Mannheim
Compact Memory

Jüdische Presse · 1931-07-10 · 27 (10.7.1931) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
27 (10.7.1931)
Date
1931-07-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2629891-2630389-2630415--3951-2636035
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Novifiovfi vfolatnd povolenä tiadfitpost a telegfäfov? Btatfsfave m. fflnäftM, Zeitungen vom Vettegef vefsendei. Journal expMie paf l’^ditetir. V, b. b. 1i Redaktion u. Administration: Wien, 11.* Leopolds* gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A*49*0*94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: GaiizjahMg: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschecbl K. 80, Einzelnummer Öst. Gr. 50* das übrige’Ausländ 3 Dollar. . * ־ ■. ־״....־ . T ■ä / .. . . . '. Zahlungen auf Konto »Jüdische Presse״, Wien für Oester* reich! Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland! Post* Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien i Postspk.-Amt Zagreb Nf. 40217: Polen i Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; . Ungarn! Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz 1 Post• acheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei r »JÜ* dlsche Presse״, Bratislava, Postspk.-Amt Präg Konto Nr. 63386 ׳ ־ ' ‘;■ V-T*, . .־..־ ־ . ־ - .! ■'■'■:־.• ׳ ׳ ־ ־ ׳ ׳ Nr. 27 Wien-Bratislava, 10. lull 1131 ב׳ה וינא־פרעסבורג כ״ה תמוז תיצ*א 17. lahrg. Trauerwochen in Saloniki Während das jüdische Volk in der ganzen Welt im Andenken an die Üngliickswochen zwischen dem 17. Ta* mus und dem 9. Ab Ereignisse wieder erlebt, die bereits seit Jahrhunderten der Geschichte angehören, scheint eine Vorsehung es in ihren Plan aufgenommen zu haben, die* sem Volke ab und zu auch ein wenig geschichtlichen An* schauungsuntcrricht zu erteilen. Nicht anders kann cs gewertet werden, wenn gerade jetzt, während dieser Trauerwochen, gewisse Vorfälle in deutschen Landen zu verzeichnen sind, von denen der. jüdische Zeitgenosse im ersten Moment seiner Ueberraschung nichts .weiter aüszusageh weiß, als daß sie unerhört, unglaublich, ja noch nie. dagewesen oder nicht mehr zu übertreffen, wären. Wenn dies aber schon für die jüngsten Vorgänge an deutschen Universitäten gilt, um wieviel mehr muß noch beklagt werden, was im Laufe der vorigen Woche in Salo* niki vorging. Diese Stadt, die einst eine Metropole des jüdischen Volkes im Siidosten Europas gebildet hatte, die Zuflucht und Hoffnung der Verfolgten aus den verschiodensten Ländern gewesen war, das Saloniki, das einmal ein Eldorado namentlich des spanisch*türkischen Zweiges unseres Volkes zu sein sich rühmen konnte, dieses selbe Saloniki,ist nunmehr der Schauplatz einer wüsten Juden* Verfolgung geworden. . Wie es schon so oft in der jüdischen Geschichte,, von den Zeiten der Propheten, angefängen bis־ auf Jdeh heutigen Tag, der Fall war, werden die Juden Salonikis zwischen den Mühlsteinen fremder Interessen zerstampft; Nicht genug daran, daß es sich! in erster Linie; an ihrem materiellen Wohle unheilvoll rächte, ■ daßr’ die :Handels־ Stadt Saloniki infolge der neuesten Länderverteilüng am Balkan um ihr Hinterland kam und dadurch vor allem die jüdische •Bevölkerung .in große Not geriet, \Yefderi!;jetzt noch von griechischer Seite .den Juden Salonikis landes־ verräterische Konspirationen zugunsten BÜl^äriens in die Schuhe geschoben. Wenn .auch zugegebep,;,yfejrden muß, daß den Juden in rein handelspolitischer יF^sjchf׳ä,^ine Wiedervereinigung Salonikis mit seinem natürlichen, dem mazedonischen Hiriterlande geboten erscheinen könnte, wird es dennoch keinem vernünftigen Juden T'n Saloniki jemals eingefallen sein, sich in׳ die politischen'■Händel der . feindlichen Balkanmächte aktiv einzumengen. ,Dazu sind gerade unsere orientalischen Brüder als viel zu hücRterne Realpolitiker bekannt, denen die alten, ewig neuen, AVar* nungen der Propheten und Lehrer unseres Volkes viel zu sehr in Fleisch und Blut übergegangen sind. Andererseits zeigt aber vielleicht gerade die nervöse Angst der griechischen Hypernationalisten, daß sie nicht ganz reinen Ge־ Wissens sind. Nur jener Pharao, der den Josef nicht mehr kennen wollte, konnte fürchten, daß Israel sich'mit dem Feinde verbünden würde. Wer selbst reinen Herzens ist und nicht ständig von Kämpfen träumt, wessen Kriegs־ wünsch nicht selbst Vater des Gedankens an fremdem Verrat ist, der wird wohl eher trachten, dem ganzen Lagd und namentlich einer Stadt, wie es Saloniki ist, durch Her* Stellung friedlichen und ungehinderten Verkehrs mit dem Nachbarland, aufzuhelfen. Wie aber die Verhältnisse jetzt liegen, scheint es wieder einmal, daß das jüdische Volk zum trauernden und weinenden Dritten im Streite von Zweien ״auserwählt“ ist. Für diese Auserwähltheit haben wir freilich nicht viel Sinn, aber sie zeigt uns wieder, daß das oberste Prinzip jüdischer Politik Neutralität gegen־ über den Kämpfen der anderen und Besinnung auf die eigenen hohen Aufgaben und Ziele sein muß. M, . * . ־ ״׳ ־ Aus der Fülle der aus Saloniki ,einlangenden, zum Teil einander widersprechenden Nachrichten sei hervor* gehoben; Montag, den 29. Juni, kündigten die nationalistischen Agitatoren. an, sie würden die jüdischen Stadt* viertel in Brand setzen. TäÜsächlich■ begann cs um Mittcr* nacht an mehreren Stellen'Zugleich zu brennen, und bis 1 Uhr nachts waren ge?ä<Ie• in den ärmsten Vierteln mehr als 200 Häuschen medergebrannt. Während der Feuersbrunst wurden die" Tüden angegriffen, sechs Per־ sonen erlitten schwere Brandwunden. In den Vormittags* stunden des 30. Juni entwickelte sich eine regelrechte Straßenschlacht, bei der Tb T.ote und 50 Verletzte blieben. Polizei־ und Militärhilfe waren machtlos. Große Seharcn der jüdischen Bevölkerungffflüchteteu' aus Saloniki. Eine Die Ereignisse in Erez Jisroel haben in allen Ge־ meinden der Slowakei eine bisher wohl kaum gekannte allgemeine Erregung hervorgerufen, die sich in scharfen Protestkundgebungen äußert. An diesen Kundgebungen beteiligt sich das gesamte ׳' glaubenstreue Judentum des Landes auch aus solchen!Kreisen,, die von .der Agudas Jisroel organisatorisch nicht erfaßt sind. In manchen Ö1־ten schließen sich den . Protesten auch die Zionisten misrachistischer Färbung, in einzelnen Gemeinden sogar sonstige Zionisten an. j ־ . In.Spisske Podhrädie wurde eine Resolution im gleichen Sinne wie in den anderen Gemeinden an* genommen und mit. der‘ Unterschrift des Oberrabbiners;und desHertlemdfeprä5ei“ii-n*die Agud«^gfeleitef‘׳^ A;' In N o v e Zämky sprach zunächst Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Tigermann im Rahmen des Perekvortrages in tiefster-Rührung über die traurige Tatsache der. Sabbatschändung auf heiligem Boden. Es fand so* dann eine stark besuchte Protestversammlung statt, in der Herr Gemeindepräses Rafael Kohn unter allgemeiner Zustimmung der Empörung über die von den Zionisten in Erez Jisroel hervorgerufene religionswidrige Lebens־ richtung Ausdruck gab. Ein Misrachist namens Roth versuchte mit einem Zwischenruf das Vorhandensein zio־ nistischer Trefoh*Küchen in Abrede zu stellen, obgleich es ihm bekannt sein müßte, daß selbst die offizielle Leitung des zionistischen Misrachi wiederholt schüchterne Anläufe genommen hat, gegen diese von öffentlichen שוווווווווווווווווווווווווווו1ווווווווווווווו1ו!וו1וו1וווו1!ווווווווווווו11וו1ווווווווווו1111(1וו1ווון!Lebensversicherungs-Gesellschaft! ן!וו1ווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו ן Ü Gegründet 1882 ״ . Gegründet 1882 M I Versidierungslteuan(( Ende Jani 1930 2450 Millionen Sdiilling § | Caianlicffllttol Eule 1929v■ . 300 HlllloneaShilling § I Prämien- und taeHin« : - 1 | im Jatue 1929 .. 1ZSV־ Millionen Schilling ן | Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: | I Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische § 1 Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, §§ 1 Italien, Ungarn, Polen, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- g land, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten §T!lllllll!llllll!!!!!!l!llll!lllllllllll!llll!IIIIIIH Synagoge sowie eine jüdische Schule fielen dem Feuer zum Opfer, und überdies hatten die Brandstifter Thorarollen zerrissen. Ministerpräsident Venizelos versucht zwar, in Mitteilungen an die ausländischen Stellen die Be־ richte als übertrieben darzustellen, nichtsdestoweniger haben aber die jüdischen Führer aus Saloniki die zentral* jüdischen Organisationen um Intervention gebeten, da die jüdische Bevölkerung vor der Gefahr völliger Ausrottung stehe, wenn nicht ein sofortiger Schritt von außen er־• folge. . 1 jüdischen Geldern erhaltenen und von der Zionistischen Organisation geförderten Volksküchen Verwahrung ein* zulegen. Nach dem Referat wurde eine Resolution in dem* selben Wortlaut wie in der Preßburger Versammlung־ angenommen. . In Topolcany schloß sich die Rep rase 11־ tantenversammlting der Gemeinde unter Vorsitz des Gemeindepräses Herrn .David Löwbeer einstimmig dem Protest an. Von tiefer Wirkung und nicht ohne Folgen für die Gesamtstimmung der jüdischen Bevölkerung in der Zu* kunft war die imposante Protestyersammlung der Ge- ,,.mein,de} H#u s ,t; iin -großen '^Besham^drasch:;-^am.סיצש״ק חל׳ורפנלק Nach Ausgang des Sabbat versammelten sich, hundert Juden aller Klassen, noch in den Sabbatkleidern* im Beshamidrasch. Ein temperamentvoller־ Vertreter ,der thoratreuen J u־g e n d, Herr B. Mart ö n, prhielt den Auftrag, die Versammlung zu eröffnen. Seine Ansprache beschäftigte sich mit dem Gedanken und den .organisato* rischen Prinzipien der Agudas Jisroel und wies auf die Notwendigkeit des engen Zusammenschlusses aller Gleich* gesinnten hin, wenn nicht auch die Thorätreüen selbst durch ihre Untätigkeit und Zerfahrenheit ungewollt an Erscheinungen, wie sie jetzt im Heiligen Lande zu*, tage treten, mitschuldig sein wollen. Nachdem sich der starke Applaus gelegt hatte, bestieg der unter dem Namen ״Rabbi Mosche Tetscher“ als chassidischer Führer be-; kannte Herr Moses Rosenfeld in Streimel und; Kaftan das Almemor und schilderte die Vorfälle der letzten Wochen in Jerusalem in Zu Herzen ׳dringenden Ausfiih* rungen. Sehr wirksam und‘.treffend kennzeichnete er die Ungeheuerlichkeit des Kampfes, der sich jetzt unter Füh* rung der Aguda zwischen den orthodoxen -und den zio־ nistischen Juden in Erez Jisroel wegen der Erhaltung des heiligen Schabbos abspielt, mit folgendem Midrasch* gleichnis: ״In einem Walde fuhr ein ,mit •Hackbeilen beladener Wagen. Als ,die Bäume des Waldes; den Wagen nahen sahen, witterten sie Gefahr für sich, Und es־׳würde ihnen bange. Ein Baum aber tröstete sie'־in1t;׳ d^'־W(0rf9'nT ,Noch haben wir keinen .Grund, zaghaft 'zu;sein; 11Qch;,ist; es nicht sicher, daß diese Beile zu unserer Ausrottung bestimmt sind und wir uns vor ihnen fürchten 'müssen..* Auf die Frage, woran er denn zu erkennen vermöge, ob die Beile .eine .Gefahr bedeuten, erklärte, er den beküm* inerten Bäumen: ,Gefährlich können uns die Beile nur wrden, wenn sie mit Stielen versehen sind; wenn hölzerne Stiele, wenn unsere eigenen Brüder, aus dem gleichen Stoff wie wir, dem eisernen Beil Hilfe leisten, um gegen unser Leben geschwungen zu werden, nur dann droht unserem Leben Gefahr,‘• Wir führen so führte der Redner aus — einen erbitterten Kampf für den Sabbat gegen manche Gegner unter den Andersgläubigen, die uriä den Sabbat rauben wollen. Dieser Kampf schmerzt uns tief, aber wir fühlen in uns Widerstandskraft genug, ui« dieser Gefahr zu steuern. Wenn aber Juclen, unsere Die Sabbatschändung in Erez )isroel Protestkundgebungen in der Slowakei dar weltbekannten Perückenwerkitätte mm 4m Wien V Kä rntnerring 6 ן Bf .

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.