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Jüdische Presse · 1931-06-11 · 23 (11.6.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
23 (11.6.1931)
Date
1931-06-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Novinovö v^platod povoleoä tfadlt post a felegtafov V Bfatislave 259. 41572111.20־. Leitungen vom Verlege? verseadet. Journal expedle paf l’ddHetit. V. t». b. JUIBCHE PRESSE ORRAM HIN MC INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien. 11., Leopolds# gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A#49#0#94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahmnten aut Konto Jüdische Presse*, Wien tüf Oester* reich8 Postsparkastenkonto Nr. D-93614; Deutschland 1 Post* «־checkkonto Berlin Nr. 122619; lugoslawlen! Pöstspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen 8 Postspk.*Amt Warschau Nr. 190409: Ungarns Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz! Post• «scheckk. Zürich VIII. 4117: tür die Tschechoslowakei 1 ״Jö■ ׳rische Presse*, Bratislava, Pos1spk.*AmtPrag Konto Nf.53386 Nr. 23 Wien-Bratislava, 11. Juni 1931 17 | נ*ד. וינא־סרעםבוו־נ כז׳ סיק תיצ׳א. Jahrg. Hai Sin 1 jüttn lilmiiiii Einschreibungen.. .J Das laufende Schuljahr ist noch nicht zu Ende. Die Schulbehörden fordern aber jetzt schon die Bevolkcrung auf, ihre schulpflichtigen Kinder für das am 15. September 1951 beginnende neue Schuljahr einschreiben zu lassen. Diese Verfügung der Schulbehürden entspringt der Sorgsamkeit, alles, was mit der Erziehung der künftigen Generation zusammenhängt, genauest vorzubcreiten. Wir von unserem orthodoxen Standpunkte aus würden es herzlichst begrüßen, wenn jüdische Eltern sorgsam und ernst, wie es der Bedeutung der Sache entspricht, überlegen würden, in welche Schule sie ihre Kinder schicken.;Die Einschreibung־ in eine Schule bedeutet zumeist gleichzeitig die Entscheidung über den künftigen religiösen Wandel des jüdischen Kindes. Jüdische Eltern! Sechsjährige Kinder, Sabbat für Sabbat in die nichtjüdische Schule zu schicken, bedeutet, den Glanz des Sabbats in der Seele dieser zarten Kinder zu erlöschen. Alle Verordnungen des Ministers und des Stadtschulrates über Befreiung , jüdischer Kinder vom Schreiben und Zeichnen am Sabbat können über den Umstand nicht hmweghelfen, daß der Schulbesuch am Sabbat in dem Kinde die Vorstellung erweckt, daß der Sabbat der Werktag und der Sonntag der Festtag ist. Aber nicht nur der Sabbat geht euren Kindern verloren. An der nichtjüdisehen Schule müssen eure Kinder in einer unjüdischen, oft antijüdischen Umgebung allmählich in einen fremden Kulturkreis geraten und fremden Sitten verfallen. Jüdische Eltern! Wir erblicken in der jüdisehen Schule die einzige Möglichkeit in Wien, Kinder jüdisch zu erziehen. Die Jüdische Volks- und Hauptschule für Knaben in der Malzgasse mit ihrem schönen Schulhaus, die im Dr.-Krüger-Heim untergebrachte jüdisehe Mädchenschule, die nunmehr bis zu der 2. Hauptschulklasse ausgebaut ist, enthebt die jüdische Elternschaft der quälenden Sorge, wo sie eigentlich ihre Kindei* hinschicken soll. Für uns, jüdische Eltern, darf es nur eine Losuug־ geben: Das jüdische Kind in die׳ jüdische Schule. Ein jüdischer Vater. SflSJüüifcve tfiNb זוג öie jüöisdje JSdjule ‘QoCks u.fficu1ph<fiuJk/ürjf(naJ)ea. <utdflädcAea mdOfenilMeäsraAl «. Malzgasse, /ff ׳_ Wir haben in den Spalten der ״Jüdischen Presse“ seit einer Reihe von Jahren ttnzähligemal auf die Not- Wendigkeit einer planmäßigen und zweckdien־ liehen orthodoxen Täc'htererziehung in der Slowakei und Podkarpatskü Rus, als drin־־ gendstes Erfordernis der Zeit hingewiesen. In den Ge* meinden der Westslowakei ist diese Erkenntnis bereits in weite Kreise eingedrungen und hier sind auch schon durch die prinzipienbewußte, eindeutige Tätigkeit der A g u d a s J i s'r o e 1-F rauen# und Mädchengruppen sehr nennenswerte Erfolge zu verzeichnen, die sich ganz be# stimmt in steigendem Maße erhöhen werden, je stand# hafter die bisherige gerade Linie in der orthodoxen Frauenbewegung eingehalten wird. In bezug auf einen Erfolg dieser heilsamen erzieherischen Auswirkungen der Agudabewegung in der Ostslowakei und in Podkarpatskn Rus war man indessen immer noch mehr zur Skepsis geneigt. Obgleich genaue Kenner der Verhältnisse in diesen Landesgebieten eine straffe, vom Gedankeninhalt des orthodoxen Judentums durchdrungene Töchtererzie־ hung für viel notwendiger hielten als in der Westslowakei, begegnete bisher jeder Versuch, Wandel zu schaffen, nur offenem Widerstand oder — was viel schlimmer ist — verständnisloser Gleichgültigkeit, besonders bei den־ jenigen, deren Erfahrungen an den eigenen Kindern sie eines Besseren hätten belehren müssen. Es kam in den letzten Jahren schon so weit, daß man in den moderneren orthodoxen Frauenkreisen des Westens von der Lebens־ führung und der Geistesrichtung ׳eines Großteils der Töchter orthodoxer und besonders chassidischer Eltern—. darunter zahlreiche gewiegte ר^וייףן ur>d für ihre Person auch aufrichtige יראי ~ nur mü den Aus« drücken bitteren Schmerzes und tiefster Empörung sprechen hört. Um so erfreulicher ist es, daß jetzt endlich auch von dort öffentliche Stimmen, offene Worte in dieser Frage zu verzeichnen sind, woraus mit ein wenig Optimismus geschlossen werden kann, daß auch dort das ,starre Eis der Indifferenz zu schmelzen beginnt und die vielfachen Mahnrufe der Aguda nicht ganz wirkungslos verhallt sind. Es scheint, daß das religiöse Gewissen selbst in der in dieser Beziehung ־ vielleicht am stärksten ver# nachlässigten jüdischen Gemeinde des Landes, näiwlich in Munkac, allmählich erwacht, und daß es auch dort Männer gibt, die im Sinne der orthodoxen Frauenbewe# gung der Agtfidas Jisroel auf rettende Taten drängen. In den beiden jüngsten Nummern der in Munkac erscheinen# den ״Jüdischen Zeitung“, des Organs des Munkacer Ober־ rabbiners, ergreifen Ch. 1. Schlüssel und , H. M. Kalisch das Wort zur Frage der Töchtererziehung. Es erscheint uns angebracht, den Hauptinhalt dieser Artikel hier aus dem Jüdischen zu übersetzen. Ch. I. Schl ü s s e 1 behandelt in Nummer 21 vom 5. Siwan der genannten Zeitung, die Frage der Gründung einer geordneten Talmud־Thora־Schule in Munkac und kommt dann auch auf die Töchtererziehung zu sprechen und schreibt: ״Und ich stelle fest, daß das hiesige Am#Haareztum zum größten Teil daher stammt, daß die hiesigen jüdischen Töchter jedes jüdischen Wissens bar sind. Sie sind davon weit entfernt und begreifen nicht, was jüdischer Stolz bedeutet. Die hiesigen jüdischen Töchter sind vom jüdischen Geist so unberührt, daß sie sich sogar jüdisch zu sprechen schämen. Es. ist daher nicht zu verwundern, wenn die Mutter zum heiligen Thora־ geist so wenig Beziehung hat, daß sie dann kein Inter# esse dafür besitzt, das Kind zum Talmid Chochom zu erziehen. Die Rückständigkeit der Töchter und danach auch der Mütter in diesen Dingen ist dem Mangel einer Religio ttssc hule für Mädchen zuzuschreiben. Für die hiesigen Mädchen gibt es keine Cheder, sie können nur schwer Hebräisch lesen und deshalb suchen sie geistige Befriedigung in den fremden Litera־ turen, durch weiche sie vom jüdischen Stolz entfernt werden. Es ist ein Irrtum, sich dabei auf jene Talmud# stelle zu berufen, nach welcher der Thoraunterricht der Tochter nicht recht sei, weil es sich bei, dieser Frage doch nicht um Thoralcrnen, um Gemoro mit den Dis# kusstonen von Abaje und Rowo handelt. Wir sprechen von Lehren, durch welche die jüdische Frau die Größe und Bedeutung der jüdischen Abstammung erfahren soll, von Lehren, welche ihr die nötigen Vorschriften über jüdischen Haushalt, jüdischer Familienreinheit usw. vermitteln sollen. Dazu gehört eine systematische Er# ziehung, und das hat man auch bei der Offenbarung der Thora den Frauen besonders gelehrt כה תאמר לסת .יעקב - אלו הנשים ״Sprich so zu dem Hause Jakobs — darunter sind die Frauen verstanden.“ Auch den Frauen gegenüber gilt die Forderung der Vereinigung (הקהל)» weil sie mit der Kindererziehung betraut sind, und dieses Kind wird nach ihrem Kulturmaßstäb erzogen. Der Einwand, man könne die Töchter bei Privatlehrern unterrichten lassen, ist hinfällig, erstens weit man bei . solchem Privatunterricht 'nicht sicher ־ sein könne, daß der Lehrer nicht schädliche Anschauungen der Schülerin beibringt, und zweitens,' weil , sich einen solchen Unterricht nur wenige Auserwählte zu leisten vermögen. Unserem ehrwürdigen Oberrabbiner wurde ein# mal in meiner Gegenwart die Frage vorgelegt, ob gegen ein Mädchencheder vom Standpunkt des Din oder des Chassidus irgend welche Bedenken vorliegen. Darauf er* widerte er: ,Cholilo, in Dynow und Stryzow, den Orten meiner Vorfahren, sind die Mädchen ebenfalls ins Cheder gegangen.‘ Die Gemeinde hat demnach gar keinen Vorwand zur weiteren Erhaltung eines solchen Zustandes . . .“ Darauf geht H. M. Kalisch in der nächstfolgen־ den Nummer in einem weiteren Artikel ein und schreibt folgendes: , ״Ich schließe mich der Analyse und der Behaup# tung an, daß die Ursachen und die Beweggründe für die allgemeine Vergröberung und die Unwissenheit in der Unkenntnis unserer Töchter und damit unserer Mütter von der jüdischen Vergangenheit zu suchen sind. Die jüdische Tochter kann nur zur Not Hebräisch lesen, sie weiß von Jüdischkeit, von jüdischen Vorschriften und Gebräuchen auch nur ganz wenig. Sie erblickt in ihrem Volk nur Unterdrückte und hält ihre Nation für minder־ wertig und klein. Da ist es kein Wunder, wenn das jüdische Mädchen nach fremder, nichtjüdischer Literatur und Kultur strebt. Die jüdische Tochter ist infolge ihrer Unwissen# heit wahrlich bar aller wahren Vorzüge und Eigenschäften, die ehemalige jüdische Töchter besaßen. Diese Tochter möchte schon, daß ihr Mann ein ״weltlicher“ und nicht ein Jeschiwaschüler sei. Die Jeschiwa kann sie selbstredend überhaupt nicht als Stätte von Kultur und Wissenschaft betrachten. Wenn sie nach dieser Richtung auch nicht vollen Erfolg hat, weil ihr Vater ihrem Wunsche nicht nachkommen will, so ist immer# hin diese ihre naive Meinung von großer Wirkung bei ihren Kindern, weil doch die Kindererziehung zumeist im ganzen Sache der Mutter ist. Die Mutter ist die• einflußreichste, nächste und dauerndste Erzieherin des Kindes. Die höchste Verantwortung für die Erziehung des ganzen menschlichen Wesens liegt auf ihr. Sie ist in der Lage, dem Kinde den Geist von Menschlichkeit, von Jüdischkeit und reiner Moral einzuprägen, denn diese erste Erziehung bildet die Grundlage des ganzen menschlichen Lebens, nach dem Worte König Salomos: rtSTTT Modernste Brautperiicken —- der weltbekannten Perückenwerkstätte OTHMAR SCHIFF Wien I, Kärntnerring 6 (UtfpSS&f) Tel. U-41-3-62

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