Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 13-14 (1.4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11/14 jüdische presse Sfettei ‘ 11 •der Behandlung des bekannten. ■bewährten Arztes anvertrauen würde, statt durch einen fremden, unbekannten Arzt an seinem Körper hermnexperimentieron zu lassen? »Samson Raphael Hirsch צ״ל? war der grolle Arzt und berühmte Diagnostiker seiner Zeit, welcher im Jahre 185־f nach Frankfurt a. M. berufen wurde, um dem dort bereits in Agonie liegenden Judentum durch seine richtige Heilmethode Genesung zu bringen. Dali Hirscbs Diagnostik und die angewandten Medikamente als die einzig richtigen anzusprechen waren, beweist ja sein Erfolg in Deutschland und die Tatsache, daß durch •die Nichtbefolgung der Verordnungen dieses großen ..Nikolsburger Arztes“ die Jiidischkeit . in Mähren bis auf den heutigen Tag krank blieb. ..Hirsch sei nicht wissenschaftlich“, behauptet die ..sogenannt wissenschaftlich“ orientierte Jugend im Westen: ..Hirsch sei zu modern und bringt die Jugend vom Lernen ab“, wird wieder im Osten gerufen. Die Folgen .dieser beiden extremen Behauptungen machen sich bereits sowohl im Osten al!s auch im Westen bemerkbar. Es wird mit neuen Experimenten versucht, trotzdem sich ja die Ifirschsche Medizin so gut bewährt hat. Von der Erkenntnis ausgehend, daß nur auf Basis dos bewährten Rezeptes von S. R. Hirsch זצ״ל wieder neue 'Aufbauarbeit geleistet werden müsse, soll nicht unsere Jugend von ,.den verwirrenden Einflüssen der geistigen und kulturellen Strömungen“ erfaßt und irregeleitet werden, ist vor einigen Monaten der ,,Rabbiner- Hirsch-Verein“ begründet worden, dessen Hauptaufgabe die Popularisierung und weitestgehende Verbreitung der 11irischischen Werke ist. Der alte, bewährte Heiltrank soll in neuen Flakons gereicht, werden oder, richtiger gesagt, dem schulgebildeten Juden soll durch Popularisierung die unbedingt bewährte llirschsche Literatur verständlich gemacht werden. Wir glauben kaum, daß dann noch ernste Menschen behaupten werden. Hirsch sei nicht ״wissenscluiftlich“ oder die Lektüre seiner Schriften halte die Jugend vom ״Lernen“ •ab. Es sind bekanntlich nicht die schlechtesten Früchte, au denen die Wespen nagen! Popularisierung der Hirschsehen Schriften. Hier möchte ich einluiken und Sie auf die im Verlag der Bibliothek dos ״Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands“ erschienenen Werke aufmerksam machen. Wenn Schreiber dieses vorwegnimmt, daß unser ״Verlag“ keine Erwerbsquelle darstellt, so spricht er aus Erfahrung und in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied dos ..Vereins fiir die jüdischen Interessen Rheinlands“, dessen Rendant er ist. ״Z u r ii e k u 11 s e r e J u g e n d zur ת ירה g ef ii 11 r t“. i«t die Devise des ״RheinlandVereins“ und das u n e i g e n 11 ii t z i g 0 B e s t r e b e n. unserer Bibliothek weitestgehende Verbreitung zu sichern. Das Hauptwerk dieses Verlages ist: דיוקים על ההורה Uebersetzung und Bemerkungen zum Pentateuch von Rabbiner Dr. B. Wolf (Köln). Als im Jahre 1914 der Verfasser dieser ״Dijukim“ das erste Kapitel von בראשיח . dem als Autorität auf dem Gebiete der Bibelforschung anerkannten Professor dieser Große: ״Empfangen Sic• meinen herzlichsten Dr. D. .Ho ff mann צ״ל? (Berlin) cinsandtc. antwortete Dank fiir die Zusendung Ihrer Erklärung zum ersten Kapitel von בראשית• Zugleich meinen יישר כחך zu Ihrem Versuch, die I'lirschschen Gedanken zd populär!- Pentateuch-Erklärung zu beginn...“ (Seite I Dijukim.) sioren sowie eine populäre, zur יראה führende Dieses aufmunternde Gutachten von solch kompeteilte!• Seite veranlaßte unseren Vereinsrabbiner, Herrn Dr. Wo 1 f. zur Herausgabe seiner ״Dijukim al hatauroli“, um der nach Wahrheit ringenden Jugend ein Werk in die Hand zu geben, in welchem sie llirschsche Ge- ■danken, in zeitgenössisches Gewand gekleidet, verstehen lernen und — um mit Hirsch zu sprechen — mit T'uach beginnen. Bis jetzt sind von diesen דיוקי□ על התירה erschienen: L בראשית Und שמית, welche durch'sämtliche jüdische Buchhandlungen im In- und Ausland zu haben sind. Ferner verlegt!' unsere .Bibliothek: 2. ״Die Sprüche Salomens” משלי von Rabbiner Dr. Wolf (Köln). Leider ist dieses Werk seit Jahren vergriffen und wäre eine Neuauflage dringend nötig. Dieser Kommentar enthält sämtliche Ausführungen aus der Feder S. R. Hirsch’ זצ״ל zu Mischle, die der Große im ״Jeschurun neue Folge, Hannover ISS3/85. erscheinen ließ. 3. Das Buch Samuel ספר שמואל übersetzt und erläutert von Rabbiner Dr. Wolf. 4. נחלת זאב Erklärungen zu Stellen aus den heiligen Schriften. Von Rabbi Josef Wolf זצ״ל >. Der denkende Jude: a) V o r s c 11 r i f t e n für die T rauerzei t. Von Rabbiner Dr. Wolf. (Zweite, verbesserte Auflage erschien, vor kurzem im ״Hermon-Verlag“, Frankfurl a. Vf.) b) D i 1• V o r s e 11 r i f t e 11 f ü r die M a 111 z e i t. Von Oberrabbiner Josuu Schill (Peziuok). e) D i e S p e i s e g e!setz e. Von Rabbiner Dr. B. VV o I f'. (Zweite, verbesserte Auflage, in welcher auch ein 'l’eil der ״Vorschriften für die Mahlzeit“ enthalten sind, erschien ebenfalls im ״Hermon-Verlag“, Frankfurt a. M.) d) S a m s o n lt a p 11 a e l U i r s c 11. V on Oberrabbiner T. T a 1 יזצ״ל Amsterdam. Wenn wir heute mit dem Appell au die tschechoslowakische, österreichische, und ungarische denkende Judenheit herantreten, unserer ״Bibliothek" mehr Aufmerksamkeit als bisher zu schenken und unseren Werken in jeder jüdischen Familie Eingang zu verschaffen, so tun wir dies in! Bewußtsein unserer gegenseifigen jüdisch-geistigen Verbundenheit. 1Sig, die Sie im ת ם סופר n-schen Sinne geschult sind, werden es verstehen, daß dieser רק של כל בני הגילה stets gegen eine ,.sogenannte, jüdischen Geist verwirrende Bildung“ Sturm lief, dagegen ״Tauroh und Jiroh“ fördernde Literatur immer befürwortet hat. Wir hier im Rheinland haben bereits Pfeiler zu einer Brücke vom Clmssam-Sauferschen zum S. R. Hirschscheu Lerhsysteni gebaut. Die mit unserem; ״Verein für die jüdischer! Interessen Rheinland«“ eng liierte und. unter Leitung .unseres Herrn Rabbiners Dr, Wolf ■ףו stehende ״Talmüd-Tauroh-Sehule“,. in welcher, nicht ,Religion“ unterrichtet wird, solidem in der Volks- Mittelschüler, Akademiker und Kaufleute an die Quellen, von חנ״ך zu ש״ס geführt werden, sind u. a. ein Rabbiner und zwei Lehrer äiigestellt, die jüdisches Wissen an der Preßburger ■ Jcschiwoh erworben haben und nach dem Lehrsystem des OTI unterrichten. Helfen Sie uns diese Brücke fertigschlagcn dadurch, daß Sie unsere Bibliothek nach jeder Richtung hin fördern. Kaufen Sie die angeführten Werke. Abonnieren Sie die ״Dijukim al hatauroli“, damit Sie uns in die Lage versetzen, diese Geistesschätze fortlaufend veröffentliehen zti können. Nicht nur unseretwegen und Ihrethalben ergeht diese dringende Bitte an Sie. sondern auch der Verbreitu 11g von Tau roh und Jiroh wegen. Helfen Sie uns. die angefangene Brücke nnszubauen. Ihnen und uns wird sie zum Segen sein! Sie werden sehen, welch herrliche Früchte auf einem y ע DT“! erblühen, der von Tau roh und Derech-Erez gefördert wird! Griinsfeld (Köln). .ספי מצות השב מאת הרב הדיין ר׳ יונתן שטייף ככידאפעסט. Peng 0 3.30 פ ר י י ז Dev durch seine große Gelehrsamkeit rühnilichst bekannte Rabbiner Jonathan Steif. Budapest, hat die jüdisch-halachische und jüdisch-ethische Literatur durch ein überaus wertvolles und interessantes Werk bereichert. Das Werk zerfällt in zwei Teile. Der erste Teil behandelt die 13 Glaubensartikel, der zweite hat die Pflichten der Mitwelt gegenüber zu seinem Gegenstände. Der Verfasser erörtert mit staunenswerter Belesenheit den Inhalt, den Umfang und die Quelle eines jeden Glaubensartikels. Philosophische Grübeleien werden absichtlich außer acht gelassen, dafür aber werden Schätze der tahnudischen und nachtalmudischen Literatur in unermeßlicher Fülle zutage gefördert. Die 13 Glaubensartikel haben hier einen warmen Annehmer gefunden und eine tiefgreifende Bearbeitung erfahren. De!■ zweite Teil ist eine Halacha der Ethik. Aus- Sprüche, die wir für belanglos halten. Vorschriften, an denen wir achtlos Vorbeigehen, empfangen durch die herrlichen Ausführungen des Verfassers Wert und Bedeutung. Kenner der jüdischen Gesetzeskunde werden an diesen Erörterungen ihre helle Freude haben. Das Werk ist erhältlich beim Verfasser: Rabbiner Jonathan Steif, Budapest, VII., Dohany' utca 2S. Das Hohelied. Uebertrngen und gedeutet von Joseph G a 1־ I e b a c h. Der rühmlich bekannte Herrnon-Verlag,!Frankfurt a. M., dem wir schon eine Reihe von wertvollen Neuerscheinungen verdanken, überrascht uns als willkommene Pessachgabe mit einem liebevoll mißgestalteten Werk, ״Das Hohelied“. Das Buch ist aus Vortrügen über das Hohelied hervorgegangeu, die Verlasser in Hamburg in den Jahren 1925 bis 1924 allsabbatlieh gehalten hat. Das Werk wurde vom Verfasser allen Brautpaaren in Israel gewidmet. Schon eine flüchtige Lektüre dieses ausgezeichneten Werkes zeigt uns, daß es jedem jüdischen Leser sowie jedem gebildeten Menscheu viel zu •geben und zu sagen!hat, ja noch mehr, auch dem Wissenschaftler so manchen neuen Gesichtspuukt erschließt. Wir behalten uns noch eine eingehende kritische Würdigung dieses Werkes vor. N. זולת שבת?. A Zsidösägröl Szombatokra. Von Oberrabbiner Philipp Fischer, Sarospatak. Der unseren Lesern wohlbekannte Autor hat unter obigem Titel eine Sammlung von Ilomiiien für das ganze Jahr herausgegeben, die nicht besser empfohlen werden kann als durch die Worte, die Rabbiner S. Fürst (Schiffsschul) dem Werke als Geleitwort widmet: ״...Audi diesmal hat der Verfasser wunderbare Blüten aus dem Garten der Thora zusammengetragen. Und dies in der Sprache seines Landes, in d׳ie er •auch schon die ,,Neunzehn Briefe“ seines Meisters Samson Raphael Hirsch übersetzt hat. Es versteht sich von selbst, daß es unbedingt notwendig ist, jenen Volksschichten, die sonst nur Schriften zu lesen gewohnt sind, die dem Judentum feindlich gegenüberstehen, Bücher der Art zugänglich zu machen, die wie dieses den reinen Glauben in den Herzen zu festigen geeignet sind. Darum verdient der Autor unseren uneiugeschränkten Dank und die besten Wünsche für sein weiteres Schaffen zur Stärkung der Treue gegenüber Gesetz und Ueberlieferung.“ Drei Judenromane. Der durch verschiedene äußerst gelungene Publi־ kationen bereits rühnilichst bekannte Paul Zsolnay Verlag hat jüngst wieder drei Romane auf den Büchermarkt ge* bracht, die auch unser Interesse zu erwecken geeignet sind. 1. Sehalom Asch: Petersburg. Roman. Schalom Asch erweist sich in seinem neuesten Roman, der in Rußland und Amerika begeisterte Aufnahme gefunden hat, abermals als großer europäischer Epiker. Mit ״Petersburg“ schrieb er das Epos einer zum Unter־ gang verurteilten Epoche. Es sind wesentlich zwei Schick־ salskreisc, die sich in dem handlungsreichen Buch schnei־ den: das jüdische Großbürgertum, das im Zarenreich sein Vaterland sieht, und die armen, entrechteten, glaubens־ treuen Juden, die, wenn sie heimlich in das ihnen ver־ botene Petersburg kommen, um über erlittenes Unrecht Klage zu führen, in dem ״Pensionat“ der — beiden Reli־ gionen, der grieehisch־orthodoxen Und der jüdischen, an־ hängliehen — Madame Kwasniecowa Unterschlupf finden. In der Kanzlei des berühmten Rechtsanwalts Halperin kom־ men die Menschen dieser zwei so verschiedenen Welten zusammen. Die inneren Kämpfe seiner Gestalten sind vom Dichter mit viel Zartheit und Kraft dargestellt; die Bild־ haftigkeit der Szene n, der Konflikte dieses Sittenroman!, ist shäkcspearisch. Und im Hintergrund ad dieser einander, überkreuzenden Geschicke Petersbqrg, die Stadt Niko־ laus’ II. und Rasputins, in Festglanz und leerem Lärm dahinlebend, taub für die Verzweiflung der Unterdrückten. 2. Franz Werfel: Der Abitürientent a g. Die Geschichte einer Jugendschuld. Franz Werfel erzählt die Geschichte einer Schuld, einer Knaben־ und Jugendschuld, die, durch kein irdisch־ äußerliches Gesetz faßbar, dennoch die tiefste ist, die Schuld, für die es keine Entsühnung gibt, weil sie die Sünde wider den heiligen Geist der Menschenliebe ist. Ein Gedenktag, die 25־Jahr־Feier des Abituriums, vereinigt eine Reihe von Menschen, ehemalige Schüler des NikolaussGymnasiums, die das Leben einander entfremdet MM dH|{||||a|||||a|igaf^g||||lf|||j|a||M||||^||ga|ggg^|a|||ilgjMii^B|||||^g||||gi|B||||^|||||^|g^||||^ hat. Unter ihnen ist der Landesgerichtsrat Ernst Sebastian, ein seinem Berufe mit anscheinender Leidenschaft er־ gebener Richter. Er hat heute in einem Untersuchungs־ häftling, der unter Mordverdacht steht, seinen Mitschüler Adler zu erkennen geglaubt, und aus diesem Erlebnis und der gespenstischen Gegenwart der gesellig־peinlichen Zusammenkunft einander völlig fremder, in krampfhafter Vertraulichkeit ihre Jugendgemeinsamkeit beschwörender Menschen steigt vor ihm die erschütternd lebendige Ver־־ gangenheit wieder auf. Jener Franz Adler war ein genialer junger Mensch, trotz seinem linkischen, immer wie aus Träumen aufge־ schreckten Wesen bei Lehrern und Kollegen geachtet, die in ihm die Besonderheit und Begnadung fühlen und ehren — bis Sebastian erscheint, der anders Geartete, der Gegensätzliche, nur auf Schein und Geltung Bedachte, der bis in die letzte Regung unechte Mensch. Adlers unbestech־ liehe Wahrhaftigkeit ist ihm schon durch ihr bloßes Sein verhaßt, er gönnt ihm nicht die Ueberlegcnheit, erträgt nicht seine Reinheit — er muß ihn quälen, demütigen, ent־ würdigen. Zuerst versucht er, sich in sein Vertrauen, seine Achtung einzuschleichen, indem er vorgibt, gleich jenem zu dichten — er liest fremde Gedichte als eigene vor -־,-־ aber da alles an Adlers selbstverständlicher Echtheit ab־ prallt, entflammt er in geradezu teuflischem Haß gegen ihn und ruht nicht, bis er Adler lächerlich und unmöglich gemacht hat, bis er ihn seelisch entwurzelt und zugrunde richtet. Welche Abgründe jugendlicher. Seelen reißt Werfel auf, welche Schauder früher Wirrnis vermag er zu.be־ schwören! Es gibt Szenen in dieser gestaltcnrcichen Dich־ tung, bei denen man den Atem anhält vor Erschütterung. Etwa jene, wo Sebastian, um Adler zu demütigen, ihn um ein Stück Backwerk niederzuknien zwingt. Oder der Selbst־ mordversuch beider Schicksalsgenossen, nachdem Sebastian beim Versuch, Adlers schlechte Fortgangsnoten im Klassen־ katalog umzufälschen, vom Professor ertappt worden ist. Und die schönste und erschütterndste: Adlers ״Opferbad“ im Flusse bei Morgengrauen und die erschauernden Mit־ schüler alle am Ufer. Zur höchsten tragischen Höhe erhebt sich der Schluß, da Sebastian seinem vermeintlichen Opfer wieder gegenüberzustehen glaubt — ein Opfer auch er, ein innerlich ausgehöhlter, um seiner ünaufhebbaren Schuld' willen zerstörter, vereinsamter Mensch. 3. Felix Salten: Simson, Das Schicksal eines Erwählten. Roman. Das Schicksal Simsons, des Helden Gottes, ist hier gestaltet und wird zum Symbol der Tragik jeglicher Er־ wählthcit, die zugleich zeichnet und auszeichnet. Mythisches Geschehen hat Salten auf tief menschliche Art gedeutet und einen Roman geschaffen, in dem orientalische Farben־ pracht und europäische Charakterisierungskunst sich aufs glücklichste verbinden. Die reiche Fülle jenes prachtvollen Bibelbuches läßt der Dichter vor uns erstehen, Motive und Figuren: Simsons Stärke und das Geheimnis seines Haupthaars, sein Richter־ amt und seine Liebe, die Philister und Delila. In reiner Erzählerfreude hebt die Geschichte dieses Kraftgewaltigen an, und seine Verbindung mit Delila ist ein lyrisch ge־ töntes Liebesidyll. Nicht Delila selbst, sondern ihre dirnen־ hafte Schwester Kadita ist es, die den Verrat ins Werk• setzt. Erschütternd wirkt Simsons . jäher Sturz, die Ver־ zweiflung des Geblendeten und seine Knechtung in der Tretmühle. Nur Delila, die er den Glauben seiner Väter gelehrt, und ein herrenloser Hund hängen ihm an. Er־ schütfernd auch die innere Wandlung des Helden v vom•. Liebling Gottes zum wahrhaft Erkorenen, der aus Leid und Erniedrigung heraus Geistesstärke der physischen Kraft' gesellen lernt. Leid und Mitleid des Tieres werden ihm Wegweiser zum Leid der Menschheit. Der Wissende hat auch seine geraubte Körperkraft wiedergewonnen und in der grandios geschauten Schlußszene des Hochzeitsfestes.' der Kadita übt er die furchtbare Rache, der Vergeltung. Anschaulichkeit und ein grimmiger Humor zeichnen Feige und Feile, Demütige und Schwache rings um den Eieiden der Stärke, nur die Mutter ragt ihm ebenbürtig in biblischer Größe empor. Reifste Erzählerkunst, der kein Ton der Leidenschaften versagt bleibt, vereint Geschautes und Gedachtes zu harmonischem Gebilde und gestaltet das einmalige Schicksal Simsons des Erwählten zum ewigen Los jeglichen Gnadentums. ״Ein Ghetto im Osten — Wilna.“ 65 Bilder von M. Vorobeichic, eingeleitet von S. Chneour. Deutsch-hebräische Ausgabe. Schaubücher Bd. 27.!Herausgeber Dr.!Emil Sehaeffer.!Gebunden Fr. 3, M. 2,40. Orell-Füßli-Verlag, Zürich und Leipzig. Du« Mittelalter stellt beim Du rehblättern dieses Schaubuches vor unseren Augen, aber nicht das Mittelalter dräuender Burgen und Festfroher Minnehöfe,־ prunkender Kathedralen und blinkender Panzer — ach nein, das ,Mittelalter eines Ghettos im Oisten ׳ist ander«, sehr anders. Die Last der Jahrhunderte drückt auf,• lichtlose Tore und Gassen, auf uralte Gewölbe, vergitterte Fenster und Synagogen, auf durchfurchte alte Gesichter und auf Kinder, die wie Greise wirken. Denn die tausendjährige Angst vor den Sühnen Edoms, die unzählige Male mit Verwüstung und Tod die Gassen: der Ghettos durchzogen haben, prägte selbst auf Kindcrstiruen das Ahasver-Stigma besorgter Unrast und ewiger Friedlosigkeit. Viele haben die Judengassen des Ostens beschrieben, man hat sie gezeichnet und gemalt, und fast immer ist das Ghetto dabei sentimentalisiert; worden. Dieses Schaubuch des Orell-Fiißli-Verlages, Zürich und Leipzig, bringt aber endlich das wirkliche Ghetto, die echte Judengasse. Prächtige und durchwegs originelle Photokompositionen, die nichts fälschen und nichts versüßlichen, lehren uns das wahre Ghetto verstehen, enthalten wertvolles Material für Rassenforscher und Ethnographen und vermögen, wie Chneour in!seiner feinfühligen Einleitung ■mit Recht hervorhebt, nicht bloß Künstler und Gelehrte, sondern jedermann zu interessieren. für 14. April, mit häuslicher Mithilfe neben Stuben־ mädchen, für guten Dauerposten gesucht. Ausfuhr־ mädchen, für guten Dauerposten gesucht. Ausfuhr־ liehe Offerte unter E. B. 18 an die Wiener Adm.