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Jüdische Presse · 1931-06-05 · 22 (5.6.1931) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
22 (5.6.1931)
Date
1931-06-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Novifiovö v^platn€ povolend riadit post a telegrafov v Bratislava eis. 4157220־111־. Zeitungen vom Verleget versendet* Journal expedie par l’edHeu». V.b.b. JÜDISCHE PRESSE OROJUI PUN ME INTERESSEN DES ORTHODOXEM JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien. II., Leopolds« gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A94־0־49־. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahtuogen auf Konto .Jüdische Presse*, Wien tür Oester• reich: Postsparkastenkonto Nr. D-93614; Deutschland! Post* scheckkonto Berlin Nr. 12261h; lugoslawien! Postspk.-Amt Zagn»b Nr. 40217; Polen! Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn! Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz! PostscheekVc. Zürich VIII. 4117; für die Tscheefroslowakel! .Jüdische Presse*, Bratislava, Postspk.-Amt Pi dg Konto Nr,53386 Nr. 22 | Wien-Bratislava, 5. Juni 1931 •תיצ׳א p'0 נ״- וי;א-רזיעםבורנ כ׳ 17. Jahrg. Die Einig der fiiifmln io Polen I i Ort&odoxie. Orthodoxer Sieg auf der ganzen Linie. Von unserem A.!^.־Korrespondenten. (J. T. A.) Die Hauptvvahlkommission für die jüdischen Gemcindewahlen hat endgültig entschieden, daß auf die Liste der Aguda in War: s c h a u von 50 Mandaten 20, in L o d ־/. von 25 Mandaten!5 entfallen. Im allgemeinen sind Wahlen gegenwärtig nichts Ungewöhnliches mehr, und ihr Ausgang wirkt gar nicht als Uü•■• rras! liting, wenn sie auch ein anderes als das er־ wartete Resultat bringen. Die Resultate der soeben in Polen cLu־chgeführten jüdischen Gemeindewahlen jedoch verdienen unsere Aufmerksamkeit in vollem M-iße. Die jüdische Orthodoxie in Polen führt bereits seit zehn Jahren einen erbitterten Kampf gegen alle anderen jüdischen Parteien um die Erhaltung des religiösen Charakters der jüdischen Gerne i n d e. Wenn man nun sieht, mit welchen Mitteln die nichtreligiöscn Parteien mit der Zionistischen Organisation an der Spitze gegen diesen religiösen Charakter kämpften, wird man an die Zeiten der Hellenisten erinnert, in denen die religiösen Juden allen möglichen Verfolgungen ausgesetzt waren. Mit Stolz können wir dann die Opferfreudigkeit der pol־ uischen Orthodoxen feststellen, clie für die Ehre der Thora und der Ueberlieferung mit geradezu heroischem Mut ein־ treten. Die Agudas J i s r o e 1 ist in Polen zu einer mach־ tigen Organisation geworden, mit der man sogar in Regierungskreisen als Vertreterin der jüdischen Bevölkerung rechnet. Sie hat nicht nur ihre Vertreter in allen öffent־ liehen Köperschaften, sondern sie hat auch durch ihr Schulwerk und die!Kooperativbanken usvv. im ganzen jüdischen Leben den nachhaltigsten Einfluß erlangt. Dies alles ist aber um so höher anzuschlagen, als von gegne־ rischer Seite immer wieder und nicht immer mit den schönsten Mitteln getrachtet wurde, die Bedeutung der Orthodoxie herabzusetzen. Die ungeahnten, in der O r t h 0־ doxie Polens schlummernden und durch die Aguda ge־ weckten organisatorischen Kräfte machten aber alle gegnerischen Anschläge zunichte und schon die letzten Sejm w a 11 1 e n haben gezeigt, daß die Orthodoxie die Majorität der jüdischen Bevölkerung bildet. Da aber von den Zionisten trotz alledem weiter behauptet wurde, die Orthodoxie repräsentiere nicht die Juden Polens und ver־ danke ihre Wahlerfolge nur der Unterstützung der Regie־ rung, hatten die nun abgeschlossenen Gemeindewählen zu zeigen, daß auch da, wo die Regierung nicht interessiert ist, die Macht der Orthodoxie die gleiche ist. Die nunmehr aus allen, auch aus den größten Städten des Landes vorliegenden Resultate bieten eine glänzende Probe auf das Exempel. In Warscha u er־ hielt die Aguda 40%, die anderen religiösen Parteien 12% der Mandate, so daß die Orthodoxie nunmehr die absolute Mehrheit• besitzt. In Lodz erhielt die Aguda von 25 Man־ daten 15, die anderen religiösen Gruppen 3 Mandate, so daß auch hier die Orthodoxen über die Mehrheit verfügen. Eine Berechnung der Resultate in den übrigen Städten ergibt für die Aguda in zirka 200 Orten einen Durch־ schnitt von 57״/« aber Stimmen, für die anderen religiösen Gruppen 12% und für die Zionisten ebenfalls 12%, Damit ist also geradezu schlagend der Beweis dafür geführt, daß die jüdische Bevölkerung für den religiösen Charakter der jüdischen Gemeinden und gegen die von den nichtreligiösen Parteien geplante' Verweltlichung entschieden hat. Die gesamte polnische Presse begrüßt mit Genugtuung diese entschiedene Stel־ lungnahme der Majorität der polnischen Juden und etnp־ fiehlt die Regierung, fernerhin nur in der Orthodoxie die Repräsentanz der Juden zu erblicken. Die polnische Presse konstatiert mit Befriedigung den Bankrott der Nationale tätenpolitik der Zionisten, und unter dem Eindruck der Gemeindewahlen hat auch bereits das Kultusministerium einen lange unentschiedenen Streit bereits mit der Verfiigung beendet, daß von nun an zu Rabbinatsautorisationen nicht die von den Zionisten vorgeschlagenen Rabbiner, sondern n u r die der Aguda nahestehenden Ober־Rabbiner Soroczkin (Luck), Ober־Rabbiner Lewin (Rzeszöw) und Ober־Rabbiner Schapira (Lublin) ermächtigt sein sollen. Eine derartige Rabbinatsbesetzung hat seinerzeit, wie erinnerlich, als von den Zionisten gegen den klaren Willen der jüdischen Massen untef Uebergehung einer der bedeutendsten Thoragrößen der Gegenwart die Ernennung des Rabbiners Rubi •n stein in Wilna durchgesetzt wurde, viel böses Blut gemacht. Der Redakteur der in Wilna er־ scheinenden Zeitung ״Das Wort“ warf Rabbiner Rubin־ stein vor, daß er zur Sicherung seiner Ernennung sogar Parteiinteressen an die Regierung zu verkaufen bereit war und wurde daraufhin angeklagt. Nunmehr wurde dieser Prozeß durch einen Freispruch des Redakteurs beendet. Das Gericht hat durch seinen Freispruch Rabbiner Rubinstein und seine Parteigänger moralisch ver־ urteilt und auch seinerseits der polnischen Orthodoxie wertvolle Hilfe geleistet. Und so werden alle diese Vorgänge in Polen dazu beitragen, die Stellung der Ortho־ doxie in Polen zu festigen und alle Angriffe gegen den religiösen Charakter des Judentums in diesem Lande ein־ für allemal siegreich abzuwehren. 1שוששושששששששששששששששששששששששששששששששששששששששששששששן | Lebensversicherungs-Gesellschaft | I ״PHÖNIX”! וווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווווו₪ווווו ן | §§ Gegründet 1882 Gegründet 1882 g | Versitherungsbestantl Ende Juni 1930 2450 Millionen Gilling § ן ßaranliemittel Ende 1929 .... 300 Millionen Sdiilling ן 1 Prämien- und Zinseneinnaiimen 1 | im Jahre 1929 ...... 125'/״ Millionen Sdiilling ן | Tätigkeitsfeld der Gesellschaft: | 1 Oesterreich, Deutsches Reich, Tschechoslowakische § s Republik, Belgien, Holland, Frankreich, Spanien, ןן Italien, Ungarn, Polenjugoslawien,Bulgarien,Griechen- § s land, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Aegypten ןן 11ווווווווושוווווושווווש1ו1ווו1וווושושווווווווווושווווו1שוששוווווווווווושווווווווווווווווווווווו!וו!!וווווווושווושווווווווו Die Stimme des Blutes deiner Brüder... Von Samuel Reiner, Presov. Fülle von diversen Verbrechen, gleichviel, ob es sicli um Juden oder Andersgläubige handelt, gelangen selten in den Nachrichtenteil, äußerst selten aber in die Rubrik der Artikel einer jüdisch-konfessionellen Zeitung, weil die Verfolgung und Ahndung* von Delikten ausschließlich Sache der Justiz und ihrer Organe ist, vor denen alle Menschen ohne Ansehung ihrer ׳Konfession ■gleich sein •müssen und, was zumindest unsere Republik anbetrifft, de facto auch sind. Diese Haltung der jüdischen Presse kann nur gerühmt und als vollkommen korrekt bezeichnet werden. Ist ja eben das Judentum dasjenige Element, welches am lautesten! die entsprechende Vergeltung eines jeden Verbrechens fordert, ganz egal, ob die aktive oder passive Rolle bei demselben ein Jude oder Nichtjude spielt. Es kann vollkommen den Tatsachen gemäß behauptet werden, daß das Judentum ebensowenig die härtere Bestrafung eines an einem Juden begangenen Delikts fordert wie die Straflosigkeit eines Juden, wenn er, seine bürgerlichen und jüdischen Pflichten vergessend, ■mit dem Strafgesetzbuch in Kollission gerät. Ganz anders verhält sich die Sache, wenn an einem Juden ein Verbrechen begangen wird bloß deswegen, weil er ein Jude ist, oder besser gesagt, wenn der Verbrecher gar nicht das Individuum, sondern die j ü d i sehe Ko n f e s s!i o n zu treffen vermeinte, welcher der vom Verbrechen Betroffene angehört. In diesem Falle ist es ein Gebot der Selbsterhaltung, wenn clie jüdische Presse — als Sprachrohr des Judentums, welches nicht gewillt ist, als vogelfrei betrachtet zu werden — die öffentliche Meinung alarmiert und zu verhindern bestrebt ist, daß das Menschenrecht durch irgendwelche Praktiken verletzt und clie Angelegenheit verdunkelt und auf Nebengeleise geschoben werde. Sie muß in einem solchen Falle die öffentliche Meinung, in erster Reihe aber die zuständigen Faktoren, der Wahrheit entsprechend auf klären, daß der Vorwand, den die antisemitische Bestie zu ihrer Entlastung vorspiegeln würde,, nichts als Trug uncl Lug־ ist und nur niedriger Rassenhaß das Leitmotiv der Schandtat gewesen sei. Diese Erwägung macht clie erneute Behandlung der wieder auf der Tagesordnung stehenden Augelegenheit der seinerzeitigen Ermordung von sieben jüdischen Jünglingen in Vicez (unweit Presov) zur unabweisbaren Pflicht der jüdischen Publizistik unseres• Landes. . Korporal Ho rak, eine Bestie in Menschengestalt, dem sich in den unruhigen Zeiten cles Frühjahrs 1919 willkommene Gelegenheit bot, jüdisches Blut in Strömen zu vergießen, ließ sieben jüdische Junglinge — mehr waren zu seinem Bedauern im Dorfe nicht wohnhaft —, clie er nie gesehen, deren Namen er nicht kannte, von denen er aber wußte, daß sie Juden seien, aus eigener Macht fülle wie räudige Hunde niederschießen, um die Leichname der Hingemorcleten, unter denen sich ein Kriegskrüppel befand, nachher vollständig auszupllinclern. Dieser tapfere Held — cler, nachdem clie Schandtat und die elende Person ihres Voll- Streckers ruchbar wurde, selbstredend sich durch rechtzeitige Flucht cler gerechten Strafe entzog — wird jetzt, nachdem eine g-ttliche Fügung seine Verhaftung er- Modernste Brautperücken der weltbekannten Perückenwerkstätte OTHMAR SCHIFF Wien I» KärnSnerring 6 Tel. U-41-3-62

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