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Jüdische Presse · 1930-12-12 · 49 (12.12.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
49 (12.12.1930)
Date
1930-12-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1**1«•▼« v?piat■* povolen* rlrül poil a (•!••;*!יס ▼ Rratfslava £11. 41172-111*21. iaitangen vom Variacar versaatat־ tioarnal axptdia wir 1‘edlta«» V. b.b. :04.Universitätsbibliothek ( 3 BXi) iicts ORGAN FÜR PIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. ««dikttcn a. Admln »tratIon; Wien, 1!.,Leopold!-!alle Sö, 1. Stiege, 1. Stock. — Tel. R 4594־4־.?«checboiiovrakeit Bratislava, Poitfach 140. *«scheint!!den Freitag. - Redakttonuchlati: Mittwoch Mittag. Abonnements prellt ו Ganzjährig ו Für Oesterreich S 16 Tschechoslowakei tschecb. K. 80, Einzelnammer öst. Gr. 50, das übrige Ausl nd 3 Dollar. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse«, Wien fiir Oesterreich: Postsparkassenkonto Nr. D-93614; Deutschland: Post- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen : Postspk.-Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Postscheckk. Zürich VIII. 4117; lür die Tschechoslowakei: ,Jüdische Presse*, Bratislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr.53386 Nr. 49 | Wien-Bratislava, 12. Dezember 1930 ביה דנא־פרעסבוו־נ ב״ב כסלו תיציא 16. Jahrg■ Chanukah 5691. Wieder einmal ist das schlichte Fest gekommen, das an die wundervollen Siege der Makkabäer und an das siegreiche Wunder vom Oclkriiglein erinnert. Wie־ der einmal flackern die bescheidenen Lichtlein der Me־ norali und erzählen von den Kämpfen heldenhafter Priester, von edlen! Eifer für Religion und Vaterland. Sic erzählen von den frommen Müttern; die samt ihren Kindern in den Tod gingen, von den sieben Jünglingen, die allen Martern, aller Ucbcrrcdung zum Trotz ihrem Gotte treu .blieben, und von ihrer Mutter, die alles hatte mit anschen müssen, ohne helfen zu können. Und sie er־ zählen auch noch von dem Heldcnmädehcn Jchudith, das, schon in seinem Namen die Inkarnation des Geistes dircs Volkes darstellend, zur Errettung der unglücklichen Brüder auszog. Die bescheidenen Lichtlein erzählen und erzählen, aber sie bemerken kaum, da(.! im Getriebe des Lebens sich kaum jemand Zeit nimmt, ihnen Gehör zu schenken. Was können den Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts, die an Lichteffekte von tausendfacher Stärke gewöhnt sind, die schwachen Lichter in der Menorah noch bedeuten? Und wer wird sich heute noch für veraltete Dinge, wie es religiöse Einrichtungen und Ideale sind, ereifern? Wer hat in diesem brausenden und brandenden Treiben da draußen noch Interesse und Zeit für etwas anderes als für Genuß und Gewinn? Man muß, ohne nach rechts oder links zu blicken, arbeiten und erwerben und!rat für Sentimentalitäten, für die Poesie des jüdischen haus־ liehen Herdes nichts übrig־: ^erlangen ja auch Umwelt und Mitwelt scheinbar-■'nichts' so dringend, .so einmütig vom Juden, als daß er eben dem Juden in sich möglichst verleugne und nur Europäer sei; Unter den erschwerten Lcbcnsbcdingungcn der Zeit droht ja alles, was nicht geschickt, klug und erfinderisch genug ist, sich solchen P>edingungen anzupassen, im Daseinskampf in seiner schwierigsten -Form nicht*־zu-bestehen. ... Selbst ein so objektiver Denker wie Coudcnhove־ Calergi, der in seinem Buche ״Adel“ festste(!!, daß gerade Europa durch seinen Antisemitismus einen Ausleseprozeß sondergleichen im Judentum ausgelöst hat, sieht nur, daß in seinem ewigen Kampfe gegen Beschränktheit und Neid das Judentum zum Schoße geworden ist, aus dem' ein neuer, geistiger Adel Europas hervorgeht. Eine geistig־ urbanc Herrenrasse ist in Bildung, die Haß und Ver־ achtung freudig auf sieh nimmt, um die Menschheit sitt־ lichcr, geistiger, glücklicher zu machen. Aber dieser geistige Adel will oft von der schlichten Menorah nichts hören und leugnet den Boden, dem er seine Säfte verdankt, ln ihm und neben ihm aber kristallisieren sich Kräfte, die diesen geistigen Adel in einer Synthese mit dem Thora־ Ideal des ממלכת כקנים verbunden sehen und sich als die־ der eines גייר לרןש fühlen wollen. Erst diese erfüllen hewußt, was jene nur unbewußt im Erbe ihres Blutes mit sich tragen, und dienen am großen Werke der Mensch־ heit, indem sie ihr Judesein bis zur letzten Konsequenz bewähren. Sie haben in Fleisch und Blut aufgenommen, was die Menorah erzählt, wenn sie in Rußland allen An־ feindungen übelwollender und übelverstehender Mächte zum Trotz das ThoraAVort lehren und lernen, wenn sie in diesem revolutionärem Lande Strafen dafür erleiden, ׳'laß sic am Peßaeh das Brot der Befreiung brechen wollen. Sie haben nicht minder die prieslerlichen Helden der Makkabäerzeit im Auge, wenn sie in den Großstädten des Westens gegen den Strom zu schwimmen sieh unterfangen, indem sie den Sabbat unter den größten Opfern heiligen und jüdische Schulen erhalten, und sie haben die Er־ Zahlungen der Menorah im Ohre, wenn sie im heiligen Lande trotz Verrat und Feindschaft den Boden der Väter bearbeiten und unter unmenschlich scheinenden Ent־ hehrungen das heilige Wort am heiligen Ort pflegen. Die Mettorah findet also auch in unseren ’ragen des krassesten Materialismus■ noch immer Verständnis־ innige Zuhörer. Zwar sind sie einstweilen noch in der Minorität, aber die Menorah wird künftigen Geschleeh־ tern auch aus dieser Zeit von Begeisterung und Opfer־ freude, von der Not der Zeit und von Männern der Tat Einem interessanten Bericht des 11 ill‘s\ ereines der deutschen Juden entnehmen wir die folgenden Datei) über den neuesten'Stund der jüdischen‘ Wunderbewegmig: Zu Beginn des Jahres 1921 nahm die Durch- Wanderung der aus dem Osten nach Amerika, flüchtenden Judim immer größeren Umfang an. Der Bahnhofsdienst wurde im Juli 1921 vom 11ilfsverein übernommen. ET sorgte für seine Kimmzierung und übte über die Tätigkeit der Beamten des jüdischen Bahnhofsdienstes, zunächst־ gemeinsam mit dem Komitee, das den Bahnhofsdie,|.rstbisher durchgeführt hatte, Kontrolle aus. Später gingen Verwaltung und Organisation des Bahnhofsdienstes ganz auf (len I lilfsverein über. Den Schlesischen' Bahnhof passieren •Auswanderer aus o.deuro^'VJve'u Staaten, die•• nach deutschen, •belgischen, Ir*', •zösischen, holländischen, englischen, italienischen lind anderen europäischen /lä/'eo zwecks Auswanderung nach Uchcrsee gehen, heziehungsweise zurück wandern oder über kontinentale .Reiseziele erreichen wollen. Es handelt sich dabei um einzelne Reisende sowie um Auswamlerertransporte, die von Schiffsgesellschaften oder jüdischen R'migrationsvereinen organisiert werden. Durch den Bahnhofsdienst des I lilfsvereines werden auch Nichtjmlen in erheblicher Zahl betreut, ln dem großen Saal, den die Eisenbahnbehörde dem I lilfsverein zur Verfügung gestellt hat, wird den Passanten vorübergehend Aufenthalt gewährt: sie erhalten.-■ dort auch Erfrischungen.. Der Dienst auf dem Sclilesischen Bahnhof wild durch drei vom frühen Morgen bis nachts tätige Beamte versehen. Die Durch wandere!• erhalten Informationen, betreffend Reise, Behörden, Organisationen, Konsulate. Es erfolgt ihre UebeiTiilinmg nach anderen Berliner ■Bahnhöfen; Depeschen werden für sie abgivsandl: Ciepackaugelegenheiten werden erledigt, insbesondere wo es sich um licgcngebliebene.s und verlorengegaiigone.s Gepäck handelt. Kür die ärztliche Behandlung Kranker wird gesorgt. Von den Emigranten weiden während ihres Aufenthaltes auf dein. Bahnhofschädliche Eiemente ferngehalten. Dem Bahnhofsdienst worden von yillllllllllllllllllllllllll!lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll|||l{||l||||||||IJ|||||||||||||||||l||||||||||||!||||(|||||l| Künstlerabend j ^₪₪₪₪₪₪₪₪m₪₪zugunsten der chulerausspeisung | an der Talmud-Thora-Volks- und Hauptschule, 11, Malzgasse 16 — Sonntag, den ersten Tag Chanuka, 14. Dezember, 8 Uhr abends, im Festsaale des Hotel Continental, B, Taborstr. 4. Erstklassige Kräfte. Sichern Sie sich rechtzeitig eine Karte von S lü. - bis S 1.— in allen jüdischen Buchhandlungen u. im Sekretariat, 11, Leopoldsgasse 26. Telephon R-45-4-94 Illllllllllllllllllll!lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll11lllllllllllllllllllllllllllllllli!lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!ll? erzähle״ können und vielleicht wird dann ein Dichter das alte, ewig neue Chanuka־Lied ״Moaus Zur“, das Wunder und Rettung aus verschiedenen Zeitläuften besingt, noch um einige Strophen vergrößern können. Denn kann) geringer anzuselilagcn als das Heldentum der Makkabäer ist jenes, das wir vor unseren Augen ringen sehen, und nicht wo־ niger groß mag die Hilfe, die unsere Zeit erwartet, sein als jene, die tausendfältig unseren Vätern zuteil ward von Wciliefest zu Weiliefest. M. Bnhnbchürdcn. Poli/eistutioncn 111111 jüdischen fnstitutioneii schiitzbediirHigo Auswanderer zugeliilirt. In den letzten neun Jahren passierten den Schlesischen Bahnhof 292.000 Aus- und Rückwanderer, darunter sehr viele Krauen und Kinder: sie verteilen sich auf die einzelnen Jahre, wie folgt: 192( 45.000, 1920 .30.125 1925 ,19.381 1924 .50.690 י 192 ,27.463 1922 35.837, 1927 38.105, 1928 29.693. 1929 59.775. Der Rahnhofsdienst wird ständig von der Zentrale des I lilfsvereines in Berlin überwacht, von der die Beamten generelle Instruktionen und von Kall zu I'TiU Anweisungen erhalten. Die wechselnden Dimensionen spiegeln sich in den Zahlen der jüdischen Einwanderung nach den Vereinigten Staaten wider: Die russischen■. Pogrome in den Jahren 1903, 1905 und den folgenden Jahren hatten eine fluchtähnliche Auswanderung zur Folge. Die Einwandemng nach den Vereinigten Staaten schwoll gewaltig an; sie betrug 1900 60.764, 1901 5S.098, 1902 57.6S8, 1905 76.205, 1904 106.236. 1905 129.910, 1906 155.748, 1907 1:49.182. 1908 103.387, 1909 57.551, 1910 84.260. In den Jahren 1904 bis 1915 na 11 men von den Deutschland durchziehenden Auswanderern 200.000 die Hilfe der Ans.wandererorganisntion des I.lilfsvereines in Anspruch. 13er Durchzug von ausländischen Aus- und Rückwanderern durch Deutschland, insbesondere Preußen, war stark einschränkenden behördlichen Be- Stimmungen unterworfen; es bc.stnmlei) K’ontroll- und Registrierstntionei) für, dieselben, zu denen die Ver.־ ' trauen’sleiite des I lilfsvereines Zutritt hatten. Gemein‘- same Schutz.komiters vom 11ilfsverein mul der Jewisl! Colonization Association iiahmen an der russischen Grenze die Hmigrutioiisfürsorge wahr. Nach dem Weltkriege ist in immer stärkerem Maße eine Restriklionspolitik seitens iiberseeiseluv Staaten geübt worden, die sich insbesondere gegen die Auswanderung aus ost- und sülleuropäischen Ländern richtet und sich in katastrophaler Weise* gegen die Juden dieser Länder auswirkt. 1921 wunderten nach den Vereinigten Staaten 119.056 Juden ein. 111 den Jahren 1921 11111I 1924 wurden Quoten für die einzelnen Länder festgesetzt. Nach dem. Gesetz von 1924 kamen auf 1923 10.292, 1926 10.267, 1927 11.483,, 1928 11.659. (929 (2.479, 1930 11.526 Einwanderer. Kanada hat eine von gleichen Tendenzengeleitete, wenn auch nach anderen Ziilassungsprinzipien gestaltete Abschließmigspolitik getrieben. 1928 Imt Australien, 1950 die Südafrikanische Union die Einwande.־ rmig ans Ost- und Siidosteuropu auf ein ininiinalet Maß herapgeseizt. England hat seit dem Kriege die Ein- Wanderung auls stärkste beschränkt. Durch die gegenwüitige ökonomische Weltkrise werden der Einwunilermig verhängnisvolle I lenini 11 ngen auferlegt. Die Kiirsorgearbeit des!lilfsvereines wird außer durch die Zentrale auch ilure!) die Sehntzkomitees in Hamburg und. Bremen sowie durch Vertrauensleute im Reiche und an den deutschen Grenzen ilurchgefiihrt. Btiliiihofsiliensti* des 1 lilfsvereines bestehen noch i'11 Neu-Beiitschen au der deutsch-polnischen Grenze und in Osnabrück. In dem ״Korrespoiiileiizblntt über Auswaiiiieruiigs- 11 ml Siedliiugsweseii‘, das der Hilfsverein herausgibt, werden Informationen über Landes-, Wirtschafts- und Arbritsverliülluisse, Ein- und Aiiswunderung׳ gegeben: es wird über die Reslriktionspoülik. ,der einzelnen Staaten berichtet und Stellung dazu genominell. Der I lilfsverein, der vom Reicliswanderungsamt als gemeinnützige Auskunftsstelle für jüdische Durchwanderiing und Auswanderung■ unerkannt •ist, Was bietet die führende Weltfirma Othmar Schiff Wien I, Kärntnerring 6 r / I) Telephon M \^1 (gegenüber Hotel Bristol) 1. Modernste und individuellste Ausführung. 2., Tadellosen, mustergültigen Sitz. S.^ Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen. 1 dieJFirnja OTHHAR SCHIFF legt allergrößten Wert darauf, ז jedej Kunde unter allen Umständen zufriedenzustellen. 'י , Setzen'Sie sich daher, bevor Sie eine Perücke kaufen! in Ihrem ureigensten Interesse ״;lit der Firm» OTHHAR SCHIFF in Verbindung! ■NF Jüdische Wanderbewegung־

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