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Jüdische Presse · 1931-02-20 · 8 (20.2.1931) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
17 (1931)
Issue
8 (20.2.1931)
Date
1931-02-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Noviflovi Wplatn« povnlcni riadit post a telagfafov . v.BWHsläve ela. 415T2.ln.2b. «1■ i Zeitungen vom Verleger versendet« Journal expedie par flÜfiuf« V. b. b. ORQAN NM MC INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Redaktion n. Admtniiirattoni Wien, II.,Leopold!• Iiiae 16, 1. Stiege, 1. Steck. - Tel.R 45-4-94. Vietaechoalowtitelt Bratislava,. Postfach 140. Incheint ]•den Freitag. — Redaktionsschluss: Mittwoch Mittag. ▲booQcmentiprelic ו Ganzjährig ו Für Oesterreich S 16 Vschacfaoslowakcl., t1chech..K. 80, Einzelnummer Ast Gr. 50, u dss Übrige Ausland 3 Dollar. . Zahlungen auf Könto ״Jüdische Presse*, Wien ffir Oesterreich! Postsparkasienkonto Nr. D-93614; Deutschland! Post- Scheckkonto Berlin Nr. 1226)9; Jugoslawien t Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen! Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarns Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz! Postscheckk. Zürich VIII. 4117; für die Tschechoslowakei! ,Jüdlsche Presse*, Btatlsiava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 ’־ so 0fr Nr. 8 כיה וינא־סרעסבורג ג, ארי תרצ׳א. 1931! Wien-Bratislava, 20. Februar 17. Jahrg. Ein jugendliches Kampfprogramm. Jerusalemer Brief. Die Zentrale der Zeire Agudas JisroehOrgani« sation von Erez Jisroel in Jerusalem versendet an die Mitglieder der Agudas Jisroel ein gedrucktes Rund־ schreiben, das seiner lebhaften Unzufriedenheit mit der Politik der Agudo»Exekutive, sowohl derjenigen der Weltorganisation als auch des Jerusalemer Büros, Aus« druck verleiht. Das Rundschreiben wirft zunächst einen Rückblick auf die relativ׳ erfolgreichen Kämpfe um das Gemeindegesetz und fährt dann fort: ״Dieser Erfolg besagte aber nicht, daß damit der ■Kampf zu Ende sein dürfte. Es war damit nur eine der stärksten Positionen der Freien zerbrochen. Es blieben aber ..noch viele Akte der Vergewaltigung übrig, mit denen .sie das orthodoxe Judentum buchstäblich einschüchtern. Die Gefahr auf dem Gebiete der Erziehung, diese fürchterliche Gefahr schwebt noch immer über uns, ebenso die Gefahr des unjüdischen Gedankens, daß man das Land mit eigener Kraft ohne Thora und ohne Religion erlösen könnte. Dieser falsche Messianismus, der an das Zeitalter ■Sabbatai Zwis erinnert und den die Freien in unserem Lände verbreitet haben, frißt täglich an unserem Marke und auch diese Gefahr ist von dem Himmel unseres. Landes nicht verschwunden. ״ \Vas'■ hätte also dä־s' ,orthodoxe Judentum׳ tuh 'söllen, nachdem der Kampf auf dem Gebiete des Gemeinde« gesetzes beendet war? Es hätte seine Waffen sofort gegen die anderen Gefahren richten müssen. Aber zu unserem Bedauern hat cs nicht so gehandelt, und zwar aus verschiedenen Ursachen. 'Hauptsächlich waren es die letzten Ereignisse von Aw 5689, die die Leitung der Orthodoxie dahin beeinflußten, daß sie sich - in allge« meinen Angelegenheiten zu einem Block mit den Freien zusammensehloß. , Diese Erscheinung beschwört nach unserer Ansicht für das orthodoxe' Judentum eine große Gefahr herauf. Unsere. Lage in Erez Jisroel^ wird gekenn־ zeichnet, durch zwei seit vielen Jahren einander bekäm« pfende Lager. Wie. kann eines dieser Lager einen Waffen« Stillstand verkünden, bevor das andere damit einverstanden ist und ebenfalls einen Waffenstillstand ausruft? Das freie Judentum hat seinen Kampf nicht einen Augen« blick eingestellt und vergewaltigt das orthodoxe Juden« tum und den alten Jischuw ohne Erbarmen. Auch ohne das Gemeindegesetz ist dieses freie Judentum seiner Sache und seines Sieges, Gott behüte, sicher. 80 Prozent und noch mehr der ganzen Jugend sind zu unserem Schmerze fern von Religion, so fern, daß sie nicht ein־ mal mehr einen Begriff davon haben, was Religion und was der Begriff der Ueberlieferung bedeutet. Sie sind amc häarez ohne einen Funken von Thora, ohne eine Spur von Emuno, ein dem jüdischen Geiste entfremdetes Geschlecht. Auch der kleine Teil, der noch in den Tal» rnud«Thora־Schulen sich befindet, ist nicht mehr als fest zu betrachten, denn abgesehen davon, daß ihre Zahl von Tag zu Tag zu unserem großen Schmerze immer weniger wird, ist nicht einmal der Teil, der noch auf den Bänken der Talmud Thora sitzt, noch als ganz G«tt angehörig zu• betrachten. Der Einfluß des falschen Messianismus, der Einfluß der freien Zeitungen ist bereits in die Wände des Beshamidrasch eingedrungen. Wenn dem so ist — was für■ einen Nutzen haben wir von dem Gewinn, den .wir mit unserem!Kampfe gegen das Gemeindegesetz er« zielten? Weshalb haben wir junge Agudisten uns für diesen Kampf aufgeopfert und dafür die besten Jahre unseres Lebens hingegeben? Wenn schon das Gemeinde« gesetz vom orthodoxen Judentum als Gefahr betrachtet worden ist, um wie viel gefKhrlicher muß ihm der Ein־ fluß der Freien auf dem Gebiete des Erziehungswesens erscheinen? Das Gemeindegesetz gab den Freien nur eine Zwangsgewalt über erwachsene Menschen, durch die profanen Schulen aber gelangen sic zur Herrschaft über kleine Kinder, die sie in ihrem frühesten Alter für sich und ihre Gemeinschaft erbeuten. Wenn es in der Diaspora Orte gibt, an denen die Orthodoxen in allgemeinen Angelegenheiten mit den Freien Zusammengehen, so ist das möglich, weil jede Seite den gebührenden Einfluß und ihre eigenen Insti» tutionen hat, wie sie auch die andere besitzt. Und selbst wenn eine Seite schwächer ist als die andere, so ist doch die Möglichkeit einer gemeinsamen Arbeit gegeben, weil der Einfluß jeder Gemeinde sich nur auf ihre eigenen Gemcindemitglieder erstreckt. Nicht so steht es bei uns in Erez Jisroel. Die Kraft der Freien entspricht nicht ihrer Zähl im Lande, sondern das ganze Judentum der Diaspora wendet seine Unterstützung mit den ganzen Geldern der Diaspora und mit ihrem ganzen Einfluß nur den Freien zu und mit diesenHilfsmitteln kämpfen sie gegen uns. Steht es aber so, ist es uns da erlaubt, auch nur in allgemeinen Angelegenheiten Hand in Hand mit den Freien zu gehen? Warum sollten wir uns täuschen? Nach dem gegenwärtigen Stand geht das orthodoxe Judentum seinem Untergänge entgegen und wer weiß, ob in einigen Jahren noch jemand da sein wird, der sich um das Wohl der Religion in unserem Lande kümmert. Deshalb, zur Rettung der Lage, sind wir gezwungen und verpflichtet, Mittel und Wege zu finden, um die Gewalt der Bosheit zu zerbrechen und [ zu vernichten. Wir dürfen keinen Tag Ruhe geben, wir | müssen ihren guten Ruf in der Diaspora vernichten und < .sind verpflichtet, mit lauter Stimme zu verkünden, daß l ein furchtbarer Kampf gegen G«tt und gegen seine Thora l erstanden ist. Nach der Lage, in der wir uns befinden, hätten wir in diesem geeigneten Augenblick, der im Zusammenhang mit dem Weißbuch sich darbot, sofort gegen die Freien auftreten sollen und hätten ihren Zusammenbruch nach Möglichkeit fördern sollen. Wir hätten die Gelegenheit benutzen müssen, um ihre Kraft zu schwächen. Hätten sie im orthodoxen Judentum einen solchen Feind gefunden,‘wie sie uns hassen, hätte das orthodoxe Judentum seine Ansichten über den Aufbau des Landes, wie sie ihn betreiben, offen geäußert, hätte das orthodoxe Judentum auch auf die Balfour- Erklärung verzichtet, die uns nichts gegeben hat, sondern die nur den Freien die Möglichkeit schuf, I die Heiligkeit des jüdischen Volkes in unserem heiligen Lande zu vernichten, so wäre gewiß das Netz ihrer Schulen kleiner, ihr Einfluß begrenzter und das orthodoxe Judentum gesicherter! Die Lage ist, G«tt behüte, noch nicht verzweifelt, ,®oChs u.tßauph<Au&ßrXnal>en, 4uuiV^iddm,md0ßml&fitoäsrec/U _ u. ‘ffldtzgasse, /ff auch jetzt noch gibt es Hoffnungen, in dieser Hinsicht Erfolg zu haben. Man muß nur nach dieser Richtung arbeiten. Es gibt treue Führer, die so denken und eines Sinnes mit uns sind, sie, die ihre Seele hingegeben haben und das orthodoxe Judentum so weit gebracht haben, wie es jetzt ist. Es ist nun unsere Aufgabe, der Leitung klar zu machen, welche Gefahr wir in der Politik der Zusammenarbeit in allgemeinen Angelegenheiten er» blicken. Es liegt uns ob, den Instruktionen zu folgen und Disziplin zu iibeu. Wir müssen nur immer wieder und wieder unseren Führern mitteilen, daß wir bereit sind, als Soldaten im Heere den Kämpf für G־tt zu kämpfen. Und sein ist die Hilfe.“ Zu diesen Zeilen erhalten wir von zuständiger Seite nachstehende Aeußerung: Gegen die von glühender Liebe zur Thora ge» tragene Gesinnung wird sich gewiß nichts cinwenden lassen; sie ist im Gegenteil aufs höchste zu schätzen und Agudas Jisroel darf die jungen Menschen, die von einem so entschlossenen Geiste der Abwehr und des Siegeswillens getragen sind, als kostbares geistiges Besitztum betrachten. Leider bewährt sich hier aber wieder in einer geradezu überwältigenden Deutlichkeit, daß der beste Aufbauwille junger unerfahrener Menschen in Wirklichkeit Zerstörungswerk bedeutet. Es ist ein Glück, daß die Politik der Agudo von den jungen Herren in Jerusalem nicht gemacht wird, sondern von erfahrenen Führern wie Rabbi Xhajim Sonnenfeld, Rabbiner Grodzenski und ihren Mitarbeitern. Die Exekutive der Agudo hat übrigens. noch vor Erscheinen dieses Schreibens ein von den Herren Dr. Pinchas Kohn, J. M. Lewin und Jacob Rosenheim unterzeichnetes aus» führliches Schreiben an die Jerusalemer Zeirim gerichtet und ihnen klar gemacht, daß die Linien ihrer jugend» liehen Politik weder der jüdischen Ueberlieferung noch den Interessen der Thauro w Jiro entsprechen, Agudas Jisroel und Colonial Office (tFortseteung.) 4. Aus den Darlegungen zu 2. ergibt sich, daß wir in höchstem Maße nicht nur an der Quantität, sondern auch an der Qualität der palästinensischen Einwanderung interessiert sind. Wenn Eure Exzellenz in einem in der Presse wiedergegebenen Interview Ihre besondere Sym» pathie mit dem alten Typ des frommen jüdischen Pa־ lästina«Immigranten Ausdruck verliehen haben, so er« weckt diese von tiefer Einsicht in das Wesen des pa» lästinensischen Problems zeugende Bemerkung ein sym» pathisches Echo in unserem Herzen. Wir hegen zwar nicht den Wunsch und den Willen, die aus mancherlei Ursachen dem Glauben unserer Väter leider mehr oder minder entfremdeten zionistischen Chaluzim von dem Boden ihrer und unserer Väter fernzuhalten; wir wür־ digen den Idealismus, von dem diese jungen Menschen beseelt sind und hegen die Hoffnung, daß sie oder ihre Kinder dereinst auf dem heiligen Boden zur Tradition ihrer Väter zurückkehren werden. Aber wir erblicken die schwersten Gefahren für die Zukunft der palästinensisch» jüdischen Siedlung in der - Bevorzugung dieser religiös« radikalen Elemente und in dem relativen Ausschluß de!s weiten Kreises der tief religiös gesinnten jüdischen Jugend, die von A. j. vertreten wird. Wir haben jahrelang vergeblich versucht, unserer Organisation und insbeson« dere unserer in Polen bestehenden Arbeiterorganisation ״Poale Agudas Jisroel" den gebührenden Einfluß auf die zionistischen Einwanderungsämter zu erwirken. Wir richten jetzt an Eure Exzellenz den dringenden Appell, Was bietet die führende Weltfitma in Wien 1, Kärntnerring 6 (gegenüber Hotel Bristol) L Modernste und individuellste Ausführung. 2, Tadellosen, mustergültigen Sitz. 3, Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen. 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