Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 22 (5.6.1931)
- Date
- 1931-06-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 JÜDISCHE PRESSE Seite 5 //. Maizgasse t6 MI* v/mm. r!lW Die Einschreibungen in die Tnlmud-Tliora-Schule, II., Malzgasse 16, finden vom 7. Juni an täglich von 8 bis 12 Uhr in der ' Schulkanzlei statt. Hundert Jahre nach Rabbi Dawid Deutsch s. Z. 1. Am 22. Sivan wird sich auf dem alten כ*ת ^למין : in Nove Mesto n. V. (Waagncustadtl, Vägujhely) am ׳ Grabe eines großen Mannes des vorigen Jahrhunderts «eine bewegte Gemeinde aus nah und fern iu stiller An# dacht versammeln. Hundert Jahre sind im Strom der Zeit sturmgetrieben dahingcrollt, seitdem der wegen seines immensen Thorawissens wie seines felsenfesten Glaubens gleichermaßen berühmte Rabbi Dawid De u t s c h זצ״ל .hier zur Ruhe gebettet wurde. Hundert Jahre, die im äußeren und inneren Leben der Juden unseres Landes mancherlei Wandel hervorgerufen haben, hundert Jahre, die auch seiner Gemeinde ניישטאדלder er 2t Jahre gei־ stiger Führer und edles Vorbild war, ein stark ver# ändertes Gesicht gegeben haben. Die Verehrung jedoch, die er im Leben weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus genoß, wurde in diesem Jahrhundert nicht gemin« dert, der Glanz seines Namens nicht verdunkelt. Das ist das untrügliche Merkmal wahrer historischer Größe. Ihr zu huldigen, an ihr sich seelisch emporzuranken, an ihr Sinn zu lernen und Maßstab zu gewinnen für j ü cl i# sclies W o 11 e u und j ü d i s c h e s T r a c h t e n in unseren Tage n, ist der bewußte Zweck der Gedenk# feier, die von der orthodoxen Gemeinde in Nove Mesto, der Nachfolgerin jener alten Gemeinde, an deren Spitze vor hundert Jahren ein Mann wie Rabbi Dawid Deutsch זצ״ל gestanden hat, und ihrer Chewra Kadischa : zu seinem hundertsten Jahrheittage veranstaltet wird. 'Schlichte jüdische Thoragröße, innige, tiefe, fromme G־ttergebenheit sich lebendig zu vergegenwärtigen und zum treibenden Impuls eigener Lebensweihe und eigenen 'Tatendranges zu gestalten, das führt an diesem Tage eine Schar unserer Zeitgenossen an den Grabeshügel des Rabbi ״.Dawid Deutsch זצ«ל nach Nove Mesto. Die ungestillte ':Sehnsucht der ganzen Generation nach starker Führung, die aus dem Wahrheitsquell unserer תןךן»ק und nur ־.aus ׳.ihr ihre gebieterische und bezwingende Kraft :schöpfen soll, wie sie aus der Zeit des Rabbi Dawid Deutsch 1צ״ל von Bergeshöhe herab entgegenleuchtet, bedarf — wenn sie unbefriedigt bleibt — des gebeteten .W ortes als Mittlers vor dem höchsten Lenker, um .nicht in vernichtende Trostlosigkeit zu versinken. Ein .solches Gebet an der sichtbaren Stätte einstiger großer ..Führer —: □על קברי צדיקי —■ bewirkt schon' hier auf Erden die Verschmelzung , auseinander־ •ge rissener Generationen zu einer Gegen# w a r t und gebietet uns, uns allen von heute, unser Haupt zu beugen vor jener thorabegnadeten Führung, die über '■ein Jahrhundert hinweg uns den Weg in die Zukunft weist. Nicht alle, die am 22. Siwan in Nove Mesto zum 'Grab des Rabbi Dawid Deutsch 1צ״ל pilgern werden, '!können sich Rechenschaft darüber geben, was sie im tiefsten Innern bewegt. Der Sinn, der tiefere Sinn dieser ׳ Gedenkfeier ist aber auch unbewußt in der jiidisch#reli# giösen Seele fest verankert, und er gibt ihr eine Bedeu# itung, die über das Zeitliche weit hinausragt. Ueber die Lebensgeschichte des Rabbi Dawid ’ Deutsch זצ״ל 'st manches bekannt geworden. Er entstammte einer in hohem Ansehen gestandenen rabbi־ smschen Familie, die dem Judentum manchen großen Mann geschenkt hat. Sein Vater, Rabbi Menachem Deutsch 1צ״ל war Rabbiner in Kittsee (bei Preßburg), -das früher eine große Gemeinde war. Er selbst wurde er־ ־.zogen, wie damals alle g*ttergebenen Eltern ihre Kinder •erzogen haben, in Thora und G־ttesfurcht. Er war später hervorragender Schüler des Rabbi Jecheskel Landau . (Nodä bijhtido) זצ״ל und stand ihm sein Leben lang äußerst nahe. Er war zuerst Rabbiner in Senica und wäh# •. rend der letzten 2t Jahre seines Lebens in Nove Mesto. Er stand mit den rabbinischen Führern seiner Zeit, .;namentlich mit seinem Lehrer Rabbi Jecheskel Landau und Rabbi Mosche Sofer (Chasam Sofer), ויי 1צ״ל Preßburg in engster Verbindung. Er hinterließ zahlreiche Manuskripte, in denen profundes talmudisches und hala# chisches' Wissen nidergelegt ist. Von diesen sind nach seinem Ableben drei Bände unter dem Namen אהל ךןך 'herausgegeben worden, die auch heute die größte Wert- Schätzung genießen! Von seinen• Nachkommen, unter ihnen zahlreiche Rabbiner von Namen, erlangte im beson־ deren sein Schwiegersohn Rabbi Meir Asch זציל in Ungvar große Berühmtheit. Will man aber eine. Vorstellung davon gewinnen, was Rabbi Deutsch 1צ״ל seiner Zeit und auch uns;heute noch, unserer Zeit, bedeutet, so braucht, man. nur .?auf die zahlreichen, in..die breitesten Schichten. 4,^5 Volkes eingedrungenen Erzählungen über sein Wirken zu horchen. Er ist mit seiner abgeklärten Weisheit und seiner wahren Frömmigkeit eine legendenumrankte Ge־ stalt geworden. So wirkt denn das. was er auf Erden geleistet hat, als unversiegbare Quelle jüdischer Treue für alle Ewigkeit weiter, Judenabzeichen in Böhmen. Es wäre eine umfangreiche Lhitcrsuchung, wenn man die Ursachen feststellen wollte, warum sich die Juden von altersher von ihrer Umgebung nicht nur durch besondere Sitten und Gebräuche, sondern auch ihre abweichende Tracht unterschieden haben. Tatsache ist, daß eine solche Unterscheidung wohl seit der Zerstreuung, fast allent# halben bestand. Zum großen Teil mögen die Gründe gewiß religiöser Natur sein (Pcos und Barttracht),^ zum Teil hat aber sicherlich eine starke konservative Gesin־ nung dazu beigetragen, der es zuzuschreiben ist, daß die jetzt im Osten Europas־ lebenden Jehudim außer an der Sprache auch an der Kleidung festhalten, wie sie vor Jahrhunderten zur Zeit der Austreibung irgendwo am Rhein geherrscht haben. Die Absonderung von der andersgläubigen Um# gebung, von der eben die Rede war, ist eine völlig frei־ willige, soweit man die Unterwerfung unter selbst־ geschaffene Regeln (Minhagim) sowie unter die Kleider־ mode einer verflossenen besseren Zeit als freiwillige be־ zeichnen kann. Etwas ganz anderes sind aber die Zutaten zur gewöhnlichen Tracht, die den Juden von einer herr־ sehenden Macht aufgezwungen wurden, wie dies zu Zwecken einer bewußten Absonderung in mehr oder weniger unfreundlicher Absicht durch Jahrhunderte in fast ganz Europa der Fall war. Man führt den Beginn dieser mehr die Anordnenden als die Juden selbst beschämenden Einrichtung auf einen Beschluß des IV. lateranischen Kon־ zils zu Rom im Jahre 1215 zurück, das auf Anregung des damaligen Papstes Innozenz III. verlangte, daß die Juden in allen christlichen Ländern von den Christen durch eine andere Art von Kleidung unterschieden werden müßten. Die Abzeichen in der Kleidung wechselten je nach Zeiten und Ländern. Diese sogenannten Judenabzeichen waren gewöhnlich einer breiten verflossenen Kleidermode entnommen und erfüllten so mit der Wirkung der Ab# sonderung und Unterscheidung noch den weiteren Zweck, die so Gekennzeichneten dem Gespött eines rohen Pöbels auszusetzen. Die Entwicklung dieser .Tudcnabzeichen speziell im Lande Böhmen zu verfolgen, hat sich eine Arbeit des Bibliothekars der Prager Kultusgcmeindc, Dr. Tobias Jakobovits, zur Aufgabe gemacht, die soeben im Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der tschechoslowakischen Republik erschienen ist. Die Schrift, die auf gründlichen Quellenstudien fußt, stellt die ganze Geschichte der Abzeichen vom Judenhut, der verschiedene Formen annahm, über den gelben Ring und die berüchtigte Halskrause bis auf den sogenannten gelben Fleck dar, mit welchem diese Periode jüdischen Martyriums in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ihren Abschluß findet. Dadurch, daß die verschiedenen Erlässe und An# ordnun gen die Gesinnung der herrschenden Kreise jener glücklicherweise längst entschwundenen Zeiten wider# spiegeln, wird ihre Darstellung sozusagen zu einer Ge# schichte des Antisemitismus, in den betreffenden Gegenden. Interessant ist es aber auch, unbeabsichtigte Folgen solcher Maßnahmen wahrzunehmen. Das Abzeichen, das den seine Straße Dahinwandernden zur weithin kenntlichen Zielscheibe für rohe Angriffe machte, hat wieder in der Hauptstadt die Betroffenen nur um so enger ancinandergeschmiedet. Manche suchten auf verschiedene Art sich des entwürdigenden und den freien Handelsver# kehr unterbindenden Abzeichens zu entledigen, für sich oder ganze Gruppen Begünstigungen zu erlangen. Die Haltung der Herrschenden und Behörden schwankte zwischen Duldung und Strenge, bis endlich unter Josef II. dieses unwürdige Denkzeichen einer wenig glorreichen Vergangenheit, hoffentlich für immer, von der Bildfläche verschwand, und das —wie Jakobovits sinniger# weise bemerkt — mit einer solchen Gründlichkeit, daß selbst die Prager Museen nicht imstande waren, auch nur ein einziges Abzeichen fiir ihre Sammlungen zu erwerben. F. P. Ein jüdisches Spital in Koäice. In Kosice wurde dieser Tage ein Komitee zur Gründung eines jüdischen Spitals und Altersversorgungsheims konstituiert. Die Gründungsversammlung findet in einigen Wochen statt. Man bringt diesem neuen Unternehmen jüdischer Wohl-' tätigkeit in allen Kreisen großes Interesse entgegen. Installation des Oberrabbiners von Senica. Am 17. Siwan fand in .Senica die Amtseinführung des Herrn Oberrabbiners Salon! on Weiß in das Rabbinat in feierlicher Weise statt. Die Behörden von Stadt und Bezirk, die Seelsorger aller nichtjüdischen Kon# fcssionen, zahlreiche Rabbiner und Gemeindedeputationen und eine Menge Gäste nahmen an der erhebenden Feier teil. Wir bringen in der nächsten Nummer über den Ver# lauf der Feier, einen ausführlichen Bericht unseres Kor# respondenten. Hoffenden Frauen und jungen Müttern verhilft das natürliche ״Franz־Jose|f“־Bitterwasser zu geregelter Magen־ und Darmtätigkeit. Die Hauptvertreter der neuzeitlichen Frauenheilkunde haben das Franz־Josef־Wasser in einer sehr großen Zahl von Fällen als rasch, zuverlässig und schmerzlos wirkend erprobt. In allen Apotheken, Droge# rien und Mineralwasserhandlungen erhältlich! Die Gedenkfeier in Nov6 Mesto n. V. Wie wir von der aut. orth. Kultusgemeinde in Nove Mesto n. V. verständigt werden, findet ihre offizielle Ge# denkfeier mit den הס״דים an! 22. Siwan, 2 Uhr nachmit# tags, auf den!בית עלמין statt. An die Hespedin! wird sich eine “סעידת מצי anschließen. Den! Vernehmen nach beabsichtigt auch die Statns# quo־Gen!einde von Nove Mesto den Jahrzeitstag mit einer besonderen Gedenkfeier an! Vormittag zu begehen, bei welcher der Rabbiner der Nitraer Neologengemeinde Dr. L. Schweiger die Gedenkrede halten soll. Rabbi Mosche Blau in Bratislava. An! letzten Schabbos#$i'5 Hielt R. Mosche Blau aus Jerusalem im Saale der Agucj[as־Ji3roel־Jugend# gruppe vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft einen be# deutungsvollen Vortrag über die gegenwärtige Lage in Erez Jisroel. Der Redner entwarf ein hochinteressantes, wenn auch tiefschmerzliches Bild von den gegenwärtigen politischen, ökonomischen und, religiösen Verhältnissen im Heiligen Lande. Der Vortrag war trotz der bitteren und zum Teil sogar ätzenden Wahrheiten, die er enthüllte, von starkem religiösem Optimismus beherrrscht und klang in der Hoffnung aus. daß es nunmehr nach den vielen Ent# täuschungen der unreligiösen Elemente im Lande m. G. H. gelingen möge, die Neubesiedlung des Heiligen Landes im Geiste des wahren Judentums zu fördern und zu stärken. Oberrabbiner Juda Grünwald צ״ל*. Am 3. Sivan ist in Vaja hochbetagt Oberrabbiner Juda Grünwald gestorben. Die Bestattung fand unter großer Beteiligung aus der ganzen Umgebung statt. Samt# iiche Rabbiner der Nachbargemeindcn hielten dem Ver# blichenen ehrende Nachrufe. Oberrabbiner Abraliam Benjamin Jungreisz זצ״ל> In Fehergyarrnat ist vor einigen Tagen im Alter von 60 Jahren Oberrabbiner Abraham Benjamin Jungreisz gestorben. Der Verstorbene, ein Enkel des bekannten Gaon von Kaschau, batte mehr als 38 Jahre in Fehergyarmat segensreich gewirkt. Seine Bestattung fand unter großer Beteiligung der ganzen Bevölkerung und der Rah־ Liner aus den Nachbargemcinden statt. Wasche keinen Boden mehr, Cirine#Beizc lohnt sich sehr. (Siehe Inserat.) Ehen uiul Mischehen unter den Juden Frankfurts. Berlin, t. Juni. (J. T. A.) Aufschlußreiches Material über die Eheschließungen der Frankfurter Juden liefern die von der Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jiddi־ sehen Wissenschaftlichen Instituts aufgestellten Tabellen der in Frankfurt a. M. in den letzten 50 Jahren cingegan# gencti Ehen. Es sind in den Jahren 1876/80 in Frankfurt a. M. durchschnittlich auf 96,6 rein jüdische Ehen 14 Mischehen geschlossen worden; 188r/85 108 rein jüdische und 12,2 Mischehen; 1886/90 122,2 und 17, 189r/q5 119,4 und 15.4. 1896/1000 148,8 uncl 32,4, 1901/05 140,6 und 35,2, 1906/09 152 und 40, 1910/14 257 und 47, 1915/18 66 uncl 37, 1919/32 354 und 94,!923/27 189 und 67, 1928/29 187 und 79. Dr. Feodor Rosenbaum, der frühere Schriftleiter des ״Israelitischen Familienblattes“, 81 jnlirig verschieden. In Berlin verstarb im Alter von 81 Jahren der im Ruhestande lebende langjährige Schriftleiter des ״Israelitischen Familienblattes“ Dr. phil. Feodor Rosenbaum. einer der angesehensten jüdischen Publizisten in Deutschland. Rückgang des religiösen Judentums in Rußland. Moskau, 28. Mai. (J. T. A.) Eine soeben veröffent# lichte Statistik stellt fest, daß clie Kampagne der jüdischen Apikorsirn oder militanten Atheisten nicht ohne Wir# kung auf die jüdische Bevölkerung der Sowjetunion geblichen ist. In letzter Zeit haben 6ז Rabbiner ihre Funktionen niedergelegt, von denen einige den. Austritt aus dem Rabbinat stillschweigend vollzogen haben, indem sie von ihren bisherigen Wohnorten fortzogen und anderwärts neue Beschäftigung suchten, während andere öffentlich vor versammelter Gemeinde in der Synagoge ihren Entschluß bekanntgaben. Außerdem haben zahl־ reiche Schächter ihren Beruf aufgegeben uncl öffentlich erklärt, daß sie sich in vollkommener Uebereinstimmung mit den Richtlinien Lenins befinden, der die Anbringung des Karl Marxschen Mottos ״Religion ist Opium für das Volk“ an den Kirchen der Sowjetunion angeordnet hat. Der Zustrom der Juden in die Industrie hält mit unverminderter Stärke an. So arbeiten zum Beispiel, wie aus einer soeben abgeschlossenen Zählung hervorgeht, in den Fabriken der Stadt Odessa gegenwärtig 42.000 Juden, während vor einem Jahr erst 19.000 Juden als Fabriks# arbeiter in Odessa beschäftigt waren. Hand in Hand mit dieser Industrialisierung geht eine rapide Rttssifizierung vor sich. Obwohl der Gebrauch der jiddischen Sprache in Fabriken nicht verboten ist, bedienen sich die jüdischen Arbeiter der russischen Sprache, assimilieren sich den rus# sischen Arbeitern und nehmen russische Gebräuche an. (Und der Sabbat? Anra. d. Red.) Die jüdische Bevölkerung in Borisow und anderen Städten Weißrußlands setzt den Bemühungen der jitdi# sehen Kolonisationsbehörden, die Schweinezucht als Zweig der jüdischen Landwirtschaft einzuführen, ent# schlossenen Widerstand entgegen. Anläßlich der Um# Wandlung der Technischen Hochschule für Getreidebau in Borisow in eine auf Schweinezucht spezialisierte Lehranstalt für Viehzucht haben zahlreiche jüdische Hörer die Erklärung abgegeben, mit Schweinezucht nichts zu tun haben zu wollen und ihre Absicht, das Studium nicht weiter fortzusetzen, geäußert. An anderen Orten haben Leiter jüdischer Kollek־ tive, als sie aufgefordert wurden, ihre Betriebe auf Schweinezucht umzustellen, ihre Demission 1 eingereicht. Auch viele Arbeiter haben aus demselben Grund ihr Aus# scheiden aus den Betrieben angedroht. Im Gebiet von Kojdanow, wo ein eigenes jüdisches Schweinezuchtkollek־ , tiv gebildet wurde, hat sich die Schweinezucht als unpro# duktiv erwiesen. Etwa 97% der Ferkel gingen ein. Die jiddischskommunistische Zeitung ״Oktiahr“ in .Minsk führt dagegen im Rahmen einer Uebersicht über die Schweinezucht in Weißrußland eine Reihe von Kollek# tiven in rein jüdischen Gebieten an, wo eine nach wissen* schaftlichen Grundsätzen geleitete Schweinezucht erfolg* reich durchgeführt wird. So gibt es z, B. in Sluzk zwei ausgezeichnet arbeitende Schweinezuchtkollektiven, deren iüd••'•׳'^’ M־>׳gliedcr sich mit starkem Interesse, dem neuen Betriebszweig widmen. Von der jüdischen Presse in New York. 1m Maiheft des Gemeindeblattes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin berichtet G. Hirsehfeld, New York, über die jüdische Presse in New York. Es gibt in New York etwa zwei Millionen Juden, die über die Riesenstadt mit ihren 10 Millionen Einwohnern ungleichmäßig verteilt sind. Heute erscheinen vier Tageszeitungen in Jiddisch: ״Der Vorwärts“: Abendausgabe 140.000, Sonntagsausgabe 160.000, Durchschnitt 143.000. ״Yiddisches Morgen#Journal“: Morgenausgabe 95.000, ׳ Sonntagsausgabe 80.000, Durch# schnitt 90,000. ״Tag“ (Tag): Abendausgabe 80.000, Sonn# tagsausgabe 85.000, Durchschnitt 82,000. ״Freiheit“: Abend# ausgabe etwa 30.000. Diese 345.000 Leser repräsentieren etwa 18 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung in New York City; im Durchschnitt kommt auf eine fünf# köpfige Familie je eine jiddische Tageszeitung. (Insgesamt existieren in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 190 jüdische Zeitungen und Zeitschrif# ten, Davon erscheinen 5 in hebräischer, 72 in jiddischer, 12 in jiddischer und englischer, 98 in englischer, 1 in deutscher und l in spanioliseher Sprache.)