Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1931-07-17 · 28 (17.7.1931) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
28 (17.7.1931)
Date
1931-07-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2629891-2630389-2630416--3957-2636042
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mumm //. Itlafagassetf lieber jüdisches Naturempfinden. Von Satnuel Taubes (Wien). Eigentlich soll im nachfolgenden mehr über da's Verhältnis des Ostjuden zu Natur und Naturempfindüng gesprochen werden, insbesondere aber die Tatsache der angeblichen 'Materfremdheit desselben unter־ sucht ttnd gedeutet werden. Wenn nun der Titel dieses Aufsatzes subsumierend ״Ueber jüdisches Naturempfin־ den“ lautet, so will dies besagen, daß das Resultat" un* serer Untersuchung im Grunde dem Gesamtcharakter des Judentums, also eigentlich dem Charakter aller Juden entspricht. Wenn, sich aber, unseren Resultaten entgegen, in der Wirklichkeit Beispiele anführen lassen sollten, wo־ nach gewisse Teile des Judentums dem Naturerlebnis anders gegenüberstehen, daß. sie z. B. ein besonders leb־ haftes, fast möchte ich sagen, ausschweifendes Natur־ empfinden verraten,, daß sie beispielsweise im Chorus jener, zu finden sind, welche einem, im Deutschland des vorigen Jahrhunderts weit, verbreiteten, überschwengliehen und sentimentalen Naturkraft; frönen, so möge dies.nur als eine Unterwerfung der ,Mimikry aufgefaßt ־VVcrden, als eine Unterwerfung unter den überragenden Einfluß einer Zeitströmung, als ein Ausdruck der Assi־ milation und Anempfindung. Im Wesen steht der Jude der Natur tatsächlich mit einiger ,Fremdheit gegenüber; jedenfalls aber ist seine Bejahung der animalischen Na# tur von der seiner Nachbarvölker wesentlich verschieden. An der besonderen Einstellung des, von der Assi# milation verhältnismäßig weniger absorbierten Ostjuden, wird sich daher auch viel leichter das charakteristische Verhältnis des Juden zur Natur ableiten lassen. , Es mag so gleich festgestellt werden, daß im tag־ liehen Leben des Ostjuden der Wirksamkeit der Natur# Schönheit* einem seelischen Einfluß aus bloßer Natur# anschauung, wodurch fast alle Erzeugnisse der deutschen Literatur der letzten zwei Jahrhunderte charakterisiert erscheinen, kein überragender Einfluß zugeschrieben werden darf. Ein ״Bocher“, der etwa wie Goethes ״Werther* aits dem Umstande, daß ״diese herrliche Natur so starr vor mir steht wie ein lackiertes Bildchen“,, zur Beute tiefster seelischer Depressionen würde, ist schlechthin Unmöglich. Eine Bestätigung und Orientierung seelischer Kräfte, an dem Grad der Eindrucksfähigkeit' für Naturerscheinungen gemessen, ist im Judentum un־; denkbar. ...... Daraus darf jedoch nicht geschlossen werden, daß der Golusju'de an der Schönheit und Erhabenheit ' der Natur, vielleicht völlig achtlos vorübergehe. Durchaus; nicht. Er macht nur nicht allzu viel Wesens daraus. In den herrlichen Erzählungen des Altmeisters der jüdischen Literatur, in den Romanen Mertdcle Moclier Sforims , spricht sich nicht nur eine persönliche, starke Natur# beöbachtung und Freude an der Natur aus; es wird auch psychologisch dargestellt, wie der arme gedrückte pol# nisqhe Jude in der freien Natur aüfatmet, sich an den Hälmchen und Gräsern G#ttcsj am Gezwitscher, der Vögelchen und. am Gezirpe der Grillen zu erfreuen ver־ mag. Nur geht diesen Eindrücken jene schwärmerische Hingabe, jener maßlose Ueberschwang ab; der solche Eindrücke fast zur Gewalt religiösen Erlebens zu ver# tiefen vermöchte. Dieser gefährlichen Schwärmerei ent# hielt sich der Ostjude. Als es aber der jüdischen Aufklärung, dem ' sögenannten ״Maskilismus“ schließlich doch gelang, in die bis dahin vor dem Einfluß der umgebenden Kultur, ge־ schützten jüdischen Lehrstiitten der ״Jeschiwas“ eine Bresche .zu scHlageni als die Erzeugnisse der modernen und profanen Literatur, hinter den Talmudfolianten eine borgen, eifrig und lüstern verschlungen wurden, da war cs natürlich unvermeidlich, daß der europäische, ins־ besondere aber der deutsche poetische Naturkult der •Wahrnehmung der jungen Bocherim nicht, entgehen sollte, Nichtsdestoweniger verhielt man sich .׳ dieser Naturverehrung gegenüber auch weiterhin sehr reserviert, ja, skeptisch, wenn nicht gar verächtlich. ' Denn seine überschwengliche Verehrung hatte der Jude ja einem anderen Wesen darzubringen, dem hoch# sten Wesen, das •seine Seele kannte und anerkannte, «einem jüdischen G־tt! Ueberschwang der Naturempfin# düng war für ihn kindisch, eine Sache jugendlicher Phan־ tastik, ein Lyrismus ׳halbreifer■ Studenten. ״Ach was,׳ Natur — schmur“ war eine gangbare ׳Phrase des Ostjuden und sollte seine abschätzende Be# urteilung sentimentaler Ueberempfindsamkeit zum Aus־ druck'bringen. Tn der Tat ist ja auch diese animalische Verbun־ denheit mit der Natur ein Charakteristikum der im Zu# stände des Unbewußten lebenden Naturvölker, Im Griechentum, das an dem seelisch-religiösen Aufschwung der asiatischen Völker, insbesondere des Judentums, achtlos .vorübergegangen war, vertiefte sich diese Ver'־ bundenheit mit der Natur zu einem Naturkult mit reli# giösem Charakter; dieser sublimierte sich schließlich bis zur völligen Personifikation der Natur und verdichtete sich endlich zur Religion, zur Anbetung der Natur, zum griechischen Götzendienst! Es ist daher selbstverständlich, wenn der streng monotheistische Jude, bewußt oder unbewußt, sich vor eignem Gefühlsüberschwang in Hinsicht auf die Natur hütete, vor einer Uebertreibung, die zu solchen Extremen führen konnte und auch geführt hat. ■ Denn, während das Griechentum noch an der Na־ tur, ani Geist des Uebeseelten, sozusagen am ״Erdgeist“ festhieltj hatte das Judentum einen ganz anderen, höheren wpo׳ eineeschlaffen , Mit der'Entweitlung des seelischen Bewußtseins ist die ursprüngliche paradiesische Verbundenheit mit ׳der j^atur gelöst worden. Das zum Selbstbewußtsem er*•;wachte Ich betrat eine höhere Sphäre, die Sphäre, see* lischep Erlebens, das Reich religiöser Erkenntnis, dessen :geringste Freude und bescheidenste Entzückung die aus#;schweifendste Natur einpfmdung und tiefste Naturyersen■׳!Rung noch um efti unendliches übertrifft. Kein wunder also, wenn der zu seelischer Vollreife entwickelte Jude die Natur anders und gleichgültiger ansieht als der 'vom;.. Erdgeist trunkene Grieche, oder als der Deutsche, der N*. 28 nach der modernen Renaissance des Hellenismus irt den fragwürdigen Ekstasen hellenischer Natur ver zückung schwelgte und damit, wie tjhs scheinen will, seine fehl־ tufe!i#$eeHsche Entwicklung unverantwortlich schädigte. Dennoch wandte sich der Jude, wie gesagt, von der Natur nicht völlig ab. Er adelte nur die ursprüngliche Naturverbundenheit, indem er sie in die Sphäre des See# tischen erhob. Nicht so jedoch, daß er diese Verbunden# heit etwa mit mystischer G־ttesverbündenheit verwech« sclte. sondern indem er auch die Natur der Hoheit seiner Seele untervvarf. Er begriff die Natur in den Dienst G#tfes ein. Und wenn Perez in einer seiner beglückenden Geschichten einen Juden sagen läßt, . ״daß der . blasse Monel nur als erbärmlicher zinnerner Teller erschiene, wenn er nicht dazu da wäre, um bei seinem Anblick den Segenssprüch über den Neumond hefzusagen", so ist in dieser religiös inspirierten Uebertreibung der Kern für das Verständnis des jüdischen Verhaltens angesichts der Natur vielleicht am treffendsten zum Ausdruck gebracht. Das jüdische Czernowitz. Bernhard Rippel (Czernowitz), In jüdisch#orthödoxen Kreisen war seit jeher die- Meinung vorherrschend, als ob die Juden der Bukowina und namentlich jene vort Czernowitz fortgeschritten wären und mit der Religion es nicht sehr ernst nähmen. ' Dem ist aber nicht so. In wirtschaftlicher, in kauf# münnischer Beziehung mag ja alles auf moderner Grund# läge aufgebaut sein; was aber die Religion betrifft, ist der größte Teil der jüdischen Bevölkerung orthodox. Und selbst solche, denen man , es an der äußeren Erscheinung nicht anmerkt, daß sie dem auserwählten Volke angehören, bilden keine Ausnahme. Ob die Juden der Bukowina dem Zuge der Zeit gefolgt sind,-oder ob sie an der Tradition ihrer Vorfahren treu festhalten, in ihrem Innern leuchtet das Feuer des Judentums, das sie stets für ihr Vnik und ,dessen Heiligtum erwärmt. Als Zeugnis hiefür mögen hier einige Begebenheiten Erwähnung finden. Bei den Wahlen in den Rat der Juden# gemeinde. Czernowitz im Mai vorigen Jahres waren nicht weniger als zehn Kandidatenlisten mit zusammen 650 Kan# didaten angemeldet, ein genügender Beweis, ־ wie viele Glaubensgenossen an den ״Zorche Zibir“ sich betätigen wollten. In Anbetracht der großen Wählerzahl mußten die Wahlen in mehreren Sektionen durchgeführt werden. Eine solche Wahlkommission hat auch im großen Sitzungs# saale des Stadtmagistrates Czernowitz amtiert, wobei alle Parteien durch ihre Vertrauensmänner vertreten waren. Auch Schreiber dieser Zeilen hat sich daselbst als Kandidat cingefunden. Als es zur Minchezeit kam, wurde die Wahl# handlung unterbrochen, die Anwesenden setzten ihre Kopf# bedeckung auf und das lyfinchegeb.et wurde mit Minjan verrichtet. Der nichtjüdische Saalwart sah diesem außer# gewöhnlichen Ereignisse mit gemischten Gefühlen zu, als ob er sagen wollte: Das geschieht hier wohl zum erstenmal Seitdem dieser Saal besteht. Einen weiteren Umstand, der für die treujüdische Gesinnung unserer Glaubensgenossen spricht, hat die Er# öffnungsfeier der Jeschiwa׳ in Wiznitz zutage gefördert. An diesem feierlichen// Aktü•!, haben) sieh,! die •.•Juden < aus allen Teilen des Landes, beteiligt. Man sah daselbst auch solche, die scheinbar mit dem Judentume nur in losem Zusammenhang stehen. Und doch kamen sie aus allen Ge# genden, um Zeuge des erhebenden Ereignisses zu sein, da eine Pflegestätte für das Judentum begründet wird. Was die Organisation des orthodoxen Judentums be# trifft, so besteht seit einigen Jahren eine Aguda#Vereini# gung, welche der Pflege der Religion ihr Augenmerk zu# wendet. Wer hat nicht der‘Massenversammlung der Aguda im vergangenen Winter beigewohnt? Der große Saal .im Hause des Bauhandwerkervereines war überfüllt mit jiidi־ sehen Teilnehmern, in deren Herzen die wirkungsvolle Rede des Herrn Jakobsohn aus Hamburg einen mächtigen Widerhall erweckte. Hier gewann man erst die Uebersicht, wie viele glaubenstreue Juden es in der Bukowina gibt. Und von dieser fruchtbaren Saat sind die Früchte au.ch nicht ausgeblieben. Denn nach wenigen Monaten wurden in mehreren Städten Vereine Bes Jakob für die religiöse Erziehung jüdischer Töchter gegründet, welche auch schon eine ersprießliche Tätigkeit entfalten. Freilich steht die Aguda noch vor v einem großen Stück Arbeit. Ihr obliegt׳ es, noch ein weites Feld, das noch vollkommen brach Hegt, zu bearbeiten und cs frucht# bar zu machen. Der erste Schrift ist eine intensivere Werbetätigkeit zum Ausbaue der Organisation, unter Fieranziehung der breiten jüdischen Volksmassen. Denn es erweckt den Anschein, als ob die Mandatare in ihrer Selbstzufriedenheit sich mit wenigem begnügen wollen, indessen doch so viel noch zu erreichen ist. Das, nächste Ziel ist die Talmud Thora; Gerade das Wichtigste beim jüdischen Volke, die Pflege der heiligen Lehre und die Erziehung der jüdischen Jugend im reli# giösen Sinne, besonders in׳ der Stadt Czernowitz, liegt im argen. Nur den aufopfernden Bemühungen der Lehr# kräfte ist es zu verdanken, wenn das Institut dieser Lehr# stäfcte noch aufrecht besteht. Die Leistungen dieser Lehr# kräfte können nur das richtige •Verständnis finden, wenn man bedenkt, daß bei einer Bevölkerung von 60.000 Juden nur sechs Lehrkräfte angestellt sind, die überdies noch auf ihre ohnehin nur sehr kärglichen Bezüge oft mehrere Mo# Rate hindurch warten müssen und so auch mit der Serge in der Familie noch manch harten Strauß auszufechten haben. * " Die rückständigen Bezüge an das Lehrpersonal er# reichten die; Höhe von nahezu 100.000 Lei. Und da dieser Rückstand aus den ordentlichen Mitteln des Talmud*Thora־ Vereines nicht aufgebracht werden kann, hat der Leiter dieses so wichtigen Institutes, Herr Brazer, ein sehr gelehr# ter und achtbarer, glaubenstreuer Volksgenosse, eine Sanierungsaktion eingeleitöt, ־welche darauf hinzielt, die erwähnte Summe aus Spenden der jüdischen Bevölkerung zustande zu bringen, Die jüdische Erziehung der Kinder darf aber nicht der öffentlichen Mildtätigkeit anheimfallen. Und diesem Uebel abzuhelfen, wird ein dankbares Tätigkeitsfeld für die Aguda bilden, sind seit 1870 die besten Fabrik; Wien, XV., Staglgasse 10 bei Mariahilferstr, 148) Tel, R-35-M7 und &38י5י30י Filiale! Wien VII, Buragaw 17, Tel, 8 3280»3״ vonüg 1 i ch! ^i11nm11nmi1nRnmmiR111n1i1nni11n!111i11nt1i1111n11tn1n1R1i)nnm1Rn11f11tiitttmttt1nf1Ri1nf11iinmin(tfi1titfi>r Besucht die Synagoge« 1« den Städte« eures Sou! inerniifentlinltes 1 Das ״Gemeindehlatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin“ veröffentlicht einen Aufruf, in dem die jüdischen Großstädter, die zur Erholung in die Bäder, Kurorte und Städte des Lanjles hinausfahren, anfgefordert werden, durch den Besuch des Gotteshauses in diesen Orten den durch Abwanderung und schweren Existenzkampf sich oft verlassen fühlenden kleinen• Gemeinden Ermunterung zit bringen. Es sei vorbildlich, wen« diese wenigen in ihrer Einsamkeit die IföcihßteU!Güter des Judentums dadurch ehren und pflegen, daß sie, oft unter Aufwendung schwerster persönlicher Opfer, ihre Synagogen erhalten, die oft eine alte Geschichte und eine ehrwürdige Tradition haben. Diesem gewiß rührenden Appell wäre sonst nichts liinzuziifügen, als daß es eines solchen bei, bewußten Juden eigentlich gar nicht bedarf, Eber könnte noch, gesagt werden, daß es oft sogar schwer ist, die in kleinen Orten vereinzelt oder in• •kleinen Genieinderesten •wobnenden Juden zu entdecken, da sie gar nicht als Juden entdeckt werden wollen. Im übrigen ist es aber ganz selbstverständlich, daß der traditionstreue Jude schon deshalb überall den Anschluß an vorhandene Juden suchen wird, da er selbst das Bedürfnis empfindet, nicht nur rituell zu leben, sondern auch mit Minjan zu beten und an sich die Verheißung verwirklicht zu sehen . בכל..מקום אשר אזכיר את שמי. אביא אליך וברכתיד! 0 NACHRICHTEN I© Der Kampf gegen die Fußballspiele an Sabbat tagen in Palästina. Das Obermbbinat von Palästina hat an die Jewisli Agency, •den Jüdischen Nationalfonds, den Keren Hajessod und den Waad Leumi die schriftliche Aufforderung gerichtet, Angestellte, die an den Fußballvvettspielen au Sabbattagen teilnehmen, zu entlassen. Vertreter der Agudas Jisroel, haben beiun .Großnnufti vorgesprodhen und ihn ersucht, das ägyptisch-mohammedanische;׳Team, das an einem der nächsten Sab'battnge ein Wettspiel gegen den Jerusalemer Makkabi aiistragen soll, telegraphisch aufzufordern, das Wettspiel abzusagen. Der Großimifti' hat sich hiezu bereit erklärt. Eine der ältesten Synagogen Lettlands niedergebrannt. Eine der ältesten Synagogen Lettlands, das Preiler Minjan in Dwinsk, ist ׳niedergebrannt. Das Eener griff auch auf die durchwegs von Juden bewohnten angrenzenden Gebäude über, von denen׳ mehrere vollkommen zerstört wurden. Zahlreiche jüdische Familien sind obdachlos geworden. , , Die große Synagoge‘ in ׳ CiiaVbin düfeh FeuerVeriiicHtöt. Die große Synagoge in der Artilletiestraße zu Charbin wurde durch einen Brauch der, vom Dachgeschoß ausgehend, sich mit größer'Schnelligkeit über das ganze Gebäude ausbreifete, vollständige vernichtet. Unmittelbar nach Ausbruch des Brandes strömten die jüdischen Einwohner herbei, um die Tlioraroilen und heiligen Bücher zu bergen. Sämtliche . Feuerwehrabteilungen von Charbin bemühten sich vergeblich, dem Brand!Einhalt zu tun. Elf Feuerwehrleute wurden durch das einstürzende Dach schwer , verletzt und konnten nur mit Mühe durch Angehörige der jüdischen Gemeinde aus dem brennenden Gebäude gerettet werden. Als Brandursache ist Kurzschluß festgestellt. Die im Dachgeschoß zwecks späterer, ritueller!Bestattung aufibewahrten losen Blätter aus Gebetbüchern gaben den Flammen reichlich Nahrung. •Die nieclevgeibrannte Synagoge war vor 25;Jahren, nach!Beendigung des 1Russisch- Jaipanisclien Krieges,׳ als Juden in größerer Zahl sich in Charbin und׳ in der Mandschurei niederzulassen begannen, errichtet worden. Sie stellte ein monumentales Bauwerk dar und galt als eine der schönsten Synagogen im Fernen Osten.׳ Im Innern war sie prächtig ausgestattet und mit modernen technischen Einrichtungen, wie Zentralheizung und elektrischer Beleuchtung, versehen. An ihr wirkten ständig ein Rabbiner, ein Kantor und ein größer Chor. Das Gebäude war auf den Betrag von 58.000 Goldyeu (zirka 125.006'Mark) versichert. Es gibt in Charbin noch zwei große und drei kleinere Synagogen. Der ״Lubawitscher Rebbe“ ruft zu einer ׳־ Judentums- Organisation auf. Der Führer der jüdischen Orthodoxie, Rabbi Schneeursohn, der berühmte ״Lubawitscher Rebbe“, dev gegenwärtig seinen ständigen Wohnsitz in Riga hat. und von dort aus eine Reihe großer Aktionen für die ortho# doxe Judenheit leitet, weilte auf dem Wege nach Marien# bad in diesen Tagen in Begleitung seines •Schwiegersohnes, Herrn Rabbiner Samaria Gourary, in Berlin. In einem Ge* sprach mt dem JTA.־Vertreter teilte Rabbi Gourary die Meinungen des ״Lubawitscher Rebbe“ über eine Reihe Probleme soziabreligiöser Arbeit mit, mit denen sich der ״Lubawitscher Rebbe“ während seihen letzten Reisen durch verschiedene Länder mit jüdischer Massensiedlung in Europa und Amerika beschäftigt hatte. Der ״Lubawitscher Rebbe“, erklärte Herr Samaria Gourary, ist der Ueberzeugung, daß die jüdischen Gemein־ schäften aller Schattierungen in allen Ländern, seien es in Parteien organisierte jüdische Gruppen, seien es ganz un* parteiische Juden, in der jetzigen für die Gesamtjuden־ heit schweren Zeit die Pflicht haben, sich zu gemeinsamen Aktionen für die Gesamtheit zu vereinigen. Dies geht be* sonders die jüdische Orthodoxie an. Unparteilichkeit mag eine ׳lügend sein, Desorganisation aber ist jedenfalls eine Untugend. ־ Bei Organisierung des Judentums müssen die fol* genden Hauptmomente ins Auge gefaßt werden: Stärkung der Religion, Stützung des jüflisch־Qkonomisehen Gebens, Schutz der Juden, Diese drei Probleme greifen ineinander und können nicht ohne Schaden voneinander gelöst wer־ Bratislava, Andreasgasse 12. Kredit. Eskomptg von Wechseln und offenen Fakturen, ,Günstige Verzinsungvon Einlagen (auf Büchel und laufende liechnungen), Telephon tt46,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.