Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 15 (17.4.1931)
- Date
- 1931-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mov1fl0v6 vtfplatnd povolen^ fiadit post a telegrafov v Bratislava <5is. 4157220־111־. Zeitungen von» Verleger versendet. Journal exp£die par l’4diteur. V. b. b. JÜDISCHE PRESSE Hl{״ Redaktion u. Administration: Wien, II., Leopolds# gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A94־0־49־. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag AboDDenenliprcIi« 1 Ottizjfhrlg 1 Für Oesterreich S 16 f »chechoilowikel tichecb. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das Übrige Ansland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse“, Wien für Oesterreich! Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland! Post* Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien! Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen! Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr;50170; Schwel** Postscheckk. Zürich VIH. 4117; für die Tschechoslowakei! ״Jfl* dische Presse“, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr.53386 . ־- Nr. 15 ג״ו! וינא־פרעםבורג ל, ניסן תיצ׳א. 1931 Wien-Bratislava, 17. April | 17. Jahrg. Sozialdemokraten für die konfessionelle Schule Die von der ״Jüdischen Presse“ bereits wiederholt an leitender Stelle besprochene Frage der fakultativen konfessionellen Schule in Oesterreich scheint, wie wir mit Genugtuung fcststcllen können, nicht mehr von der Tagesordnung der öffentlichen Diskussion verschwinden zu wollen. Nicht nur in Bischofskonferenzen wird über die durch den unseren Lesern bekannten Vortrag des Unter־ richtsministers Dr. Czermak ins Rollen gebrachte Ange־ legenheit debattiert, sondern auch das Organ der religiösen Sozialisten Oesterreichs nimmt in einer uns sehr sym־ pathisch berührenden Weise Stellung. In Nr. 3 dieser Halbmonatsschrift, ״Der religiöse Sozialist“, äußert sich der Führer der religiösen Sozialisten, Otto Bauer (nicht der bekannte jüdische Sozialdemokrat Dr. Otto Bauer), darüber mit den folgenden Worten, die fast buchstäblich mit dem von uns (״Jüdische Presse“, Nr. 10/14) einge־ nommenen Standpunkt übcrcinstimmen: ...Für die Lösungen können hier zunächst nur einige allgemein grundsätzliche Richtlinien angegeben werden. Zu schaffen wäre: 1. Die Neuregelung des juridischen Verhältnisses der Kirche im Staate nach dem Grundsatz: Die freie Kirche im. freien Staate; Befreiung des Klerus aus seiner Staatsbeamtcnstellung; Vereinbarung über die damit zu־ sammenhängenden finanziellen Fragen; Anerkennung der Kirche, als Körperschaft mit öffentlichem Recht. 2. Die fakultative Zivilehe, Ausgleich über die ge־־ schlossenen Dispenschen. 3. Die t a t s ä c h 1 i c h e Schule der Gewi s־ sensfreiheit mit dem Vorzugs weisen Mit# bestimmungsrecht der Eltern, Der Weg zu einer Lösung wird bei den in Oester־ reich vorhandenen machtpolitischen Verhältnissen Vor־ Handlungen und Vereinbarungen mit den kirchlichen Stellen nicht ausschließen können. Es ist übrigens aus der Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie keine Aenderung bekannt, die auf kulturpolitischem Gebiet ah Stelle von Verhandlungen und Vereinbarungen einfach das Diktat einer Mehrheit setzen würde. Ob zum Beispiel ein Konkordat einen Rückschritt bis zum Jahre 1855 bedeutet, das kommt nicht auf den Namen, sondern auf den Inhalt an. Neuzeitliche Vereinbarungen zwischen Kirche und Staat tragen daher auch mitunter einen anderen Namen als ״Konkordat“. So wird in der Tschechoslowakei der diesbezügliche Vertrag ״Modus vivendi“;genannt. Einen Beweis dafür aber, daß Erwägungen dieser Art nicht nur auf Oesterreich beschränkt sind, sondern auch in allen anderen Ländern in den arbeitenden Massen das Bedürfnis nach religiösem Unterricht bei aller Be־ tonung des Klassenbewußtseins recht rege ist, bietet der in demselben Blatt enthaltene Aufsatz eines hervor־ ragenden Mitgliedes der niederländischen Sozialdemokrat^ sehen Arbeiterpartei. Auch dieser Aufsatz (K. Geertsma, ״Das Unterrichtsgesetz in Holland und die holländische sozialdemokratische Arbeiterpartei“) kommt nach ein־ gehender Erörterung der spezifisch holländischen Schul־ Verhältnisse zu Resultaten, die den von uns verfochtenen Ideen vollkommen entsprechen, wenn er sagt: . . . Trozdem beharrt unsere Partei auf dem Stand־ punkt der Schulfreiheit. Wir sehen in der Zukunft drei verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten: 1. Die verpflichtete neutrale Staatsschule; (sie wäre eine verpflichtete christliche Staatsschule; in Holland sind die katholischen und christlichen Parteien in der Mehrheit); 2. Schulfreiheit für die Privatschulen, jedoch ohne Staatshilfe; 3. die heutige Lage. Unsere Partei weigert sieh, zu kämpfen für die erste Lösung. Sie wünscht eben die Freiheit des Geistes in der Erziehung; sie hält den Versuch zur Beseitigung der bc־ stehenden Privatschulcn für erfolglos. Sie will keinen Schulstreit entfesseln, in dem , die kirchlich gesinnten Arbeiter an die kirchliche Bourgeoisie gedrängt würden. Die zweite Lösung: zwar Schulfreihcit, aber keinen staatlichen Zuschuß, ist ebenso •reaktionär, wie die erste. Derlei Versuche würden ebenso erfolglos bleiben. Diese Lösung würde außerdem arbeiterfeindlich sein. Sie würde zwar den reichen Eltern die Möglichkeit freier Schulwahl und Schulgründung bieten, den armen Eltern aber nicht. So bleibt nur die dritte Lösung: finanzielle Gleich־ Stellung der öffentlichen und privaten Schulen durch den Staat. Diese Lösung hat den Unterricht aller schulpflich־ tigen Kinder materiell gehoben; sie hat den Weg frei־ gemacht für das politische Einverständnis aller Arbeiter, sie hat das Zusammengehen der verschiedenen kirchlichen Parteien abgeschwächt und aufgelöst. Wertvoller als dies alles ist aber, daß der Sozialis־ mus im Kampfe um diese Gleichstellung der Schulen unserem ganzen Volke gezeigt hat, daß der Sozialismus die Freiheit bringen will, da wo Freiheit wachsen und gedeihen kann; daß er i n der Gemeinschaft auch der Persönlichkeit gerecht werden will. Und diese Freiheit ist es auch, die wir meinen, die Freiheit der individuellen und der kollektiven Persönlich־ keit innerhalb der Staatsgemeinschaft. Wir wissen uns nun in dem Kampfe um diese Freiheit eins, mit den religiös denkenden Angehörigen der anderen Konfessionen, gleich# : viel ob sie in wirtschaftlichen Fragen voneinander durch die denkbar größte Kluft geschieden sind, und in dieser : Gewißheit liegt für uns auch die Gewähr für die Ucbcr# zeugung von dem notwendigen Sieg des Gedankens der fakultativen konfessionellen Schule. M. Um Wahrheit und Frieden. Ein öffentliches Sendschreiben von ObcrraLlbioci• Joseph Cliajim Sonnen fehl;in Jerusalem. (Alks dem Hdbvä.iseihen.) ׳Das IicMtligc Laind, auf ׳das die Angern •G’ttus,!unserc'is; C’ttos von Anbeginn ide.s Jahres bis zu seinem ,Ende gerichtet sind, ׳das iLand, von ׳dem Segen mnsgegangtMi ־ ist für alle Völker, und in ׳dem ׳die 1G’t‘tesprop!I1ete.11 ihre; Verheißung!fliir die Zulknnit und Vervollkommnung!der I Menschheit erfüllt salben, von dem aus ׳sie FrFodein ver- , kündeten allem ,Geschaffenen, •es seufzt und wehklagt : seit zwei Jahren unter tiefem seelischen!Leid. Seine; iErdiscihollem, die voll sind!des heiligen׳ Aiiulenikcns an | 1 lerzonsreinihoit und sittliche Volle,lidiung, sind Zeugern geworden!Für Rassenhaß und Bruderzwist. Die!Luft, die; unser Dichter ,vSeelenl'uift“ nannte, ist von erstickenden; ׳Giften erfüllt, ׳die in den iHorzen Liebe und MensöhLidh- . keit ertöten. Der ,fortgesetzte :Kampf und die fortgesetzte Entfrenulung der ׳Herzen verdrängen die ׳Soheehina und den G’ttessogen aus unserem köstlichen Lande, das sonst der , speziellen Vorsehung gewürdigt. ist, und statt dessen , herrschen Erbitterung, Brnderhaß, brütender Groll, ׳ Mangel au Glauiben und ׳GTivartrauen ׳und ׳ein alle ׳Be-! Ziehungen durchdringendes gegenseitiges Mißtrauen. ' Als ■einer der ׳ältesten Bewohner des iheiligon ׳ Landes, der iah das ׳Glück gekalbt habe,!jetzt fast 0"‘מחזיהיישיבות legenheiten! Wegen Unterstützungen, Stiftungen (ל׳רןקימת ) und Telegrammablösungsblanketten zugunsten der not־ leidenden בחורים an unseren ישימת wende man sich an die Vereinsleitung: Machsike Jeschiwoth־Zentrale in Nove Zämky. 60 Jahve 111 diesem ׳Laude zu weilen, der ich Augenzeuge war der vielen Jahre ׳friedlichen, mihi,gen ׳Zusammenwohnens unter allen Bewohnern des Landes, erlaube ich mir. mich mit diesen Winden an alle Einwohner d o s!1 e i!l i g e n L a 11 d e s o 1111׳ e U n •t er s e h i e d d e s Stammes und!der 11׳ e 11 g i 0,11 zu wenden, au das Volk, das die ,gütliche Vorsehung .gewürdigt hat. auf dem. au Heiligkeit die ganze Erde iibertrefiemleit Boden zu ,wohnen, und ich bitte sie, ans der liefe eines gebrochenen und demütigen Herzens, sich über ihr eigenes schönes ,Land zu ׳erlbarmen mul über die :Menschen, die darin wohnen, ziisainmenzntreten. um ׳die Trümmer der Sittlichkeit wieder auT/;u;evibaue.n und ׳den Zusammctnibruah aller Gefühle der Menschlichkeit •und des sittlichen Aufschwunges wieder gntzunmehen, der in den letzten Jahren über 1111s gekommen ist. 11׳ e i ß t d e 11 S t a c h e 1 a u s e 11 r e ,11 111 e r 17. e n! Bannt die anf Irrtum, und Verkennung 1b e!1• u 111,0 11 d e ,11 V •e 1־ d ii c h t i g;11 n g e 11. d i e 111 e 11׳ c >h w 0 h;11 e 11 u n d b ah net d e;11 W e g /. 11׳ in F r i e d e 11! Die Führer des jüdischen Volkes im ,heiligen Laude mögen ,die ersten sein, die den Frieden verkünden, und das Herz ׳der ׳Führer und Häupter dos a r a b :i« c־ h e 11 Volkes ,möge ihnen ׳entgegeiiisahlagen, um d!em!ganzen Volke, den Frieden wiederizugcbeii. Der ,Segen G’ttes,!der dem!guten Willen aller Teile der Bciwohnenschaft;des Landes!sicher ist, wird diesem!Beginnen!Frfoilg geben und ׳den heiligen Boden mit dein Tau der Wiederbelebung erquicken. So -mögen wir ׳das neue Lieht erschauen, ׳das G’tt auf Zion erstrahilcin lassen wind, ׳und Völker ■wenden wandeln in seinem Lichte nach ׳dem ׳Flehen des in Sehnsucht des gütlichen ׳Erbarmens harrenden Joseph Cliajim Sonncnfcld. Spaziergänge. Weit, ,weit draußen vor der Stadt, wo kaum noch das freie Auge einige Wahr,zeiallen Wiens entdeckt und nur ■ein ׳in ungeheuren Dimensionen gehaltener neuer Gasbehälter an die Großstadt ,erinnert, fährt die Straßenbahn ibis an ■oi.11!kleines t&ahnh01fg0ibü.mle (heran. Fs ist uliie Kopfstation der ׳Niederösterreiahisahcti Laudasbaihn, die allem Anschein nach «ich nicht ins Innere der ׳großen Stadt vorwagt, als -fürchtete ׳sie, verspottet zu ׳worden. Der Zug ist kurz, der ■Ra/uall ■ist lang, noch hi,ngweiliger aber als die Rauchschwaden, die das Züglein zwischen .Ackerfurchen und! Weingärten arp Wege liegen ,läßt, ist diese Fahrt selbst durah ein .•.nur von wenigen Flügel'ketteii durchzogenes Land. AUeiu; •es ׳ist die ׳Korn kammer ׳Niederösterreiclis, die sich da in •der Mougensonine weitet, stilles, geruhiges Land, ,ohne so 11־ derliehe!Heize ■zwar, aber ertragreich wie kaum׳..ein zweites io unseren Gegenden. ''.-',י• Durch :diese ׳Gegend!führte einmal ׳die alte Reichs׳• straße nach Brünn und damit der!llaiiptverkcihrswög nach dem Norden und.!Nordosten des alten Habsburgerf reiches, ׳und da, wo eine Querstraße׳׳diese 'alte Hauptstraße ,mit der March verbindet, lagen auch im Schatten iiimd im Schutze der;Schlösser der!Grafen von Abonsperg und Tramn im siebzehnten Jahr hundert die Judengemeinden von Bockfließ und Groß-Scliweiobarth. Aber nicht in diesen!Orten!und nicht ״bei der ׳GosohicUto ihrer Jude 11 gemeinden ,wollen wir uns heute, so verlockend dies auch!wäre, auf halten, sondern ',׳wir ..streben ־ weiter dem Badeort Pyrawartli zu. Dieses niccierösterreidußche Fmnzensbad, wie es wohl nicht ganz ohne XJobertreibung genannt wind, •liegt so weltverloren .:und ver- •gossen da, als wäre es gar nicht bloß 30 Kilometer von Wien ■entfernt. W enn;man etwa die elektrische ßelcuchtu 111g und den Bahnhof iliiniwegdenkt, könnte inan sich leicht vonstellen, daß der Ort zur Zeit «einer Gründung im Jahre 1096 auch nicht viel anders ausgeselieu •halben mag. •׳ . Merlkwürdigerweise Ist aber dieses Gründungsjahr des späteren Mofbades Pyrawartli zugleich auch das Jahr des •ernten Krewzznges, und «ioherem Vernehmen nach sollen auch ■unter den heutigen!Bewohnern dieses Badeortes manche sein, die!gerne nach guter alter Kreuzfahrersitte ׳mit!den Juden, die ihnen über den Weg laufen, verfall re 11 würden. Allein, was tut man nicht alles dem Fremd cm verkehr zuliebe?!Dil legt man sogar das angebetete illakeukreiiiz, getreu dem unfelilbaren Rezept uosems guten ,Beda, in ,den Ouffonier!und nimmt es nach Schluß der Baclesaison wieder her. Modernste Brautperücken . . der weltbekannten PerUckenwerkstätte OTHMAR SCHIFF Wien I, KäriHnerriiifl 6 (8S8TÄ) Tel. U-41-3-62 f