Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 42 (30.10.1931)
- Date
- 1931-10-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nbvinov6 v^plathä povoleöö fUf post « tdegrafov v Bratislava &s. 41572*111*26. Zeitungen vom V€ftiflf firiüifctt Journal expedte pif t’dditear. Redaktion u. Administration! Wien, 11,, Leopolds« gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. A49״«Ö*94. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. —* Redaktionsschluß: Mittwoch Mittag Abonnementspreise: Ganzjährig: Für Oesterreich S 16, Tschechoslowakei tschech. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto .indische Presse״, Wien für Oester* reich! Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschland t Post‘ scheckkonto Berlin Nf. 122619; Jugoslawiens Postspk.*Amt 2agreb Nf. 40217; Polen t Postspk.-Amt Warschau Nf. 190409; Ungarns Postspk..Amt Budapest Nf.50170; Schweizr Post* scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei ״ זJfi. dische Presse*, Bratislava, Postspk.*AmtPrag Konto Nf. 53386 Nr. 42 | Wien-Bratislava, 30. Oktober 1931 .ביה וינא־פרעססירג י״ט חשד תרצ׳ב 17. Jahrg. Der Sabbat gerettet? Frohe Kunde eilt durch die Häuser der Juden 'in allen Ländern: Der Sabbat ist gerettetl In unseren Tagen ist man wahrlich nicht durch Freudenbotschaften ver« wohnt und so ist es dem verfolgten und verachteten Judenvolke wirklich ein Aufatmen nach schwerem Alp«' druck, wenn ihm der Draht aus Genf verkündet, daß der jahrelange Kampf gegen die beabsichtigte Kalender« reform — wie die ״Jüd. Presse“ bereits in der Vor« woche berichten konnte — zur Vertagung ad calendas G r a e c a s geführt hat. Hoffentlich ist damit wohl für immer ein in seinen Folgen kaum übersehbarer Schlag gegen das Judentum abgewehrt, wenn auch künftig bei alledem wachsames Auge auf diese Angelegenheit ge« richtet bleiben muß, um eine etwaige spätere Ueber« rumpelung der jüdischen Gemeinschaft unmöglich zu machen. Damit wäre nun vorläufig wenigstens ein günstiger Abschluß eines schweren Kampfes erzielt, eines Kampfes, in dem. sich wieder einmal zeigte, was einmütige Abwehr für das Judentum erreichen kann. Die Namen jener Ver« treter des Gesamtjudentums, deren Arbeit das Haupt« verdienst an dem Erfolg zuzuschreiben ist,, sind heute dankbar, im Munde aller, die der Genfer Entscheidung mit Bangen entgegensahen, aber bei dieser Gelegenheit kann die wenn auch für den Augenblick nutzlose Frage nicht unterdrückt werden, warum nicht auch schon in früheren Jahrzehnten' seitens des Judentums ein organi« sierter Kampf für 'den Sabbat geführt wurde. Sehr leicht hätten auch bei uns in Mitteleuropa vor einem halben Jahrhundert dieselben Ausnahmsbestimmungen in den Sonntagsruhegesetzen für die sabbathaltenden , Juden durchgesetzt werden können, die in Westeuropa im Geiste wahrer Freiheit in Geltung stehen. Ein großer, vielleicht der größte Teil der sittlichen Verwahrlosung unserer Generation hätte vermieden werden 1können, wenn es da« mals Männer, wenn es organisierte, bewußte Würde auch im religiösen Judentum jener Tage gegeben hätte. Wie aber heute die Dinge liegen, hat das Judentum zwar nach außen hin eine Schlacht gewonnen, nach innen aber hat es sie längst — fast ganz verloren. Doch nein, wir dürfen nicht verzagen, denn auch bei uns gibt es gottlob ein kleines tapferes Häuflein un« entwegter Streiter für die Heiligkeit des Sabbats, die dieses Panier des religiösen Judentums bis zum letzten Blutstropfen verteidigen und in ihrem stillen Heldentum Bewunderung, ja manchmal sogar Nachahmung finden. Hoch klingt das Lied vom braven Mann, der um des Schomaur willen seine und seiner Lieben Existenz in die Schanze schlägt und mit seinen Gesinnungsgenossen jene Elitetruppe des Judentums bildet, die allein vielleicht es verdient, daß der heroische Kampf des Judentums gegen eine Welt von physischen und geistigen Feinden weiter« geführt werde. Allein, Adel verpflichtet, und wer dieser Elitetruppe, diesem neuesten Adel im Judentum, ange« hört, hat nicht nur dem Schomaur zu gehorchen, das ihn dazu bringt, den Sabbat zu beobachten, sondern auch dem Sochaur, das ihn veranlassen soll, im Kampfe um den Sabbat auch daran zu denken, ob auch seinen Nach« kommen der Sabbat ebenso heilig sein wird, wie ihm, und alles zu tun, um in Gemeinbürgschaft der Gesinnung an« deren, schwächeren Mitkämpfern in der Erfüllung des Schomaur beizustehen. Es darf dem Säbbathaltenden nicht genügen, nunmehr den Kampf gegen die Kalender« reform zu einem glücklichen Abschluß gebracht zu wissen, sondern jeder Jude, dem selbst der Sabbat heilige Ver« pflichtung ist, muß sich um sö mehr verpflichtet fühlen, durch Förderung der jüdischen Schulen künftigen Genera« tionen den Sabbat zu bewahren und seine Kinder nur solche Schulen besuchen zu lassen, in denen ihre Liebe zum Sabbat nicht frühzeitig ertötet wird. Er muß aber auch in Betätigung edelster Solidarität anderen Sabbat« haltenden dadurch helfen, daß er sie bei Einkäufen und Anstellungen unbedingt bevorzugt, und so beweisen,, daß ihm der Sabbat nicht nur eine — vielleicht nur widfer« willig übernommene — Pflicht, sondern wirkliche Herzens« sache, ein Ideal, dem sein ganzes Leben sich freudig unter«. ordnet, bedeutet. So aber und nur so hat dann auch der Kampf Um den Sabbat, der nach außen geführt werden muß, seine innere Berechtigung, da er sich dann auf die innere Geschlossenheit einer Mann für Mann für einander einstehenden Truppe stützt, die mit Begeisterung für ein allen gemeinsames Heiligtum ins Feld, zieht. Nach außen hin, vor einer Kalenderreform, ist der Sabbat gerettet, möge es nunmehr auch gelingen, ihm bei seinen Freunden, den Sabbathaltenden selbst zum vollen Siege zu verhelfen! ' '! ־ ' M. Persönliche Erinnerungen an R. Kalman Weber. Von Rabbiner Ph. Fischer, Särospatak. Ich stand im zwölften Lebensjahre,־ als meine Eltern den Beschluß faßten, mich die Jeschiwa meines Groß« vaters, des Rabbi von Paks, besuchen zu lassen.. Und so wurde ich bei nächster Gelegenheit dem guten Reb Scholem anvertraut, der mit seinem Fuhrwerk den Per« sonenverkehr aus meinem Heimatsorte nach Paks be« sorgte. Es war an einem Freitag, als ich an meinem Be« stimmungsorte, anlangte, und am festlich gedeckten Sab« battisch lernte ich in dem Hausbocher meines Großvaters, neben dem ich zu sitzen kam und der immer wieder zum 'Singen aufgefordert wurde, den späteren Rabbi Kalman Weber kennen. . . Den Winter hindurch׳ besuchte ich noch die Tal« mud Thora und eigentlich hätte ich erstzu meiner Bar Mizwa in die Jeschiwa aufgenommen werden sollen. Daß dies aber meinem Wunsche gemäß schon früher der Fall war, verdankte ich R. Kalman Weber, der sich schon da« mals als guter Diplomat erwjes. Man hätte nämlich be« zweifelt, daß ich die Vorbedingung für die Aufnahme in die Jeschiwa, ein einmal gehörtes ״Pschättel“ sofort lückenlos wiederzugeben, erfüllen könne. Kalman aber rief mich zu sich und während er seine Hände am Ofen wärmte, sagte er zu mir: ״Paß’ gut auf, Fischele, wenn du mir das Folgende nachsagen kannst, kommst du in die Jeschiwa.“ Und dann trug er mir ein im Vormittagsschiur von meinem Großvater gehörtes scharfsinniges ״Pschättel“ in Sugje Hoil mit so großer pädagogischer Virtuosität vor, daß ich es sofort erfaßte und wiedergeben konnte. Ich wurde für den Besuch der Jeschiwa reif erklärt und da konnte ich bald auch erkennen, wie Rabbi Kalman Weber als Talmid mubhak meines Großvaters, des ״Jalkut Elieser“, sich ganz dessen klassische Methode, die sich vollständig mit der des Schewet Sofer deckte, angeeignet hatte. Aber auch noch in einer änderen Beziehung erhielt der so früh verewigte R. Kalman Weber■ זצ״ל ünver« wüstliche und zielweisende Eindrücke in den langen Lehr« jahren bei dem Baal Jalkut Elieser. ,,Un ver wüst« liehe“ sage ich, denn eben die Impressionen der ersten Jugendzeit sind die nachhaltigsten und wirksamsten. Fast in allen Nachrufen wird sehr richtig hervorgehoben, wie in dem Charakter des allzu früh Heimgegangenen; sich > Hüten Sie sich vot Erkältung! Erkältungskrankheiten begegnen Sie am Besten durch Abhärtung• Ihres Körpers und Hebung seiner Widerstandsfähigkeit gegen Ein- Wirkungen cles, besonders im Herbst und Winter, sehr oft eintretenden, jähen Wetter Wechsels Abhärtung geschieht am besten durch tagliehe Massage mit dem Menthol - Franzbranntweih ALFA Alpa — Ihre Gesundheit! eine־ unbeugsame, ja geradezu schroffe Konsequenz in der. Befolgung ‘der einmal von ihm als richtig erkannten und; anerkannten Prinzipien mit einer •seltenen, gewinnendem: Leutseligkeit im Umgänge mit den Menschen auch ,an« derer Gesinnungsart paarte. In dieser Beziehung mußte ihm das Beispiel seines ersten: Juggndlehrers bewußt und unbewußt als Nachahmung heischendes Musterbild vor« schweben. Also, R. K. W., oder richtiger dem damaligen ״Kal« men“, seinem schon damals erfinderischen, diplomatischen Kopfe hatte ich es zu danken,, daß ich schon nach kaum einjährigem Besuche der Talmud Thora im nächsten Se« mester, richtiger ״S’man“, zum Nebenschim,\des damaligen Dayan R. Pinchas Steiner 1״צל und zum Hauptschiur des ״Deden“, natürlich mit Zuhilfenahme eines ,’,Chaser«' bochurs“, zugelassen worden bin. Die schützenden Fittiche R. K. Webers sollten aber, auch noch später über mich gebreitet werden. Ich war, nämlich nach meinem vollendeten siebzehnten Lebens« jahre auf die Alma mater all meiner Ahnpn, auf die Jeschibah zu Preßburg gereist. Und schon in den ersten. Tagen meines dortigen Aufenthaltes stellte mich in der Schiurstube ein hochaufgeschossener junger Mann zur. Rede. Ich hatte zu tun, bis .ich in dem kräftigen, jungen Manne mit dem schönen Vollbart den ehemaligen schmächtigen ״Kalmen“ wiedererkannte. Wir hatten 11ns schon seit Jahren nicht gesehen. Natürlich war auch in« zwischen — nach Preßburger Gepflogenheit — aus dem ״Kalmen“ ein;״■Herr Weber“: geworden, wie auch aus dem ehemaligen ״Fischele“ ein ״Herr Fischer“ ge« worden war. Der ״Herr Weber“ machte mir die Mit« teilung, daß er aus Paks, im Aufträge des ״Rebbe“, ein Schreiben erhalten habe, worin er ersucht wird,.׳ mir bei Beschaffung einer Wohnung . mit. . anständigen, frommen und fleißigen ״Chawerim“ behilflich zu sein, wie auch mich bei den zahlreichen Anverwandten meines Großvaters in Preßburg einzuführen, und überhaupt mir, dem noch blut« jungen Bachur von. 17 Jahren, in allem behilflich zu sein, und mich auch zu einem häufigen Besuche bei ihm zu ver« anlassen, Da ich die ersten Dipge schon selbständig, auf eigene Faust erledigt hatte, so blieb mir nur noch die Be« folgung des letzten Wunsches übrig. Und dies um so dar weltbekannten Perückenwerkstätte mm t 8^719101 5^. TeL .U H .׳׳ff,..^5^.j.