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Jüdische Presse · 1930-11-28 · 47 (28.11.1930) · page 1

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Journal
Jüdische Presse
Volume
16 (1930)
Issue
47 (28.11.1930)
Date
1930-11-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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November 1930 .נ׳וו וינא־פרעסבורג ח׳ כסלו תי־צ״א 16. Jahrg. Ein einziger jüdischer Vertreter im polnischen Senat der Agudist Mendelsohn. Sonma:.׳, <ieu 23. November, fanden in Polen die Wahlen in den Senat statt. Die zerstörende Taktik Grüns hau ms wirkte sich in ihrer vollen Wucht erst bei diesen Wahlen aus, nachdem sie bereits bei den Sejmwahlen einen erheblichen Verlust an jüdischen Mandaten ver־ ursacht hat. Bei den, Sonntag stattgefundenen, Senats# wählen kam außer dem Agudisten M e n d e 1 s o h n, der auf der Regierungsliste kandidiert hatte, kein einziger j i't d י s c h e r Senator durc h. Die sechs zionistischen Senatssitze sind gänzlich verlorengegangen; der Wahl־־ kämpf, wurde auch diesmal sehr leidenschaftlich geführt. Seihst der alte Gaon Chofez Chain! trat aktiv in dem Wahlkampf hervor, indem er die jüdische Wählerschaft ersuchte, speziell die Liste des gewesenen Senators und derzeitigen Wilnaer Rabbiners Rubinstein zu boykottieren. Er begründete seine Vorgangswcisc mit dem Umstand, daß Rabbiner Rubinstein durch die Verdrängung von Rabbi Chain! Oser Grodzenski vom Wilnaer Rabbinatssitz, die, der Thora gebührende Achtung verletzt hat. Der Auf־־ ruf des Chofez Chain! gegen Rabbiner Rubinstein war für den letzteren von geradezu katastrophaler Wirkung. Seine Kandidatur mußte fallen gelassen werden. Itn übrigen er־ hielten die zionistischen Senatskandidaten in den russisch־ polnischen Wahlkreisen, wo sie gemeinsam.mit der deutschen Minderheft gingen, 130.000 Stimmen (im Jahre 1928 230.000). Der agudistische Wirtschaftsblock erhielt diesmal 148.000 (im Jahre rp28 60.000) Stimmen, aber dieser gewaltige Vorsprung des Aguda־Wirtschaftsblocks reichte nicht hin, um einen selbständigen Kandidaten durchzubringen. So wird Senator Ascher Mcndelsohn der einzige Vertreter jüdischer Interessen im Senat sein. Im Sejm ist wohl die Situation nicht so tragisch, immerhin muß auch da die jüdische Vertretung im Hinblick auf ihre gewesene Stärke als sehr schwach •bezeichnet wer־־ den. Die Zionisten haben insgesamt 6 Abgeordnete, 2 aus .R u:s s i s c h#P o 1 e n: Jizchak Grünbaum (Warschau), Dr. Rosenbaum (Lodz) und aus Galizien 4: Dr. Thon (Krakau), Dr. Rosmarin (Stanislau), Dr. Sommerstein (Lcnfherg), Heller (Drohobycz). Der Aguda־Wirtscl1afts־ block .zählt 5 Kandidaten, und zwar: Oberrabbiner Aron Lewin •(Warschau), L. Münsberg (Lodz), W. Wislitzki, Minkowski (Warschau) und Ignaz Jäger (Lemberg). Insgesamt hat der AgudaAVirtschaftsblock 240.000 Stirn־ men zum Sejm (1928 170.000) erhalten, im neuen polni־ sehen Sejm wird es keinen jüdische n Pari a ment s־־' k 1 u b geben., da zur Bildung einer Fraktion zumindest 10 Abgeordnete (ein Minjan) notwendig sind. Da der Aguda־Wirtscl1aftsblock unter keinen Umständen mit Grünbaum gemeinsam gehen will, aber auch die zionisti# Eichen Abgeordneten aus Ostgalizien die Führung Grün# bnums ablehnen, so sieht man zurzeit keine Möglichkeit zur Bildung eines jüdischen Parlamentsklubs. Von be־ kannten früheren jüdischen Deputierten fehlen im neuen Parlament zunächst die M'israchisten F a 1־ b s t e i n, Rah# bincr Brod und Rabbiner Rubinstein, ferner der bekannte Dr. Wigotzki aus Wilna. In chassidisclien Kreisen gibt man ganz offen der Meinung Ausdruck, daß die Wilnaer Rab־־ biner, ,der gewesene Senator Rubinstein und der Wilnaer Rosch plakohal Wigotzki, nur dem Umstand ihren Sturz zuzuschreiben haben, daß sie Rabbi Chain! Oser Grodzen־ ski und in seiner Person die der Thora gebührende Achtung schwer verletzt haben. Wigotzki hat die Wahl Rabbiner Rubinsteins mit allen Mitteln forciert und Rab־ biner Rubinstein hat trotz des starken Protestes des Wilnaer Beth Din diese Wahl akzeptiert. Ans der Palästina-Debatte im Unterhaus Enttäuschung in zionistischen Kreisen Als besonders bemerkenswert heben wir einige Stellen der Itede Sir Herbert Samuels hervor. Er führte ungefähr aus: Es ist zu begrüßen, daß die Vertreter der Regierung sich entschieden zum Mandat bekannt haben, aber das Gesagte ändert wenig au der geschaffenen Situation. Die Balfour-Delclnration hat zwei Teile. Wenn die Bestimmung bezüglich der Wahrung der Interessen der niohtjüdischen Teile der Bevölkerung im Mandat nicht• enthalten■ wäre, wäre cs dennoch unabweislieh gewesen, sie bei dev Verwaltung Palästinas zu beachten. Würde cs darum gellen, die 600.000 Araber aus ihrer Heimat zu vertreiben, um Platz für das •jüdische Natiomilfieim zu schaffen, oder aber die Araber einem anderen Volke politisch zu unterwerfen, ihre heiligen Stätten dem Einfluß anderer zu unterstellen oder ähnliclies, dann wäre diese Politik durchaus falsch. Aber diese Politik wurde niemals beabsichtigt. Die Juden haben selbst jahrhunderteläng unter Unterdrückung gelitten und es wäre unfaßbar, 'wenn sie aus dieser Unter- {Irückung nichts anderes gelernt hätten, als wie mau sic ausübt. Als ich vor zehn Jahren nach Palästina geschickt wurde, war es meine Aufgabe, den Schutz der arabischen Interessen als integrierenden Bestandteil der Politik des jüdischen Nationalheims zu betrachten. Aber ist damit gesagt, daß das ganze Unternehmen unmöglich ist? Bedeutet die Anwesenheit einer Bevölkerung von 600.000, daß kein Platz für das jüdische Nationalheim, ist? Bei geeigneter landwirtschaftlicher und iudustrieiler Entwicklung kann Palästina in naher Zukunft eine Bevölkerung von zwei Millionen erhalten, und es besteht kein Grund, zu bezweifeln, daß das Land in, etwa einer Generation vielleicht drei Millionen erhalten kann. Die Anwesenheit dieser Bevölkerung darf nicht als ein absolutes Hindernis gegenüber dem überwältigenden geistigen und nationalen Drang unter 15 Millionen Juden in der ganzen Welt, eine Heimstätte in dem Lande, das ihre Vorfahren berühmt machten und von dem auf sie selbst das Licht. einer Besonderheit ־und Würde ausstrahlt, betrachtet werden. Wenn das jüdische Volk ein Nationalheim in Palästina wieder aufbauen will, so geschiebt das nicht aus einem unklaren Gefühl, alten Glanz wieder herzustellen, noch beruht es auf bloßen politischen oder ökonomischen Motiven, sondern es soll ein Antrieb für geistige und religiöse Kräfte sein, die lange Zeit teilweise brach lagen, aber nicht tot sind. Denken wir doch daran, daß auf den Flügeln Zions noch ■die Fackel des Geistes brennt, vielleicht trüb und schwach in diesen Tagen, aber wer kann wissen, ob sie nicht bestimmt ist, wieder aufzuflammen! und zum dritten Male die ganze Menschheit zu erleuchten. Bei der Be- 11 and hing־־ des Schicksals Palästinas rühren wir an die tiefsten Dinge. Sicherlich haben diese Ideen niemals einen bedeutenderen Führer als Dr. Weizmann erfüllt. Illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllltlllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllljlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllli Kunsricrabcnd 1 der | ch£leB*dae§$pe1s81ng § an der Talmud-Thora-Volks- und 1 Hauptschule, II, Malzgasse 16 — f§ Sonntag, den ersten Tag Chanuka, " 1 14. Dezember, 8 Uhr abends, im 1 Festsaale des Hotel Continental, f§ 11, Taborstr. 4. Erstklassige Kräfte. j Sichern Sie sich rechtzeitig eine §j Karte von S 10.- bis S 1.— in 1 allen jüdischen Buchhandlungen u. §j im Sekretariat, II, Leopoldsgasse 26. f§ Telephon R-45 4-94 j Als ich das Weißbuch mit dem Simpson-Bericht verglich, hatte ich den Eindruck, daß jemand den Auftrag erhielt, aus dem Simpson-Bericht alle Stellen Jievauszufischen, die eine Stellungnahme gegen־ die jüdische Ko- Ionisation ermöglichen. Die Regierung hat gesagt, sie wolle das Mandat aufrecliterhalten und das jüdische Volle solle seine Kolonisationsarbeit fortsetzen. Aber das Weißbuch besagt im Effekt, daß dies an zwei Bedingangen gebunden sein soll. Erstens sollen sie keinen Boden mehr bekommen und zweitens sollen sie keine Menschen mehr 11c rein bringen. Wenn man sich an das Weißbuch hält, muß dies zwei Konsequenzen haben. Die -erste wäre eine schwere Entmutigung der ganzen zionistischen Bewegung, die andere ein Aufhören der jüdischen Einwanderung. Das Schlimmste an den jetzigen Aendemmgen liegt durin, daß man in Palästina und anderen Ländern auf den Gedankeu kommen kann, Massakers seien ein Mittel, um Konzessionen durclizusetzen. Die Massakers von 1929 sind ein Schandfleck auf dem arabischen Namen, und wenn •sie sich wiederholen sollten und die arabischen Führer sie nicht verhindern, wozu sie zweifellos imstande sind, dann wird man die palästinensischen Araber iu eine niedrigere Zivilisationsstufe einreihen müssen als die, zu der ihre natürliche Begabung sie berechtigt. Ich bin überzeugt, daß die zwei Zwecke der Bulfour-Deklaration, das jüdische Nat-ionalheim und der Schutz der arabischen Rechte, nicht unvereinbar sind. Die Regierung muß eine Politik des Gleichgewichts treiben, aber nicht eine Politik des Schwankens. Palästina ist ein kleines Land, aber' es ,ist berühmt in der Geschichte der Welt. Es gibt kein beriihmteres. Sogar für die britische Krone, sogar für das britische Reich ist es eine Ehre und ein Ruhm, mit der Sorge für das Heilige Land beauftragt zu sein. Das Schlußwort für die Regierung־ hat der Marineminister Alexander. Wenn man — so führte er aus — alle vorgebrachlen Argumente für und -gegen zusammenfaßt, dann wird man sagen müssen, daß sich keineswegs eine starke Opposition seitens der Mehrheit -des Hauses in dieser Angelegenheit gegen die Regierung gezeigt hat. Kein Unparteiischer kann der Behauptung Lloyd Georges, das Weißbuch habe das Mandat zerrissen, zustimmen. Im Gegenteil, was die Regierung will, ist die Aufrechterhaltung beider Verpflichtungen, der Balfour- Deklaration und des Mandats. Die Regierung hat völlig klargestellt, daß sie nicht die Absicht hat, das jüdische Nationalheim in seinem gegenwärtigen Stadium erstarren zu lassen. Ich möchte mich vollinhaltlich den Worten der Bewunderung anschließen, die über die jüdische Leistung hier geäußert wurden. Ich glaube, diese Debatte war sehr nützlich, aber im großen und ganzen hat man wenig Sachliches gegen die Regiernngspolitik vorgebracht. Ich möchte nochmals betonen, daß wir innerhalb der Bestimmungen der Balfour-Deklnration und des Mandats ein großes Maß der Zusammenarbeit mit beiden Völkern wünschen. * Enttäuschung über die PaIästina־־Debatte 1m Unter־־ haus. (J. T. A.) In zionistischen Kreisen ist man über den Verlauf der Palästina־Debatte im Unterhaus ent? täuscht. Viele zionistische Führer haben ihrer Meinung dahin Ausdruck gegeben, daß die geplante Konferenz der Regierung mit Vertretern der Jewish Agency keine prak־־ tischen Ergebnisse zeitigen könne, solange das Weißbuch nicht zurückgezogen sei. Die Beratungen zwischen englischer Regierung und Jewish Agency eröffnet. Die Jewish Agency hat der in dem Kommunique des Ministerpräsidiums vom 14. November mitgeteilten Einladung der englischen Regierung zu Beratungen über unklare und strittige Punkte des Weißbuches Folge ge־־ leistet. Die erste Beratung der Regierungsvertreter mit den Vertretern der Jewish Agency hat bereits am Tage der Parlamentsdebatte über Palästina am Montag, den 17. November, nachmittags, im Gebäude des Kolonial* amtes stattgefunden. Den Vorsitz führte Außenminister Artur Henderson, die anderen Vertreter der Regierung in Was bieiet die führende Weltfirma Othmar Schiff Dülücn« Perücken? Wien I, Kärninerring 6 (gegenüber Hotel Bristol) 1. Modernste und individuellste Ausführung. 2. Tadellosen, mustergültigen Sitz. 3. Nur erste Qualität in Material und Arbeit zu mäßigen Preisen. Die Firma OTHMAR SCHIFF legt allergrößten Wert darauf, jede Kunde unter allen Umständen zufriedenzustellen. Setzen Sie sich daher, bevor Sie eine Perücke kaufen, in Ihrem ureigensten Interesse alt der Firm» OTHMAR SCHIFF ln Verbind .ogi

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