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Jüdische Presse · 1931-04-01 · 13-14 (1.4.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
13-14 (1.4.1931)
Date
1931-04-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Novinov6 vft>latn6 povolend riadit post a telagraföv v Bfatislave Cis. 4157220־111־. Zeitungen vom Verleger versendet. Journal expgdie par I’^dltetff. V. b. b.; JÜDISCHE PRESSE OROJIN PUR Ml MITEREBSEH DES ORTHODOXEM JUDENTUMS. Redaktion u. Administration: Wien, II., Leopolds# gasse 26, 1. Stiege, 1, Stock. — Tel. A0#94־49־. ,Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschlufe: Mittwoch Mittag AbonnefoentaorHi* 1 U*n*1lftr1g, P0r Oesterreicfi S 16 fsebecboflo'arakel tsebreh. K. 80. Cln*eltu!1»mu*r öst. Of. 50. 4*1 übrige Aailitnd 3 Dollar Zahlungen auf Konto ,Jüdische Presse״, Wien für Oesterreich 1 Postsparkass«nkonto Nr. D-936I4; Deutschlandt Post* scheckkonfo Berlin Nr. 122619; Jugoslawien! Postspk.*Amt , Zagreb Nr. 40217; Polen! Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn! Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz! Post• scheckk. Zürich VIII. 4117; tür die Tschechoslowakei! ״J0dische Presse״, Btatislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr.53386 Nr. 13/14 Wien-Bratislava, 1. April 1931 .ביי וינא־סרעסבוינ י׳ד ניס׳ן תיצ׳א 17. Jahrg. Wir wünschen unseren Lesern und Freunden שמחת ירט Der zweite Pessach. ' Welcherart sind am Sederabend unsere Empfin־ düngen, wenn wir derer gedenken, die den Seder nicht feiern, wenn wir uns das Bild der armen Kinder solcher ärmer Eltern vor Augen führen? Wie muß das Seelen־ leben der jüdischen Menschen beschaffen sein, denen viel־ leicht noch selbst der Vater das aus den Wundern der Erlösung erfahrene Erlebnis der Hcrzenslenzeswelt ver־ mittelt hat, und die nun aus Irrtum, Trotz oder Gleich־ gültigkeit sich und ihrem Haus dieses Erlebnis versagen? Vielleicht gewinnen wir Richtpunkte, wenn wir an das erste Pessachfest in der Wüste denken. Da waren Männer, welchen am 14. Nissan der Zutritt zum Heiligtum, der Platz am Tisch des Pessachopfers aus religiösen Gründen versagt werden mußte. Und sie gingen zu Moses und sprachen also: ״Warum sollen wir weniger sein?“ Und dieser wehe Aufschrei ergriff Moses so sehr, daß er in seinem reichen Schatz des Wissens und Woltens eine Ant־ wort nicht fand, sondern die frage unmittelbar an den ״Ewigen weitergab. Und die Antwort? Menschen, über deren Lebensweg der Tod seine Schatten gebreitet und die deshalb unrein und unfähig geworden sind, das Heilig־ tum zu betreten, Menschen außerdem, die auf einem Weg־ punkt sich befinden, der ihnen zu weit vom Heiligtum entfernt erscheint, die sollen den zweiten Pessach begehen, am 14. Ijar. Vielleicht wird uns aus dieser schlichten Vorschrift Trost und Antwort, wenn wir sie mit den Augen unserer Weisen s. A. lesen. Zwei Gründe konnten den Menschen abhalten, mit seinem Volk das Pessachfest zu begehen. Der eine — so wird erklärt — liegt außerhalb seines Wöllens, wenn man unrein geworden, weil man vielleicht unbewußt die Grenz־ marke zwischen Tod und Leben überschritten hat, der zweite dagegen dürfte in den meisten Fällen seine Wurzeln im Bereich des Wollens haben. Man hat nicht frühzeitig genug daran gedacht, daß es eines Weges bedarf, um zum Heiligtum zu gelangen, oder der Weg erscheint zu fern und zu steil (das ist der Sinn des ״Lochern“, in dem die Ferne des Weges nicht als eine absolute, sondern als eine relative dargestellt wird). Aber auch dann kann man noch zum Glück eines Pessach gelangen. ln diese zwei Gruppen scheiden sich wohl die Seder־ fremden unserer Zeit. Die einen wissen vielleicht schon in dritten Generationen nichts mehr von dem Zauber des Pessachfestes. Erziehung und Umstände, Unwissenheit und Verführung haben in ihrer Seele keinen Raum mehr ge־ lassen für den Frühling der Menschheit. Banger Todes־ schatten tat sich über ihren Weg und sie sind unrein ge־ worden in Seele und Gemüt. Doch ein letzter, scheinbar verdämmernder Rest ist noch zurückgeblieben und wir mögen hoffen, und wir dürfen hoffen, daß diese Menschen erwachen und ihre erste Frage dann sein wird: ״Warum sollen wir weniger sein?“ Viel zahlreicher sind die ande־ ren, die sich bewußt vom Heiligtum fernhalten. Der ׳ Motivenbereich hiefür ist unendlich groß. Es kann an Leugnung der geschichtlichen Tatsachen liegen, es kann der überhebliche Versuch gemacht werden, sich die Form der Erinnerung nach eigener Ansicht zu gestalten, es kann פסח-תרצ״א SST das Ueberwuehern wirtschaftlicher Bedingungen sein usw. usw. Aber eine wirkliche Ferne vom Heiligtum gibt es nicht. Es ist nur die relative, in Willensschwäche oder Auflehnung begründete Ferne des Menschen. Und wir können und dürfen hoffen, daß auch durch diese Seelen einmal die Frage zieht: ״Warum sind wir so geringwertig geworden?“ Und seltsam, alle diese Gedanken überkommen uns bei Beginn des Seders und stellen uns vor eine ernste Aufgabe, wenn der Ruf: ״Jeder, der seiner bedarf, komme und feiere das Pessachfest mit unsl“, ernst gemeint sein soll. Wir übernehmen damit feierlich die Aufgabe, uns zu den Hungernden und Irrenden den Weg zu bahnen, um ihnen zum Erwachen und zum Fragen zu verhelfen. Groß und gewaltig stellt sich die Verantwortlichkeit für alle jüdischen Seelen vor Augen und wir übernehmen sie, wenn wir jubelnd rufen: ״Im nächsten Jahr sind wir alle freie Menschen, im nächsten Seder wird alles erlöst sein von Verstrickungen der Unwissenheit und üblen Wollens.“ Das ist die weltumspannende Antwort auf die nicht ausgesprochene, aber einleitende Frage unseres Pessach, das lockende Bild von; dem nächsten, von dem zweiten Pessach, zu dem alle jüdischen Seelen zu Gaste ge־ laden sind. P. K. פ ם ח• Mehr als 3200 Jahre sind verstrichen, seit wir dem schwersten Exil, der Fronarbeit in Aegypten, durch die sichtbare Hand G־־ttes entronnen. Mehr als 1800 Jahre dauert aber auch schon unsere längste Zerstreuung. Die nächste Nummer der ״Jüdisehen Presse“ erscheint am 17. April. Was die Judonheit während dieser Zeit ertragen mußte, wie sie von Land zu Land vertrieben, verfolgt und gepeinigt wurde, das wird unseren Kindern an den Seder# abenden zum Bewußtsein kommen. Wenn wir verstehen, unsere Kinder darüber aufzuklären, daß wir das Ertragen solcher Leiden, das Ueberdauern solcher Verfolgungen nur der Macht unseres Glaubens an die Allmacht und Allgüte G־ttes zu verdanken haben, daß nur unsere Religion, uns die Kraft gab und gibt, uns nicht nur in der Hoffnung auf unsere Erlösung und bessere Zukunft zu bewahren, sondern selbstbewußt auf allen Gebieten ׳ menschlicher Tätigkeit uns weit über unsere Zahl hinaus uns zur Geltung zu bringen, dann werden unsere Kinder das Wesen des Juden־ tums erfassen. Und wenn sie zur Erkenntnis kommen, daß wir am Sinai die hehre Mission bekommen haben, nicht nur G־ttes Diener zu sein, sondern auch der ganzen Welt die richtige Auffassung über G־tt und seine Ethik zu vermitteln, dann, ja dann werden sie sich vielleicht aufraffen und wieder jüdische Juden werden, die im Dienste G־ttes die Mensch־ heit zu einer höheren geistigen Blüte führen werden. Die 70 Seelen, die unser Urvater Jaakow nach Aegypten führte, sind trotz Scheiterhaufen, Ausrottungs# versuchen״ Vertreibungen und Plünderungen zu einer statt# liehen Anzahl von Millionen erstarkt. Freilich sind viele unserer Brüder auf dem ganzen Erdenrund gedrückt, ja geradezu erdrückt. Kehren wir aber zurück zum G־tte unserer Väter und es winkt uns die Freiheit! Nur ein a# oder gar antireligiöser Jude ist׳ hoffnungslos dem Unter# gang unter den andern Völkern geweiht. Möge der kommende פסח ein Auftakt sein zur Ein# kehr und damit ein Vorbote der Erlösung. לשנה הבאה בירושלים mit■ dem Erlöser, dem Nachkommen Davids, Wolf Pappenheim, ״Ich sterbe nicht — ich will leben.‘6 (Zu der Budget-Debatte im Vorstande der Wr. Kultusgemeinde.) \*bn geschätzter Seite ׳erhalten wir nachstehenden Artikel, Wir bringen ihn, ohne mit seiner Tendenz einverstanden zu sein, aus Opportunität. Als einziges orthodoxes Blatt in Oesterreich möchten Av.ir die Stimme der Opposition nicht unterdrücken.!Die Redaktion. Sonntag, den 29. März, haben die auf drei Tage berechneten iBudgetbcratungen des Vorstandes der Wiener Israel. Kultusgemeinde begonnen. Das dreimonatige Budgetprovisorium läuft ■Ende März ab und somit werden Avir das Pessachfest schon mit einem beAvilligten ordentlichen Budget unserer Kultusgemeinde begehen können. Gerne Avürden Avir das Motto des Psalmisten, das Avir dieser Betrachtung voransetzen, auf dieses Budget angeAvendet sehen, allein die eindringliche Sprache der Ziffern dieses Sechsmillionen-Budgets macht uns dies unmöglich. Der charakteristische Zug der Gebarung• der W1־. Israel. Kultusgemeinde, soAveit er nach diesem Budget beurteilt Averden kann, hat sich nicht geändert; Alles, was mit Tod, Siechtum, Absterben, Krankheit auf dem Tätigkeitsgebiet der Wr. Israel. Kultusgemeinde in Berührung kommt, ist gut, manchmal überreichlich gut dotiert. Also Friedhof, Spital, Altersversorgungshaus und der starre, leblose Kultus, soweit er in prunkvollen Gemeindetempeln nnzutreffen ist, sind glänzend b e d a c h t. Die Erziehung der Jugend aber, die Forderung und Unterstützung der kleinen orthodoxen Bethäuser, also der Synagogen des kleinen, tief in der Religion verwurzelten jüdischen Menschen, nimmt in dein Budget der zweitgrößten europäischen Judengemeitnde eine geradezu beschämende Stellung ein. Bei der Betrachtung dieser, aus dem Standpunkte des gesunden, ׳lebenswarmen Judentums geradezu ab* normalen Gliederung des Budgets, kann man selbstverstündlich jenen Gruppen des Kultusvorstandes, welche mit dem ■lebendigen Judentum nur in losem Zusammenhang stehen, keinen Vorwurf machen. Sie verstehen es nicht besser. Seit mehr als zehn Jahren sitzen aber auch Vertreter der Orthodoxie im Wiener Kultusvorstand. Diese orthodoxen Vertreter erfüllen ihre Pflicht absolut nicht. Ein Dezennium ist eine lange Frist, genug־, um sich über den Wert oder Unwert eines Systems, einer Methode ein Urteil bilden zu können. Es Avird wohl in Wien Modernste Brautperücken _ der weltbekannten Perückenwerkstätte OTHMAR SCHIFF Wien I, Kary»tnerring 6 C&SOT5$) Tel. U-41-3-62

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