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Jüdische Presse · 1931-04-24 · 16 (24.4.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
16 (24.4.1931)
Date
1931-04-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Novinovö vypfafnd povo!en6 riadit post a telegrafov v Bfatislave 6is. 4157220־111־. Zeitungen vom Verleger versendet« . Journal exp£die pat l’dditetif, V. b. b. ORttAN nm ME INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien, II., Leopolds־ gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A0#94־49־. Tschechoslowakei*. Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonneaaentiprelit 1 Ganzjährig 1 Für Oesterreich S 16 Ttcbocbotiowairei tictaecb. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, d•• flhripv 4»«l*nd 3 Dollar Zahlungen auf Konto .Jfldische Presse*, Wien fflr Oesterreich! Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland! Postscheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien! Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen! Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn! Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz! Postscheckk. Zürich Vlll. 4117; für die Tschechoslowakei 1 .Jfldische Presse“, Biatislava, Postspk.־Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 16 Wien-Bratislava, 24. April 1931 .ב״ד וינא־פרעסבורג ז, אייו תיצ׳א 17. Jahrg. Zur Lage. Die wirtschaftliche Depression hat das Interesse für allgemeine Dinge etwas geschwächt. Man hat nicht Zeit und Nerven, um sieh in die einzelnen Vorgänge und Er־ scheinungen zu vertiefen, welche die Komponenten der großen Dinge sind. Deshalb ist es journalistische Aufgabe, von Zeit zu Zeit einen Ueberblick über das Gewordene zu geben. Im Mittelpunkt des Interesses steht nach wie vor Palästina. Da ist neuerdings eine schwerwiegende Frage aufgetaucht, welche die Gemüter erregt. Es bedarf wirk־ lieh großer Objektivität, um dabei ruhig zu bleiben. Die Frage lautet: Ist es in Englands Interesse, daß Araber und Juden sieh finden? Im politischen Interesse natürlich. Aber im großen und ganzen dürfte zu erwarten sein, daß die Mandatarmacht diese Bedenken baldigst zerstreut. Die Araber weigern sich, bisher, an einer round־table־Konferenz teilzunehmen. Es ist nötig, . daß vorher noch Kulissen־ Verhandlungen versucht werden. Diese sind im Zuge. Wirtschaftlich ist eine kleine Besserung zu verzeichnen und dieser Umstand dürfte die Verhandlungen erleichtern. Auch innerhalb der jüdischen Organisationen gehen Ver־ handlungen hin und her. Man hofft dabei, die Verhältnisse der Orthodoxie , in Palästina zu bessern. Hinsichtlich der Kälenderreform ist. leider eine Un־ stimmigkeit.;zutage .geteeten, :äderen;;,Folgen-■vorläufig .un־• absehbar sind. Innerhalb des Zentralkomitees in Zürich, das sicher chronologisch die Priorität in bezug auf ziel* bewußte Arbeit gegen die Kalenderreform beanspruchen kann und das auch nach dem ״Inslebentreten“ der Schomre Schabbös seine Selbständigkeit' bewahrt hatte, sind Miß־ Verständnisse aufgekommen, welche den unermüdlichen Dr. Lewenstein bewegen und bewegen mußten, seine Tätig־ keit einzustellen. Es sind Bemühungen im Gange, welche hoffentlich diese unschätzbare Kraft weiter im Dienste der Sache tätig sein lassen werden. Ein analoger Fall spielt sich in Polen ab. Während dort sämtliche nichtorthodoxen Kreise gegen die Aguda eine Einheitsfront bilden, um dieselbe nicht zur Führung EINLADUNG zu der Sonntag־, den 26. April 1931, um 11 Uhr vormittags im Turnsaale der Schule, II., Malzg'asse 16, stattfindenden ordentlichen Generalversammlung des Wiener Tahnud-Thora-Schulvereines. TAGESORDNUNG 1. Einlauf, Protokoll; 2. Geschäfts- und Finanzbericht, erstattet vom Geueralsekrotür Rabbiner D1־. Joel Pollak; 3. Bericht der Revisoren; 4. Neuwahlen; 5. \ ortrag des Herrn Direktor Dr. Deutschläuder. ״Das jüdische Bilduugsideal in moderner Releuchtung.“ Siegmmul Bomli, Obmann. der Gemeinden gelangen zu lassen, bekämpfen sieh aus undurchsichtigen Gründen die Orthodoxen untereinander aufs heftigste. Die Pilsudski־Verordnung, welche endlich verhindern wollte, daß die Kultusgemetnde nicht allmäh־ lieh ihres Charakters einer Religionsgcmcinde beraubt würde, und deshalb verlangt, daß Vertreter der Rcligions־ gemeinde auch religiöse Menschen sein müssen, bieten den Gegnern den Vorwand zur geschlossenen Linie gegen die Orthodoxie. Die Orthodoxen aber scheinen die Zeichen der Zeit nicht zu verstehen. Hoffentlich gelingt es noch in zwölfter Stunde den Bemühungen der Aguda, daß aus den Wahlen eine der Thora entsprechende Vertretung in allen Gemeinden hervorgeht. Diese drei Ausschnitte zeigen eine n Umriß. Zu viel Persönliches, zu wenig Sachliches. Die nach Lage der besten Traditionen zu der Führung der jüdischen Dinge verpflichtete Thoratreue ist sich ihrer Kraft nicht he־ wußt und läßt diese Kraft durch inneren Zwist stetig mindern. Pis fehlt an dem Mut, ״Hands offl“ denen zuzu* rufen, die nicht immer das Interesse der Sache vertreten. Man sollte in der Omc'r־Zeit etwas mehr an die Schüler des Rabbi Akiba denken. P. K. Schein und Wirklichkeit. Im verflossenen Winter begannen an einem Nachmit־ tag• mit Eintritt der Dämmerung die jüdischen Geschäfts־ leute der Tjiborstraße, einer der Hauptstraßen des Wie־ ner Judenviertels, wie auf ein Kommando ihre Läden zu schließen. Wenn nicht gerade Donnerstag, sondern Frei־ tag gewesen wäre, hätte man meinen können, es wäre plötzlich ein Geist der Umkehr in diese .Leute gefahren und hätte sie veranlaßt, ihre Geschäfte vor Sabbathheginn zu sperren. Allein, das wollte nur so scheinen, in Wirk־ lichkeit war es nicht Einkehr oder Umkehr, sondern eine Demonstration gegen den Film ‘ ״Im Westen nichts Neues“, der in einem Kino abrollen sollte, die diese Hand־ lungsweise hervorrief. Daß aber j^erade^ diese Straße in: ~Jt1dcnvicrtel ausersehen war, die Kosten der Friedenspro־ paganda zu tragen, kommt wohl daher, daß man den Film des Pazifismus hei den Juden am sichersten geborgen wußte. Alle Parteien wissen es nur zu gut, daß wirkliche Pazifisten, Menschen, denen der Friedenswille, die Neigung und die Fähigkeit, mit den Mitmenschen in Frieden zu' leben, im Blute liegt, doch vor allem nur die Juden sind. Irgendein Arbeiterviertel Wiens hätte sich zu einer Aufopferung für den Film kaum herbeigelassen, umsomehr, als diese Arbeiterviertel — je mehr sie A r־ b e i t s 1 o s e n v i e r t e 1 zu werden im Begriffe sind — der Beeinflussung durch das Flakenkreuz immer leichter zugänglich werden. Im nichtjüdischen Großstädter lauert ja, nur mühsam durch Klassenerziehung gehändigt,' die־ selbe Bestie, die im Nationalsozialisten eben glücklich bereits Religion und Erziehung abgestreift hat und mit blutgierigen Zähnen nach Volksertüchtigung durch La־ trinen und Handgranaten, Viehwaggon und Feldbordell brüllt. Die friedliche Gesinnung, die nicht tiefer verankert ist als in der bloßen Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft, muß bloßer Schein sein, v e r 1 ii ß liehe p a z i f i־ s t i s c h e W i r U 1 i c h keit dagegen ist — vorläufig noch lange — nur heim jüdischen Volke zu finden. Tn Anerkennung dieser erprobten Gesinnungsfestig־ keit der jüdischen Massen hat die Wiener Gemcindevcrwaltung den Juden aber auch gelegentlich einer großen Umbenennung der Straßen ein Geschenk gemacht. Eine der schönsten Straßen des Bezirkes Leopoldstadt wurde nach dem Dichter Heinrich Heine benannt, ohne Rück־ sicht darauf, daß viele Juden dem Volkskaiser Josef, nach dem diese* Straße früher hieß, dankbarer sein dürften als dem Renegaten, dessen loses Spöttertum dem Judentum nicht immer ehrend angekreidet wird. Doch, die Wertung׳ Heines beiseite, muß immerhin anerkannt werden, daß so wenigstens zum Schein ein altes Unrecht gutgemacht und einem großen Dichter, den man unter Umständen auch als großen Juden deklarieren könnte, die Ehre erwiesen wurde, die ihm in seiner engeren Heimat allzu lange ver־ sagt geblieben war. Wenn aber wirklich' einmal durch eine Geste wenig־ stens gezeigt werden sollte, daß die moderne Demokratie auch von anderen als rein materialistischen Gesichts־ punkten geleitet wird, dann müßten diese Gassennamen endlich einmal auch eine leise Erinnerung an das Juden־ viertel verraten, das hier vor der ״Leopoldstadt“ noch bestanden hatte. Dann müßte man sich gemäß dem sonst fast überall schon, in Wien durchgeführten Prinzip, doppelte Gassenhezeichnutigen zu vermeiden, an Stelle der ״Großen“ und der ,,Kleinen Sperlgasse“, der ״Großen“ und der ״Kleinen Pfarrgas.se" mit einer einfachen Sperl־ gasse und Pfarrgassc begnügen, und so könnte Raum für den Ausdruck der wahren, der historischen Eigenart des־ Judenbezirkes frei werden. Die Pfarrkirche, der die Große und die Kleine Pfarrgasse ihren Namen verdanken, war einmal die große Wiener Synagoge, und wenn schon nicht die Kirche selbst wieder den Juden zurückgegeben wird, so sollte doch wenigstens das. Andenken" der Synagoge durch die Umbenennung einer dieser Gassen in ״Syna־ gogengasse“ geehrt werden. Wenn schon Gassen nach Juden benannt werden, so sollen darunter auch einige wirkliche Repräsentanten des Judentums sein. Eine der beiden Spcrlgasscn könnte also mit Fug und Recht dem Andenken des Rabbi Jomtow Lipman Heller, des größten unter den vielen großen Rabbinern-,:.■ die das Wiener Ghetto int 7ו. Jahrhundert aatfztnvfcisen־ gehabt' hatte, ge־ weiht Werden. Und schließlich würden wohl auch noch Männer, wie Gerson Aschkenasi, Scheftel Horowitz, Zacharias Lcvi und Koppel Frärikel sicherlich• ein’e Ehrung an der Stätte ihrer einstigen segensreichen Wirk־ samkeit verdienen. So wenig Wert man auch im Judentum auf Aeußer־ lichkeiten dieser Art legt, wäre solches Vorgehen eben doch nichts anderes als wirkliche jüdische Gleichberechtigung, und von solcher sind wir noch weit entfernt. Da streiten sich die Leute darum herum, ob Vollberechtigung mit Gleichberechtigung identisch oder gar Minoritäts# rechte vorzuziehen seien. Die Wirklichkeit aber setzt den unerbittlichen Hobel an und zeigt uns, daß keine dieser drei idealen Forderungen je voll erfüllt worden ist; Alle prinzipielle Gleichberechtigung, alle verbrieften Minder־־ heitsrechte, ja sogar die tüchtigste parlamentarische Min־ derheitsvertretung vermögen nichts, wenn nicht in der Agudas Jisroel, Ortsgruppe Wien II, Leopoldsgnsse Nr. 16, Tel. A-48-4-15. EINLADUNG zu der am Sonntag, den 26. April 1931 (9. l jar 5691), um 3 Ulir nachmittags im großen Vortragssaale der Agudas Jisroel Jugendgruppe, IL, Floßgasse L stattfindenden ordentlichen Generalversammlung TAGESORDNUNG; L Eröffnung durch den Vorsitzenden. 2. Tätigkeitsbericht. 3. Kassabericht. 4. Bericht der Revisoren. 3. Erteilung des Absolntoriums. 6. Allfälliges. Sollte die erforderliche Anzahl von Mitgliedern nicht anwesend, die Generalversammlung also nicht beschlußfähig sein, dann findet eine Stunde später eine Generalversammlung statt, die auf alle Fälle׳ beschlußfähig ist. Anträge sind spätestens drei Tage vor der Generalversammlung schriftlich einzubringen. Im Rahmen der Generalversammlung wird Herr W. S. Jacobson-Hamburg, ein Referat halten über ״Die Lage der Juden in Ost und West“, das überaus interessant zu werden verspricht. Wolf Pappenheini, Obmann. Mi Modernste Brautperücken der weltbekannten Perllckenwerkstätte OTHMAR SC Hl FF 1 d ׳ וו I, ׳ K 91 r tt ft 0.0 1* 1* 1 1t 9 6 C hoir! Bristol )1 Toi• U-41-3-62

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