftet werde. Nun liegen •die ersten Berichte '!über die erste Gruppenfahrt auf unserem Redakstionstisch. Orthodoxe :Persönlichkeiten aus aller Herren Länder, die zu Hause in ernster Berufsarbeit jüdi־־ sehen Interessen *dienen, le^q^e. jeUt die Xho«:a־־A4!L0tt’4mfi ,die Th0ra«Leistung anderer Provin^n kennen. Sie briri« ■gen un&d empfangen wertvolle Impulse, die sicherlich *segensreich nachwirken werden. Der!erste glückliche Ver« «such ist;gemacht •und auch diese Idee: Orthodoxe!£> t u d i ein f a h r t e.n, Avird;sicherlich Aveitere Kreise ziehen. Auch nichtorthodoxe BersÖnlidkkeiten können .auf •diesem Wege gemeinsamer ־Erlebnisse, Wahrnehmung! orthodoxer Leistungen aus eigener Anschauung, ortho#! doxien IdeaÜen näher gebracht werden. Die Orthodoxie; darf in ihrem schweren Lebenskampf kein modernes Mit« ’ tel, welches ähren Interessen dienen könnte, verasch« lässigen. Orthodoxe Sfcjidienfahrtßa •werde» sich als «an taugliches Mittel im Warben für die Orthodoxie he«;\yähre&. Werten Worten!über das Leben xind ,Treiben, über die י Ute Erholung des: Kinder,! denen nebst;einer körperlichen Irfrischung auch eine geistige Labung im Kreise religiöser Gleichgesinnter geboten wird. Orthodoxe Sommerkolonien stellen sich demnach als die, wirksamste Art unseres .Jugendschutzes •dar; sie bieten der schwer gefährdeten •orthodoxen Jugend körperlichen ,.und religiösen Schutz, '!!überdies bewähren sie sich'.aber als ein beachtenswertes ÜPropagandamifttel auch bei Gesimrungsfremden, die ihre Kinder gerne unter dem Schutze ,;ernster ״religiöser Leiter mnd frommer Jugend geborgen! \visaen. Solchen orthodoxen!tSommerkoloriien gehört die •Ziikurift. ■Die ,־wirtschaftlichen Verhältnisse ,erlauben es h'eutzutags nicht •mehr, daß die :;ganze Familie.:auf Sommerfrische geht.. Die Eltern bedür« den oft einer .׳.genau vorgesebriebenen Kur, ׳Avobei die Ver« fsorgung der, Kinder ihnen; zur;Last fällt. Aber vielfach?wird sowohl :den Eltern vnfi'den^Kmdern.-cine bessere Er« liholung geb.otfcon, wenn sie ׳die!knapp bemessenen Som« merwochen nicht gemeinsam verbringen. Wenn nun die Sorgsamkeit der Eltern durch das Bewußtsein beruhigt Avird, daß ihre Kinder in guter Gesellschaft, unter verlaß« licher Obhut sich befinden, so benützen sie gerne ortho« doxe Sommerkol'onien zur Unterbringung ihrer Kinder. Bei Erkenntnis dieser erfreulichen Tatsache ist es nötig, daß die Leiter unserer Anstalten und Jugendverbände sich rechtzeitig in Fühlung miteinander setzen, denn die Zu« sammenfassung größerer Gruppen würde große wirt« schaftliche Vorteile bringen. Solche gut eingerichtete Som« merkolonien würden nicht nur auf Wiener Eltern, son« dern auch auf jene in den Nachfolgestaaten eine große Anziehungskraft besitzen, bei denen zu all den oben ge« schilderten Vorzügen noch der deutsche Sprachgebrauch als ein nicht zu unterschätzender Gewinn hinzukommt. Orthodoxe Sommerkolonie ist demnach die wert« und wirkungsvollste Fortsetzung unserer Winterarbeit für uri« sere Jugend. R. Erste Stnrtienfafii’t des Keren Hathora Orthodoxe Ferienkolonien In den' jüngsten Wcxchen konnte, man. allenthalben über orthodoxe Sommerkolonien in Ost und West lesen. Auch von Wien aus gingen orthodoxe Jugendliche nach drei verschiedenen Sommerfrischen ab. Die Jugendgruppe nach Möltern, die Beth־*Jakob#Lehrerinnenbildungs# anstalt nach Sobor, י die Talmud*Thora«Schule nach P e z i n 0 k. Die Berichte aus all diesen Sommerkolonien sind herzerfrischend. Eltern und Interessenten, denen jede propagandistische Färbung fern liegt, erzählen in begeh־ Trotz katastrophaler Verschärfung rder .•Wirtschafts« Ik'rise, trotz!deutscher l!00«R.dtchsmar;k«Ausfuhftaxe ist (die erste Studipnfnh'rt des Kereh^Hathora«in voller Erfolg 20 Teilneher •zusammengeschmölzen. Aber die Unent« Avegten haben ״recht behalten.!Denn ■schon die ersten Etappen der Reise: Wien, Preßbtrrg. Tyrnau, Sobor, haben den aus sieben europäischen Staaten zusammengekom« menen Reisekameraden solch starke, schöne Erlebnisse ge« 'bracht, daß jetzt schon von einem vollen Erfolg gespro« dhen• werden kann. Einige der Teilnehmer waren schon vor Tischa« Ibeaw: in W i e n eingetroffen. Diese große jüdische Metro« pole ,'hat besonders den westlichen Gesinnungsgenossen selbst : in den Trauertagen ׳ Erhöhendes gebracht. Am Schäbhos Nachmn der Gottesdienst in der Schiffschul, das Scholuasch Sudaus der großen, gutorganisierten Äguda«.Tugendgruppe haben bisher noch nie erlebte Akkorde in den Herzen der holländischen und französi» sehen'Brüder angeschlagen, ..Sonntag früh;ging es mit dem Schiff nach P-r e ß« bua^g, •wo die Gesellschaft mit Oberrabbiner Dr. •Carle« bach«Altoma, Redakteur Schachnowi‘tz«Frankfurt a. M., Dr. Fürst *und Dr. Eleutsch«Budapest zusammenträf.!Das Ehrengeleite der Wiener Jugendgruppe bis nach Bratislava, der jubelnde Empfang durch die Bratislavaer Aguda« Jugend, .die $varme Begrüßung duteih Häbbiner Spauel Schreiber, dar in Vertretung seines Vaters, des!Preßhur« ger Oherräblnners, in der altehrwürdigen Schiurstube die Gäste empfing, das alles vermittelte wundervolle Irnpres« sionen. Die Gäste unvwehte etwas von den großen alten Traditionen der Stadt des Chacham Safer. Dann ging es;zu den anderen Preßburger Lehranstalten, Talmud ׳Thora, ,?essod Hathora, wo Lehrer und Schüler, bei ihrer alltäg«!liehen heiligen Arbeit versammelt, den Gästen Proben ■erlesenen Könnens geboten •haben. In warmen Worten dankten diese für den Gernstß, den ihnen die!thora# beflissene Kindersc'kar vermittelt hatte. Nach einem ,herz« liehen Empfang bei ■Rabbi David Wessely, dem markanten Mitgliede des Preßburger Bes«Din, folgte die •Besieht!« gung der Synagoge und der zahlreichen jüdischen Institu# tionen unter der fachkundigen Führung des Herrn Josef In Tyrnau AViede.rum eine Schar begeisterter Agu« disten :beim Empfang. Die Lernstube des Tyrnauer Rav ״,vereint hier Freunde, .׳ Verehrer ״und •Schüler, dieses . ebenso ^äls״Ägüäa«Führer wie Jeschiwo«Leiter bekannten Mannes. Die ganze Reisegesellschaft zog in das geräumige Beth Hamidrasch, wo nahezu 200 lernbeflissene Schüler dem Vortnag ihres Rabbi lauschten. Nach Beendigung des Schiur nahm man >im Kreise der Jugend, in der Jeschiwah« Mensa, das Mittagessen ein, reichlich gewürzt mit Be« grüßungs« und. Dankes Worten. , '־ Grünsfeld. Doch die Zeit war kurz und der Reiseleiter• drängte!' $'o schied man schweren Herzens von Preßburg, ohne alle Sehenswürdigkeiten^ der alten Stadt absolviert zu haben. ■ \ Man stand noch im Banne der Tyrnauer Eindrücke, als ■der Lokälzug, :der reichlich Zeit ließ, das Gesehene und Gehörte nochmals miteinander durchzusprechen, in Nitra einlangte. Die Delegation •der Nitraer Aguda« Jugend erwartete die Gesellschaft mit einem fürsorglich bereitgestellten Autobus, der in einer knappen halben Stunde •den allmählich ansteigenden Sobor berg hinauf« fährt. Hoch an einer rings vön Weinbergen bestandenen Lehne liegt das Soraraerheim der Wiener Beth« Ja c orb «Lehre rinne nbi'ldungs an s t a 1 t. Im Schatten mächtiger, uralter Bäume lernen hier junge Mäd« chen und bereiten sich auf ihren verantwortungsvollen Beruf war. Sie solleaa dereinst bewirken״ Avas bisher fromme .und hochgelehrte Männer nicht erwirken konnten:;' Jüdische Mädchen zu' hergebrachten Zeniuth zurück«, finden zu lassen, für jüdischen Geist zu entflammen״ jüdische Mädchen für ihren künftigen, hehren Beruf zu er* ziehen, damit sie Mütter in Israel werden. Würdig der hohen Bedeutung der Anstalt Avar auch der •׳Empfang!. Zahlreiche Abordnungen der umliegenden jüdischen■ Ge# m'einden Nitra, Tapofeany, Suräny und Nove Zamky Avaren .gekommen, um den Gästen ,nicht nur einen Will# kommensgnuß zu entbieten, sondern auch zu bekunden]• daß die in der Slowakei noch junge Beth#Jacob«Idee be« reits tiefe Wurzeln geschlagen hat, In der Reilie der Dele« Rationen bemerkte man die Sondergruppe der Eltern, die? gekommen waren, um ihre Kinder, die teils afe Lehramts»!kandidatinnen, teils als Sommergäste an den Kursen teälnehmen, bei den Prüfungen zu hören. Wahrlich, es Avar ein wohlbegründeter, echter, jüdischer. Stolz, der in den Augen dieser ehrsamen Baale Battim aufglänzte, als ihre: Töchter an jüdischem Wissen so vieles und Gediegenes aufzeigten, daß selbst die vielerfahrenen Pädagogen in der Reisegruppe kein anderes Wort zur Charakterisierung \bcrvorbringen konnten, als ״verblüffend“. In einer ändert« halbstündigen rigorosen Prüfung haben diese künftigen Mm mm. der weltbekannten Perückenwerkstätte HotelBristol Wien I ־י*:׳, * iS# ppiiili