Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 46 (21.11.1930)
- Date
- 1930-11-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 JÜDISCHE PRESSE Seite 3 jlTschechoslowakeil Die Volkszählung. Die jüdische״ ״Nationalisten“ fahren in ihren Organen fort, die bevorstehende Volkszählung und ihre sehr nebensächlichen jüdischen Beziehungen zu einer den ' innersten Kern des tschechoslowakischen und universellen Judentums berührenden Aktion ersten Randes ’ aufzubauschen und sic für ihre jiidisch־natio־ nalistischen Bestrebungen agitatorisch auszuschroten. Von! orthodox*jiidischcn, beziehungsweise nichtziomsti־ sehen Standpunkt aus betrachtet, erscheint die ganze Angelegenheit in anderem Lichte. Die Volkszählung verfolgt bloß den Zweck, die statistischen Daten für die Beurteilung der Population unseres Staates zuverlässig um! wahrheitsgemäß zu sammeln. Das geschieht nach einem Schema, wie cs im großen und ganzen auf Grund eines i n t c r n a t i o n a 1 c n Uebereinkommcns festgesetzt wwde. Unter den Fragen, die auf den Zählblättcrn bc־ antwortet werden sollen, figuriert neben Namen, Gclmvts־ ort und ־jahr, Beschäftigung etc. auch die Zugehörigkeit zu einer konfessionellen Gemeinschaft und auch die nach der Nationalität. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nationalität ist real kaum wägbar und zählbar. Denn ,,Nationalität‘־' ist ein wissenschaftlich vollständig unge־ klärter Begriff und hängt noch viel mehr als die Zuges hörigkeit zu einer Konfession von der Gefühlswelt und der persönlichen Leidenschaft ab. Da aber die Nationalb täten frage in unseren Tagen zu einem politischen ״Stein des Anstoßes“ geworden ist nnd in den Staaten mit einer Bevölkerung, die von verschiedenen, einander oft entgegengesetzten nationalistischen und kulturellen Vellen täten beinflußt ist, dadurch aüch eine tatsächliche politische Bedeutung hat, so kann sie. wenn man absolut will und irgend ein Interesse an d c r A u f w ii 11 1 u n g de r ״nationalen“ Leidenschäften hat, dadurch hei einer Volkszählung zu einem ״Bekenntnis“ erhoben werden. Wir Juden sind an diesem Problem in keiner Weise beteiligt. Die Beziehungen der jüdischen Bevölkerung eines Staates zu ihren Mitbürgern wurden niemals in der mehr־ tausendjährigen Geschichte und werden auch heute in keinem zivilisierten Staate der Welt auf Grund irgendwelchen ״nationalen“ Bekenntnisses gemessen oder geregelt. Dazu dient ausschließlich das Bekenntnis zur jüdischen ״Religion“. Die jüdi־ sehen R e 1 i g i o n s ungehörigen werden gezählt und statistisch erfaßt. Das reicht vollständig aus für jeden, der Gutes im Schilde führt und das Judentum nicht in neue Miseren hineinzerren will. Was im Wesen des Judentums begrifflich mit ״nationalen“ und was mit ״religiösen“ Elementen zusammcnfällt und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, das ist eine rein innere Angelegenheit der Juden unter sich und geht weder den Staat, noch irgend eine andere Bevölkerungsgruppe, am allerwenigsten aber die Volks־ Zahlung etwas an. Für unsere Mitbürger und für den Staat sind wir ganz bestimmt Juden, jüdischen Religions־ Bekenntnisses, weiter nichts. Gerade weil die Feststellung der Nationalität für statistische Zwecke fast unmöglich ist und weil ein ״Bekenntnis“ mit politischem Hintergrund eine sehr labile Sache ist, hat das Gesetz festgesetzt, daß an Steile eines s tiinmungsgemäßen ß e k e n n t־ nisses einzig und allein die Muttersprache als Zähler der ״Nationalität“ eingesetzt wird. Welche seine ״Muttersprache“ ist, das weiß im allgemeinen ein jeder. Die Statistik hat dadurch auch in der ominösen Frage nach der Nationalität eine feste und real fest zu־ stellende Basis. Nun haben wir aber hier in der tschecho־ .slowakischen Republik zu unserer unendlichen Wonne eine Anzahl von modernen jüdischen Politikern, die mit ihrem bißchen ״Judentum“ auch bei der Volkszählung etwas Besonderes anfangen möchten, etwas, worauf ihre Ahnen nicht gekommen sind. Sie erfanden also die jüdische ״Nationalität“ als Zählposten bei der Volks־ zähiung und stellen die Sache so dar, als’ ob die Rubrik ״Nationalität“ die Stelle wäre, wo der Jude sein Be־ lcenntnis ־zur Zugehörigkeit zum Judentum zu erklären hätte. Sie erwähnen in ihren Aufrufen und Agitations־ Schriften mit keiner Silbe, daß dazu die Rubrik ״R e t! ו g i o n s b e k e n n t n i s“ bestimmt sei. Daraus geht klar hervor, worauf es hei ihnen hinaus soll! Deshalb haben sie es auch durchgesetzt (weshalb hätte ihnen der Staat das Vergnügen nicht machen sollen?!), daß die Juden,• wenn sie gerade wollen, sich im Gegensatz zur gesamten Bevölkerung nicht nur nach Mutter־ spräche, sondern nach irgend einem — nur der tiefen Weisheit unserer jüdischen ״Nationalitäten“ erschlossenen — anderen dunklen Prinzip zur Rubrik ״Nationalität“ ■orientieren könne n. An diese merkwürdige Erlaubnis, die wir nicht benötigen und um die die eigentlichen, uneingeschränkt Spendet für den Uergarten id Jessode Hora der Adas Jisroel, Wien, II., Nestroygasse 11 ganz im historischen Judentum lebenden Juden niemals nachgesucht haben, knüpfen nun die jüdisc.h־nationalisti־ sehen Agitatoren anläßlich der Volkszählung eine Menge der schönsten Schlagvvörtcr von ״Selbstbcwustsein“, ״Stolz“ etc. etc., die man schon längst gebührend cinzu־ schätzen weiß. Für diejenigen, die es noch nicht wissen sollten, sind die obigen Zeilen bestimmt als Ergänzung zu dem, was ich in der vorigen Nummer zu diesem Thema geschrieben habe. Jacob Joel Braun. Entwicklungen. Von Eugen Liebermann, Kosice. Vorbemerkung der Redaktion: Wir veröffentlichen die nachfolgenden, noch ein wenig ungelenken Ausführungen eines offenbar geistig Aufstrebenden aus den Kreisen der orthodoxen Jugend in der Slowakei. Aus diesen Gedanken spricht deutlich die Scclennot, in der sich unsere Jugend befindet. Diesen Menschen zu helfen, ist ein dringendes Gebot der Stunde. Der Ruf der ovtho־ doxen Jugend unserer Zeit an die Führer wird auch hier'in der Slowakei immer lauter und dringen־ der. Es gibt, G־tt sei Dank, immer noch eine Jugend, die sich in Thoratreue bewähren möchte. Sie steht aber führerlös da. Diejenigen, deren heiligste Pflicht es ist, Führer zu sein, sollten' doch endlich auf den Appell der Jugend horchen. Sic sollten sich doch endlich aufraffen und eine Jugend nicht enttäuschen, die treu zu רה ID ומצות hält. Wir fürchten, die geistigen Gegensätze unserer wcgvcrlorencn Generation könnten VT1 in der heranwachscnden Generation unwiederbringlichen Schaden anrichten, wenn die jetzt in unserem ortho־ dox־j״tlischcn Leben allenthalben vorherrschende opportune Flachheit noch lange anhält. Das heiligste geistige und moralische Interesse unserer Zukunft verlangt heute mehr als jemals klare orthodoxe Prinzipien und strenge Weg־ r i c h t u n g. Jede schwächliche Wankelmütigkeit und jede gewollte Unklarheit ist Sünde w i d er die W a h r h e i t und Frevel an der Jugend. J. J. B. Die zwölf Jahre nach dem Weltfriedenschluß brachten eine Reihe von humanen Einrichtungen. Schutz der nationalen Minderheiten, Völkerbund, der Ruf nach allgemeiner Abrüstung und die Idee von den Vereinigten Staaten Europas sind durchwegs Schöpfungen unserer Nachkriegszeit. Die vielen Millionen Kriegsopfer haben scheinbar die Menschheit eines Besseren belehrt. Anstatt des Waffenhandwerks sollten die friedlich schaffende Güter־ Produktion, die freundlichen Beziehungen zum Auslande dem Staate festen Bestand sichern. Es sollte nicht mehr Schlacht geführt werden mit Feuer und Eisen. Die Inter־ essenlcreuzungcn zweier Staaten sollten auf dem Wege des diplomatischen Verkehres geordnet werden. Die Ge־ schichte sollte von nun an einen neuen Entwicklungsgang nehmen. Das Messen der Kräfte um die Sicherung und Erhaltung des friedlichen Wohlstandes sollte in der Zu־ kunft die Geschichte verbildlichen. So dürfte man wenig־ stens glauben. Illusionen der sich nach Ruhe sehnenden, müden Menschheit! Im zwölften Jahre des Friedens sind unsere Gemüter erregter denn je. Die alte Weltordnung ist in die Luft gesprengt. Die neuen Systeme scheinen sich nicht zu bewähren. Wohl sind neue Städte wie von der Erde emporgewachsen, man spricht von einem ungewöhnlichen Fortschritt der Kultur und der praktischen Wissenschaften, doch stehen wir vor der Gefahr des Zusammenbruches ohnmächtiger denn je. Man unternimmt alles, um das Ver־ sagen der neuen Einrichtungen zu verschleiern. Neue Theorien werden publiziert, täuschende Schlagvvorte ge־ schmiedet. Und dennoch kann man die soziale Krise in ihrem Fluge nicht hemmen. Sie ist zu einer wandernden Länderplage geworden und rennt unaufhaltsam, wie ein apokalyptischen Reiter, durch die Welt. Stockung des Weltmarktes, Börsenkrach und Zollkriege verhindern einen regelmäßigen Warenaustausch der in ihrer Wirtschaft auf־ einander angewiesenen Völker, bewirken Schwierigkeiten internationaler Natur. Es ist nur selbstverständlich, daß diese Zustände ־ keinen, gesunden Boden bilden für die Entwicklung von Menschenseelen. Die krankhaften Verhältnisse wirken sich allzuoft in der eminenten Bildungsstätte der Individualität, im Elternhause, schon in der Weise aus, daß die ersten Keime der seelischen Zwiespältigkeit dort ihren Ursprung nehmen. Die früher allgemeingültigen Anschauungen ver־ schwinden allmählich, alles wankt, alles wird relativ. Das jüdische Individuum wird von diesen Erscheinungen stark beeinflußt. Mit packender Trefflichkeit betrachtet ein jüdischer Philosoph die beiden Namen des jüdischen Menschen, den jüdischen und den bürgerlichen, als die Versinnbildlichung der schweren Doppelentwicklung, die jeder einzelne Jude zu nehmen braucht. Um den Anforde־ rungen des Kampfes um die Existenz gerecht zu werden, muß man in sich Kulturelemente von entgegengesetzter Richtung aufnehmen, die einen unvermeidlichen Gärungs־ prozeß in der Seele hervorrufen. Mit dem Ausgange dieses Prozesses wird die Treue oder Untreue der jüdischen Seele zu ihrem G־tte entschieden. Ein harter Kampf oft gar mit ungleichen Waffen. Ist’s ein Wunder, daß man oft das Gleichgewicht verliert, daß man anstatt des Fort־ schreitens oft dem Untergang entgegeneilt? Hüten Sie sich vor Erkältung! Erkältungs krankheiten begegnen Sie am besten durch Abhärtung Ihres Körpers und Hebung seiner Widerstandsfähigkeit gegen Einwirkungen des beson־ ders im Herbst und Winter, sehr oft eintretenden, jähen Wetterwechsels Abhärtung geschieht am besten durch tägliche Massage mit dem Menthol־ F r anzbr anntwein ALFA Alpa—Ihre Gesundheit! Vor allem ist Selbsthilfe geboten. Der Seele eines jeden schwebt ein Ideal des Guten und Erhabenen vor. In der Brust eines jeclei^ regt sich das Verlangen nach Redlichem und Edlem. Nicht jedem aber enthüllt sich das Idealbild in gleicher Schärfe. Trotzdem behaupten wir mit aller Entschiedenheit: Wie verschwommen auch die Um־ risse unserer inneren Sehnsucht uns erscheinen mögen, dürfen wir unsere hingebungsvolle Pflege ihnen nicht ent־ ziehen. Denn nur die unserem Geiste vorschwebendc Idee des Vollkommenen wird uns zu vollwertigen jüdischen Menschen erziehen. Die innere Sehnsucht zu erkennen verniögen wir aber nur mit Hilfe der Tauroh. Mit dem Eindringen in ihre Quellen erfahren wir das Ziel und den Zweck des jüdischen Seins und Sollens. Neue Perspektiven öffnen sich uns in der Betrachtung der Dinge, die unserem Wesen am besten Zusagen. Ein jeder Buchstabe der Tauroh — so lehren unsere Weisen — bildet die Wurzel einer jüdischen Seele. Welche Frische und Lebensfähigkeit müßten wir also erlangen durch die stetige Berührung mit unserem Stamme. Vor der unumstößlichen Autorität der Wahrheit müssen wir uns ergeben, auch wenn ihre Er־ kenntnis uns schmerzt. Haben wir einmal eine Wahrheit mit dem Herzblut erkauft, so mag uns diese Tatsache mit Freude und Trost erfüllen. Fortan arbeiten wir mit unermüdlichem Elan an der Entwicklung unserer mit der Tauroh sich im Einklänge befindenden Lebensanschauung, damit unser Leben einen befriedigenden Inhalt gewinnt. Nur durch die Rückkehr zu ihrem Stamme nimmt unsere Individualität ihre naturnotwendige Entwicklung. Unser gutgemeinter Rat geht also mit einem Worte dahin, daß jeder, der wahrnimmt, daß der Gang seiner Lebensver־ hältnisse sich in falschen Geleisen bewegt, mit heroischer Kraft in denselben eingreife und ihn zu seinem Wohle ge־ stalte. Er muß sich vor Augen halten, daß die von der Natur verliehenen Gaben nur eine sekundäre Bedeutung haben; primär ist die Einsicht, die zur Tat spornt. Wir a p p e 11 i e r e jjjjji־■ a n die maßgeben d.c n Kreise, in deren Macht die Abstellung 1!!dieser Krise liegt, ,daß sie dem irrenden Geiste der ״Erwachsenen“ mehr Verstand־ nis entgegenbringen und schließlich mit dem Wunsche: ״Es möge die Finsternis dem Lichte weichen und die neuaufgehende Sonne siebenfach in ihrem Strahle er־ glänzen wie das Licht der sieben Tage.“ Hilfe für Borsa! Wir lenken die Aufmerksamkeit unserer Leser auf unsere heutige Beilage uqd bitten auch unsererseits, den unglücklichen Brüdern in der Not beizustehen. Spenden über tsch. K 20.— werden in den jüdischen Zeitungen quittiert. Man bediene sich bei Geldsendungen der bei־ liegenden Einzahlungsscheine der Jüdischen Kredit־ Genossenschaft m. b. H, in Bratislava, Post־ scheckkonto Praha Nr. 46.746. JEDE ARBEIT, sei es nun geistige oder körperliche, ermüdet. Dauernde Frische und Lust zur Arbeit verbürgt Ihnen Massage mit MenthoBFranzbranntwein Alpa, da dieselbe Ihren Blutkreislauf beschleunigt. Verlangen Sie Alpa nur in Flaschen mit unverletzter Plombe. Jüdische ״Nationalität44 der Preßburgej* Aerzte. Ein zionistisches Organ beklagt sich wehmütig darüber, daß unter 97 Aerzten jüdischer Kon־ f e s s i o n, die auf dem Gebiete der Stadt Bratislava ihre Praxis ausüben, laut dem Amtsblatt der Stadt nicht ein einziger als jüdischer ״Nationalität“ ein־ getragen ist. Wir begreifen die Verlegenheit der zionisti־ sehen Zeitung bei dieser Feststellung gerade jetzt inmitten der Hochflut der zionistischen Propaganda für einen jüdi־ sehen ״Nationalismus“. Diese Feststellung wirkt auf die jüdischen ״Nationalisten“ um so deprimierender, als cs unter den Aerzten in Bratislava bekanntlich eine recht große Anzahl Zionisten gibt und unter ihnen einige sogar in führend• zionistischer Stellung von strotzendem ״jüdisch*