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Jüdische Presse · 1930-12-05 · 48 (5.12.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
48 (5.12.1930)
Date
1930-12-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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vfplat■* povolea« tWAl post «t t*i*«r*f0> v Bratlulav. «I«. 41172-111-2•. £«lt«n2en vom Verleger verstnaci Journal e&oedl« oar l'oditti» V. b. b. JIIDBCI ORGAN FÜR DIE INTERESSEN DES ORTHODOXEN JUDENTUMS. Reduktion n. Administration!^Wlcn, ־■״Leopold«־ SR1BC 26, 1. Stiege, 1. S ock. - Tel. R 45.4-94. TBcbechoiIowtkelt Bratislava, Postlacb 140. gvteheint laden Freitag. - Redaktiona«chlu«i: Mittwoch Mittag. AbonncraentspreUe 1 Oanxjihrigi Für Oesterreich S 16 Tschechoilowikel tichecb. K. 80, Einzelnummer öst. Gr. 50, das übrige Ausland 3 Dollar. Zahlungen auf Konto .Jüdische Presse״, Wien für Oesterreich: Postsparka.'senkonto Nr. D-93614; Deutschland: Post- Scheckkonto Berlin Nr. 122619; Jugoslawien: Postspk.-Amt Zagreb Nr. 40217; Polen: Postspk.*Amt Warschau Nr. 190409; Ungarn: Postspk.-Amt Budapest Nr.50170; Schweiz: Post• scheckk. Zürich VIII. 4117; lür die Tschechoslowakei: ״Jtidische Presse*, Biatislava, Postspk.-Amt Prag Konto Nr. 53386 Nr. 48 Wien-Bratislava, 5. Dezember 1930 ב*ה וינא־פרעסבירג ט ו כסלו תיצ׳א 16. Jahrg. Eröffnung tler Beth-Jakob-Lehrerinnenkurse in Wien. Samstag abends, den 29. November, bind im Rahmen einer eindrucksvollen Veranstaltung des ״K1׳i1gcr־־Hcimc.s die Eröffnung der Bell! JakobsLchrcrinncnkurse in Wien statt. Eine erlesene Gesellschaft wohnte dieser akademis sehen Feier bei. Es wäret! Vertretungen des Präsidiums und des Rabbinates der Kultusgcmcindc, der israel. Allianz der II. B. Logen der Adass Jisrocl, der Agndas JisroclsOrts-, Jugend# und Mädchengruppe, der jüdischen Frauenvereine. und der Gesamtvorstand des Dr. Kriigcr־־ Heimes erschienen. Ferner ־waren anwesend: Hofrat Dr. Frankfurter, Hofrat Dr. Fuchs, Professor Dr. Kraus, Amtsvorstand Engel u. v. a. Auch die hochbetagte Frau Rcgine UHmann, die bekannte Vorkämpfern! für jüdische Frauenarbeit in Oesterreich, hatte cs sich nicht nehmen lassen, bei der Eröffnung anwesend zu sein. Nach einer Begrüßungsansprache durch den Präsi־־ deuten des Krüger־Hcin!es, Obcnnedizinalrat Dr. K r ü־־ g e r, hielt Dr. L. D c u t s c. 11 1 ii u d c r einen Vortrag über ״Das Erziehungsidcal für die weibliche Jugend einst und jetzt“. Der Referent gab einen Ueberblick über die Lage des Erzieluingswesens in den verschiedenen Ländern, bcleuchtete die bedrohliche Situation der jüdischen Jugend, die besonders im Osten unter den Erschütterungen des letzten Jahrzehntes gelitten habe. Nachdem die Bcth Jakob־P.cwcgung in Polen und Litauen festen Fuß ge>- faßt hat — in!60 Schulen wurden mehr als 30.000 Kinder erfaßt — ist der gegenwärtige Augenblick der Grün־־ d u n g eines L c h r e 1־ i n n c n b i 1 d u n g s k u r s e s i n Wien für Oesterreich und die N a c h f o 1 g e־־ Staaten von besonderer Bedeutung. A11 dem Kurs nch־ men junge Mädchen aus Oesterreich, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Italien, Jugoslawien teil und cs ist zlt hoffen, daß die Bewegung sich auch in diesen Ländern scgensvoll auswirken wird. Im zweiten Teil seiner Programmredc beleuchtete der Referent die pädagogischen Ziele des neuen Institutes und gab.dem Wunsche Ausdruck, daß die neue Schöpfung der Bewegung neue Freunde gewinnen möge. Zum Schlüsse dankte Obcrmcdizinalrat Dr. Krüger dem Redner in warmen Worten für seine inhaltsreichen und formvollendeten Ausführungen, wie auch Herrn Rahbiner Dr. P o 11 a k für dessen unermüdliche Hingabe beim Ausbau des Institutes, das neben der ersten und einzigen rituellen Kochschule in Wien, eine Mädchen־־ gewerbeschule, eine ״achtklassigc Volks־־ und Hauptschule, eine Sprach«, Turn־ und Musikschule umfaßt und nunmehr durch den Lehrerinnenkurs seine Krönung erhalten habe. Dienstag, den 2. d. hat Herr Oberrabbiner Fürst (Schiffschul) die Lehrkurse inspiziert und sieh nach ein־ gehender Prüfung sehr lobend über die Kenntnisse der Schülerinnen lind über den Geist der ganzen Einrichtung ausgesprochen. __ Gründung einer Beth-Jakob-Schule in Klausenburg (Cluj). Wie uns mitgeteilt wird, wurde in Klausenburg vorige Woche die erste Beth־Jakob־Schule gegründet. Diese Gründung verdient nicht nur deshalb besonders hervorgehoben zu werden, weil sic die erste BethUakob־ Schule in Siebenbürgen betrifft, sondern mehr noch, weil die Initiative von chassidischer Seite ausging. Die Gründerin der Schule ist die sefardisch־־ehassidische Ge־ mcindc in Cluj und zur Eröffnung waren der Naszodcr Raw und Rabbi Joel Teitelbaum erschienen. Die beiden Rabbis betonten die historische Bedeutung dieser Grün־ düng und es ist tatsächlich wichtig, daß in diesem von orthodoxen Juden stark bevölkerten Lande dieselbe Be־ wegung wie in Polen festen Fuß zu fassen beginnt. Die Berliner Gemeindewahlen. Die am Sonntag, den 30. November, in Berlin statt־ gefundenen Wahlen in die jüdische Gcmcinderepriisentanz und zur preußiseh־jüdischcn Landesvcrsammlung haben eine starke Verschiebung des Kräfteverhältnisses der Parteien gezeitigt. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß die Wahlen gegen den Willen bedeutender Gruppen, die ein friedliches Wahlübereinkommen gewünscht hatten, von der jüdischen Volkspartei erzwungen wurden. Diese Taktik hat sich nun an dieser (zionistischen) jüdischen Volkspartei selbst in erster Linie gerächt. Während diese Partei als Führerin e Gemeindestube die M parteiler, 1 Poale Zion tiver, znsamnn der werden nunmehr bei,einer lies Parteienblocks bisher in 1 j o r i t ii t besaß, indem 7 Volks־ 2 Mittelparlcilcr und r Kotiserva- L i b e 1־ a 1 e n gegenüberstanden, :rhöhte; Anzahl von Sitzen 24 Liberale die absolute Majorität gegen 14 Volks־ parteiler, 1 Religiöse Mittelpartei. 1 Poale Zion und 1 Ueberparteiliche Vereinigung innehaben. Aehnlich liegt auch das Verhältnis in der Latulesvcr־ Sammlung, wo 34 Liberale, 24 Volkspartei, 2 religiöse Mittclpartei, 1 Konservativer,! Poale Zion und 1 Deut־ sehe Liste gewählt worden sein dürften. Diese radikale Wendung ist sicherlich nicht zum geringsten Teile auch der von der Volkspartei befolgten rücksichtslosen Parteipolitik zuzuschreiben, die eine von uns in der vorigen Nummer besprochene Broschüre des Führers der Konservativen, M. A. Loch, ins gebührende Licht gerückt hat. Bedauerlicherweise bleiben aber gerade die Konservativen als Partei im neuen Gemeindevorstand ohne Vertretung. Ihr Listenfiihrer, der bekannte Philo־ soph und Schriftsteller Nathan B i r n h a u m konnte nicht durchdringen. Es ist zu erwarten, daß die jüdischen Gemeindewahlen, ebenso wie dies hei den Reichstags־ wählen der Fall war, auch in Oesterreich einige Resonanz auslösen werden. Jesehiwofürsorge. Von Josua Kaiser, Dun. Streda. Trotz aller sozialpolitischen Weisheiten der Neu־ zeit, welche die aus der ungleichen Verteilung der Güter sich ergebende menschliche Not zu bannen versuchen, wird der natürliche, gesunde Sinn des Menschen nie über den Behelf des unmittelbaren Gehens hinauskommen. Und gar der Mensch des jüdischen Lebensgesetzes, dem seine Teuro bei vollem persönlichen Rechte auf sein Eigentum das Auge so sehr auf den darbenden Bruder richtet, daß — wenn er nur nicht die letzte Spur menseh־ liehen Mitgefühls sich gewaltsam aus der Brust gerissen — schon das Bewußtsein irgendwo waltender briider־־ Hoher Not ihm den Bissen in! Munde vergällen muß. Wie der Fruchtertrag der vom Schöpfer gesegneten menschlichen Aussaat erst dann genießbar frei wird, wenn er treu und voll die von demselben gebotenen Ab־ gaben geleistet hat, so fällt auch sonst immer von jedem Beschenkten ein beruhigender Lichtschein der Berechti־ gung auf den Gebenden zurück, erst nach erfolgtem Geben sein Eigentum seihst genießen zu dürfen. Und mit diesem Lichtschein ziehen auch der Wert und die Würde des Beschenkten in den Bereich des Gebenden ein, um ihn gleichsam mit ebensolchem Wert und mit ebensolcher Würde zu bekleiden. Wenn sich die Türen der Volksschule hinter dem jüdischen Knaben schließen, beginnt die Sorge um die Zu־ kunft ihren Schatten über das jüdische Elternhaus zu breiten. Schwer genug lastet auch die materielle Sorge, aber viel schwerer noch erfüllt die geistige Not mit banger Sorge. Denn wenn es einst hieß: Das Kind muß in die Jesehiwo, damit es kein unwissender Jude bleibe, heißt cs jetzt: Das Kind muß in die Jesehiwo, da־ mit es Jude bleibe. Nur die ungemengte Atmosphäre des Jcschiwogcistcs mit ihrem das ganze Sinnen und Denken des Jünglings überspannenden Tcurostudium vermag die geeignete Konscrvicrungsstütte zu sein, um auch später den Juden für den schweren Gang im Sturme der weit־ liehen Anschauung wetterfest und standhaft zu erhalten.!1illlllllllllllll!!!l!!ll(]|lllllll!!!llt!l₪ Künsflerabend!zugunsten der! 1chülerausspeisung an der Talmud-Thora-Volks- und 1 Hauptschule, II, Malzgasse 16 — 1 Sonntag, den ersten Tag Chanuka, 1 14. Dezember, S Uhr abends im 1 Festsaale des Hotel Continental, ü U, Taborslr. 4. Erstklassige Kräfte. % Sichern Sie sich rechtzeitig eine 1 Karte von S 10. - bis S 1.— in 1 allen jüdischen Buchhandlungen u. §§ im Sekretariat, II, Leopoldsgasse 26. 1 י Telephon R-45 4-94 § ^llllllllllllllllllllllllH₪)j|1n1|llll)ll||||)l|||||[||||||ll||l1l|||llllll|lllll||||||||||||l|||||||||||||||||||||||||||||||||||||t||||||||lii Von einem geringen Prozentsatz wohlhabender Eltern ah־ gesehen, ist es nur zu selbstverständlich, daß mit der Lösung dieser geistigen Frage sich dieselbe wieder in eine materielle Sorge verwandelt. Denn das Einkommen des kleinen Krames oder Ladens, der bescheidenen Werkstatt oder gar die karge Anstellung ertragen keinen Entzug eines solchen Barhetrages, der zur vollen Versorgung des Kindes in der Fremde hinreichend wäre. Das finanzielle Gleichgewicht ist schon mehr als genug helastct, wenn monatlich die Kosten für Quartier, Studieranlciter (Chascr־־ bo«her) und noch einiges Taschengeld nachgesendet wer־ den sollen. Das Studium in der Jesehiwo war von jeher, ohne daß der Schüler auf Rosen gebettet gewesen wäre, zu absolvieren. Aber auch das Leben außerhalb derselben war mit geringeren Mitteln zufriedenstellbar. Heute können Eltern ihr Kind nicht mehr ohne rechte Beklei־ clung in die Fremde ziehen lassen, denn ein Talmudist in dem Bekleidungszustand von dazumal würde vom ersten Wachmann wegen Bedenklichkeit angehaltcn wer־ den. Besonders schwierig hat sieh auch die Frage der Verköstigung gestaltet. Es gab vor dem Krieg noch be־ scheidene Hausfrauen, die sieh einen kleinen Nebenerwerb daraus machte״, dem Talmudisten für 10 bis 20 Heller eine Supoe oder Gemüse verabreichen. Eine Gastkiiche, deren Führung sieh heute lohnen sollte, wäre für die schwachbcmittcltcn Schüler, zu deren Klasse doch ein Großteil Talmudisten gehört, schon unerschwinglich. Es mögen daher Andersdenkende anderen Sinnes sein, wenn man aber alle Umstände in Betracht zieht, muß man zu־ geben, daß die einfachste und würdigste Art der Versor־ gung für den schwach־ oder unbemittelten Talmudisten der ״Kosttag“ bleibt. Mit einem kaum merklichen Kosten־ aufwand fju* den Geber kann der bescheidene, bald zu־ friedene Talmudist sein warmes Mahl erhalten. Und der Hausherr ist hienioden schon mit dem edlen Bewußtsein belohnt, daß seine Mahlspende sich in eine Kraft umsetzt, die sich einen vollen rl ag an der Gcsetzesforsehung des Schöpfers betätigt. Voraussetzung ist natürlich, daß sieh im Orte der Talmudschule die genügende Anzahl he־ mitteiter, religiöser Familien findet, hei denen der Talmu־ dist in ehrenhalter Weise zu Tische kommen kann. Die Not der Jeschiwos ergibt sieh aber eben daraus, daß diese Voraussetzung selten vorhanden ist. Das Leben und I reinen großer Städte ist kein geeignetes Milieu fiir eine Jesehiwo. Die Aulmerksamkeit und die Hingabe des Schülers wird gestört und vom Studium der heiligen Lehre abgelenkt. Eltern, die ihre Kinder ernstlich der Teuro wid־ men wollen, suchen daher denselben womöglich den Kampf zu ersparen, den ihnen der Anblick des städtischen Lebens bringen würde, und schicken sie in kleinere Gemeinden, deren geistige 1׳!ihrer auch weniger mit Gemeindeagenden belastet sind und sieh somit mit mehr Muße der Leitung einer Jesehiwo hingehen können. Hier aber ühersteigt die Anzahl der Schüler hli A. h. bald die Tragfähigkeit der Gemcindemitglieder. Die Jeschiwoleitungcn suchen zwar meistens durch Gründung von Vereinskiiehen — Mensas ־־— Hilfe zu schaffen. Diese können sieh jedoch mangels einer festeren finanziellen Basis nicht lange erhalten und fallen periodisch nach mehr oder minder überhand« nehmender Verschuldung wieder zusammen. Diese Umstände haben nun, ähnlich, wie in Ungarn, auch in der Slowakei mit der in Nove /Sämky ahgehal« tonen Versammlung zur Gründung des Machsikc« J e s eh i w o s ־ V e r c inesAnlaß gegeben. Oth Was bietet die führende Welifiu mar Wien I, Kärntnerring 6 (gegenüber Hotel Bristol) Schiff Bainen״ Perücken? 1. Modernste und individuellste Ausführung. 2. Tadellosen, mustergültigen Sitz. 3. Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen. Die Firma OTHMAR SCHIFF legt allergrößten Wert darauf, jede Kunde unter allen Umständen zufriedenzustellen. Setzen Sie sich daher, bevor Sie eine Perücke kaufen, in Ihrem ureigensten Interesse;־dt der Firm.9 OTHMAK SCHIF Verbind

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