Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 9 (27.2.1931)
- Date
- 1931-02-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2629891-2630389-2630398--3848-2635909- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
N0vifi0v6 vVpIatnA povolefiÄ riadit post a telegrafov v Bfatislave eis. 41572*111,20. Zeitungen vom Verleger versendet. Journal expedie pdf Nditeur. V. b. b. JÜDISCHE PRESSE iuuurn nmm mterememdes orthodoxen Judentums. Redaktion u. Administration: Wien, II., Leopolds# gasse 26, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. Ä94־0־49־. Tschechoslowakei: Bratislava, Postfach 140. Erscheint jeden Freitag. — Redaktionsschluß: Mittwoch . Mittag AbonDcneotcprcliBi Otncjlhrjgt Für Oesterreich S 16 Tscbecfaoiiowikel tictaecb.K.80, Elnzelnoiotner öst. Gr. 50, das übrige Awltnd 3 Dollar. Zahlungen auf Konto *Jüdische Presse״, Wien für Oester# reich : PostsparkassenkontoNr. D-93614; Deutschland« Post• scheckkotito Berlin Nr. 122619; Jugoslawiens Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217: Polen s Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409*, Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schwele: Post• scheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei: ,Jfl• dische Presse״, Biatisiava, Postspk..AmtPrag Konto Nr. 53386 Nr. 9 Wien-Bratislava, 27. Februar 1931 .ב*ה וינא־פרעסבויג י' ארי תיציא 17. Jahrg. Das Weißbuch abgeschwächt. Die englische Regierung hat nunmehr nach monate# langen Unterhandlungen die Situation, die nach dem Weiß־ buch eingetreten war, durch ein Schreiben ihres Premiers an den Präsidenten der Jewish Agency ein wenig klargestellt. Wenn auch dieser Brief Ramsay MacDonalds noch lange nicht allen von jüdischer Seite erhobenen Vorstellungen gegen die verhängnisvollen Fehler des Weißbuches gerecht wird, erblickt die jüdische Oeffcntlichkeit in ihm dennoch eine wesentliche Annäherung der extremen Standpunkte und sogar die Opposition der Radikalen gegen die Wciz־ mannsche Politik mit Stricker an der Spitze muß zugeben, daß wenigstens die äußersten Härten gemildert erscheinen. Nach einer langen bangen Zeit des Wartens und der tiefsten Enttäuschung scheint jetzt endlich die vorsichtig zuwartendc Politik Weizmanns ihrer Rechtfertigung näher־ zukommen, und Weizmann meint auch, daß die englische Regierungserklärung die Grundlage zur Kooperation der Jewish Agency mit der Mandatarmacht wiederherstclle. Die vom Ministerpräsidenten MacDonald selbst un־ terzeichnete Erklärung nimmt die ungerechten und übel־ wollenden Urteile zurück, die das Weißbuch von 1930 über das jüdische Kolonisationswerk gefällt hatte. Für die Immigrationspolitik wird der frühere Zustand wieder anerkannt. Wichtig, ist die Stelle, wo darauf hin־ gewiesen wird, daß nur die durch jüdische Siedlungstätig־ keit von ihrem Boden getrennten Araber auf gleicher Stufe mit Juden behandelt werden sollen. Den arabischen Gebirgsbewohnern soll an Ort und Stelb.-geholfen.w.erdeivma.ch..der. Ebene,, soll! keine. Geher־,; führung dieser .Bevölkerung stattfinden. Die ZifFern des Simpson־Berichtes werden nicht definitiv akzeptiert. Eine neue Untersuchung findet darüber statt, welche Staatsländereien für jüdische Landsiedlung verfügbar ge־ macht werden können. Zum ersten Male wird das jüdische Recht auf einen Anteil an den öffentlichen Arbeiten anerkannt, unter Be־־ riicksichtigung des jüdischen Beitrags zu den staatlichen Einnahmen. , Das im Weißbuch als mandatswidrig bezeichncte Prinzip rein jüdischer Arbeit wird in seiner Legalität festgestellt. Die Frage des Legislative Council ist in dem Brief nicht erwähnt. Nächstens wird der zweite Teil der Unterhandlun־ gen beginnen. Hier wird die Frage der Landansiedlung im Vordergründe stehen. Wie die Unterhandlungen aber auch ausgehen mögen, MacDonald hat aufs neue feierlich erklärt, daß die Verpflichtung der englischen Regierung eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk, nicht bloß für die jüdische Bevölkerung Palästinas involviert. Agudas Jisroel und Colonial Office. (Schluß.) 7. Während Ziffer 3 und Ziffer 6 unserer Erklärung vom 9. November mehr nach innen gerichtet sind und einer Erörterung in diesem Zusammenhänge nicht bedürfen,• ge־ statten wir uns, Ziffer 4, jener Erklärung noch mit weni־ gen Worten zu interpretieren. Aus den unter Nr. 1 und 2 dieser Eingabe dargelegten prinzipiellen Gesichtspunkten ergibt sich schon, welch weittragende Bedeutung für die jüdische Orthodoxie die Form der inneren Organisation der jüdischen Gemeinschaft Palästinas besitzt. Für uns ist das nationale Heim des jüdischen Volkes in Palästina, wie groß oder wie klein es extensiv auch sein mag, vor allen Dingen ein Heim des jüdischen Geistes. Zwar bedarf der Geist des Körpers, und solange keine den Zusagen des Mandats entsprechende freie und intensive jüdische Ein־ Wanderung und Ansiedlung auf gesunden ökonomischen Grundlagen möglich ist, kann sich auch kein wurzelechtes geistiges Leben entfalten. Aber als Ziel aller politischen Arbeit schwebt uns eben jene Heimstätte des jüdischen Geistes vor. Sie zu schaffen, ist Aufgabe der Juden selber. Aber die Aufgabe kann von den Juden nur gelöst werden, wenn die Mandatarmacht ihrerseits die politischen und administrativen Vorbedingungen dafür schafft. Drei dieser Vorbedingungen möchten wir hier hervorheben: a) Durch das Gemeindegesetz ist unter dem Namen Was bietet die führende Weltfirma ״Kneses Israel“ eine jüdische Gemeinschaft in Palästina geschaffen und öffentlich־rechtlich anerkannt worden, deren Verfassung nach unserer Ueberzcugung nicht den Grundsätzen des jüdischen Religionsgesetzes entspricht. Es fehlt in dieser Verfassung vor allem die grundsätzliche Anerkennung der Autorität dieses Religionsgesetzes für sämtliche Akte der Verwaltung. Aus diesem Grunde haben etwa 20.000 Juden Palästinas von dem Rechte des Austritts Gebrauch gemacht und sich in privaten Con־ gregations zusammengefunden, die zwar ihr inneres Leben frei gestalten können, denen aber die öffentlich־rechtliche Anerkennung und das Steuerrecht fehlen. In dieser Tat#■ sache, daß gerade diejenigen Gemeinden, die jüdische Tradition und jüdischen Geist irt voller Reinheit ver־ körpern, vom Staate zurückgeestzt und in ihren Rechten benachteiligt werden, liegt nicht nur eine in die Augen springende Ungerechtigkeit, sondern auch eine schwere pädagogische Gefahr für die Erziehung der Jugend, die des Glaubens sein muß, daß' der Staat die altüberlieferte orthodoxe Form der Religiosität geringer bewertet und als überholt betrachtet. Wir erachten die Beseitigung dieser Ungerechtigkeit und dieser Gefahr als dringendes Erfordernis für eine gc־ deihliche Entwicklung der inner jüdischen Verhältnisse in Palästina und beantragen, alsbald eine Aenderung des geltenden Gemeindegesetzes nach der Richtung in die Wege zu leiten, daß den Congregatioris unter gewissen Voraussetzungen paritätische öffentlich־rech!tliche Aner־ kennung neben der Kneses Israel und ebenso den Rab־ binaten der Congregations die öffentlich־rechtliche Aner־ kennung neben dem derzeitigen Obprrabbinat zuteil wird. J^ir wollen nicht ,unerwähnt Tassen, ׳'daß auch; in führenden Kreisen der Krieses Israel Verständnis für. unsere Forde־ rungen vorhanden und daß uns eine friedliche Vcrständi־ gung, sobald die Regierungeiner Gesetzänderung grund־ sätzlich geneigt ist, nicht ausgeschlossen erscheint. b) Die zweite Vorbedingung für die Schaffung einer wahrhaften Heimstätte für den jüdischen Geist in Pa־ lästina ist die Förderung der alten Bildungsstätten des jüdischen Volkes: der T h o r a ־ FI o c h s c h u 1 e n (Jeschi־ woth). Es wäre zu verlangen, daß den Lehrern und Studenten dieser Hochschulen besondere Rechte auf Er־ langung von Einreiseerlaubnissen zugestanden werden, soweit für ihre wirtschaftliche Existenz gesorgt ist. Eine Blüte der palästinensischen Thora#FIochschulen hätte zur Folge, daß in allen Ländern der Judenheit allmählich her# vorragende Gelehrte, die ihre Ausbildung in den palästi# nensischen?lochschulen genossen haben, an die Spitze von Gemeinden oder Gemeindeinstitutionen berufen werden würden. Die Rückwirkung einer solchen Entwicklung auf Geltung und Anerkennung des nationalen Flcimes im geistigen Sinne liegt auf der Hand. c) Die dritte Vorbedingung für die Förderung eines nationalen Heimes für den jüdischen Geist in Palästina wäre die bewußte Förderung der Einwanderung des Mittelstandes. Wir haben uns in dieser Hinsicht bereits in einer ausführlichen Eingabe geäußert, die wir Sir John Hope Simpson gelegentlich seiner Anwesenheit in Pa־ lästina überreichten und die wir neuerdings durch eine Eingabe an den High Commissioner ergänzten, und nehmen hierauf Bezug. Die Assefath Haniwcbarim. Die über die Tagung der Assefath Haniwcharim einlangenden Berichte über. diese erste auf Grund des Gemeindegesetzes gewählte' Versammlung, bieten absolut kein erfreuliches Bild. Trotzdem die der Agudas Jisroel nahestehenden Kreise der Orthodoxie der Versammlung nicht angehören, haben die im Wahlkampf gesteigerten Leidenschaften eine Verwirrung geschaffen, die einer allgemeinen Steuerlosigkeit gleichkam. Schließlich kam es ja auch zu einem Auszug der Revisionisten, die zu einer Unterbrechung der Sitzungen führte. Im nach# stehenden veröffentlichen wir einige der wesentlichsten Beschlüsse der Assefath Haniwcharim, in der eine große Kulturdebatte, ein stundenlanges Rededuell zwischen Spendet für den der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygaese 11 ZUM PURIMFESTE •BANANEN AUF JEDEN TISCH! Achten Sie aber beim Einkauf auf die blaue Marke ,,FYFFES‘1! Müsrachisten und Arbeiterführern, die Diskrepanz der Meinungen aufzeigte. * v; Die Resolutionen der Assefath Haniwcharim. Die Assefath Flaniwcharim (Jüdische Delegierten# Versammlung) hat in ihrer ersten Session, die am Freitag, den 13. Februar zu Ende ging, eine Reihe von Resolutionen gefaßt, von denen einige nachstehend wiedergegeben werden: - I. Zur politischen Lage: 1.) Die jüdische Bevölkerung von Palästina lehnt das Weißbuch ab. Sie hat kein Vertrauen zu einer britischen Administration, der diese Erklärung als Richtschnur dient. Wir werden uns weder an einer. parlamentarischen Institution betei# ligen noch eine solche anerkennen, die den Aufbau des Landes zu •zerstören .geeignet |gt^■ Wir werden unsere konstruktiven Anstrengungen und . das Renaissancewerk des jüdischen Volkes in seinem Lande .fortsetzen und werden nicht unsere Pioniermission preisgeben, die Ruinen des Landes wieder aufzubauen. Die Wohlfahrt und die Entwicklung der arabischen Bevölkerung ist von der jüdischen Einwanderung und der jüdischen Kolonisation mehr als von irgend welcher Tätigkeit der palästi# nensischen Administration abhängig. In gemeinsamer. Tätigkeit mit dem Nachbarvolke sehen wir eine sichere Bürgschaft für das Aufblühen des Landes und seinen Frieden. 2. ) Die Versammlung beschließt, dem Waad Leumi die Erörterung der Frage der Verhandlungen mit der britischen Regierung und der Beteiligung des Jischmv zu übertragen. II. Die• Organisation der Institution der Knesset? Israel: t.) Die Versammlung wählt eine Leitung (Waad Leumi) aus 23 Mitgliedern und Stellvertretern. 3. ) Die Organisation der Gemeinden. Die Versammlung beschließt, sofort mit der Organisie# rung der Gemeinden zu beginnen und beauftragt den Waad Leumi, über das Wahlgesetz für die Gemeinden zu beraten und zu beschließen. Es soll allen erwachsenen Mitgliedern der ,Knesseth Israel aktives und passives Wahlrecht gemäß dem Wahlgesetz der Knesseth Israel sichern und ist ׳-sofort zur Bestätigung einzureichen. Spätestens 3 Monate nach Bestätigung - des Gesetzes müssen die Gemeindewahlen eingeleitet werden. 4) Die Assefath Haniwcharim beschließt, von der Regierung eine Reform des Gesetzes der Knesseth Israel zu verlangen, die das Austrittsrecht aus der Knesseth Israel beseitigen soll. 5.) Die Assefath Haniwcharim bevollmächtigt den Waad Leumi, die Verhandlungen mit der Agudath Israel über eine Beteiligung und gemeinsame Arbeit mit' dar Knesseth Israel fortzuführen. , III. Erziehungswesen, 1.) U e b e r f ü h ru'n g der Erziehung an die Knesseth Israel. Auf Grund der Diskussion in dieser Frage in der eben zu Ende gegangenen Session und der Resolutionen der vorausgegangenen Assefath Haniwcharim beschließt die Versammlung, eine Kommission zu ernennen, die die Verhandlungen mit den in Frage kommenden Stellen aufnehmen, die Möglichkeiten für die Ueberführung klären und einen Entwurf vor die kommende Session der Assefath Haniwcharim bringen soll. Die Kommission soll ihre Arbeiten im Laufe von 3 Monaten beendigen. Die Assefath Haniwcharim beauftragt den Waad Leumi, mit der Jewish Agency zu verhandeln und gemeinsam mit ihr von der Regierung eine entsprechende Beteili# gung an den jüdischen Erziehungsausgaben zu verlangen. mar Wien I, Kärntnerring 6 (gegenüber Hotel Bristol)!, Modernste und individuellste Ausführung. 2, Tadellosen, mustergültigen Sitz. , 3, Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen. Die Firma OTHMAR SCHIFF legt allergrößten Wert darauf, jede Kunde unter allen Umständen zufriedenzusteWen. Setzen Sie sich daher, bevor Sie «ine Perücke kaufen, in Ihrem ureigensten Interesse mit der Firma OTHMAR SCHIFF in Verbindung! ^4446