Jüdische Presse
- Journal
- Jüdische Presse
- Volume
- 16 (1930)
- Issue
- 42 (24.10.1930)
- Date
- 1930-10-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 42 JÜDISCHE PRESSE Seite 5 tionellen Rechte und die ungeschmälerte Freiheit, in hingebungsvoller Treue zu seinen religiösen Traditionen Gott zu dienen und die soziale Wohlfahrt der Menschheit und ihre sittliche Entwicklung nach den Lehren unseres Glaubens zu fördern. Wir sind glücklich, dies auch heute als Zeichen unserer Dankbarkeit {vor Jfknen, Herr Präsident, feststellen zu dürfen.“ Herr Präsident Masaryk war von der Begrüßung sichtlich erfreut und antwortete der Deputation ausführlich auf die Ansprache etwa folgendes: ״Ich danke Ihnen, meine Herren, daß Sie gekommen sind, mich auf so liebe und freundschaftliche Art zu begrüßen. Ich brauche Ihnen gewiß nicht zu wiederholen, was ich schon öfter Gelegenheit hatte, Ilrnen (zu Oberrabbiner Weber gewandt), Herr Oberrnbbiner, zu sagen, daß ich den Prinzipien, zu denen ich mich bekannte, bevor ich Präsident war, auch als Präsident treu bleibe. Ich kenne die Arbeit und die Bestrebungen Ihrer Konfession und unterstütze sie gern. Der Erfolg hängt allerdings auch von Ihrer Mitarbeit mit den Bürgern dieser Stadt und des Staates ab. Dann werden Sie auch׳ an Ihr Ziel gelangen. Sie können auf mich rechnen.“ Sodann wurde unter Führung des Herrn Dr. Viktor Stein eine Deputation der Bratislavaer Neologengemeinde und des Landesverbandes der neologen Gemeinden ״Jeschurun“ vom Präsidenten empfangen. Auch Herr Dr. Stein huldigte in seiner Ansprache dem Präsidenten als weisem Staatslenker und Beschützer der Gerechtigkeit. Er sagte Presseberichten zufolge u. a.: ״An die Spitze unseres Staates stellte die gütige Vorsehung ׳Herrn Präsidenten, den unermüdlichen Vorkämpfer der Menschenrechte und unersührodkenen Beschützer unseres viel verfolgten Stammes. Mannigfache Geschehnisse tausendjähriger Geschichte lehrten uns Juden, still zu leiden, berechtigen uns aber auch, uns hell zu ׳freuen.“ Herr Dr. Stein schloß mit den Worten*. ״Was der!Professor einst verkündete, der!Prüsident — treu sich und uns — hält es.“ Herr Präsident Masaryk gab darauf folgende scharf pointierte, aufsehenerregende Antwort, die seither in allen Kreisen viel erörtert wird: ״Herr Vorsitzender! Sie sprachen davon, daß Sie im stillen leiden, daß Sie jedoch Geduld haben. Geduld ist vonnöten. Leiden ist heute nicht nötig. S i e h a h en nicht ׳zu leide n, wie kein anderer!Bürger, möge er ■welcher ׳Nation immer angehören. 'Hier ist eine demokratische (Republik, die die ׳Freiiheit der ilJeberzeugung, die 1Freiheit xler .Arbeit sichert, und iah wünsche Ihnen nur, daß wir alle zusammen trachten mögen, das zu erreichen, was wir uns alle wünschen: ein anständiges Leben und F reiheit.“ ,Ach!will an das anknüpfen, was Sie im deutsehen Teil Ihrer Ansprache sagten:!Professor und Präsident! Ich weiß selbst niaht, bin ich Professor oder Präsident. Präsident, oder Professor, hier ׳sehe ich keinen Unterschied und finde auch keinen Unterschied in meinen Ansichten. Was immer ich tat, tat •ich deshalb, weil dies und jenes meine Pflicht;war. ׳Und so ■will!ich auch in Zukunft hin vorgehen, um zu erreichen, was erreicht ׳werden kann, wonach sich jeder anständige Mensch sehnt.“ Auch beim Empfange der Vertretung der Stadt Bratislava war unter den Rednern ein Jude, der Vertreter der ״Jüdischen Partei“ im Stadtrat, Herr Dr. Sipos, zu Worte gekommen. Er sagte: ״Herr Präsident! Wir bekunden unsere unermeßliche Liebe und Achtung ■zu Ihnen. Aber nicht einmal diese Liebe und ׳Achtung können als!bloße Pflichterfüllung betrachtet werden, da ■doch diese auf dem durch ilihre kluge und demokratische Staatsifühvung herbeigelführten Kontakt mit Ihnen einerseits und mit allen!Bewohnern unserer tschechoslowakischen iRepublik andererseits basiert. loh betone dabei, daß •wir Juden diese unsere Liebe und Achtung in gleichem!Maße als Masaryk dem Menschen zollen, dem Menschen, der wie kein;zweiter den Geist ■der jüdischen Nation begriff, ihn verstand und dessen gerechter Beschützer wurde Barucli haba . . . Gesegnet sei dein Eintritt.“ Der Präsident antwortete: ״Herr Stadtrat! Ich danke Ihnen und allen ,Ihren Glaubens-!genossen. Ueber mein Verhältnis ׳,zu Ihnen wurde oft ׳gesprochen. Ich bleibe nicht gerne nur bei Worten.!Ich bin ein ׳Freund der Arbeit und Sie wissen, daß ich ׳für Sie getan habe, was sich tun läßt. Ich!bleibe den Grundsätzen treu, die ׳ich praktiziert halbe, und seien •Sie versichert, daß es in einer demokratischen Republiik auch Ihnen gut gehen wird.‘ Jüdisches Brot! Erstklassig und billig bei Lederer &Kohn, oamotbäckerei II, Cr. Schiffgasse 16 fl, HoflandstraRe 7 Telephon A-41-4-45 Telephon R-47-4-95 WEISS., FEIN. UND MILCHGEBACK Scholetsetzen: II, HollandstraBe 7 V81 kaufsstelle tur den 9. Bezirk: IX, Glaseigasse 10, Telephon A-10-6-50 Der menschliche Organismus ist zur Herbstzeit empfänglicher gegen Erkrankungen als sonst. Schnupfen, Katarrhe, Influenza sind an der Tagesordnung. Beugen Sie ihnen vor und härten Sie Ihren Körper ab durch tagliehe Massage mit dem ALP A Franzbranntwein. Er wirkt wohltuend auf den Blutkreislauf, stärkt den Organismus und macht die Haut gegen Erkältungen widerstandsfähiger. Alpa ־ Ihre Gesundheit! Am Nachmittag־ desselben Tages führte Herrn Präsidenten Masaryk sein Weg durch clie Judeng a s s e und Schloßstraße, u. a. auch an dem J e s c h 1 w a h a u s, der berühmten ״Schiurstube“, und dem großen orthodoxen Tempel vorbei. Die gesamte jüdische Bevölkerung, alt und jung, Männer, Frauen und Kinder, war auf den Beinen. Die Kinder aller Schulen zogen unter Führung ihrer Lehrer aus. Am Fußstege der herrlich, dekorierten Straßen staute sich die Menge in dichtem Spalier und jubelte dem Präsidenten begeistert zu. Besonders schön war die Schiurstube mit Thoravorhängen und patriotischen Emblemen geschmückt und mit zahlreichen in den nationalem. Farben leuchtenden Lampen illuminiert. Vor dem an der Front ebenfalls mit Trikoloren und reichbestickten Vorhängen geschmückten Tempel nahmen unter einem Traubaldachin die Mitglieder des Rabbinates unter Führung des Herrn Oberrabbiners Schreiber und mit ihnen die Gemeindeleitung Aufstellung. Die Rabbiner hielten Thorarollen im Arm. Viele jüdische Vereine, Institutionen usw. und eine große Volksmenge standen zu beiden Seiten der Straße. Als Herr Präsident Masaryk hier sehr langsam vorbeifuhr, ertönte ein tausendstimmiger Freudenruf durch die Straße zum Gruße. Der Präsident dankte nach allen Seiten für die eindrucksvolle Ovation. Die Tage, die Herr Präsident Masaryk in Bratislava weilte, werden auch den Juden freudige Erinnerungstage bleiben. Einweihung des Bratislavaer Aguda- Heims. Sonntag, den 27. Tischri, fand das zehnjährige Jubiläumsfest und die Einweihung des neuen Heims der Bratislavaer Aguda*Jugendgruppe unter imposanten Feier* lichkeiten statt. Ausführlicher Bericht in der nächsten Nummer. Piestanyer Ortsgruppe der ״Machsike Jeschiwoth“. Im Piestanyer Beshamidrasch fand eine von Seiner Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Weber einberufene, stark besuchte Versammlung statt, an der sämtliche בני תורה der Gemeinde teilnahmen. Der ehrwürdige Ein* berufer legte in einer schwungvollen Rede die dringende Notwendigkeit zur umfassenden Unterstützung der not* leidenden Jeschiwoth im Lande dar und forderte die Er* schienenen auf, eine Piestanyer Ortsgruppe des neu# gegründeten Vereines ״Machsike Jeschiwoth“ ins Leben zu rufen. Die Versammelten gaben dieser Anregung Folge und konstituierten auch sogleich die Ortsgruppe. Sie be# schlossen auch, dem Verein alljährlich mindestens 5000 tsch. K unter der Bedingung abzuführen, daß in Piestany künftighin für einzelne Jeschiwoth nicht mehr gesammelt werde. Ferner wird verlangt, daß sämtliche Spenden in der ״Jüdischen Presse“ ausgewiesen werden. In den Vorstand der Ortsgruppe wurden die Herren Salomon Großmann, Jeremias Stern, Bezalel Link, Moses Nagel und Aron Wäldler (Kassier) gewählt. Eine Cliasam Sofer-Gasse in Bratislava. Auf Anregung der Jugendgruppe der A g u d a s J i s r o e 1 und über einhelligen Vorschlag der Kultur׳־, kommission faßte der Stadtrat von Bratislava in seiner Stzung vom 19. Oktober den einstimmigen Beschluß, der neuen Straße zwischen der Schloßstraße und dem neu# erbauten ״Edlhof“ den Namen Chasam־Sofer־Gasse zu geben. In dieser Straße befinden sich verschiedene historische jüdische Sehenswürdigkeiten der Stadt, so z. B. das alte Wohnhaus des Chasam Sofer mit seinem Beshamidrasch und der Mikwa des Rabbi Me־j schullam Tysmenitz, der alte Tempel und anderes. Diese Straßenbenennung ist gewiß ein erfreuliches Zeichen der allgemeinen Würdigung, die der große Rabbiner Preß# burgs und sein epochales Geisteswerk auch in der nicht# jüdischen Bevölkerung von Bratislava genießt. , Das neuerrichtete Heim der Agudas־JisroeI# Jugendgruppe befindet sich ebenfalls in dieserStraße. Rabbi Arje Leb Podrub צל"?♦ Auf tragische Weise hat das orthodoxe Judentum einen hervorragenden □תלמיד ח(י und צדיק חמים ver־ loren. Rabbi Arje Leb Podrub ץצ»ל wollte in der Slowakei nur vorübergehend weilen und fand in Bratislava auf dem orthodoxen בית עלכן ן seine Grab# Stätte. Er kam aus Litauen als Sendbote der bekannten Jeschiwa (Kolel)״K e n e s s e s Jisroel“ in Kowno# Slobodka in die slowakischen Gemeinden. In seiner Heimat und über ihre Grenzen hinaus war er als be# deutender Talmid Chochom und edler Mensch bekannt, der sein ganzes Leben dem überlieferten Judentum und der Erforschung seiner Lehre gewidmet hat. Er stammte aus M e r c d z und war in A 1 i t a u s W e s t als Rabbiner* Stellvertreter tätig. In den hervorragendsten talmudischen Zeitschriften begegnete man zahlreichen Abhandlungen aus seiner Feder. Er verfaßte auch bedeutende Werke, die nur zum Teil im Druck vorliegen. Während des letzten ראש השנה weilte er in Bratislava und gewann sich bald durch seine tiefe Frömmigkeit und die vornehme Art seines Auftretens die Smpathien aller, mit denen er in Berührung kam. Von hier reiste er nach Nove Zamky. Dort befiel ihn eine Blinddarmentzündung. In der Nacht vom שבת חיה״מ סכות sollte er von dort in ein Brati־ slavaer Krankenhaus geleitet werden. Im Eisenbahnzug ereilte ihn jedoch der Tod, fern von den Seinigen, in fremdem Lande. In Bratislava wurde er unter großer Teilnahme am הושענה רבן־ן z״ Grabe getragen. Er er* reichte ein Alter von 48 Jahren und hinterläßt eine Witwe mit fünf unmündigen Kindern. חנצב״ה. BarwizwasFeier in Trnava. Am ש״ק 0׳ בראשיח wurde im Hause des Herrn Gemeindepräses Hermann Koth in Trnava die Barmizwa*Feier seines Sohnes Jecheskel Mordechaj bei Beteiligung der ganzen Gemeinde festlich begangen. Nach der wohlgelungenen Droschoh der Bar* mizwa hielt Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Un g ar eine eindrucksvolle Rede. Herr Oberkantor Leimsieder hob die Feststimmung mit seinen Gesängen. Gastrede in Nitra. Herr Rabbiner Chajim M e i s 1 i k aus Bratislava weilte über שבת חיה״מ סכות *n Nitra. Die agile Leitung der A. J. J. benützte die Gelegenheit, ihn zur Abhaltung, eines Vortrages im Agudalokal der Jugendgruppe zu gewinnen. Herr Rabbiner Meislik hielt das Auditorium ungefähr eine Stunde in begeisterter, ge* spannter Stimmung und erntete frenetischen Beifall. Sind Sie geistig oder körperlich ermüdet? Massieren Sie Ihren Körperl Dies geschieht am erfolgreichsten mit unverdünntem Mentholfranzbranntwein ״Alpa“. Eine solche Massage verbessert den Blutkreislauf, stärkt die Muskeln und erfrischt die Nerven. Mentholfranzbrannt# wein ״Alpa“ ist für geringes Geld überall erhältlich. Hausmittel für Zuckerkranke, von der Naturheillehre sehr empfohlen, ist ״B e t k r a u t“, das jede Apotheke führt. Landeszentrale ״Schomre Schabbos“, Stellenvermittlung der Agudas#Jisroel־Jugendgruppen Bratislava, ״Edlhof“. Offene Stellen: Lehrling für Lederhandlung (Nitra), Lehrling für Talleserzeugung (Nitra), Köchin (Trnava), Köchin (Senica), Lehrling für Spezerei und Kolonial* waren (Trnava), Schneiderlehrling (Bratislava), Lehrling für Schnittwaren (Trnava), Lehrling für Konfektion (Bratislava), Lehrling für Schnittwaren (Trnava), drei Kommis für Schnittwaren (Trnava), Lehrling für Glas# und Porzellanwaren (Trnava), Bäckermeister mit Ge* werbeschein) Stupava. Wir suchen Beschäftigung für: 1 Kolonialwaren־ kommis (drei Sprachen) mit Praxis; 1 Konfektionskommis (drei Sprachen) mit sechs Jahren Praxis (kann sofort ein# treten), 1 Kindermädchen zu einem Kind oder in Ge* schäft; 3 Spezereikommis; 2 Eisenhandlungskommis (drei Sprachen); 1 Hauslehrer, eventuell Büropraktikanten; 2 Schneidergesellen; 4 Stenotypistinnen; 3 Buchhalter (bilanzfähig); 2 Büropraktikanten; 2 Hilfsarbeiter; 1 Schuh* warenkommis (drei Sprachen); 2 Reisende oder Maga* zineure; 1 Kommis für Modewaren; 1 Chauffeur, 1 Zahn* technikerin und Assistentin. Amtsstunden: Montag und Mittwoch von 8 bis 9 und Samstag von 7 bis 8 Uhr. Briefe ohne Rückporto werden nicht beantwortet. 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Gefl. 5 S Zuschriften unter ״Gemeinsames Schaffen“ an die 2 2 Bratislavaer Administration dieses Blattes. 2?HIIIIIIIIUlIlllIlllllIIlllllllllllllllllllllIllIIllllHIlIIÜlllllllim?