Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 17 (1931)
- Issue
- 5 (30.1.1931)
- Date
- 1931-01-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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,Niedergang der jüdische 11 Jugend in den ׳Gemeinden der Ostslowakei und Karpatho* r u ß 1 a n d s lenkt immer mehr die Besorgnis weiterer Kreise auf sich. Von einem ausländischen Leser unserer Zeitung und Kenner der jüdischen Verhältnisse in jenen Gemeinden erhalten wir die folgende ergreifende Zu* schrift, die wir zunächst unverändert veröffentlichen: Ich freue mich sehr, aus gelegentlichen Bcmerkun* gen im ״Briefkasten“ Ihrer Zeitung z,u ersehen, daß Sie ״ Jen Willen zur Rettung der schwergefährdeten Jugend in der Ostslowakei und Karpathorußland haben. Nur wundere ich mich, daß es bis jetzt nur bei theoreti* scher Arbeit blieb und noch nichts Praktisches geschah. Ich selbst weilte erst vor einen! halben Jahr Mieder längere Zeit in der Ostslowakei und freute mich : über das ב״ה immer noch stark pulsierende, wahrhaft : jüdische Leben der dortigen Orthodoxie und die immer i noch große Verehrung der תירה die dort viel größer ist als in Galizien, Rumänien und Polen, gar nicht zu reden von Westeuropa. Aber leider sehe ich fast vor meinen Augen das heute noch so blühende jüdische Leben zurückgehen. Ich sehe, wie die jungen Leute, die noch vor vier Jahren in der Jeschiwo lernten, heute nur noch widerwillig eine גטרא Öffnen, wie sie sich in ihren geistigen Interessen immer mehr von der "תירה הקחש entfernen und sich statt dessen den niedrigsten Geisteserzeugnissen der Moderne zuwende״. Muß einem nicht das Herz bluten, wenn man sicht, das Töchter wahrhafter תלמידי חכמים die Tradition ihrer Mütter mit den Füßen treten, daß das jüdische Mädchen in Kaschau, Munkacs oder Chust hinter dem Rücken ihrer Eltern oder gar unter deren Stillschweigen Dinge tun, die diese in ihrer Jugend nie zu tun gewagt hätten; daß die Rcligionsgesetze längst nicht mehr aus Liebe zum Judentum und aus freiem Willen tut, sondern nur noch aus Furcht vor dem Vater oder Gatten! Was soll aus einer Jugend werden, deren größter Teil (noch nicht alle!) die תורה mit dem Moment verläßt, wo sie dem wachenden Auge der Eltern entzogen ist? Aber n ich t a u s׳ bÖsemWillen entfremden sich diese Kinder frommer Eltern der ורה wie dies die ältere Generation — um sieh dadurch jeder Ver* pflichtung zu entheben —,behauptet. Auch .n i c h t cj.e r Zionismus trägt die Hauptschuld an diesem furcht* baren Niedergang, denn viele, die mit ihm nichts zu tun hatten, befinden sich in genau derselben Entwick* . Jung. Schuld daran sind wir selbst, daß kaum noch ein Drittel der ehemaligen Jeschiwobachurim wirklich fromm ist und daß 80 Prozent der weiblichen Jugend voll ist von Idealen, die alles eher als jüdisch sind. Was könnte man auch erwarten von Mädchen, die alle modernen Romane lesen dürfen, Kinos und Theater besuchen und gleichzeitig auch nicht die ge* ringstc jüdische Ausbildung erhalten (die alte צאינה וראינה wird vom größten Teil der weiblichen Jugend kaum mehr gelesen! Wer wird denn auch Jüdisch lesen, wenn er Ungarisch, Deutsch und Französisch kann?), noch Verständnis für jüdisches צניעות besitzen. Ist es denn zu verwundern, daß dieses Mädchen, deren einzige geistige Nahrung in unjüdischen Büchern, illustrierten Zeit* Schriften und Filmen bestand, auch als Gattin kein Verständnis für die religiöse Erziehung ihrer Kinder und für das תירה Lernen ihres Gatten hat? Sie muß ja, da sie jüdisch völlig uninteressiert ist, die der ישיבה entwachsenen jungen Leute und erst recht ihren späte* ren Ehemann ungünstig beeinflussen. Warum schweigen die berufene n Fü hrer der ostslowakischen und karpathorussischen Orthodoxie angesichts der erschütternden Tatsache, daß die Mehrzahl der orthodoxen Jugend uns verlorenzu* gehen droht? Warum beschränken sich die □רבני# deren Stimme doch mehr gehört wird als die der רבנים in irgend einem anderen Lande, noch immer (von wenigen Ausnahmen abgesehen) auf die Politik des •שב ואל תעשה עדיף־? Sehen sie es denn nicht, daß nur בית יעקב Schulen und A g u d o * J u g e n d g r u p* pen hier helfen können, die Jugend jüdisch zu erhalten? Unsere Schuld ist es, daß wir in falscher Ehrfurcht vor sonst gewiß achtenswerten רבני□ וגאינים שליט״אes s° weit kommen ließen במקום שיש חילול השם אין חולקין כבור לרב Die karpathorussische Jugend — soweit sie nicht die Lehre der Väter schon vollkommen verlassen hat — schreit buchstäblich nach Agudas Jisroel! Mit; letzter Kraft ruft sie uns, sie zu retten. 1 Und wir sollen ihren Ruf un gehört v e r* ׳ h a 11 e n 1 a s s e n? # N a c h b e m erklinge n: Die obigen Ausf ührun* |en greifen in eine blutende Wunde an dem Körper des, prthodoxen Judentums in unserem Lande hinein. Wir־ begreifen die Erregung, die einen jeden Thoratreuen er־ fassen muß, wenn er mit jüdischen Augen betrachtet und jüdischem Herzen fühlt, was sich vor unseren Augen abspielt. Unsere Zeitung trifft indessen der Vor* würf nicht gerecht. Gerade wir haben . in den letzten?ehn Jahren unzähligemal in allen Tonarten bald mit flehenden Bitten, bald mit strengen Forderungen, Führer un d VoLk’ g׳l e i eher maßen auf den furehtbaren Jammer, hingßwiesen,: dem Tausende jüdische Fäihiiieit und 'Hunderte5 jüdische Gemeinden preisgegeben werden, wenn dem ^reilliösen und , moralischen Verfall der männlichen und weiblichen' Jugend in der Oststowakei und Podkarpatska*Rus nicht schleunigst mit ziel* bewußten Taten Einhalt geboten wird. Unsere Worte finden zwar manchen Widerhall — in den Herzen. An Zustimmungen fehlt es nicht. Aber kein Mensch rührt die Hand, um Abhilfe zu schaffen. Die einzige Gruppe von orthodoxen Juden, die helfen möchte und helfen könnte, ist erfahrungsgemäß die A g u d a s Jisroel. Aber auch sie verdient den Vor* wurf der Mitschuld an der Entfremdung der Jugend von den Idealen der Eltern nicht. Denn ihre Hände sind ge* bunden durch die grundsätzliche Bestimmung, daß sie in keiner Gemeinde ohne aktive Z u s t i m* mung des orthodoxen Ortsrabbiners, der vor חקב״ה u״d Menschen für die religiösen Zustände in seinem Orte die Verantwortung trägt, eine Orts*, Jugend* oder Frauen gruppe gründen darf. Die Bestimmung hat der Verfasser der obigen Zuschrift wohl auch im Auge mit der Andeutung bezüglich der ״falschen Ehrfurcht“. Jene Bestimmung hat ihre Begrün» düng und bis zu einem gewissen Grade auch ihre innere Berechtigung in der Envägung, daß es vor zehn Jahren, als die Aguda in der Slowakei, unter Führung der bedeu* tendsten rabbinischcn Autoritäten des Landes ihre müh* selige und verantwortungsvolle Tätigkeit begann, noch Rabbiner gab oder doch geben k o n n t e, die nicht etwa aus Pflichtvergessenheit, Trägheit oder gar aus Nach* giebigkeit gegen die Zionisten und anderen ע1י פנים שבדור; sondern — objektiv irriger־, pber subjektiv ehrlicher iveise aus aufrichtigem יראת השם eine Tätigkeit der Agudas Jisroel in ihrer G e in cinde für überflüssig oder sogar für bedenklich halten mochten. Die Autorität dieser Rabbiner sollte und durfte nicht geschmälert werden, zumal wenn ihr positives, gewissenhaftes, in Taten, sich äußerndes Wirken bewies, daß sie sich der hohen Verantwortlichkeit ihres Amtes inmitten , der geistigen Kämpfe der Gegenwart um die Erhaltung des überlieferten Judentums bewußt, sind. Der Aguda in der Slowakei war der Wahlspruch mit auf den Weg gegeben; י;־;.־..לתיקוני שקרתיך. ולא!לעותרD»6se Aguda^ mußte deshalb ihren Tatendrang zügeln. Das allein,, ist der Grund, weswegen cs besonders in der Ostslowakei und Podkarpatska*Rus eine ganze Anzahl von Gemeinden gibt, wo mail noch nicht einmal c r f a h r e n h a t, was Agud a s J i s r o e l i st, und was sic w i 11. Inzwischen haben sieh jedoch die Verhältnisse gerade in jenen Gemeinden sehr zum Nachteil von, תורה und .יראת שמים geändert, wie allseits zugegeben wird. Gerade dort feiert der Zionismus oder auch — ,un! den Beobachtungen des gesch. Einsenders Rechnung zu tragen — irgend eine andere moderne Richtung des Abfalls Triumphe über Triumphe, ohne daß diesen Bestrebungen wenn schon nicht — wie cs die Aguda wünscht' — durch positive Arbeit für orthodox־jüdische Lebensideale und Aufrich* tung der Standarte des orthodoxen Klal Jisroel, so doch mindestens negativ mit der gebotenen sachlichen, aber unbeirrbaren und ernsten Entschiedenheit und B e h arr l i c h k e i t Widerstand geleistet würde. -Wir widerstehen der Versuchung nur schwer, die ,Stellen nicht zu nennen, bei denen die Untätigkeit für Agudas Jisroel gar nicht anders gedeutet werden kann, es sei denn als Konzession an die Zionisten, gegen erhoffte persönliche Schonung bei dem unvermeidlichen großen Kampf zwi־ sehen dem Neujudentum des Zionismus und der Thora* treue der Aguda. Trotzdem könnte und dürfte es die Leitung der slowakischen Landesaguda nicht ohne weiteres auf sich nehmen, selbst zu entscheiden, wo der Fall von שלש חילול השם DIpD mit allen seinen Konsequenzen vorliegt und wo nicht. Der Zweifel drängt sich allerdings mit immer stärkerer Macht auf, ob denn auch bei den gegenwärtigen religiösen Zuständen in der Jugend heiderlei Geschlechts noch allerorts die Voraussetzungen vorhanden seien, die für die Schaf* fung jener selbstbeschränkenden Klausel der Agudatätig* keil entscheidend^, waren. Mit dieser F r a g e s o 111 e n sich cinmaLdic richtunggebenden ■rabbi* nisc hcn Autoritäten unseres Landes e r 11 s t* lieh beschäftigen. J. J, B. Soll die vollständige Sonntagsruhe dennoch eingeführt werden? Wie wir an dieser Stelle schon vor Monaten betont haben, darf — zu unserem Leidwesen — die Gefahr der Einführung der allgemeinen un.d vollständigen Sonntags* ruhe nicht als abge\yendet betrachtet werden.. Alle sächlichen Argumente, die gegen die Aendcrung des gegenwärtigen Zustandes in dieser Frage von seiten der : kaufmännischen .und ..gewerblichen'. Vertretungskörper* schäften zuständigen Ortes vorgebrächt wurden, scheinen ebenso wie ׳der Notrpf der zahlreichen Handelsangestelb ten? die durch den Ruin ihrer Brotgeber ganz zweifellos; in Massen arbeitslos werdeh müßten; auf die entsehö'i* Nr,; JÜDISCHE PRESSE ms« ü sehe cho s 1 o w Der stärke •;rVI i gJ 5 &% u n d m 0 f:a 11 sch e — •.;.׳;.....,.Seift;S denden ־staatliche'« ׳ Steifen riur für kurze ZÜi't \$*küÄjf ausgeübt zu haben. Öie Frage wird auf das Orangen einiger Verbände der ־ Händelsangestellten ilfimer erneut aufgeworfen und ihre Lösüäg immer mehr in; eine Bäl1| gelenkt, die die wirtschaftliche Existenz Kaufleute, furchtbar erschweren und namentlich die sabbathaltende Kaufmannschaft und ihre Angestellten in ihrem Lebensnerv treffen könnte. Das Bratislavaer Komitee der Kaufmannschaft und der sabbattreuen Angestellten zur Abwehr gegen die-voll* ständige Sonntagsruhe hat aus bestinformierter Quelle in Erfahrung gebracht, daß jetzt wieder Bestrebungen im Gange sind, die vollständige Sonntagsruhe zunächst in Bratislava, allmählich aber im ganzen Lande und besonders in den größeren Handelszentren im Verordnungwege ein* zuführen. Die Gefahr war noch niemals so nahe wie in diesem Zeitpunkte. In dieser Situation sollte nicht mehr gezaudert werden, eine ausgedehnte Aktion zur Abwehr der Gefahr und zur Verhütung des wirtschaftlichen Ruins eines großen Teiles der sabbathaltcnden Kaufmannschaft so schleunig wie möglich in die Wege zu leiten. Bleiben wir nicht apathisch und müßig in der Stunde höchster Be* drängnis! Der kleine jüdische Kaufmann, der die Hälfte seines Lebens aus dem Sonntagserlös dürftig fristet, will weiterleben, seine Familie erhalten und die ihm auf* erlegten Steuern ordnungsgemäß bezahlen können. Die sabbathaltenden Arbeitnehmer sind mit wenigen Aus* nahmen auf die am Sabbat geschlossenen Geschäfte an* gewiesen; sie wollen weitevarbeiten und nicht die Zähl der Arbeitslosen mehren. Eine jede Versäumnis an dieser Sache könnte die bösesten Folgen haben. Das Programm der neugegründeten ,,Jüdischen Partei66. Unsere Vermutung־ ist eingetroffen. Die ״neu-, gegründete“ Jüdische Partei der Zionisten ihat am 6. Jänner, wie vorauszusehen MTar, das Judentum in der Tat auch mit einem ״neuen Programm“ beglückt. Wes Geistes Kind dieses Programm ist, ersieht man deutlich aus dem Wortlaut, den wir dem offiziellen Organ dieser Pariei entnehmen. Dasselbe lautet:*) ״Die Jüdische Partei für die Tschechoslowakei, ist die politische Organisation tles natio- 11 a Le 11 J u d e n t u m s dieses Landes. Sie ist die 1 e g it i m e Rep 1• ä s e 111 a n z d es j ii d i s chen V 01 kes in seinem Ringen um na tionale Rechte und kulturelle Entwicklung und bürgert , 1 i c h e u nd po 1 i t isc he G1 eic hberec 111 ig-ung aut dem Boden der Gesetze der Republik und im Rahmen der Verfassung und für die Freiheit der religiösen Uebung und der Gleichberechtigung der jüdischen Religion mit den anderen Religionen. Die Juden der Tschechoslowakei, stellen eine nationale Minderheit dar, die um die Gleichberechtigung unter den anderen Minder-•:׳ heilen des Staates kämpft.“ Die Partei wird sich in Zukunft, wie es •scheint, offiziell nicht mehr ״Jüdische Partei“, ■sondern,' ״Jütl i s c li e Reichsparte i“ nennen. In die zehngliedrige Exekutive der Partei wurden selbstverständlich lauter waschechte Zionisten und Nationalisten gewählt. Es sind dies die Herren: Norbert Adler, Prag, A. Czeczowiczka, Novy Jicin, Doktor Artur Feldmann, Brünn, Dr. Angelo Goldstern, Prag, Artur Kauders, Prag, Dr. Cliaim Kugel, Mukqccvo, Dr. Paul März, Mährisch-Ostrau, Dr. Julius Reisz, Bratislava, Dr. Emil Margulies, Leitmerit־/., Dr. Ludwig- Singer, Prag, Dr. Leo Sipos, Moldava. Auch bei der Wahl des aus 42 Mitgliedern bestellenden Z e u t r a 1 a u s s c 11 u s s e s hat man die nichtzionistischen Mitläufer dieser Partei aus orthodoxen Kreisen in der Slowakei und Podkarpatska rus gründlich ansgespielt. Nicht einer von ihnen׳ wird in die Leitung der Partei dreinzureden haben. Sie verdienen es, währlieh, nicht besser! Während der Grippeepidemie sorgen Sie mehr für Ihre Gesundheit. Zum Mundaussptilcn und Gurgeln ver־ wenden Sie den McnthoUFranzbranntwein ALPA. Einige Tropfen ins Wasserglas genügen. Sehr gut und erfrischend wirkt auch das Einatmen des Aromas des ALPA• Zer*, stäuben Sie den ALPA in Wohn* und Gesellschaftsräunicn;. Er desinfiziert die Luft. R. Chajim Pscherhofer 1צ״ל. In Joka wurde am Montag פי בא Herr Chajim Pscherhofer unter großer Anteilnahme zu, Grabe ge* tragen. Er entsproß einer vornehmen rabbinischen Familie, war ein Bruder des Sercder Oberrabbiners Rabbi .Mosche Mord. Pscherhofer זצ״ל und ein Schwager des Nitraei‘ Oberrabbiners Rabbi Mosche Katz זצ״ל und erreichte eia Alter von 81 Jahren. Schon als Jüngling verriet er,bei sondere geistige Vorzüge, die er in der Jeschiwah seines Vaters, des Frauenkirchner, Oberrabbiners ־ןצ*ל, ent* wickelte und errang sich den Ruf eines סופלנ GDH תלמוד gepaart mit g*ttergebener Frömmigkeit: Als Oekonom von, Beruf beobachtete er v den ש״ק peinlich und . oblag denj Studium dQr .תוה״ק mit beispielgebendem Fleiß, Mif den edelsten Eigenschaften äusgestattet, betätigte er sieb bi? zürn letzten Atemzug vorbildlich-■;mit Gemilas Chesed^ Länge Jahre hindurch war .er רה״ק übd ויאל^* Seine vornehmen Umgängsformen und sein bescheidenes Wesen verschafftenihm die Liebe und Sympathiealle£ *) Von uns gesperrt. Red, W’