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Jüdische Presse · 1931-05-29 · 21 (29.5.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
21 (29.5.1931)
Date
1931-05-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Novinov6 Wplatnd povolen6 riadit post a telegtafov v Bratislava &is. 4157220־111־. 2eitungen vom Verleger versendet. Journal espldie par FSditem. V. b. b. JÜDISCHE PRESSE ORRAN FÜR MC INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien, II., Leopolds# gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A94*0־49־. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag AbooDKineiitsprelie ן Oamjlhrigi Für Oetterreicb S 16 Tschechoslowakei ticbecb. K. 80, Clnzelnaminer öst. Or. 50, d#1 Übrige Amtland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse*, Wien für Oester• reich! Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland! Post• scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Attt Zagreb Nr. 40217: Polen! Postspk.־Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn! PostspK.*Amt Budapest Nr.50170: Schweiz! Post• scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: ״Jüdische Presse*, Bratislava, Postspk.־AmtPrag Konto Nr.53386 Nr. 21 | Wien-Bratislava, 29. Mai 1931 .ב*ה וינא־פרעסבורנ יג׳ סק תיצ׳א 17. Jahrs- Jüdische Geschichtsphilosophie. Seit einigen Wochen jagt eine Schreckensnachricht aus Mexiko nach der anderen durch die jüdische Welt. Mexiko, ein Land, das bisher zu den ZufluchtsUindcrn der Diaspora gehört hatte, ist förmlich über Nacht unter die judenfeindlichen Länder gegangen und hat neue Sorge ienen gebracht, die sich in der Wahrung jüdischer Rechte betätigen und nun den Kreis von Einwanderung und Erwerbsmöglichkeiten für jüdische Heimatsuchcr immer kleiner 'werden sehen. E i n Trost scheint aber dennoch geblieben zu sein und die jüdischen Blätter beeilen sich denn auch, ihn ihren Lesern nicht vorzuenthalten. Sie können darauf hinweisen, daß allein Anschein nach G־tt auch hier das Heilmittel schon vor der Erkrankung bereitgcstcllt hat. Denn ebenso wie im Jahre 1492, in demselben Jahre, das die Vertreibung der Juden aus Spanien brachte, Amerika, jener Erdteil, der heute Millionen von Juden Heimat bc־ deutet, entdeckt wurde, hätte jetzt, in denselben Tagen, , die den Juden von Mexiko soviel Ungemach bereiten, der Umsturz in Spanien wieder neue Hoffnungen eröffnet. Mit einer jedenfalls merkwürdig genauen Pünktlichkeit wären so also einfach die Rollen getauscht worden und Spanien die ritterliche Geste der Gutmachung alten Un־ rechtes zugefallen. Man glaubt schon begeistert ausrufen zu können: ״Lo almon Jisroel!“ (״Israel ist nicht vor־ lassen!“) und steht bewundernd vor der sichtbaren 17ügung zum Guten, die sich da in der jüdischen Cie־ schichte wieder einmal zu bewähren scheint. \ber sachte, denn so einfach mit bloßer Umkehrung aller Vorzeichen ist leider auch dieses Exempel nicht. Solche kleine Rührstückchen erlaubt sich die Geschichte in Wirklichkeit ja doch nur höchstens ' in ganz eng ge־־ zogenen Grenzen. Es ist ganz schön zu sehen, wie sich manchmal alte Judengemeinden infolge wirtschaftlicher und sonstiger Prozesse auflösen und dann oft in nächster Nähe an anderen Orten wieder neue Judensiedlungen, da wo die geänderten Lebensbedingungen es zulassen oder fordern, neu entstehen. So haben, um ein naheliegendes Beispiel zu wählen, im Burgenland die Gemeinden Gattendorf und Schlaining fast gänzlich zu existieren auf־ gehört, während sich in den Orten Gols und Oberwart allmählich Juden ansiedelten und'damit Zellen zu neuen Gemeinschaften bildeten. Auf dem großen Schauplatz der jüdischen Ge־ schichte aber, den die ganze Erde darstellt, liegen die Dinge doch nicht so einfach und es ist nur ein Symptom der' Naivetät, die bei uns Geschichtsphilosophie macht, wenn so oberflächlich geurteilt wird. Vor allem hat die spanische Republik derzeit andere Sorgen, als sich wirk־ lieh und ernstlich mit jüdischen Träumen zu beschäftigen, und dann enthalten die bisher bekanntgewordenen Er־ klärungen der Regierung alles andere als verbindliche Verpflichtungen. Oder sollen wirklich etwa von den Juden aller Welt Unterschriften für das vom Ministerpräsidenten Zämorra geforderte allgemeine Begehren der Juden nach Aufhebung des Abschaffungspatentes vom Jahre 1492 ge־ sammelt werden? Es kann nur als naiv bezeichnet wer־ den; wenn in solchen halben Zusagen die halbe Absage übersehen wird, ln Wirklichkeit dürften ja kaum alle Sephardim der Erde von einer solchen Aktion erfaßt werden können und, wenn dies ja der Fall wäre, ist es mehr als fraglich, ob Spanien für diesen der Sprache und Abstammung nach ihm noch am nächsten stehenden Zweig des jüdischen Volkes noch als Einwanderungsland in Betracht käme. Aus der Anhänglichkeit der Separdim an die spanische Sprache kann noch lange nicht ge־ folgert'werden, daß sich jetzt plötzlich, weil es einigen Journalisten und Maranenschwärmern beliebt, die Ge־ setze des jüdischen Lebens derart radikal ändern werden. Lfeberdies darf aber auch nicht vergessen werden, daß jene neuen spanischen Machthaber maranischer Ab־ stammung, die so gern von jüdischer Seite als Aktivum gebucht ,würden, kaum über Nacht ihre jahrhundertelang geübte mißtrauische Absperrung den Vollblutjuden gegen־ über aufgeben würden. Was von diesen Maranen wieder jüdisch werden wollte, hat schon längst den Weg ins Judentum zurück irgendwie gefunden. Daß Marrancn aber glücklich als Führer der spanischen Revolution ent־ deckt wurden, dürfte dem jüdischen Volke als solchem nicht so ganz zur Freude gereichen. Es wäre zu schön gewesen, wenn wirklich einmal auf die spanische Re־ f volution hätte verwiesen werden können, als auf eine, die ohne jüdischen! Einfluß und ohne Mitwirkung von Juden vor sich gegangen wäre. Aber siehe da, da mußte prompt das Marancntum einiger Führer von jüdischer Seite ent־ deckt werden, statt daß man vorsichtshalber abgewartet hätte, oh diese Führer sich nicht einmal auf der schlüpf־ rigen Bahn der Politik Entgleisungen zu schulden kom־ men lassen werden, die dann dem Judentum in die Schuhe geschoben würden. Die Vorteile, die diese Maranen den Juden zugesagt haben, sind bis heute höchst problematischer Natur geblieben. Die Nachteile dagegen, die dem Judentum aus dem Kirchensturm in Spanien erwachsen sind, sie sind, ob nun die Maranen in der Regierung tatsächlich an ihm mitschuldig sind oder nicht, bereits recht deutlich er־ kennbar. Wir haben keinen Grund, Brand־ und Hetz־ artikel, wie es der in der ״Reichspost“ vor kurzem ver־ öffentliche Aufsatz über die maranischcn Kirchen־ Stürmer war, zu fürchten, aber wir haben auch keine Ursache, sic zu unterschätzen . oder gar zu provozieren. Es ist also nicht im geringsten so, wie oberflächliche oder vielleicht bloß kurzsichtige Betrachtung glauben machen könnte. Nicht immer entspricht jedem zuge־ schlagenen Tore gleich ein geöffnetes — oder auch ein bloßes Hintertürchen — und man sollte doch einmal auch eines von den Kapiteln unseres herrlichen Jesaia wieder lesen, die nicht gerade als Haftara an der g־ttcsdienst־ liehen Tagesordnung stehen. Es klingt, als hätte Jesaia es fiir unsere heutigen Verhältnisse — und nicht nur für die spanisch־mcxikanischc Relation, der jüdischen Politik allein gilt dies — gesagt, wenn es im 31. Kapitel seines Buches heißt הוי היורדים מצרים לעזרה Wehe über die, welche nach Aegypten hinabziehen, um Hilfe zu erlangen . . ., aber nicht - auf den Heiligen■ •Israels, schauen und. nach den! Ewigen nicht fragen . . . Die Aegypter sind ja Menschen und keine Götter . . . Assur fällt durch das Schwert eines Nicht־Mensehen und das Schwert eines Unsterblichen wird es verzehren. . . .“ Setzt man hier an Stelle von Aegypten Spanien und für Assur Mexiko, so haben wir die Grundziigc einer jüdischen Geschiehts־ Philosophie vorgezeichnet, die für alle Zeiten und für alle Länder Geltung haben. So aufgefaßt, ergibt sich der wahre Ewigkeitsdfepekt für alles zeitliche Geschehen in der Geschichte des ewigen Volkes und־ nur so kann . . . — nach Kap. 32, 17 — das ״Werk der Gerechtigkeit Friede sein und ihre Wirkung Ruhe und Sicherheit auf ewig“. והיה מעשה הצדקה שלום יעבורה הצדקה השקט ובטח עד עוים. .M . וישב עמי בניה שלום .. ■ Landwirtschaft. Von Josua Kaiser, Dunajskä Strcda. Nahezu 2000 Jahre ist das jüdische Volk in seiner Mehrheit von dem natürlichsten Broterwerb der meisten Völker, vorn Landbau, losgelöst. Auf seiner Wanderung im Golus den ursprünglichen Boden ׳,entbehrend, ist ihm das Verständnis für Landbau auch fast ganz verloren gegangen. Nur zu natürlich mußte es sich allen möglichen anderen Erwerbsarten zuwenden. Diese haben ihm dann zu dem angestammten Fremdenhaß der Völker auch noch den Vorwurf der Trägheit, der Ehrlosigkeit, des Geizes, der Vordringlichkeit und die ganze Serie ähnlich dunkler Prädikate eingetragen. ln jüngster Zeit haben nun namhafte glaubens־ treue, jüdische Persönlichkeiten die Meinung geäußert, Sn öle jübisclje ‘BoEfis -u.^ßauphc£u&/1irjf6uzSen, 4md^Mdc^n^0fenlß1fikeäsraAl _ "■ y1a&gass$<6 - daß dieser Mangel an Bauernberuf beim Judentum auch an dem Rückgang seiner Religiosität schuldtragcn. So ver־ tritt der berühmte jüdische Publizist Dr. Nathan B i r n* b a u m in seinem bekanntem Referate und auch in seiner auf hohem Niveau stehenden Monatsschrift die Ansicht, daß eine Hinübcrleitung jüdischer Massen vom Stadt־ mcnschtuin und den Kulturberufen zur Landwirtschaft einen überragenden Gewinn an Glaubenstrcuc und religiös־ jüdischer Innigkeit nach sich ziehen würde. Natürlich müßte diese Hinüberleitung, die in geschlossenen Siedlun־ gen bestehen müßte, in religiösem Geiste geführt und mit den! Kontakt und mit der Teilnahme geistig vollendeter und innig religiöser Personen verbunden sein. Es würde dann ein viel geringeres Maß führerischen Einflusses g^־ ntigen, um den jüdischen Bauer glaubenstreu und innig# religiös zu erhalten, oder ein gewisses Maß solchen Ein־ Busses würde bei ihm viel Größeres erzielen können, weil die Waltung und der Segen des Schöpfers, die sieh ihm in diesem seinem Berufe offenbaren, viel klarer und un־ mittelbarer auf ihn ihre Wirkung üben würden. Der hejl־ same Einfluß, den eine solche Aktion unter den erit־ sprechenden Voraussetzungen auch hie»־ im Golus ab־ gesehen von den wirtschaftlichen Vorzügen, zur Folge haben könnte, darf nicht unterschätzt wevden. Nur müßten freilich die erforderlichen Mittel hiezu aufgc# bracht werden. Die meisten Juden, die sieh hierzulande heute einer Ausbildung in der Landwirtschaft zuwendeh — insoweit cs nicht Unternehmer sind — tun es aber fast nur in dem Hinblick, bei geeigneter Wendung der Ver־ hältnisse als Bauernschaft im heiligen Lande diesen Be# ruf au.szuiiben, ein Umstand, der vom Standpunkte der Gesamtjudenschaft geeignet ist, von vornherein auf die Sinnesrichtung und auf die ideelle Einstellung dieser streb# samen Pioniere die Aufmerksamkeit zu lenken Vom Anbeginne, seitdem es überhaupt in das Bild der Weltgeschichte getreten, ist das Schicksal des jüdi* sehen Volkes von einer sonderbaren Eigenart gezeichnet. Auch in seinem Heimatlande konnte es, wie aus den Büchern der Richter, Schmiiel und der Könige het# vorgeht, keine hundert Jahre ruhigen Volks־ und Staaten# lebens genießen. Und demgegenüber noch längere Zeit, nachdem cs unter unsagbaren Verfolgungen und feindlichen Anschlägen seiner Selbständigkeit verlustig ist, Unge# schicke, deren Teilerschcinung schon genügte, um andere Völker vom Weltbilde zu verlöschen, und nachdem in neuer Zeit die Kampfesmüden seiner Zerstreuten selbst bereit waren und wären, spurlos im Völkermeerc unterzugehen, schlägt immer neu und neu der lebendige Funke seines Volkstums und seines unvcrlöschlichen himmlischen Geistes zur lohenden Flamme empor, . Es konnte fast noch nie ruhig leben, es kann aber noch VjpJ weniger in das Grab der Zeiten sinken. Um auf das Rätsel dieses sonderbaren Geschickes Antwort zu erhalten, muß das einzige Dokument zur Hand genommen werden, das vom Anfang an in seiden Händen bewahrt und darum allein maßgebend ist, über dasselbe Aufschluß zu geben. Mit dem Los und dem Schicksal dieses Dokuments ist auch das Los und das Schicksal des jüdischen Volkes verbunden. Nur wenn dieses Schriftstück, seine Teuro, vom Erdboden ver־ schwinden könnte, würde es selber auch verschwinden können. Diese Teuro ist sein Geburtsschein, das Zeugnis seiner Vergangenheit und die Zielrichtung seiner Zukunft. Sie ist aber auch das Lebensgesetz seiner immerwähren־ den Gegenwart, aus dem sich seine Schuld und Pflicht, sein ganzes Sein und Sollen widerspiegeln und ihm zum Bewußtsein treten. An den Gesetzen dieser Teuro hat es sich zu messen und zu prüfen und nach solcher Prüfung wird ihm sein Schicksal nie mehr ein Rätsel bleiben. Wie der allgütige Schöpfer das jüdische Volk aiif sonderbare Weise erstehen und zum Volke werden iiieß, wie Er ihm in keinem Verhältnis zu seiner, materiellen Kraft auf sonderbare Weise Land und Boden gegeben, so hat Er ihm auch den Besitz von Land und Boden an besondere Bedingungen und Gesetze gebunden. ״Sechs Tage sollst du dein Werk ausführen und am siebenten Tage sollst du ruhen; in der Pflüge־ und Erntezeit sollst du ruhen“. ״Sechs Jahre, sollst du dein Feld bebauen sechs Jahre deinen Weingarten beschneiden und ihren Ertrag einsammeln. Im siebenten Jahr aber soll feierliche Ruhe dem Lande sein, Feierung für den Schöpfer, dein Feld sollst du nicht bebauen, deinen Weingarten nicht beschneiden“. ״Meine Gesetze sollet ihr beobachtet: Dein Vieh sollst du nicht in Mischung paaren, dein Feld Modernste BraufperQcken _ der weltbekannten Perückenwerkstätte OTHMAR SCHIFF. Wien I, Kärntnerring 6 Tel. U-41-3-62 A

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